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Kongruenz und Ähnlichkeit: deckungsgleiche und formgleiche Figuren

In dieser Lektion lernst du den Unterschied zwischen kongruenten und ähnlichen Figuren. Du erfährst, welche vier Kongruenzsätze bei Dreiecken gelten, wie du den Streckfaktor bei ähnlichen Figuren berechnest und warum sich die Fläche mit dem Quadrat dieses Faktors verändert.

  • Fach: Mathematik
  • Klasse 8
  • Thema: Geometrie
  • Dauer: 18 Min
  • Niveau: Mittel
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Kongruent oder ähnlich?

Zwei Figuren heißen kongruent, wenn sie in Form und Größe vollständig übereinstimmen, sich also durch Verschieben, Drehen oder Spiegeln genau zur Deckung bringen lassen. Zwei ausgeschnittene, gleich große Dreiecke aus Papier, die exakt aufeinanderpassen, sind kongruent. Alle Seiten und alle Winkel stimmen dabei paarweise überein.

Zwei Figuren heißen dagegen ähnlich, wenn sie zwar dieselbe Form, aber unterschiedliche Größe haben. Ein Foto und dessen vergrößerter Ausdruck sind ähnlich: Alle Winkel bleiben gleich, aber alle Längen werden um denselben Faktor gestreckt oder gestaucht. Diesen Faktor nennt man Streckfaktor oder Ähnlichkeitsfaktor, meist mit dem Buchstaben k bezeichnet.

Kongruenz ist damit ein Spezialfall von Ähnlichkeit: Ist der Streckfaktor genau 1, sind zwei ähnliche Figuren zugleich kongruent. In der Praxis begegnen dir beide Begriffe beim Kartenlesen, bei Bauplänen im Maßstab oder beim Vergrößern von Bildern am Bildschirm.

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Die vier Kongruenzsätze für Dreiecke

Um zu zeigen, dass zwei Dreiecke kongruent sind, muss man nicht alle sechs Stücke – drei Seiten und drei Winkel – vergleichen. Es reichen bestimmte Kombinationen von drei Angaben, die sogenannten Kongruenzsätze. Der Satz SSS besagt: Stimmen alle drei Seiten zweier Dreiecke überein, sind die Dreiecke kongruent.

Der Satz SWS gilt, wenn zwei Seiten und der von ihnen eingeschlossene Winkel übereinstimmen. Der Satz WSW gilt, wenn zwei Winkel und die dazwischenliegende Seite übereinstimmen. Der Satz SsW schließlich gilt, wenn zwei Seiten und der Winkel übereinstimmen, der der größeren der beiden Seiten gegenüberliegt – hier ist die Reihenfolge wichtig, sonst ist die Aussage nicht eindeutig.

KurzformBedeutungMerkhilfe
SSSdrei Seiten stimmen übereinSeite-Seite-Seite
SWSzwei Seiten und eingeschlossener WinkelSeite-Winkel-Seite
WSWzwei Winkel und dazwischenliegende SeiteWinkel-Seite-Winkel
SsWzwei Seiten und Winkel gegenüber der größeren SeiteSeite-Seite-Winkel
Die vier Kongruenzsätze für Dreiecke
Diese vier Kombinationen von Angaben legen ein Dreieck eindeutig fest.
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Beispiel 1: Kongruenz mit dem Satz SWS nachweisen

Zwei Dreiecke ABC und DEF haben die Seiten AB = 5 cm und AC = 7 cm mit dem eingeschlossenen Winkel α = 40°. Dreieck DEF hat DE = 5 cm und DF = 7 cm mit dem eingeschlossenen Winkel δ = 40°. Sind die Dreiecke kongruent?

Gegeben:

  • ABDE5 cm
  • ACDF7 cm
  • αδ40°

Gesucht:

Kongruenz ja oder nein

Lösung:

  1. Angaben mit dem Satz SWS vergleichen: zwei Seiten und der eingeschlossene Winkel.
  2. AB und DE sind gleich lang: beide 5 cm.
  3. AC und DF sind gleich lang: beide 7 cm.
  4. Der von diesen Seiten eingeschlossene Winkel ist bei beiden Dreiecken 40°.

Da zwei Seiten und der eingeschlossene Winkel übereinstimmen, sind die Dreiecke nach dem Kongruenzsatz SWS kongruent. Das bedeutet automatisch, dass auch die dritte Seite und die beiden übrigen Winkel in beiden Dreiecken gleich groß sind, ohne dass man sie einzeln nachmessen muss.

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Beispiel 2: Streckfaktor und Flächenverhältnis berechnen

Ein Dreieck mit den Seiten 3 cm, 4 cm und 5 cm wird vergrößert, sodass die kürzeste Seite jetzt 9 cm lang ist. Wie lang sind die anderen Seiten, und wie verändert sich die Fläche?

Gegeben:

  • alte Seite: 3 cm
  • neue Seite: 9 cm
  • weitere alte Seiten: 4 cm und 5 cm

Gesucht:

Streckfaktor, neue Seitenlängen, Flächenverhältnis

Lösung:

  1. Streckfaktor berechnen: k = neue Länge/alte Länge = 9 cm/3 cm = 3
  2. Zweite Seite berechnen: 4 cm · 312 cm
  3. Dritte Seite berechnen: 5 cm · 315 cm
  4. Flächenverhältnis bestimmen: Die Fläche skaliert mit k², also mit 3² = 9

Das neue Dreieck hat die Seiten 9 cm, 12 cm und 15 cm, der Streckfaktor beträgt k = 3. Die Fläche des neuen Dreiecks ist neunmal so groß wie die des alten, nicht nur dreimal, weil sich bei einer Streckung um den Faktor k jede der beiden Seiten der Flächenformel verlängert und sich die Effekte multiplizieren.

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Typische Fehler

Der häufigste Fehler ist, den Streckfaktor auf die Fläche genauso anzuwenden wie auf die Länge. Verdoppelt sich eine Seite, verdoppelt sich die Fläche nicht auch nur, sondern vervierfacht sich, weil die Fläche von zwei Längen abhängt. Merke dir deshalb: Längen skalieren mit k, Flächen mit k².

Ein zweiter Fehler ist, beim Satz SsW die Reihenfolge der Buchstaben zu missachten. Der Winkel muss der größeren der beiden angegebenen Seiten gegenüberliegen, sonst ist die Aussage über die Kongruenz nicht eindeutig und es könnten sogar zwei unterschiedliche Dreiecke zu den gleichen Angaben passen.

Ein dritter Fehler ist, Kongruenz und Ähnlichkeit zu verwechseln und zu behaupten, ähnliche Figuren seien automatisch auch kongruent. Das stimmt nur, wenn der Streckfaktor genau 1 ist. Bei jedem anderen Streckfaktor sind die Figuren zwar formgleich, aber unterschiedlich groß und damit nicht kongruent.

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Tipps für die Klassenarbeit

Wenn du Kongruenz nachweisen sollst, sortiere zuerst die gegebenen Angaben nach Seiten und Winkeln und prüfe dann, welcher der vier Kongruenzsätze SSS, SWS, WSW oder SsW zu genau diesen Angaben passt. Achte besonders darauf, ob ein angegebener Winkel wirklich zwischen den beiden Seiten liegt oder nicht.

Bei Ähnlichkeitsaufgaben lohnt es sich, zuerst den Streckfaktor zu bestimmen, indem du zwei einander entsprechende Seiten durcheinander teilst. Mit diesem einen Faktor lassen sich dann alle weiteren Seiten berechnen, ohne dass du jede Seite einzeln herleiten musst.

Behalte im Kopf, dass sich bei ähnlichen Figuren Längen mit k, Flächen mit k² und Volumina mit k³ verändern. Diese Regel wird in vielen Textaufgaben zu Modellen und Maßstäben abgefragt, etwa bei Architekturmodellen oder Landkarten.

Die wichtigsten Regeln zu Kongruenz und Ähnlichkeit auf einen Blick.
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Jetzt bist du dran!

Aufgabe 1 von 3

Zwei Dreiecke stimmen in zwei Winkeln und der dazwischenliegenden Seite überein. Welcher Kongruenzsatz greift hier?

Zwei Dreiecke stimmen in zwei Winkeln und der dazwischenliegenden Seite überein. Welcher Kongruenzsatz greift hier?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Kongruente Figuren stimmen in Form und Größe überein, ähnliche Figuren nur in der Form.
  • Die vier Kongruenzsätze für Dreiecke sind SSS, SWS, WSW und SsW.
  • Der Streckfaktor k = neue Länge/alte Länge beschreibt, wie stark eine ähnliche Figur vergrößert oder verkleinert ist.
  • Längen skalieren mit k, Flächen mit k² und Volumina mit k³.
  • Typischer Fehler: bei einer Vergrößerung die Fläche nur mit k statt mit k² multiplizieren.

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Häufige Fragen zu Kongruenz und Ähnlichkeit: deckungsgleiche und formgleiche Figuren

Was ist der Unterschied zwischen Kongruenz und Ähnlichkeit?
Kongruente Figuren sind deckungsgleich, sie stimmen in Form und Größe vollständig überein. Ähnliche Figuren haben zwar dieselbe Form, aber unterschiedliche Größe, alle Längen sind um denselben Streckfaktor verändert. Kongruenz ist ein Spezialfall von Ähnlichkeit mit dem Streckfaktor 1.
Wie beweist man, dass zwei Dreiecke kongruent sind?
Man prüft, ob die gegebenen Angaben zu einem der vier Kongruenzsätze passen: SSS (drei Seiten), SWS (zwei Seiten und der eingeschlossene Winkel), WSW (zwei Winkel und die dazwischenliegende Seite) oder SsW (zwei Seiten und der Winkel gegenüber der größeren Seite). Passt eine dieser Kombinationen, sind die Dreiecke kongruent.
Wie berechnet man den Streckfaktor?
Der Streckfaktor k ergibt sich, indem man eine Länge der neuen Figur durch die entsprechende Länge der alten Figur teilt: k = neue Länge/alte Länge. Mit diesem einen Faktor lassen sich alle anderen Seiten der ähnlichen Figur berechnen, weil er für die ganze Figur gleich ist.
Warum verändert sich die Fläche mit k² und nicht mit k?
Weil eine Fläche aus zwei Längen berechnet wird, etwa Länge mal Breite. Werden beide Längen mit k multipliziert, wächst die Fläche um k mal k, also um k². Verdoppelt sich zum Beispiel jede Seite eines Rechtecks, wird die Fläche viermal so groß, nicht nur doppelt.
In welcher Klasse lernt man Kongruenz und Ähnlichkeit?
Das Thema wird meist in Klasse 8 behandelt, nachdem Dreieckskonstruktionen und die Winkelsätze bekannt sind. Später bauen die Strahlensätze und die Trigonometrie direkt auf dem Verständnis von Ähnlichkeit auf, weil beide mit gleichbleibenden Seitenverhältnissen arbeiten.
Was bedeutet der Kongruenzsatz SsW genau?
SsW gilt, wenn zwei Seiten eines Dreiecks und der Winkel bekannt sind, der der größeren dieser beiden Seiten gegenüberliegt. Nur unter dieser Bedingung ist das Dreieck eindeutig festgelegt. Läge der Winkel der kleineren Seite gegenüber, könnten zwei unterschiedliche Dreiecke zu denselben Angaben passen.
Sind alle gleichseitigen Dreiecke ähnlich zueinander?
Ja, alle gleichseitigen Dreiecke sind einander ähnlich, weil sie alle die gleichen Winkel von 60 Grad haben und sich nur in der Seitenlänge unterscheiden. Erst wenn zusätzlich die Seitenlänge übereinstimmt, sind zwei gleichseitige Dreiecke auch kongruent.
Wie hängen Ähnlichkeit und Maßstab zusammen?
Ein Maßstab wie 1 zu 100 auf einer Landkarte ist nichts anderes als ein Streckfaktor zwischen der realen Größe und der Darstellung. Alle Formen bleiben dabei gleich, nur die Größe ändert sich um diesen Faktor – genau das Prinzip der Ähnlichkeit, das auch bei Bauplänen und Modellen verwendet wird.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.

Das solltest du vorher können

Das kommt als Nächstes