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Widerstand im Nationalsozialismus

Auch unter der Terrorherrschaft der Nationalsozialisten gab es Menschen, die sich unter Lebensgefahr widersetzten – von Flugblattaktionen bis zum Attentatsversuch auf Hitler. In dieser Lektion lernst du die wichtigsten Widerstandsgruppen kennen, verstehst ihre unterschiedlichen Motive und erfährst, warum Widerstand im NS-Staat so schwierig und gefährlich war.

  • Fach: Geschichte
  • Klasse 9
  • Thema: Moderne
  • Dauer: 22 Min
  • Niveau: Mittel
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Warum Widerstand im NS-Staat so schwierig war

Wenn du heute von „Widerstand“ hörst, denkst du vielleicht an offenen Protest auf der Straße. Im nationalsozialistischen Deutschland war das lebensgefährlich: Das Regime kontrollierte Presse, Polizei und Justiz vollständig, unterhielt ein dichtes Netz an Spitzeln und verfolgte abweichendes Verhalten mit Gestapo, Konzentrationslagern und Todesurteilen. Schon eine kritische Bemerkung im privaten Umfeld konnte, wenn sie denunziert wurde, zu Verhaftung führen.

Widerstand reichte deshalb von unauffälligen Formen – etwa dem heimlichen Verbreiten von Nachrichten aus dem Ausland oder kleiner Hilfe für Verfolgte – bis zu offenem, organisiertem Handeln wie Flugblattaktionen oder dem Versuch eines Staatsstreichs. Historikerinnen und Historiker unterscheiden deshalb zwischen „Resistenz“ (begrenzte, oft stille Verweigerung) und „Widerstand“ im engeren Sinn (aktiver, organisierter Kampf gegen das Regime).

Wichtig ist: Aktiver Widerstand blieb in der deutschen Bevölkerung eine kleine Minderheit. Die meisten Menschen arrangierten sich, aus Überzeugung, Angst oder Gleichgültigkeit, mit dem Regime. Das macht die Taten der Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer nicht weniger bedeutsam, erklärt aber, warum keiner der Widerstandsversuche das NS-Regime stürzen konnte.

Widerstand gegen das NS-Regime gab es in unterschiedlichen Formen über die gesamte Zeit von 1933 bis 1945.
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Gruppen des Widerstands: viele Motive, viele Methoden

Es gab keinen einheitlichen „Widerstand“, sondern viele Gruppen mit unterschiedlichen politischen Überzeugungen, die selten zusammenarbeiteten. Sozialdemokraten und Kommunisten aus der Arbeiterbewegung organisierten von Beginn an, ab 1933, illegale Zellen, verteilten verbotene Flugblätter und sammelten Informationen – viele von ihnen wurden früh verhaftet, in Konzentrationslager gesperrt oder ermordet.

Bürgerlich-konservative und kirchliche Kreise, etwa der Kreisauer Kreis um Helmuth James Graf von Moltke, entwickelten dagegen eher Pläne für ein Deutschland nach dem Ende der NS-Herrschaft, statt unmittelbar aktiv zu handeln. Kirchliche Widerständler wie der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer kritisierten öffentlich Teile der NS-Politik und halfen teils verfolgten Menschen, auch wenn die Kirchen als Institutionen insgesamt keinen geschlossenen Widerstand leisteten.

Der militärische Widerstand schließlich ging von Offizieren aus, die Zugang zu Waffen und militärischer Organisation hatten. Sie sahen im Attentat auf Hitler und einem anschließenden Staatsstreich den einzigen realistischen Weg, das Regime zu stürzen – ein Ansatz, der 1944 im gescheiterten Attentat vom 20. Juli gipfelte.

GruppeTrägerMethode
Weiße RoseStudierende um Hans und Sophie SchollFlugblätter gegen das Regime
Militärischer WiderstandOffiziere um StauffenbergAttentat und Staatsstreichversuch
ArbeiterbewegungSozialdemokraten und KommunistenIllegale Zellen, Flugblätter, Sabotage
Widerstandsgruppen im Vergleich
Widerstand gegen den Nationalsozialismus kam aus sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen Milieus mit jeweils eigenen Methoden.
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Ursache – Verlauf – Folge: das Attentat vom 20. Juli 1944

Verfolge, wie der bekannteste Umsturzversuch gegen Hitler ablief und warum er scheiterte.

Gegeben:

  • Seit 1938 bestehen in Teilen der Wehrmacht Pläne, Hitler zu stürzen; sie werden durch militärische Erfolge Hitlers immer wieder verworfen.
  • Ab 1943 wird angesichts drohender Kriegsniederlage die Gruppe um Claus Schenk Graf von Stauffenberg aktiver.

Gesucht:

Warum scheiterte der bestorganisierte Umsturzversuch gegen Hitler?

Lösung:

  1. Vorbereitung: Stauffenberg und Mitverschwörer planen, Hitler mit einer Bombe zu töten und anschließend mit dem Plan „Walküre“ die Kontrolle über das Reich zu übernehmen, um Krieg und NS-Herrschaft zu beenden.
  2. Attentat: Am 20. Juli 1944 platziert Stauffenberg eine Bombe im Führerhauptquartier „Wolfsschanze“. Die Explosion verletzt mehrere Anwesende tödlich, Hitler überlebt jedoch nur leicht verletzt, weil die Bombe durch einen schweren Tischfuß teilweise abgeschirmt wird.
  3. Zusammenbruch: Da Hitlers Tod nicht bestätigt werden kann, zögern viele beteiligte Offiziere in Berlin, den geplanten Staatsstreich fortzusetzen. Loyale NS-Kräfte gewinnen rasch die Kontrolle zurück.
  4. Folge: Stauffenberg und mehrere Mitverschwörer werden noch in der Nacht erschossen. In den folgenden Monaten verhaftet die Gestapo tausende Verdächtige; Hunderte Beteiligte und mutmaßliche Sympathisanten werden hingerichtet, teils nach Schauprozessen vor dem berüchtigten „Volksgerichtshof“.

Das Attentat vom 20. Juli 1944 zeigt sowohl den Mut als auch die enge Grenzen des Widerstands: Selbst eine gut vorbereitete Verschwörung mit Zugang zu Waffen und militärischer Organisation scheiterte an Zufällen und mangelnder Entschlossenheit im entscheidenden Moment.

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Die Weiße Rose: Widerstand durch Worte

Eine der bekanntesten Widerstandsgruppen war die „Weiße Rose“, ein kleiner Kreis Münchner Studierender um die Geschwister Hans und Sophie Scholl sowie den Philosophieprofessor Kurt Huber. Ab 1942 verfassten und verteilten sie sechs Flugblätter, die offen zum passiven Widerstand gegen das NS-Regime aufriefen und die Verbrechen des Regimes, einschließlich der Judenverfolgung, klar beim Namen nannten – eine bemerkenswerte Klarsicht zu einer Zeit, in der das öffentliche Wissen darüber begrenzt war.

Die Mitglieder der Weißen Rose besaßen weder Waffen noch politische Macht; ihre Waffe waren Worte. Sie vervielfältigten die Flugblätter selbst, verschickten sie per Post an zufällig ausgewählte Adressen und schmuggelten sie in andere Städte, um den Eindruck einer größeren, organisierten Bewegung zu erwecken.

Im Februar 1943 wurden Hans und Sophie Scholl beim Verteilen von Flugblättern an der Münchner Universität entdeckt, verhaftet und nur wenige Tage später vom Volksgerichtshof unter dem berüchtigten Richter Roland Freisler zum Tode verurteilt und noch am selben Tag hingerichtet. Weitere Mitglieder der Gruppe wurden in den folgenden Monaten ebenfalls verhaftet und hingerichtet.

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Ursachen und Grenzen des Widerstands

Dass Widerstand im NS-Staat so begrenzt blieb, hatte mehrere Gründe. Der totalitäre Überwachungsapparat mit Gestapo und einem dichten Netz an Denunzianten machte organisierten Widerstand extrem gefährlich. Zugleich hatte das Regime durch Propaganda, wirtschaftliche Erfolge in den ersten Jahren und außenpolitische Triumphe wie den schnellen Sieg über Frankreich 1940 tatsächlich Zustimmung bei großen Teilen der Bevölkerung gewonnen, was den Nährboden für Widerstand verkleinerte.

Auch innerhalb der Widerstandsbewegungen gab es Zersplitterung: Kommunisten, Sozialdemokraten, bürgerliche Kreise, Militärs und kirchliche Gruppen verfolgten teils unterschiedliche politische Ziele für die Zeit nach Hitler und arbeiteten selten eng zusammen. Diese fehlende Einheit schwächte die Wirksamkeit des Widerstands zusätzlich.

Trotz seines militärischen Scheiterns hatte der Widerstand langfristige Bedeutung: Er zeigte, dass es auch unter der Diktatur ein „anderes Deutschland“ gab, das sich dem NS-Regime widersetzte. Nach 1945 dienten die Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer, insbesondere die Weiße Rose und die Verschwörer des 20. Juli, als wichtige moralische Bezugspunkte für den demokratischen Neuaufbau Deutschlands.

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Typische Fehler und Tipps für die Klassenarbeit

Ein häufiger Fehler ist es, Widerstand im Nationalsozialismus als einheitliche, gut koordinierte Bewegung darzustellen. Tatsächlich gab es viele unabhängige, oft isolierte Gruppen mit unterschiedlichen politischen Zielen, die selten zusammenarbeiteten. Diese Zersplitterung war einer der Gründe, warum der Widerstand das Regime nicht stürzen konnte.

Ein zweiter Fehler ist es, das Attentat vom 20. Juli 1944 als ersten oder einzigen Widerstandsversuch zu behandeln. Tatsächlich gab es bereits seit 1938 militärische Umsturzpläne, und zivile Widerstandsformen wie die Weiße Rose oder die frühe Arbeiterbewegung bestanden schon Jahre zuvor. Das Attentat war der bekannteste, aber nicht der einzige oder erste Widerstandsversuch.

Für die Klassenarbeit hilft es, drei Gruppen mit ihren zentralen Personen und Methoden sicher zu unterscheiden: die Weiße Rose (Flugblätter, Geschwister Scholl), den militärischen Widerstand (Attentat, Stauffenberg) und die frühe Arbeiterbewegung (illegale Zellen, Sozialdemokraten und Kommunisten). Wenn eine Aufgabe nach den Gründen für das begrenzte Ausmaß des Widerstands fragt, nenne immer mehrere Faktoren: Überwachung, Zustimmung zum Regime und Zersplitterung der Gruppen.

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Jetzt bist du dran!

Aufgabe 1 von 3

Womit leistete die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ Widerstand?

Womit leistete die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ Widerstand?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Widerstand gegen das NS-Regime reichte von stiller Resistenz bis zu organisiertem, aktivem Handeln und blieb wegen strenger Überwachung stets eine kleine Minderheit.
  • Unterschiedliche Gruppen – Arbeiterbewegung, bürgerlich-kirchliche Kreise, militärischer Widerstand – verfolgten eigene Ziele und Methoden und arbeiteten selten zusammen.
  • Die Weiße Rose um die Geschwister Scholl leistete ab 1942 Widerstand durch Flugblätter; 1943 wurden ihre führenden Mitglieder hingerichtet.
  • Das Attentat vom 20. Juli 1944 unter Claus Schenk Graf von Stauffenberg war der bekannteste, aber nicht der einzige Umsturzversuch und scheiterte knapp.
  • Nach 1945 dienten die Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer als wichtige moralische Bezugspunkte für den demokratischen Neuaufbau Deutschlands.
  • Typischer Fehler: Das Attentat vom 20. Juli als ersten Widerstandsversuch zu behandeln – tatsächlich gab es Widerstand bereits seit 1933.

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Häufige Fragen zu Widerstand im Nationalsozialismus

Was versteht man unter Widerstand im Nationalsozialismus?
Widerstand bezeichnet aktives, organisiertes Handeln gegen das NS-Regime, etwa durch Flugblätter, Sabotage, Untergrundzellen oder Attentatsversuche. Er reichte von stiller Verweigerung (Resistenz) bis zum offenen Umsturzversuch. Aktiver Widerstand blieb in der deutschen Bevölkerung stets eine kleine Minderheit, weil das Regime abweichendes Verhalten mit Gestapo, Konzentrationslagern und Todesurteilen verfolgte.
Was war die Weiße Rose?
Die Weiße Rose war eine Widerstandsgruppe Münchner Studierender um die Geschwister Hans und Sophie Scholl, die ab 1942 sechs Flugblätter gegen das NS-Regime verfassten und verbreiteten. Im Februar 1943 wurden die Geschwister Scholl bei der Verteilung entdeckt, verhaftet und vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Was geschah am 20. Juli 1944?
Am 20. Juli 1944 versuchte der Offizier Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Adolf Hitler im Führerhauptquartier „Wolfsschanze“ mit einer Bombe zu töten und anschließend mit dem Plan „Walküre“ einen Staatsstreich durchzuführen. Hitler überlebte leicht verletzt, der Umsturzversuch scheiterte noch in derselben Nacht, Stauffenberg und Mitverschwörer wurden erschossen.
Warum blieb Widerstand gegen Hitler so selten?
Das dichte Überwachungssystem mit Gestapo und Denunzianten machte organisierten Widerstand extrem gefährlich. Zugleich unterstützten Propaganda, wirtschaftliche Erfolge und außenpolitische Siege in den ersten Jahren die Zustimmung großer Teile der Bevölkerung zum Regime. Zusätzlich arbeiteten die verschiedenen Widerstandsgruppen wegen unterschiedlicher politischer Ziele selten zusammen.
Wer war Claus Schenk Graf von Stauffenberg?
Claus Schenk Graf von Stauffenberg war ein Wehrmachtsoffizier, der 1944 zum führenden Kopf des militärischen Widerstands wurde. Er verübte am 20. Juli 1944 das Attentat auf Hitler und plante den anschließenden Staatsstreich. Nach dem Scheitern wurde er noch in derselben Nacht erschossen.
Gab es auch kirchlichen Widerstand gegen den Nationalsozialismus?
Ja, wenn auch nicht als geschlossene Institution. Einzelne Geistliche wie der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer kritisierten Teile der NS-Politik öffentlich und halfen teils verfolgten Menschen. Die Kirchen als Ganzes leisteten jedoch keinen einheitlichen Widerstand; viele Geistliche arrangierten sich mit dem Regime oder unterstützten es sogar.
Was war der Kreisauer Kreis?
Der Kreisauer Kreis war eine Gruppe bürgerlich-konservativer und kirchlicher Widerständler um Helmuth James Graf von Moltke, die sich ab 1940 traf, um Pläne für ein demokratisches Deutschland nach dem Ende der NS-Herrschaft zu entwickeln. Mehrere Mitglieder standen auch dem militärischen Widerstand nahe und wurden nach dem 20. Juli 1944 verhaftet und hingerichtet.
In welcher Klasse wird Widerstand im Nationalsozialismus behandelt?
Widerstand im Nationalsozialismus ist meist Thema im Geschichtsunterricht der 9. Klasse, im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg. Im Mittelpunkt stehen unterschiedliche Widerstandsgruppen, ihre Motive und Methoden sowie die Gründe, warum Widerstand im NS-Staat so begrenzt blieb.

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