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Der Nationalsozialismus

Zwischen 1933 und 1945 herrschte in Deutschland die Diktatur der Nationalsozialisten. In dieser Lektion lernst du, wie Hitler an die Macht kam, wie aus einer Demokratie in wenigen Monaten ein Führerstaat wurde und wie Ausgrenzung und Verfolgung bis zum Holocaust führten.

  • Fach: Geschichte
  • Klasse 9
  • Thema: Moderne
  • Dauer: 20 Min
  • Niveau: Mittel
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Wie die Nationalsozialisten an die Macht kamen

Die Weltwirtschaftskrise ab 1929 stürzte Deutschland in tiefe Not. Millionen Menschen verloren ihre Arbeit, die Regierungen fanden im Reichstag keine Mehrheiten mehr und regierten mit Notverordnungen des Reichspräsidenten. In dieser Lage wuchs die NSDAP unter Adolf Hitler rasant. Sie versprach Arbeit, Ordnung und nationale Größe und machte Juden, Kommunisten und die Demokratie für alle Probleme verantwortlich. 1932 wurde sie stärkste Partei, eine eigene Mehrheit erreichte sie in freien Wahlen aber nie.

Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Hindenburg Hitler zum Reichskanzler. Konservative Politiker glaubten, sie könnten ihn „einrahmen“ und lenken. Das war ein folgenschwerer Irrtum. Nach dem Reichstagsbrand im Februar 1933 wurden Grundrechte außer Kraft gesetzt, im März gab das Ermächtigungsgesetz der Regierung das Recht, Gesetze ohne das Parlament zu erlassen. Nur die SPD stimmte dagegen, die Abgeordneten der KPD waren bereits verhaftet oder geflohen.

Die NS-Ideologie beruhte auf Rassismus und Antisemitismus. Menschen wurden in angeblich wertvolle und wertlose „Rassen“ eingeteilt. Juden wurden Schritt für Schritt entrechtet: 1935 nahmen ihnen die Nürnberger Gesetze die Bürgerrechte, im November 1938 brannten in den Novemberpogromen Synagogen. Im Zweiten Weltkrieg ermordeten die Nationalsozialisten rund sechs Millionen europäische Juden sowie Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung und viele weitere Verfolgte. Dieser Völkermord heißt Holocaust oder Shoah. Er war ein planmäßig organisiertes Verbrechen des Staates.

Von der Weltwirtschaftskrise 1929 bis zum Kriegsende 1945: die wichtigsten Stationen des Nationalsozialismus.
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Demokratie und Diktatur im Vergleich

Um zu verstehen, was 1933 verloren ging, hilft der direkte Vergleich: Wie war die Macht in der Weimarer Republik verteilt, und wie im NS-Staat?

Achte in Quellen darauf, ob Macht kontrolliert wird – durch Parlament, Gerichte und freie Presse – oder ob alle Macht bei einer Person und einer Partei liegt.

Demokratie (Weimarer Verfassung)

Wenn Macht geteilt ist und die Bürger Rechte gegenüber dem Staat haben.

Beispiele

  • Mehrere Parteien treten bei freien Wahlen gegeneinander an.
  • Zeitungen dürfen die Regierung kritisieren.
  • Unabhängige Gerichte schützen die Grundrechte.

Signalwörter

  • Gewaltenteilung
  • freie Wahlen
  • Mehrparteiensystem
  • Pressefreiheit
  • Grundrechte

Diktatur (NS-Staat)

Wenn eine Partei und ein „Führer“ alle Macht besitzen und niemand sie kontrolliert.

Beispiele

  • Ab Juli 1933 ist die NSDAP die einzige erlaubte Partei.
  • Presse und Rundfunk verbreiten nur noch Propaganda.
  • Die Gestapo verhaftet Gegner ohne Gerichtsverfahren und bringt sie in Konzentrationslager.

Signalwörter

  • Führerprinzip
  • Einparteienstaat
  • Gleichschaltung
  • Propaganda
  • Terror
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Ursache – Verlauf – Folge: die Gleichschaltung 1933

Verfolge, wie die Nationalsozialisten innerhalb eines Jahres die demokratischen Einrichtungen beseitigten.

Gegeben:

  • Hitler ist seit dem 30. Januar 1933 Reichskanzler einer Koalitionsregierung.
  • Die NSDAP besitzt im Reichstag keine eigene Mehrheit.

Gesucht:

Wie wurde aus der Demokratie ein Einparteienstaat?

Lösung:

  1. Ursache: Nach dem Reichstagsbrand setzt eine Notverordnung die Grundrechte außer Kraft. Politische Gegner können ohne Anklage festgehalten werden.
  2. Verlauf: Das Ermächtigungsgesetz vom März 1933 erlaubt der Regierung, Gesetze ohne Reichstag zu erlassen. Gewerkschaften werden im Mai zerschlagen, alle anderen Parteien bis Juli verboten oder zur Selbstauflösung gezwungen.
  3. Folge: Länder, Verbände, Presse und Vereine werden der NSDAP unterstellt. Nach Hindenburgs Tod 1934 vereinigt Hitler die Ämter von Kanzler und Präsident und nennt sich „Führer und Reichskanzler“.

In weniger als 18 Monaten war die Demokratie abgeschafft – überwiegend mit scheinbar legalen Mitteln, gestützt durch Terror gegen Andersdenkende. Das zeigt, dass eine Demokratie auch von innen zerstört werden kann.

In eineinhalb Jahren beseitigten die Nationalsozialisten Schritt für Schritt die demokratischen Einrichtungen der Weimarer Republik.
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Ursachen und Folgen im Überblick

Der Aufstieg der Nationalsozialisten hatte mehrere ineinandergreifende Ursachen: die wirtschaftliche Not der Weltwirtschaftskrise, das mangelnde Vertrauen vieler Menschen in die junge Demokratie, die Enttäuschung über den Ersten Weltkrieg und den Versailler Vertrag sowie die Bereitschaft konservativer Eliten, mit den Nationalsozialisten zu paktieren, um die Linke zu schwächen. Keiner dieser Gründe allein erklärt 1933, aber zusammen bildeten sie ein Klima, in dem eine radikale Bewegung wachsen konnte.

Die Folgen reichten weit über die Zerstörung der Demokratie hinaus. Der NS-Staat führte einen Angriffskrieg, der weltweit rund 60 Millionen Menschenleben kostete, darunter Soldaten und eine sehr große Zahl ziviler Opfer. Er organisierte mit dem Holocaust den systematischen Völkermord an den europäischen Juden sowie die Verfolgung von Sinti und Roma, politischen Gegnern, Menschen mit Behinderung, homosexuellen Männern und weiteren Gruppen. Deutschland lag 1945 in Trümmern und war für Jahrzehnte geteilt.

Bis heute prägt der Nationalsozialismus das historische Bewusstsein in Deutschland und Europa: Erinnerungsorte, Gedenktage und die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte sollen verhindern, dass sich eine solche Entwicklung wiederholt. Historiker betonen dabei, wie wichtig funktionierende Institutionen, eine kritische Presse und die Bereitschaft der Bevölkerung sind, Demokratie aktiv zu verteidigen.

BereichUrsacheFolge
WirtschaftWeltwirtschaftskrise ab 1929, MassenarbeitslosigkeitWachsende Unterstützung für radikale Parteien
PolitikSchwache Koalitionen, Notverordnungen, Elitenbündnis mit HitlerErmächtigungsgesetz, Einparteienstaat, Führerprinzip
IdeologieRassismus und Antisemitismus als KernideologieEntrechtung, Verfolgung und Holocaust an rund sechs Millionen Juden
Ursachen und Folgen des Nationalsozialismus
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Typische Fehler und Tipps für die Klassenarbeit

Ein häufiger Fehler ist die Aussage, Hitler habe die Macht durch einen Putsch oder eine Wahlmehrheit erobert. Beides stimmt nicht: Er wurde formal korrekt vom Reichspräsidenten ernannt, obwohl seine Partei nie eine eigene Mehrheit hatte. Genau diese scheinbare Legalität macht den Fall so lehrreich – eine Demokratie kann auch durch die Nutzung ihrer eigenen Regeln ausgehebelt werden.

Ein zweiter Fehler ist, den Holocaust zu verharmlosen oder zu relativieren, etwa durch Vergleiche mit anderen Ereignissen, die die Einzigartigkeit des staatlich organisierten Massenmords verschleiern. In einer Klassenarbeit ist es wichtig, den Holocaust klar als geplantes, industriell organisiertes Verbrechen des NS-Staates zu benennen, nicht als „Nebenfolge“ des Krieges.

Für die Klassenarbeit hilft eine klare Chronologie: 1929 Krise, 1933 Machtübernahme und Gleichschaltung, 1935 Nürnberger Gesetze, 1938 Novemberpogrome, 1939 Kriegsbeginn, 1941 bis 1945 systematischer Massenmord. Wer diese Ankerpunkte kennt, kann Quellen zeitlich richtig einordnen.

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Jetzt bist du dran!

Aufgabe 1 von 3

Wie wurde Hitler Reichskanzler?

Wie wurde Hitler Reichskanzler?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Weltwirtschaftskrise und handlungsunfähige Regierungen verhalfen der NSDAP zum Aufstieg; Hitler wurde am 30. Januar 1933 ernannt.
  • Reichstagsbrandverordnung, Ermächtigungsgesetz und Gleichschaltung machten Deutschland 1933/34 zur Diktatur.
  • Die NS-Ideologie beruhte auf Rassismus und Antisemitismus; Juden wurden schrittweise entrechtet und verfolgt.
  • Der Holocaust war der Völkermord an rund sechs Millionen europäischen Juden – ein staatlich geplantes Verbrechen.
  • Typischer Fehler: „Hitler wurde vom Volk gewählt.“ Die NSDAP hatte nie eine eigene Mehrheit in freien Wahlen, Hitler wurde vom Reichspräsidenten ernannt.

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Häufige Fragen zu Der Nationalsozialismus

Warum konnte Hitler trotz fehlender Mehrheit Kanzler werden?
Konservative Politiker um Franz von Papen glaubten, Hitler in einer Koalitionsregierung kontrollieren zu können, und rieten Reichspräsident Hindenburg zur Ernennung. Sie unterschätzten, wie entschlossen die Nationalsozialisten waren, die Macht vollständig an sich zu reißen. Diese Fehleinschätzung gilt als eine der folgenreichsten Entscheidungen der deutschen Geschichte.
Was ist der Unterschied zwischen NSDAP und Nationalsozialismus?
Die NSDAP war die Partei, die den Nationalsozialismus organisierte und an die Macht brachte. Nationalsozialismus bezeichnet die dahinterstehende Ideologie und das politische System aus Rassismus, Antisemitismus, Führerprinzip und Expansionsstreben, das die NSDAP von 1933 bis 1945 in Deutschland durchsetzte.
Wie viele Menschen starben im Holocaust?
Historiker gehen von rund sechs Millionen ermordeten europäischen Juden aus. Hinzu kommen mehrere hunderttausend ermordete Sinti und Roma, mehr als 200.000 Menschen mit Behinderung, die im Rahmen der sogenannten „Euthanasie“-Morde getötet wurden, sowie politische Gegner, sowjetische Kriegsgefangene und weitere Verfolgte.
Was war die Reichstagsbrandverordnung?
Nach dem Brand des Reichstagsgebäudes am 27. Februar 1933 erließ die Regierung eine Notverordnung, die zentrale Grundrechte wie die persönliche Freiheit, die Pressefreiheit und das Briefgeheimnis außer Kraft setzte. Sie bildete die rechtliche Grundlage für die Verhaftung tausender politischer Gegner ohne Gerichtsverfahren.
Wer widerstand dem Nationalsozialismus?
Widerstand kam aus sehr unterschiedlichen Richtungen: von Sozialdemokraten und Kommunisten im Untergrund, von kirchlichen Kreisen, von der studentischen Gruppe Weiße Rose um Sophie und Hans Scholl sowie von Teilen des Militärs, die 1944 das Stauffenberg-Attentat verübten. Der Widerstand blieb insgesamt begrenzt und wurde vom NS-Staat brutal verfolgt.
In welcher Klasse wird der Nationalsozialismus behandelt?
Das Thema ist in nahezu allen Bundesländern verpflichtender Bestandteil des Geschichtsunterrichts, meist in Klasse 9 oder 10. Häufig wird es mit der Weimarer Republik, dem Zweiten Weltkrieg und dem Umgang mit Erinnerung und Gedenken in der Gegenwart verknüpft.
Warum ist die Frage nach der Verantwortung so wichtig?
Die Geschichte des Nationalsozialismus zeigt, dass Verbrechen dieses Ausmaßes viele Mitwirkende brauchten – von führenden Politikern über Verwaltungsbeamte bis zu Mitläufern in der Bevölkerung. Die historische Aufarbeitung fragt deshalb nicht nur nach den Hauptverantwortlichen, sondern auch danach, wie Zustimmung, Schweigen und Wegsehen ein solches System stützen konnten.
Wie unterscheidet sich der Nationalsozialismus von anderen Diktaturen?
Diktaturen unterdrücken generell politische Freiheit und Opposition. Der Nationalsozialismus war zusätzlich von einer rassistischen Ideologie geprägt, die bestimmte Gruppen als „minderwertig“ einstufte und ihre systematische Ermordung zum Staatsziel machte. Diese Verbindung von Diktatur und geplantem Völkermord gilt als historisch beispiellos.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.

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