Klassenspace

Fotoeffekt

In dieser Lektion lernst du, warum Licht Elektronen aus einer Metalloberfläche herauslösen kann und warum das nur ab einer bestimmten Frequenz funktioniert, egal wie hell das Licht ist. Du rechnest mit der Einsteinschen Gleichung E(kin) = h · f - W(A) und verstehst, warum der Fotoeffekt zeigt, dass Licht auch Teilcheneigenschaften hat.

  • Fach: Physik
  • Klasse 11
  • Thema: Atomphysik
  • Dauer: 20 Min
  • Niveau: Schwer
1

Was ist der Fotoeffekt?

Fällt Licht auf eine Metalloberfläche, können daraus Elektronen herausgelöst werden, dieser Vorgang heißt äußerer Fotoeffekt. Auf den ersten Blick scheint das gut zum klassischen Wellenmodell des Lichts zu passen: Mehr Lichtenergie sollte mehr Elektronen mit mehr Bewegungsenergie herauslösen.

Genaue Messungen zeigten aber ein überraschendes Verhalten: Unterhalb einer bestimmten Frequenz, der sogenannten Grenzfrequenz, werden überhaupt keine Elektronen herausgelöst, egal wie hell das Licht ist. Oberhalb der Grenzfrequenz erscheinen die Elektronen dagegen sofort, ohne messbare Verzögerung, selbst bei sehr schwachem Licht.

Albert Einstein erklärte dieses Verhalten 1905, indem er Licht nicht nur als Welle, sondern zusätzlich als Strom einzelner Energiepakete beschrieb, die man heute Photonen nennt. Jedes Photon trägt eine feste Energie, die nur von der Frequenz des Lichts abhängt, nicht von seiner Helligkeit. Für diese Erklärung erhielt Einstein 1921 den Nobelpreis für Physik.

2

Die Einsteinsche Gleichung

Ein Photon mit der Frequenz f trägt die Energie E = h · f, wobei h das Plancksche Wirkungsquantum ist, eine Naturkonstante. Diese Energie wird beim Fotoeffekt vollständig auf ein Elektron im Metall übertragen.

Ein Teil dieser Energie wird gebraucht, um das Elektron überhaupt aus dem Metall zu lösen, diese materialabhängige Mindestenergie heißt Austrittsarbeit W(A). Reicht die Photonenenergie nicht aus, um die Austrittsarbeit zu überwinden, verlässt kein Elektron das Metall.

Ist die Photonenenergie größer als die Austrittsarbeit, bleibt die überschüssige Energie als kinetische Energie des freigesetzten Elektrons erhalten. Diesen Zusammenhang beschreibt die Einsteinsche Gleichung des Fotoeffekts.

E(kin)h · f - W(A)
E
kinetische Energie des freigesetzten Elektrons E(kin), in Joule
h
Plancksches Wirkungsquantum, h = 6,63 · 10 hoch -34 Joulesekunden
f
Frequenz des eingestrahlten Lichts, in Hertz
W
Austrittsarbeit des Metalls W(A), materialabhängig, in Joule
Größe wird erhöhtWirkung auf Anzahl der ElektronenWirkung auf kinetische Energie
Lichtintensität (Helligkeit)steigt, mehr Photonen treffen aufbleibt gleich
Frequenz des Lichtsbleibt gleich, wenn schon oberhalb der Grenzfrequenzsteigt, da mehr Energie pro Photon
Wirkung von Lichtintensität und Frequenz beim Fotoeffekt
Nur das Teilchenmodell des Lichts erklärt die tatsächlichen Beobachtungen beim Fotoeffekt.
3

Beispiel 1: Kinetische Energie eines Fotoelektrons

Licht mit der Frequenz 8 · 10 hoch 14 Hz trifft auf eine Metalloberfläche mit der Austrittsarbeit 3 · 10 hoch -19 J. Welche kinetische Energie hat ein herausgelöstes Elektron? (h = 6,63 · 10 hoch -34 Js)

Gegeben:

  • f8 · 10 hoch 14 Hz
  • W(A)3 · 10 hoch -19 J
  • h6,63 · 10 hoch -34 Js

Gesucht:

E(kin)

Lösung:

  1. E(kin)h · f - W(A)
  2. h · f6,63 · 10 hoch -34 Js · 8 · 10 hoch 14 Hz5,3 · 10 hoch -19 J
  3. E(kin)5,3 · 10 hoch -19 J - 3 · 10 hoch -19 J

Die kinetische Energie des Elektrons beträgt etwa 2,3 · 10 hoch -19 J. Dieser winzige Energiebetrag ist typisch für einzelne Photonen und Elektronen, deshalb rechnet man in der Atomphysik oft mit der viel kleineren Einheit Elektronenvolt statt Joule.

So überträgt ein einzelnes Photon seine Energie auf ein Elektron im Metall.
4

Beispiel 2: Grenzfrequenz eines Metalls

Ein Metall hat die Austrittsarbeit 3,3 · 10 hoch -19 J. Wie groß ist die Grenzfrequenz, unterhalb derer kein Fotoeffekt auftritt? (h = 6,63 · 10 hoch -34 Js)

Gegeben:

  • W(A)3,3 · 10 hoch -19 J
  • h6,63 · 10 hoch -34 Js

Gesucht:

Grenzfrequenz f(g)

Lösung:

  1. An der Grenzfrequenz ist die kinetische Energie gerade null: 0 = h · f(g) - W(A)
  2. f(g)W(A)h
  3. f(g)3,3 · 10 hoch -19 J6,63 · 10 hoch -34 Js

Die Grenzfrequenz beträgt etwa 5 · 10 hoch 14 Hz. Licht mit einer kleineren Frequenz kann dieses Metall nicht verlassen lassen, egal wie intensiv es eingestrahlt wird, weil jedes einzelne Photon zu wenig Energie trägt.

5

Typische Fehler

Ein häufiger Fehler ist, die Lichtintensität mit der Photonenenergie zu verwechseln. Eine höhere Intensität bedeutet mehr Photonen pro Sekunde, aber jedes einzelne Photon trägt weiterhin dieselbe Energie E = h · f, die ausschließlich von der Frequenz abhängt.

Ein zweiter Fehler ist zu glauben, bei sehr hellem Licht unterhalb der Grenzfrequenz reiche irgendwann die Summe vieler Photonen aus, um ein Elektron auszulösen. Da jedes Photon einzeln und vollständig mit genau einem Elektron wechselwirkt, addieren sich die Energien mehrerer Photonen beim normalen Fotoeffekt nicht.

Ein dritter Fehler ist, bei der Einsteinschen Gleichung die Austrittsarbeit zu vergessen und einfach E(kin) = h · f zu rechnen. Das entspräche der gesamten Photonenenergie, ohne den Teil abzuziehen, der für das Loslösen aus dem Metall gebraucht wird.

6

Alltagsbezug und Tipps für die Klassenarbeit

Der Fotoeffekt ist die Grundlage für Fotozellen, die früher etwa in Lichtschranken, Belichtungsmessern von Kameras oder alten Fotomultipliern eingesetzt wurden und heute noch in bestimmten Sensoren stecken. Auch moderne Solarzellen beruhen auf einem verwandten Effekt, dem inneren Fotoeffekt, bei dem Licht Elektronen innerhalb eines Halbleiters in einen leitfähigen Zustand versetzt, statt sie ganz aus dem Material herauszulösen.

Historisch war der Fotoeffekt einer der wichtigsten Belege dafür, dass Licht sich nicht nur wie eine Welle, sondern unter bestimmten Bedingungen auch wie ein Strom einzelner Teilchen verhält. Zusammen mit Beobachtungen zu Atomspektren führte das zur Entwicklung der Quantenphysik im frühen 20. Jahrhundert.

Für die Klassenarbeit hilft es, klar zwischen den Wirkungen von Intensität und Frequenz zu unterscheiden und die Einsteinsche Gleichung sicher nach jeder der drei Größen umzustellen. Beachte außerdem, dass Ergebnisse in der Atomphysik oft sehr kleine Zahlen mit negativen Zehnerpotenzen ergeben, ein Taschenrechner mit korrekter Eingabe der Zehnerpotenzen ist hier besonders wichtig.

Die wichtigsten Begriffe zum Fotoeffekt auf einen Blick, ideal zum Wiederholen vor der Klassenarbeit.
7

Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 3

Was passiert, wenn man bei Licht oberhalb der Grenzfrequenz die Intensität erhöht?

Was passiert, wenn man bei Licht oberhalb der Grenzfrequenz die Intensität erhöht?
8

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim Fotoeffekt löst Licht Elektronen aus einer Metalloberfläche, aber nur oberhalb einer materialabhängigen Grenzfrequenz.
  • Formel: E(kin) = h · f - W(A) - die kinetische Energie der Elektronen hängt allein von der Frequenz ab, nicht von der Intensität.
  • Die Intensität des Lichts bestimmt nur, wie viele Elektronen pro Sekunde ausgelöst werden.
  • Einstein erklärte den Fotoeffekt, indem er Licht als Strom einzelner Energiepakete, Photonen, beschrieb.
  • Typischer Fehler: Intensität und Frequenz verwechseln, oder die Austrittsarbeit in der Rechnung vergessen.

Lektion abschließen

Schließe alle Aufgaben ab, um diese Lektion zu beenden.

0 %

Häufige Fragen zu Fotoeffekt

Was ist der Fotoeffekt einfach erklärt?
Der Fotoeffekt beschreibt, wie Licht Elektronen aus einer Metalloberfläche herauslösen kann. Jedes Lichtteilchen, ein Photon, überträgt seine Energie auf ein einzelnes Elektron. Reicht diese Energie aus, um die Austrittsarbeit des Metalls zu überwinden, verlässt das Elektron die Oberfläche mit einer bestimmten kinetischen Energie.
Was ist der Unterschied zwischen Lichtintensität und Frequenz beim Fotoeffekt?
Die Intensität bestimmt, wie viele Photonen pro Sekunde auf das Metall treffen, und damit, wie viele Elektronen ausgelöst werden. Die Frequenz bestimmt die Energie jedes einzelnen Photons und damit die kinetische Energie der ausgelösten Elektronen. Beide Größen beeinflussen also völlig unterschiedliche Eigenschaften des Fotoeffekts.
Wie berechnet man die kinetische Energie beim Fotoeffekt?
Mit der Einsteinschen Gleichung E(kin) = h · f - W(A). Dabei ist h das Plancksche Wirkungsquantum, f die Frequenz des Lichts und W(A) die Austrittsarbeit des jeweiligen Metalls. Ist h · f kleiner als W(A), werden keine Elektronen ausgelöst.
Was ist die Grenzfrequenz beim Fotoeffekt?
Die Grenzfrequenz ist die kleinste Frequenz, bei der ein Photon gerade genug Energie trägt, um die Austrittsarbeit eines Metalls zu überwinden. Unterhalb dieser Frequenz werden keine Elektronen ausgelöst, egal wie intensiv das Licht ist, weil jedes einzelne Photon zu wenig Energie besitzt.
In welcher Klasse lernt man den Fotoeffekt in Physik?
Der Fotoeffekt wird in Deutschland meist in der elften Klasse im Rahmen der Atom- und Quantenphysik behandelt. Er gilt als eines der wichtigsten historischen Experimente, die zeigen, dass Licht neben Welleneigenschaften auch Teilcheneigenschaften besitzt.
Warum konnte das Wellenmodell des Lichts den Fotoeffekt nicht erklären?
Nach dem klassischen Wellenmodell sollte auch schwaches Licht irgendwann genug Energie liefern, um Elektronen auszulösen, nur eben verzögert. Tatsächlich passiert unterhalb der Grenzfrequenz aber gar nichts, egal wie lange man wartet oder wie hell das Licht ist, was nur mit einzelnen Photonen erklärbar ist.
Wofür wird der Fotoeffekt heute genutzt?
Fotozellen und Fotomultiplier, die auf dem äußeren Fotoeffekt beruhen, werden in Lichtschranken, Messgeräten und in der Teilchenphysik verwendet. Ein verwandter Effekt, der innere Fotoeffekt, ist die Grundlage moderner Solarzellen, die Sonnenlicht direkt in elektrischen Strom umwandeln.
Wer hat den Fotoeffekt entdeckt und erklärt?
Beobachtet wurde der Fotoeffekt bereits im 19. Jahrhundert unter anderem von Heinrich Hertz, erklärt wurde er aber erst 1905 von Albert Einstein mit der Vorstellung von Licht als Strom einzelner Energiepakete. Für diese Erklärung erhielt Einstein 1921 den Nobelpreis für Physik.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.

Das solltest du vorher können