Doppelspaltexperiment mit Elektronen
Doppelspaltexperiment Elektronen: Schickt man Elektronen einzeln durch zwei enge Spalte, entsteht auf dem Schirm nach und nach ein Interferenzmuster aus hellen und dunklen Streifen, das nur eine Welle erklären kann, obwohl jedes Elektron als einzelner Punkt landet. In dieser Lektion verstehst du den Welle-Teilchen-Dualismus, berechnest die Wellenlänge von Elektronen nach de Broglie und siehst, warum Quantenphysik im Alltag unsichtbar bleibt.
- Fach: Physik
- Klasse 12
- Thema: Atomphysik
- Dauer: 20 Min
- Niveau: Schwer
Doppelspaltexperiment Elektronen: Versuch und Beobachtung
Das Doppelspaltexperiment kennst du vom Licht. Thomas Young zeigte 1801, dass Licht, das durch zwei dicht benachbarte Spalte fällt, auf einem Schirm helle und dunkle Streifen erzeugt. Das erklärt die Wellenlehre: Die beiden Spalte senden Wellen aus, die sich überlagern. An manchen Stellen verstärken sie sich, an anderen löschen sie sich aus. Bei Teilchen würdest du dagegen zwei einfache Häufchen hinter den Spalten erwarten, so wie bei Kugeln, die du durch zwei Öffnungen wirfst.
Verblüffend wird es, wenn du statt Licht Elektronen verwendest. Ein Elektron ist ein Teilchen mit Masse und Ladung, du kannst es zählen und wiegen. Schickst du viele Elektronen durch einen Doppelspalt, zeigt der Schirm trotzdem ein Streifenmuster. Claus Jönsson führte das 1961 in Tübingen zum ersten Mal mit einem Elektronenstrahl durch. Elektronen verhalten sich bei der Ausbreitung also wie eine Welle.
Noch seltsamer ist das Ergebnis mit einzelnen Elektronen. Akira Tonomura und sein Team schickten 1989 die Elektronen so selten los, dass sich immer nur eines im Gerät befand. Jedes Elektron schlug an genau einer Stelle auf, wie ein Teilchen. Aber nach vielen tausend Elektronen entstand aus den Punkten wieder das Streifenmuster. Jedes einzelne Elektron scheint also mit sich selbst zu interferieren.
Doppelspaltexperiment Elektronen: Wellenlänge nach de Broglie berechnen
Louis de Broglie vermutete 1924, dass nicht nur Licht, sondern alle Teilchen Welleneigenschaften haben. Jedem Teilchen mit dem Impuls p gleich m mal v ordnete er die Wellenlänge λ gleich h geteilt durch p zu. Dabei ist h die Planck-Konstante mit dem Wert 6,63 mal 10 hoch minus 34 Joulesekunden. Je größer der Impuls, desto kleiner die Wellenlänge. Schnelle, schwere Teilchen haben extrem kleine Wellenlängen.
Wird ein Elektron mit der Spannung U beschleunigt, bekommt es die Bewegungsenergie e mal U. Daraus folgt v gleich Wurzel aus 2 e U geteilt durch m. Bei 100 V sind das rund 5,9 mal 10 hoch 6 Meter pro Sekunde und eine Wellenlänge von 0,12 Nanometern. Das ist ungefähr so groß wie ein Atom, weshalb Kristalle als natürliche Beugungsgitter für Elektronen wirken. Davisson und Germer bestätigten das 1927 an einem Nickelkristall.
Wie breit die Streifen auf dem Schirm sind, folgt aus derselben Geometrie wie beim Licht. Für kleine Winkel gilt: Der Abstand benachbarter Maxima ist Δx gleich λ mal L geteilt durch g. Dabei ist g der Abstand der Spalte und L der Abstand zum Schirm. Je kleiner die Wellenlänge, desto enger liegen die Streifen. Damit die Streifen sichtbar werden, muss der Spaltabstand deshalb in der Größenordnung der Wellenlänge liegen.
- λ
- de-Broglie-Wellenlänge in Metern (m)
- h
- Planck-Konstante, 6,63 · 10⁻³⁴ J·s
- m
- Masse des Teilchens in Kilogramm (kg)
- v
- Geschwindigkeit des Teilchens in m/s
| Objekt | Masse und Tempo | Wellenlänge |
|---|---|---|
| Elektron | 9,1 · 10⁻³¹ kg, 1,0 · 10⁶ m/s | 7,3 · 10⁻¹⁰ m |
| Elektron (100 V) | 9,1 · 10⁻³¹ kg, 5,9 · 10⁶ m/s | 1,2 · 10⁻¹⁰ m |
| Neutron (thermisch) | 1,7 · 10⁻²⁷ kg, 2 200 m/s | 1,8 · 10⁻¹⁰ m |
| Fußball | 0,43 kg, 20 m/s | 7,7 · 10⁻³⁵ m |
| Mensch beim Gehen | 70 kg, 1 m/s | 9,5 · 10⁻³⁶ m |
Doppelspaltexperiment Elektronen: Welle oder Teilchen
Das Experiment zwingt zu einem Umdenken. Ein Elektron ist weder eine kleine Kugel noch eine Wasserwelle. Es ist ein Quantenobjekt, das sich bei der Ausbreitung durch den Doppelspalt mit einer Wahrscheinlichkeitswelle beschreiben lässt und bei der Messung am Schirm an einem Ort nachgewiesen wird. Die Welle gibt die Wahrscheinlichkeit an, das Elektron an einem bestimmten Ort zu finden. Wo die Welle groß ist, landen viele Elektronen, an den dunklen Stellen kaum eines.
Welcher Punkt es im Einzelfall wird, ist nicht vorhersagbar, nur die Verteilung vieler Elektronen steht fest. Das ist ein Grundzug der Quantenphysik: Sie macht Wahrscheinlichkeitsaussagen. Für die Interferenz müssen beide Wege offen sein. Das Muster entsteht aus der Überlagerung der Möglichkeiten, durch den linken und durch den rechten Spalt zu kommen. Man sagt nicht, das Elektron gehe durch genau einen Spalt.
Baust du einen Detektor ein, der misst, durch welchen Spalt das Elektron läuft, verschwindet das Streifenmuster, und es bleiben zwei Häufchen. Die Messung des Weges stört die Überlagerung. Das hat nichts mit Bewusstsein zu tun, sondern mit der physikalischen Wechselwirkung des Detektors. Wer den Weg kennt, kann die Möglichkeiten nicht mehr überlagern, Weg-Information und Interferenz schließen einander aus.
Beispiel 1: Wellenlänge eines schnellen Elektrons
Ein Elektron bewegt sich mit der Geschwindigkeit 1,0 · 10⁶ m/s. Berechne seine de-Broglie-Wellenlänge.
Gegeben:
- m9,11 · 10⁻³¹ kg
- v1,0 · 10⁶ m/s
- h6,63 · 10⁻³⁴ J·s
Gesucht:
Wellenlänge λLösung:
- Impuls: pm · v9,11 · 10⁻³¹ kg · 1,0 · 10⁶ m/s9,11 · 10⁻²⁵ kg·m/s
- Wellenlänge: λhp6,63 · 10⁻³⁴9,11 · 10⁻²⁵ m
- Ergebnis: λ ≈ 7,3 · 10⁻¹⁰ m0,73 nm
Die Wellenlänge des Elektrons beträgt etwa 0,73 Nanometer. Das liegt in der Größenordnung von Atomabständen und von weichen Röntgenstrahlen. Deshalb zeigen Elektronen an Kristallen und an feinen Spalten Beugung und Interferenz, während der Effekt bei größeren Teilchen unmessbar klein wird.
Beispiel 2: Streifenabstand beim Elektronen-Doppelspalt
Elektronen werden mit 100 V beschleunigt und laufen auf einen Doppelspalt mit dem Spaltabstand g = 1,0 µm zu. Der Schirm steht L = 0,50 m dahinter. Berechne Geschwindigkeit, Wellenlänge und den Abstand der Streifen.
Gegeben:
- U100 V, e1,60 · 10⁻¹⁹ C, m9,11 · 10⁻³¹ kg
- g1,0 µm1,0 · 10⁻⁶ m
- L0,50 m
Gesucht:
v, λ und ΔxLösung:
- Aus e · U½ · m · v² folgt v√(2eUm) ≈ 5,910⁶ m/s
- λhm · v6,63 · 10⁻³⁴(9,11 · 10⁻³¹ · 5,9 · 10⁶) m ≈ 1,2 · 10⁻¹⁰ m
- Δxλ · Lg1,2 · 10⁻¹⁰ m · 0,50 m1,0 · 10⁻⁶ m ≈ 6,0 · 10⁻⁵ m
Die Elektronen fliegen mit etwa 5,9 mal 10 hoch 6 Metern pro Sekunde, das sind knapp 2 Prozent der Lichtgeschwindigkeit. Ihre Wellenlänge ist 0,12 Nanometer. Benachbarte Streifen liegen nur etwa 0,06 Millimeter auseinander, deshalb braucht man ein Mikroskop oder einen feinen Detektor, um das Muster zu sehen. Die Rechnung ist eine Modellrechnung, echte Experimente nutzen oft höhere Spannungen und andere Geometrien.
Typische Fehler beim Doppelspaltexperiment
Der häufigste Fehler ist die Vorstellung, ein einzelnes Elektron zerfließe wie eine Wolke über den Schirm. Auf dem Schirm wird immer ein ganzes Elektron an genau einem Ort nachgewiesen, nie ein halbes. Die Welle beschreibt nur die Wahrscheinlichkeit. Das Muster erkennst du erst, wenn viele Elektronen angekommen sind, jedes einzelne ist ein Punkt.
Der zweite Fehler ist der Satz, das Elektron gehe durch beide Spalte zugleich, wie ein Auto, das sich teilt. Das ist ein Bild, aber keine Messaussage. Misst du, durch welchen Spalt es läuft, findest du es immer in genau einem. Dann verschwindet die Interferenz. Auch der Satz, das Bewusstsein des Beobachters ändere das Ergebnis, ist falsch: Entscheidend ist die physikalische Wechselwirkung beim Messen, es müsste kein Mensch zuschauen.
Der dritte Fehler ist ein Rechenfehler mit Einheiten. Die Wellenlänge hat die Einheit Meter, und die Zahl ist winzig, es sind Nanometer oder noch weniger. Wer Masse in Gramm statt Kilogramm einsetzt, ist um den Faktor tausend daneben. Und vergiss nicht: Die Formel λ gleich h durch m mal v gilt nur, solange das Teilchen sich viel langsamer als das Licht bewegt, sonst brauchst du den relativistischen Impuls.
Quantenphysik im Alltag und Tipps für die Klausur
Die Quantenphysik wirkt im Alltag unsichtbar, weil Alltagskörper riesige Impulse haben und ihre Wellenlänge winzig ist. Ein Fußball hat eine de-Broglie-Wellenlänge von etwa 10 hoch minus 34 Metern, unvorstellbar viel kleiner als ein Atomkern. Deshalb siehst du bei ihm keine Beugung. Elektronen in Atomen, in Halbleitern oder im Elektronenmikroskop zeigen sie dagegen deutlich.
Auch Technik beruht auf dieser Idee. Das Elektronenmikroskop nutzt die kurze Wellenlänge schneller Elektronen und löst Details von unter einem Nanometer auf. Die Neutronenbeugung untersucht Materialien, und Atomuhren, Laser und Sensoren im Auto oder im Handy arbeiten mit Quantenzuständen. Sogar in Computerchips beeinflusst die Wellennatur der Elektronen, wie dünn die Isolierschichten sein dürfen.
In der Klausur beschreibst du den Versuch in drei Schritten: Aufbau mit Quelle, Doppelspalt und Schirm, Beobachtung als Streifenmuster aus Punkten, Deutung mit Materiewelle und Wahrscheinlichkeit. Rechne die Wellenlänge mit λ gleich h durch m mal v, den Streifenabstand mit Δx gleich λ mal L durch g. Formuliere am Ende die Kernaussage: Elektronen zeigen Wellen- und Teilcheneigenschaften, je nachdem, was gemessen wird.
Jetzt bist du dran
Was zeigt der Schirm, nachdem viele einzelne Elektronen durch den Doppelspalt geschickt wurden?
Noch nicht. Jedes Elektron landet als Punkt, doch die Punkte häufen sich an den Maxima und fehlen an den Minima. Nach vielen Elektronen entsteht das Interferenzmuster.
Das Wichtigste in Kürze
- Einzelne Elektronen landen als Punkte am Schirm, doch viele Punkte zusammen bilden ein Interferenzmuster aus Streifen.
- Teilchen haben eine Wellenlänge: λ gleich h geteilt durch m mal v, die de-Broglie-Wellenlänge.
- Der Streifenabstand ist Δx gleich λ mal L geteilt durch g.
- Wer misst, durch welchen Spalt das Elektron geht, zerstört das Interferenzmuster.
- Bei Alltagskörpern ist die Wellenlänge viel zu klein, bei Elektronen liegt sie in der Größe von Atomen.
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Häufige Fragen zu Doppelspaltexperiment mit Elektronen
- Was ist das Doppelspaltexperiment?
- Beim Doppelspaltexperiment trifft Licht oder ein Teilchenstrahl auf eine Wand mit zwei dicht benachbarten Spalten. Auf dem Schirm dahinter entsteht ein Muster aus hellen und dunklen Streifen. Es zeigt, dass Licht Welleneigenschaften hat, und mit Elektronen, dass auch Materie wellenartig wirkt. Thomas Young führte es 1801 erstmals mit Licht durch.
- Was zeigt das Doppelspaltexperiment mit Elektronen?
- Es zeigt, dass Elektronen Welleneigenschaften haben. Obwohl jedes Elektron als einzelner Punkt am Schirm landet, entsteht nach vielen Elektronen ein Interferenzmuster mit Streifen. Das Muster lässt sich nur mit einer Welle erklären, die durch beide Spalte läuft und sich selbst überlagert.
- Warum entsteht ein Interferenzmuster, wenn Elektronen einzeln fliegen?
- Jedes einzelne Elektron wird durch eine Wahrscheinlichkeitswelle beschrieben, die sich über beide Spalte ausbreitet und mit sich selbst überlagert. Wo die Welle sich verstärkt, ist die Auftreffwahrscheinlichkeit groß, an den dunklen Stellen klein. Erst viele Elektronen zusammen machen das Streifenmuster sichtbar, wie Tonomura 1989 zeigte.
- Was ist der Welle-Teilchen-Dualismus?
- Quantenobjekte wie Licht und Elektronen zeigen je nach Versuch Wellen- oder Teilcheneigenschaften. Bei der Ausbreitung durch den Doppelspalt verhalten sie sich wie Wellen, beim Nachweis am Schirm wie Teilchen. Sie sind weder das eine noch das andere, sondern Quantenobjekte, die man mit der Quantenphysik beschreibt.
- Was passiert, wenn man das Elektron beobachtet?
- Misst ein Detektor, durch welchen Spalt das Elektron läuft, verschwindet das Interferenzmuster, und der Schirm zeigt nur zwei Häufchen. Der Grund ist die physikalische Wechselwirkung des Detektors mit dem Elektron, nicht das Bewusstsein eines Beobachters. Weg-Information und Interferenz schließen sich gegenseitig aus.
- Wie berechnet man die Wellenlänge eines Elektrons?
- Mit der de-Broglie-Formel: λ gleich h geteilt durch m mal v. Dabei ist h die Planck-Konstante 6,63 · 10⁻³⁴ J·s, m die Masse und v die Geschwindigkeit des Elektrons. Bei 1,0 · 10⁶ m/s ergibt das etwa 0,73 Nanometer. Bei einer Beschleunigungsspannung von 100 V sind es 0,12 Nanometer.
- Wer hat das Doppelspaltexperiment mit Elektronen gemacht?
- Claus Jönsson zeigte 1961 in Tübingen die Interferenz von Elektronen an Spalten. Davisson und Germer hatten die Wellennatur der Elektronen schon 1927 durch Beugung an einem Kristall belegt. Akira Tonomura gelang 1989 der Nachweis mit einzelnen Elektronen, bei denen das Muster Punkt für Punkt entstand.
- Warum sieht man bei einem Fußball keine Beugung?
- Die de-Broglie-Wellenlänge ist umgekehrt proportional zum Impuls. Ein Fußball hat so viel Masse, dass seine Wellenlänge nur etwa 10⁻³⁴ Meter beträgt, unvorstellbar viel kleiner als ein Atomkern. Kein Spalt ist so eng, und kein Gerät kann ein solches Muster messen.
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