Quadratwurzeln
In dieser Lektion lernst du, was eine Quadratwurzel ist und wie sie mit dem Quadrieren zusammenhängt. Du lernst die wichtigsten Rechenregeln kennen und erfährst, warum man aus Summen nicht einfach gliedweise die Wurzel ziehen darf.
- Fach: Mathematik
- Klasse 9
- Thema: Terme und Potenzen
- Dauer: 15 Min
- Niveau: Mittel
Die Umkehrung des Quadrierens
Ein Quadrat hat eine Fläche von 16 cm². Wie lang ist eine Seite? Gesucht ist die Zahl, die mit sich selbst multipliziert 16 ergibt, also 4. Genau das ist die Quadratwurzel: √16 = 4, weil 4 · 4 = 16. Die Wurzel macht das Quadrieren rückgängig, so wie die Division die Multiplikation rückgängig macht. Die Zahl unter dem Wurzelzeichen heißt Radikand. Präge dir die Quadratzahlen bis 20² = 400 ein, dann erkennst du viele Wurzeln sofort.
Die Quadratwurzel ist immer die nicht-negative Zahl. Zwar ist auch (−4)² = 16, aber √16 ist trotzdem 4. Aus negativen Zahlen kannst du keine Quadratwurzel ziehen, denn jede Zahl mit sich selbst multipliziert ist null oder positiv. Viele Wurzeln wie √2 sind keine glatten Zahlen, sondern unendliche, nicht periodische Dezimalzahlen, ungefähr 1,414. Solche Zahlen heißen irrational. Du lässt sie deshalb oft als √2 stehen, weil jede gerundete Dezimalzahl nur eine Näherung wäre.
Wurzeln begegnen dir überall, wo aus einer Fläche eine Länge werden soll. Ein Fliesenleger kennt die Fläche eines quadratischen Raums und braucht die Seitenlänge. Beim Satz des Pythagoras rechnest du am Ende immer eine Wurzel, um die Länge der Hypotenuse zu erhalten. Auch die Bildschirmdiagonale eines Fernsehers oder der Weg quer über einen Sportplatz entsteht so. Ohne Wurzeln könntest du aus Quadraten nie zurück zu den eigentlichen Maßen kommen.
Wann darf ich die Wurzel aufteilen?
Die Wurzel verträgt sich mit Multiplikation und Division, aber nicht mit Addition und Subtraktion. Der Grund: Quadrierst du ein Produkt, quadrierst du jeden Faktor, denn (2 · 3)² = 2² · 3². Bei einer Summe entsteht dagegen ein zusätzlicher Mischterm, deshalb lässt sie sich nicht sauber zerlegen.
Prüfe vor dem Aufteilen immer, welches Rechenzeichen unter der Wurzel steht. Beim teilweisen Wurzelziehen suchst du im Radikanden die größte Quadratzahl, die als Faktor darin steckt, und ziehst sie heraus. So wird aus √50 der einfachere Ausdruck 5 · √2.
Für Brüche gilt dieselbe Regel wie für Produkte: √(9/16) = √9 / √16 = 3/4. Zähler und Nenner darfst du also getrennt behandeln.
Produkt unter der Wurzel
Unter der Wurzel steht ein Produkt. Du darfst die Wurzel auf jeden Faktor einzeln anwenden.
Beispiele
- √(4 · 25) = √4 · √25 = 2 · 5 = 10
- √(9 · 16) = 3 · 4 = 12
- √50 = √(25 · 2) = 5 · √2
Signalwörter
- Malpunkt unter der Wurzel
- Quadratzahl als Faktor abspaltbar
- teilweises Wurzelziehen
Summe unter der Wurzel
Unter der Wurzel steht eine Summe oder Differenz. Erst ausrechnen, dann die Wurzel ziehen.
Beispiele
- √(9 + 16) = √25 = 5
- √(100 − 36) = √64 = 8
Signalwörter
- Plus oder Minus unter der Wurzel
- nicht aufteilen
- zuerst zusammenfassen
| Ausdruck | Aufteilen erlaubt? | Richtiges Ergebnis |
|---|---|---|
| √(4 · 9) | Ja, Produkt | 2 · 3 = 6 |
| √(9 + 16) | Nein, Summe | √25 = 5 |
| √(9/16) | Ja, Quotient | 3/4 |
| √(100 − 36) | Nein, Differenz | √64 = 8 |
Beispiel 1: Eine Seitenlänge bestimmen
Ein quadratisches Beet hat eine Fläche von 81 m². Wie lang ist eine Seite?
Gegeben:
- A81 m²
Gesucht:
Seitenlänge aLösung:
- Beim Quadrat gilt A = a · a, also a · a = 81 m²
- Gesucht ist die Zahl, die mit sich selbst multipliziert 81 ergibt: a = √81 m
- Aus den Quadratzahlen weißt du: 9 · 9 = 81, also a = 9 m
- Die negative Lösung −9 fällt weg, weil eine Länge nicht negativ sein kann
- Probe: 9 m · 9 m81 m²
Eine Seite des Beets ist 9 m lang. Die Einheit m² wird durch das Wurzelziehen zu m, weil aus einer Fläche eine Länge wird. Die Probe durch Quadrieren bestätigt das Ergebnis.
Beispiel 2: Teilweises Wurzelziehen
Vereinfache √200, ohne einen Taschenrechner zu benutzen.
Gegeben:
- Radikand: 200
Gesucht:
vereinfachte WurzelLösung:
- Größte Quadratzahl suchen, die als Faktor in 200 steckt: 200 = 100 · 2
- Wurzel auf das Produkt aufteilen, weil es sich um eine Multiplikation handelt: √200 = √(100 · 2) = √100 · √2
- √100 ausrechnen: √10010
- Ergebnis zusammenfassen: √20010 · √2
√200 vereinfacht sich zu 10 · √2. Das ist genauer als eine gerundete Dezimalzahl, denn √2 ist irrational und lässt sich nicht exakt als Dezimalzahl schreiben. Als Näherung ergibt sich 10 · 1,414 ≈ 14,14.
Typische Fehler
Der häufigste Fehler ist, die Wurzel gliedweise auf eine Summe zu verteilen: √(9 + 16) wird fälschlich als √9 + √16 = 3 + 4 = 7 gerechnet. Richtig ist √25 = 5. Bei Summen und Differenzen musst du immer zuerst im Kopf rechnen, was unter der Wurzel steht, und erst danach die Wurzel ziehen.
Ein zweiter Fehler ist, beim teilweisen Wurzelziehen nicht die größte Quadratzahl zu wählen. Wer √200 als √(4 · 50) = 2 · √50 schreibt, hat zwar nicht falsch gerechnet, aber das Ergebnis lässt sich noch weiter vereinfachen, weil in 50 wieder die Quadratzahl 25 steckt. Suche deshalb möglichst gleich die größte passende Quadratzahl, hier 100.
Ein dritter Fehler betrifft negative Radikanden: Manche schreiben √(−9) = −3, weil sie an das Vorzeichen der gesuchten Zahl denken. Tatsächlich hat kein reelles Quadrat einen negativen Wert, deshalb ist √(−9) im Bereich der reellen Zahlen nicht definiert. Verwechsle das auch nicht mit der Gleichung x² = 9, die zwei Lösungen hat, nämlich x = 3 und x = −3.
Alltagsbezug: Tipps für die Klassenarbeit
Wurzeln stecken in vielen Alltagsmaßen. Die Diagonale eines Bildschirms wird in Zoll angegeben und über den Satz des Pythagoras aus Breite und Höhe berechnet, am Ende steht dabei immer eine Wurzel. Auch Handwerker nutzen die Wurzel: Wer weiß, dass eine quadratische Terrasse 49 m² groß werden soll, kann sofort ausrechnen, dass jede Seite 7 m lang werden muss, ohne die Fläche erst mühsam abzuschreiten.
Für die Klassenarbeit lohnt es sich, die Quadratzahlen von 1² bis 20² auswendig zu können, denn dann erkennst du die meisten Wurzeln sofort, ohne zu rechnen. Bei krummen Zahlen wie √70 hilft die Einschachtelung: √64 = 8 und √81 = 9, also liegt √70 zwischen 8 und 9, näher an 8. So kannst du dein Ergebnis grob überschlagen und Rechenfehler erkennen, bevor du sie abgibst.
Kontrolliere jedes Ergebnis mit der Probe durch Quadrieren. Rechnest du dein Resultat mit sich selbst multipliziert nach und erhältst wieder den ursprünglichen Radikanden, hast du sicher richtig gerechnet. Diese Probe kostet nur wenige Sekunden, deckt aber die häufigsten Fehler zuverlässig auf.
Jetzt bist du dran!
Berechne √144.
Das Wichtigste in Kürze
- √a ist die nicht-negative Zahl, die mit sich selbst multipliziert a ergibt.
- Wurzelziehen macht das Quadrieren rückgängig: √16 = 4, weil 4 · 4 = 16.
- Aus negativen Zahlen gibt es keine Quadratwurzel.
- Bei Produkten darfst du die Wurzel aufteilen, bei Summen nicht.
- √(9 + 16) ist 5, nicht 7 – erst rechnen, dann Wurzel ziehen.
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Häufige Fragen zu Quadratwurzeln
- Wie ziehe ich eine Wurzel ohne Taschenrechner?
- Bei Quadratzahlen hilft Auswendiglernen: Wer die Quadratzahlen bis 400 kennt, sieht sofort, dass √225 = 15 ist. Bei anderen Zahlen schätzt du zwischen zwei Quadratzahlen ein. √50 liegt zwischen √49 = 7 und √64 = 8, und zwar knapp über 7. Alternativ spaltest du eine Quadratzahl als Faktor ab: √50 = √(25 · 2) = 5 · √2.
- Warum ist √16 nur 4 und nicht auch −4?
- Das Wurzelzeichen ist so festgelegt, dass es immer genau ein Ergebnis liefert, und zwar das nicht-negative. Sonst wäre √16 kein eindeutiger Wert, und man könnte nicht sauber damit rechnen. Löst du dagegen die Gleichung x² = 16, gibt es zwei Lösungen: x = 4 und x = −4. Dort schreibst du x = ±√16.
- In welcher Klasse lernt man Wurzeln?
- Quadratwurzeln stehen in den meisten Bundesländern in Klasse 8 oder 9 auf dem Lehrplan, meist kurz vor dem Satz des Pythagoras. Dort brauchst du sie sofort, um Seitenlängen zu berechnen. Später kommen die quadratischen Gleichungen dazu, bei denen die Wurzel in der Lösungsformel steckt. Höhere Wurzeln wie die dritte Wurzel folgen oft erst in Klasse 10.
- Was ist der Unterschied zwischen Wurzel und Quadrat?
- Quadrieren heißt, eine Zahl mit sich selbst zu multiplizieren: 5² = 25. Die Wurzel geht den umgekehrten Weg und fragt, welche Zahl quadriert wurde: √25 = 5. Beide Rechenarten heben sich also gegenseitig auf. Aus einer Länge wird durch Quadrieren eine Fläche, aus einer Fläche durch Wurzelziehen wieder eine Länge.
- Darf man eine Wurzel aus einer Summe aufteilen?
- Nein. √(9 + 16) ist 5 und nicht 3 + 4 = 7. Aufteilen darfst du nur bei Produkten und Quotienten, zum Beispiel √(4 · 9) = 2 · 3. Steht unter der Wurzel ein Plus oder Minus, rechnest du zuerst den Radikanden aus und ziehst danach die Wurzel. Mit einer Probe durch Quadrieren entlarvst du den Fehler schnell.
- Was ist teilweises Wurzelziehen?
- Beim teilweisen Wurzelziehen suchst du im Radikanden die größte Quadratzahl, die als Faktor darin steckt, und ziehst nur aus ihr die Wurzel. Aus √200 wird so √(100 · 2) = 10 · √2. Das Ergebnis ist genauer als eine gerundete Dezimalzahl und lässt sich leichter mit anderen Wurzeltermen zusammenfassen, etwa beim Addieren gleichartiger Wurzeln.
- Wie schätzt man eine Wurzel ohne Taschenrechner?
- Suche die beiden benachbarten Quadratzahlen. Für √70 gilt √64 = 8 und √81 = 9, also liegt √70 zwischen 8 und 9. Da 70 näher an 64 liegt, ist der Wert näher an 8, etwa 8,4. Diese Einschachtelung reicht in vielen Aufgaben zur groben Kontrolle, ob ein berechnetes Ergebnis überhaupt in der richtigen Größenordnung liegt.
- Was ist der Unterschied zwischen √16 und der Gleichung x² = 16?
- Das Wurzelzeichen √16 liefert immer genau einen Wert, nämlich 4. Die Gleichung x² = 16 fragt dagegen nach allen Zahlen, die quadriert 16 ergeben, und hat deshalb zwei Lösungen: x = 4 und x = −4, kurz x = ±4. Der Unterschied liegt also darin, ob eine feste Definition oder eine Gleichung mit mehreren Lösungen gemeint ist.
Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.
Das solltest du vorher können
- Potenzen und Potenzgesetze
- Einmaleinsin Arbeit