Klassenspace

Chromatographie – Stoffe trennen einfach erklärt

Chromatographie ist ein Trennverfahren, mit dem du ein Gemisch aus mehreren gelösten Stoffen in seine einzelnen Bestandteile auftrennst. Das Verfahren nutzt aus, dass unterschiedliche Stoffe unterschiedlich stark an einem festen Material haften und deshalb verschieden schnell mit einem Laufmittel wandern. In dieser Lektion lernst du die Papierchromatographie, den Rf-Wert und typische Anwendungen wie die Trennung von Farbstoffen kennen.

  • Fach: Chemie
  • Klasse 9
  • Thema: Stoffe und Eigenschaften
  • Dauer: 18 Min
  • Niveau: Mittel
1

Was Chromatographie ist

Chromatographie ist ein physikalisches Trennverfahren, mit dem du Gemische aus mehreren gelösten Stoffen auftrennst, ohne die Stoffe chemisch zu verändern. Der Name kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Farbe schreiben“, weil das Verfahren ursprünglich zur Trennung von Pflanzenfarbstoffen entwickelt wurde. Heute wird Chromatographie in Schule und Forschung genutzt, um herauszufinden, aus welchen Einzelstoffen ein Gemisch besteht.

Das Grundprinzip beruht auf zwei Phasen: einer stationären Phase, die feststeht, etwa das Papier oder eine Kieselgelschicht, und einer mobilen Phase, dem sogenannten Laufmittel, das sich durch die stationäre Phase bewegt. Gelöste Stoffe werden dabei unterschiedlich stark von der stationären Phase festgehalten und deshalb unterschiedlich weit vom Laufmittel mitgenommen.

Ein typischer Fehler ist zu glauben, alle Farbstoffe in einem Gemisch würden gleich schnell wandern. Tatsächlich hängt die Wandergeschwindigkeit von der chemischen Struktur jedes einzelnen Stoffes ab: Manche Moleküle binden stärker an das Papier und bleiben nah an der Startlinie, andere werden vom Laufmittel fast vollständig mitgerissen.

2

Chromatographie: Papier- oder Dünnschichtverfahren?

In der Schule wird meist die Papierchromatographie eingesetzt, weil sie ohne teure Geräte funktioniert und gut sichtbare Ergebnisse liefert. Als stationäre Phase dienen die Zellulosefasern eines saugfähigen Filterpapiers, an denen sich die gelösten Stoffe unterschiedlich stark anlagern.

Im Labor wird häufiger die Dünnschichtchromatographie verwendet, bei der eine dünne Kieselgelschicht auf einer Aluminium- oder Glasplatte als stationäre Phase dient. Sie liefert schärfere Trennungen in kürzerer Zeit und wird zum Beispiel bei Dopingkontrollen oder in der Wirkstoffanalyse von Medikamenten eingesetzt.

Papierchromatographie

Einfache Trennung von Farbstoffgemischen im Unterricht.

Beispiele

  • Trennung von Filzstiftfarben
  • Nachweis von Blattfarbstoffen
  • Trennung von Lebensmittelfarbstoffen

Signalwörter

  • Stationäre Phase ist Filterpapier
  • geringer Geräteaufwand
  • Trennung dauert eher lange

Dünnschichtchromatographie

Feinere Trennung mit höherem Auflösungsvermögen im Labor.

Beispiele

  • Dopingkontrolle im Sport
  • Prüfung von Arzneimittelreinheit
  • Analyse von Pflanzenextrakten

Signalwörter

  • Stationäre Phase ist eine Kieselgelschicht
  • schnellere, schärfere Trennung
  • Auswertung oft unter UV-Licht
Papier- und Dünnschichtchromatographie nutzen dasselbe Trennprinzip mit unterschiedlicher stationärer Phase.
3

Rechenbeispiel: Rf-Wert eines Farbstoffs bestimmen

Berechne den Rf-Wert eines Farbstoffflecks, der bei der Papierchromatographie 4,5 cm von der Startlinie gewandert ist, während die Laufmittelfront 9 cm zurückgelegt hat.

Gegeben:

  • Laufstrecke des Farbstoffs: 4,5 cm
  • Laufstrecke des Laufmittels: 9 cm

Gesucht:

Rf-Wert des Farbstoffs

Lösung:

  1. Der Rf-Wert ist definiert als Verhältnis aus der Laufstrecke des Stoffes zur Laufstrecke des Laufmittels: Rf = Laufstrecke Stoff/Laufstrecke Laufmittel.
  2. Einsetzen der gegebenen Werte: Rf = 4,5 cm/9 cm.
  3. Kürzen des Bruchs ergibt Rf = 0,5.
  4. Der Rf-Wert liegt immer zwischen 0 und 1 und ist für einen bestimmten Stoff bei gleichem Laufmittel und gleicher Temperatur charakteristisch.

Der Rf-Wert des Farbstoffs beträgt 0,5. Mit diesem Wert lässt sich der Farbstoff unter gleichen Bedingungen wiedererkennen und mit bekannten Vergleichssubstanzen identifizieren.

Bei der Papierchromatographie wandert das Laufmittel am Papier nach oben und trennt die Farbstoffe.
4

Typische Fehler bei der Chromatographie

Ein häufiger Fehler beim Experimentieren ist, den Farbpunkt zu groß oder zu tief aufzutragen, sodass er direkt im Laufmittel liegt. Berührt der Startpunkt das Laufmittel, löst sich der Farbstoff sofort im Gefäß auf, statt am Papier nach oben zu wandern, und das Ergebnis wird unbrauchbar.

Ein zweiter Fehler ist, den Rf-Wert nicht ab der Startlinie, sondern versehentlich ab dem unteren Papierrand zu messen. Da die Startlinie erst einige Zentimeter über dem Rand gezogen wird, verfälscht dieser Messfehler das Ergebnis erheblich.

Ein dritter Fehler betrifft den Vergleich verschiedener Chromatogramme: Der Rf-Wert ist nur dann vergleichbar, wenn Laufmittel, Papierart und Temperatur bei allen Versuchen gleich sind. Wird ein anderes Laufmittel verwendet, ändert sich der Rf-Wert desselben Stoffes deutlich.

5

Alltagsbezug und Laborsicherheit bei der Chromatographie

Chromatographie begegnet dir öfter, als du denkst: Filzstifte enthalten meist keine reinen Farben, sondern Mischungen mehrerer Farbstoffe, die sich per Chromatographie sichtbar trennen lassen. Auch die Trennung von Blattfarbstoffen zeigt, dass ein grünes Blatt neben Chlorophyll auch gelbe und orange Farbstoffe enthält, die im Herbst sichtbar werden, wenn das Chlorophyll abgebaut wird.

In der Lebensmittelkontrolle wird Chromatographie genutzt, um nachzuweisen, welche Farbstoffe in Süßigkeiten oder Getränken enthalten sind und ob sie zugelassen sind. Auch bei der Aufklärung von Umweltverschmutzungen hilft das Verfahren, einzelne Schadstoffe in einer Wasserprobe zu identifizieren.

Für die Laborsicherheit gilt: Viele Laufmittel wie Ethanol oder Essigsäure sind brennbar oder reizend, deshalb wird im Unterricht mit gut belüfteten Räumen und kleinen Mengen gearbeitet. Laufmittelgefäße sollten stets abgedeckt sein, damit sich das Laufmittel nicht durch Verdunstung verändert und keine Dämpfe eingeatmet werden.

AnwendungWas wird getrenntNutzen
Filzstift-AnalyseFarbstoffgemisch im Stiftzeigt Mischfarben aus Grundfarbstoffen
BlattfarbstoffeChlorophyll und Carotinoideerklärt Herbstfärbung der Blätter
LebensmittelkontrolleFarbstoffe in Süßigkeitenprüft Zulassung der Zusatzstoffe
DopingkontrolleWirkstoffe im Urinweist verbotene Substanzen nach
Anwendungen der Chromatographie im Überblick
6

Profi-Tipp für die Klassenarbeit

In Klassenarbeiten wird häufig ein fertiges Chromatogramm mit mehreren Flecken abgebildet und nach dem Rf-Wert eines bestimmten Flecks gefragt. Miss dabei immer von der Startlinie bis zur Mitte des Flecks und von der Startlinie bis zur Laufmittelfront, nicht bis zum oberen Papierrand.

Wirst du gefragt, ob zwei Substanzen identisch sein könnten, vergleiche ihre Rf-Werte unter denselben Versuchsbedingungen: Stimmen sie überein, ist das ein starkes Indiz für dieselbe Substanz, ein Beweis ist es aber nicht, da auch verschiedene Stoffe zufällig ähnliche Rf-Werte haben können.

7

Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 5

Was beschreibt der Begriff Chromatographie?

Was beschreibt der Begriff Chromatographie?
8

Das Wichtigste in Kürze

  • Chromatographie trennt Stoffgemische durch unterschiedlich starke Bindung an eine stationäre Phase.
  • Die mobile Phase, das Laufmittel, transportiert die gelösten Stoffe unterschiedlich weit durch die stationäre Phase.
  • Der Rf-Wert ist das Verhältnis aus Laufstrecke des Stoffes zu Laufstrecke des Laufmittels und liegt zwischen 0 und 1.
  • Papierchromatographie eignet sich für die Schule, Dünnschichtchromatographie für feinere Trennungen im Labor.
  • Chromatographie wird unter anderem bei Lebensmittelkontrollen und Dopingtests eingesetzt.

Lektion abschließen

Schließe alle Aufgaben ab, um diese Lektion zu beenden.

0 %

Häufige Fragen zu Chromatographie – Stoffe trennen einfach erklärt

Was ist Chromatographie einfach erklärt?
Chromatographie ist ein Trennverfahren, mit dem ein Gemisch aus mehreren gelösten Stoffen in seine Einzelstoffe aufgetrennt wird. Ein Laufmittel wandert dabei durch ein festes Material wie Papier und nimmt die gelösten Stoffe unterschiedlich weit mit, weil sie unterschiedlich stark am Material haften.
Wie funktioniert die Papierchromatographie?
Bei der Papierchromatographie wird ein Farbpunkt auf eine Startlinie am Filterpapier aufgetragen. Das Papier wird senkrecht in ein Laufmittel gestellt, das durch Kapillarkräfte nach oben wandert und die gelösten Stoffe je nach ihrer Bindungsstärke unterschiedlich weit mitnimmt.
Was ist der Rf-Wert?
Der Rf-Wert ist das Verhältnis aus der Laufstrecke eines Stoffes zur Laufstrecke des Laufmittels. Er liegt immer zwischen 0 und 1 und ist unter gleichen Bedingungen für einen bestimmten Stoff charakteristisch, weshalb er zur Identifikation genutzt werden kann.
Was ist der Unterschied zwischen Papier- und Dünnschichtchromatographie?
Bei der Papierchromatographie besteht die stationäre Phase aus Zellulosefasern im Filterpapier, bei der Dünnschichtchromatographie aus einer dünnen Kieselgelschicht auf einer Platte. Die Dünnschichtchromatographie liefert schärfere Trennungen in kürzerer Zeit und wird häufiger im professionellen Labor eingesetzt.
Wofür wird Chromatographie im Alltag verwendet?
Chromatographie wird zum Beispiel genutzt, um Farbstoffe in Filzstiften oder Lebensmitteln zu untersuchen, Blattfarbstoffe zu trennen oder bei Dopingkontrollen verbotene Substanzen im Urin nachzuweisen. Überall dort, wo ein Stoffgemisch in seine Bestandteile zerlegt werden soll, kommt das Verfahren zum Einsatz.
In welcher Klasse lernt man Chromatographie?
Chromatographie wird in Deutschland meist in der neunten Klasse im Chemieunterricht behandelt, oft im Zusammenhang mit Trennverfahren für Stoffgemische. Häufig wird sie im Schülerversuch mit Filzstiften oder Blattfarbstoffen praktisch durchgeführt.
Warum trennen sich Farbstoffe bei der Chromatographie?
Farbstoffe trennen sich, weil ihre Moleküle unterschiedlich stark mit der stationären Phase wechselwirken. Stoffe mit starker Bindung an die stationäre Phase wandern langsamer und bleiben näher an der Startlinie, während schwächer gebundene Stoffe vom Laufmittel weiter mitgenommen werden.
Was zeigt ein Chromatogramm?
Ein Chromatogramm zeigt, aus wie vielen unterschiedlichen Stoffen ein Gemisch besteht, sichtbar als mehrere getrennte Flecken oder Banden auf dem Papier. Anhand der Lage der Flecken lässt sich der Rf-Wert jedes Stoffes berechnen und mit bekannten Vergleichswerten abgleichen.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.