Teilchenbeschleuniger: Funktion und Energie
Ein Teilchenbeschleuniger bringt geladene Teilchen mit elektrischen Feldern auf hohe Energie und lenkt sie mit Magnetfeldern. In dieser Lektion lernst du, wie die Energie E gleich q mal U entsteht, warum Magnete nur lenken und wie Linearbeschleuniger, Zyklotron und Ringbeschleuniger wie der LHC aufgebaut sind.
- Fach: Physik
- Klasse 12
- Thema: Atomphysik
- Dauer: 20 Min
- Niveau: Schwer
Teilchenbeschleuniger: Geladene Teilchen auf hohe Energie bringen
Ein Teilchenbeschleuniger ist eine Anlage, die geladene Teilchen wie Elektronen oder Protonen mit elektrischen Feldern auf hohe Geschwindigkeit und Energie bringt. Magnetfelder halten die Teilchen dabei auf Kurs. Mit den schnellen Teilchen lassen sich Atomkerne und ihre Bausteine untersuchen, Krebs behandeln oder Materialien analysieren.
Das Grundprinzip hast du schon kennengelernt: Ein geladenes Teilchen im elektrischen Feld erfährt eine Kraft und nimmt kinetische Energie auf. Genau das passiert in einer Elektronenröhre, wie sie früher im Röhrenfernseher steckte, nur in kleinem Maßstab. Bei großen Beschleunigern durchlaufen die Teilchen viele solcher Beschleunigungsstrecken nacheinander, damit die Energie Schritt für Schritt wächst.
Wozu braucht man so viel Aufwand? In der Teilchenphysik lässt man schnelle Teilchen aufeinander oder auf ein Ziel prallen. Aus der Bewegungsenergie können dabei neue Teilchen entstehen. So fanden Forscher am Large Hadron Collider des CERN 2012 das Higgs-Teilchen. Wer winzige Strukturen sehen will, braucht Teilchen mit hoher Energie, ähnlich wie ein Mikroskop mit kurzwelligem Licht feinere Details erkennt.
Teilchenbeschleuniger: Energie durch Beschleunigungsspannung
Durchläuft ein geladenes Teilchen mit der Ladung q die Spannung U, gewinnt es die Energie E gleich q mal U. Diese Beziehung folgt aus dem Energiesatz: Die elektrische Arbeit des Feldes steckt anschließend in der kinetischen Energie des Teilchens. Ein Teilchen mit einer Elementarladung, das 1 Volt durchläuft, gewinnt genau 1 Elektronenvolt.
Das Elektronenvolt, kurz eV, ist die Energieeinheit der Teilchenphysik. Es gilt 1 eV gleich 1,602 mal 10 hoch minus 19 Joule. Das ist winzig, deshalb nutzt man Vorsätze: 1 keV sind tausend, 1 MeV eine Million, 1 GeV eine Milliarde und 1 TeV eine Billion Elektronenvolt. Ein Elektron, das 5 000 Volt durchläuft, hat 5 keV, ein Proton nach einer Million Volt 1 MeV. Hat ein Teilchen zwei Elementarladungen wie ein Alphateilchen, gewinnt es doppelt so viel.
Die Geschwindigkeit folgt aus der kinetischen Energie, solange sie klein gegen die Ruheenergie bleibt: ein halb mal m mal v² gleich q mal U. Bei sehr hohen Energien gilt das nicht mehr. Dann muss man die spezielle Relativitätstheorie anwenden, denn die Geschwindigkeit kann die Lichtgeschwindigkeit nie erreichen, und zusätzliche Energie macht die Teilchen vor allem schwerer, nicht mehr viel schneller.
- E
- gewonnene kinetische Energie in Joule (J) oder Elektronenvolt (eV)
- q
- Ladung des Teilchens in Coulomb (C)
- U
- durchlaufene Beschleunigungsspannung in Volt (V)
| Bauart | Bahn | Beispiel |
|---|---|---|
| Linearbeschleuniger | gerade Strecke | Klinik, Forschung |
| Zyklotron | Spirale im Magnetfeld | PET-Isotope, Therapie |
| Synchrotron | fester Ring | Large Hadron Collider |
| Bildröhre | kurze Strecke | alter Röhrenfernseher |
Teilchenbeschleuniger: Funktionsweise von Quelle bis Detektor
Am Anfang steht eine Teilchenquelle. Elektronen löst man aus einem heißen Draht, Protonen gewinnt man, indem man Wasserstoffatome ionisiert. Danach folgen Beschleunigungsstrecken mit elektrischen Feldern. Bei Linearbeschleunigern fliegen die Teilchen geradeaus durch viele aufeinanderfolgende Metallröhren, an denen die Spannung im richtigen Takt wechselt. Jede Lücke gibt ihnen einen weiteren Schub.
Damit eine Anlage nicht unendlich lang werden muss, lenkt man die Teilchen im Kreis. Dafür sorgt die Lorentzkraft: Auf ein geladenes Teilchen in einem Magnetfeld wirkt eine Kraft senkrecht zur Bewegungsrichtung. Sie ändert nur die Richtung, nicht den Betrag der Geschwindigkeit. Die Bahn wird zum Kreis mit dem Radius r gleich m mal v geteilt durch q mal B. Bei einem Ring laufen die Teilchen immer wieder durch dieselben Beschleunigungsstrecken.
Am Ende treffen sie auf ein festes Ziel oder auf einen Gegenstrahl. Die dabei entstehenden Teilchen fliegen in alle Richtungen und werden von Detektoren vermessen, die wie riesige Kameras aufgebaut sind. Alle Teile müssen im Hochvakuum arbeiten, damit die Teilchen nicht an Luftmolekülen streuen. Aus den Spuren schließen Physiker, was bei der Kollision geschehen ist.
Beispiel 1: Energie und Geschwindigkeit eines Protons
Ein Proton wird aus der Ruhe durch eine Spannung von 1 000 000 V beschleunigt. Berechne seine Energie in Joule und in MeV sowie seine Geschwindigkeit.
Gegeben:
- qe1,602 · 10⁻¹⁹ C
- U1,0 · 10⁶ V
- m1,673 · 10⁻²⁷ kg
Gesucht:
E und vLösung:
- Energie: Eq · U1,602 · 10⁻¹⁹ C · 10⁶ V1,602 · 10⁻¹³ J1 MeV
- Aus E½ · m · v² folgt v√(2 · Em)
- v√(21,60210⁻¹³ J1,67310⁻²⁷ kg) ≈ 1,3810⁷ m/s
Das Proton hat nach der Spannung 1 MeV, also 1,6 · 10⁻¹³ Joule, und fliegt mit etwa 1,4 · 10⁷ Metern pro Sekunde. Das sind rund 4,6 Prozent der Lichtgeschwindigkeit. Bei so kleinem Anteil ist die klassische Rechnung noch recht genau. Bei höheren Energien müsste man relativistisch rechnen.
Beispiel 2: Zyklotron, Frequenz und Bahnradius
In einem Zyklotron laufen Protonen in einem Magnetfeld der Stärke 1,5 T auf Kreisbahnen. Berechne die Umlauffrequenz und den Bahnradius für Protonen mit der Geschwindigkeit 1,38 · 10⁷ m/s.
Gegeben:
- B1,5 T
- v1,38 · 10⁷ m/s
- m1,673 · 10⁻²⁷ kg, q1,602 · 10⁻¹⁹ C
Gesucht:
f und rLösung:
- Frequenz: fq · B2π · m1,602 · 10⁻¹⁹ · 1,52π · 1,673 · 10⁻²⁷
- f ≈ 2,29 · 10⁷ Hz ≈ 22,9 MHz
- Radius: rm · vq · B1,673 · 10⁻²⁷ · 1,38 · 10⁷(1,602 · 10⁻¹⁹ · 1,5) ≈ 0,096 m
Die Protonen laufen mit etwa 22,9 Megahertz um und beschreiben eine Kreisbahn mit rund 9,6 Zentimetern Radius. Die Frequenz hängt nicht von der Geschwindigkeit ab, deshalb kann man die Beschleunigungsspannung mit fester Frequenz umpolen. Schnellere Teilchen laufen nur auf größeren Kreisen, sie spiralieren nach außen. Das ist die Idee des Zyklotrons.
Typische Fehler beim Teilchenbeschleuniger
Der häufigste Fehler lautet: Das Magnetfeld beschleunigt die Teilchen. Das stimmt nicht. Die Lorentzkraft steht immer senkrecht zur Bewegung und leistet deshalb keine Arbeit. Das Magnetfeld lenkt und bündelt, die Energie liefert immer das elektrische Feld. Wer das vertauscht, versteht den Ring nicht.
Der zweite Fehler betrifft die Einheiten. Elektronenvolt ist eine Energie und keine Spannung. Wer 5 kV mit 5 keV verwechselt, übersieht, dass die Energie das Produkt aus Ladung und Spannung ist. Auch die Vorsätze muss man sauber umrechnen: 1 MeV sind 10⁶ eV, nicht 10³. Beim Umrechnen in Joule multiplizierst du mit 1,602 mal 10 hoch minus 19.
Der dritte Fehler: Bei hohen Energien wächst die Geschwindigkeit immer weiter. Tatsächlich nähert sie sich der Lichtgeschwindigkeit nur an. Protonen im LHC haben das über 7 000-Fache ihrer Ruheenergie, ihre Geschwindigkeit liegt trotzdem nur einen Bruchteil eines Millionstels unter der des Lichts. Zusätzliche Energie macht die Teilchen schwerer im Sinne der Relativitätstheorie, aber kaum noch schneller.
Teilchenbeschleuniger im Alltag und Tipps für die Klassenarbeit
Beschleuniger sind nicht nur Riesenanlagen für die Forschung. Die meisten der weltweit mehr als 30 000 Beschleuniger arbeiten in Medizin und Industrie. In der Strahlentherapie bekämpfen Linearbeschleuniger Tumoren, Zyklotrons liefern Stoffe für die PET-Untersuchung, und in der Materialprüfung durchleuchten Röntgenquellen Bauteile. Die Röntgenröhre beim Zahnarzt ist ebenfalls ein kleiner Elektronenbeschleuniger.
In der Teilchenphysik dienen Beschleuniger dazu, kleinste Bausteine der Materie zu erforschen. Je höher die Energie, desto kleinere Strukturen erkennt man und desto schwerere Teilchen können entstehen. Aus der Energie wird nach der berühmten Formel E gleich m mal c² Masse. So erzeugt man in Kollisionen Teilchen, die in der Natur nur in den ersten Sekundenbruchteilen des Universums vorkamen.
Für die Klassenarbeit merkst du dir: E gleich q mal U, Elektronenvolt in Joule umrechnen, bei kleinen Energien die Geschwindigkeit aus ½ m v² bestimmen. Für Kreisbahnen gilt r gleich m v durch q B, und die Zyklotronfrequenz f gleich q B durch 2π m ist unabhängig vom Radius. Und wenn gefragt wird, was Magnete tun: Sie lenken, sie beschleunigen nicht.
Jetzt bist du dran
Ein Elektron durchläuft eine Spannung von 5 000 V aus der Ruhe. Wie groß ist seine kinetische Energie in Elektronenvolt?
Das Wichtigste in Kürze
- Teilchenbeschleuniger bringen geladene Teilchen mit elektrischen Feldern auf hohe Energie und lenken sie mit Magnetfeldern.
- Der Energiegewinn beträgt E gleich q mal U. Ein Elektronenvolt sind 1,602 mal 10 hoch minus 19 Joule.
- Magnete lenken und bündeln, sie ändern nur die Richtung. Im Magnetfeld gilt r gleich m v durch q B.
- Bauarten sind Linearbeschleuniger, Zyklotron und Synchrotron. Im Ring durchlaufen die Teilchen die Beschleunigungsstrecken mehrfach.
- Anwendungen reichen von Teilchenphysik am LHC bis zu Krebstherapie und PET. Nahe der Lichtgeschwindigkeit wächst die Energie, kaum noch die Geschwindigkeit.
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Häufige Fragen zu Teilchenbeschleuniger: Funktion und Energie
- Wie funktioniert ein Teilchenbeschleuniger einfach erklärt?
- Eine Quelle liefert geladene Teilchen, zum Beispiel Elektronen oder Protonen. Elektrische Felder beschleunigen sie auf hohe Geschwindigkeit, Magnete lenken sie auf die gewünschte Bahn. Am Ende treffen sie auf ein Ziel oder aufeinander, Detektoren messen die Ergebnisse.
- Wozu braucht man Teilchenbeschleuniger?
- In der Forschung untersucht man damit die kleinsten Bausteine der Materie. In der Medizin dienen sie der Krebstherapie und der Herstellung von PET-Stoffen. In der Industrie prüft man Material und härtet Kunststoffe. Die meisten Beschleuniger der Welt arbeiten in Kliniken und Betrieben.
- Was ist ein Elektronenvolt?
- Ein Elektronenvolt ist die Energie, die ein Teilchen mit einer Elementarladung beim Durchlaufen von einem Volt gewinnt. Es entspricht 1,602 mal 10 hoch minus 19 Joule. Die Einheit ist in der Atom- und Teilchenphysik üblich, weil Joule dafür viel zu groß wäre.
- Wie funktioniert der Large Hadron Collider?
- Der LHC am CERN ist ein Ring mit etwa 26,7 Kilometern Umfang. Supraleitende Magnete halten zwei gegenläufige Protonenstrahlen auf der Kreisbahn, elektrische Felder in Resonatoren beschleunigen sie. An vier Stellen kollidieren die Strahlen, riesige Detektoren zeichnen die Spuren auf.
- Warum werden Teilchen auf Kreisbahnen gelenkt?
- Auf einer Kreisbahn laufen die Teilchen immer wieder durch dieselben Beschleunigungsstrecken und gewinnen bei jedem Umlauf Energie. Dafür sorgt ein Magnetfeld, dessen Lorentzkraft senkrecht zur Bewegung wirkt. So braucht die Anlage keine kilometerlange gerade Strecke.
- Warum können Teilchen die Lichtgeschwindigkeit nicht erreichen?
- Nach der speziellen Relativitätstheorie wächst die Energie eines Teilchens über alle Grenzen, wenn es sich der Lichtgeschwindigkeit nähert. Zusätzliche Energie erhöht dann fast nur noch die relativistische Masse. Teilchen mit Masse erreichen die Lichtgeschwindigkeit deshalb nie ganz.
- Was ist der Unterschied zwischen Linearbeschleuniger und Ringbeschleuniger?
- Im Linearbeschleuniger fliegen die Teilchen einmal geradeaus durch viele Beschleunigungsstrecken. Im Ringbeschleuniger kreisen sie und laufen immer wieder durch dieselben Strecken. Der Ring braucht weniger Platz für dieselbe Energie, verliert aber bei Elektronen Energie durch Strahlung.
- Wo begegnen mir Teilchenbeschleuniger im Alltag?
- Eine Röntgenröhre beim Arzt ist ein kleiner Elektronenbeschleuniger. In Kliniken bestrahlen Linearbeschleuniger Tumoren, und Zyklotrons erzeugen Stoffe für PET-Untersuchungen. Auch der alte Röhrenfernseher beschleunigte Elektronen mit mehreren tausend Volt auf den Bildschirm.
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