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Der Holocaust

Zwischen 1933 und 1945 ermordete das nationalsozialistische Deutschland systematisch rund sechs Millionen europäische Jüdinnen und Juden – ein historisch beispielloses Verbrechen. In dieser Lektion lernst du die schrittweise Entrechtung und Verfolgung, die beteiligten Täterinnen und Täter, den Ablauf des Völkermords sowie die Erinnerungskultur bis heute kennen.

  • Fach: Geschichte
  • Klasse 9
  • Thema: Moderne
  • Dauer: 25 Min
  • Niveau: Schwer
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Was der Holocaust war

Als Holocaust (aus dem Griechischen für „vollständig verbrannt“) oder Shoah (hebräisch für „Katastrophe“) bezeichnet man den von Nazideutschland und seinen Helfern begangenen, systematisch geplanten Völkermord an den europäischen Jüdinnen und Juden zwischen 1933 und 1945. Nach heutigem Forschungsstand wurden dabei rund sechs Millionen jüdische Menschen ermordet – etwa zwei Drittel der vor 1939 in Europa lebenden jüdischen Bevölkerung.

Der Holocaust war kein plötzlicher Ausbruch von Gewalt, sondern das Ergebnis einer über Jahre andauernden, staatlich organisierten Eskalation: von rechtlicher Entrechtung über gesellschaftliche Ausgrenzung und Gewalt bis zum industriell organisierten Massenmord in eigens dafür errichteten Vernichtungslagern. Diese schrittweise Radikalisierung ist zentral, um zu verstehen, wie ein solches Verbrechen in einer modernen Gesellschaft möglich wurde.

Grundlage der Verfolgung war die rassistische NS-Ideologie, die jüdische Menschen als angebliche „Rasse“ konstruierte und zum Feindbild erklärte. Dieser Antisemitismus war nicht neu – Vorurteile gegen Juden gab es in Europa seit Jahrhunderten –, wurde von den Nationalsozialisten aber zur staatlichen Ideologie erhoben und mit modernen bürokratischen und industriellen Mitteln in die Tat umgesetzt.

Die Verfolgung eskalierte über Jahre hinweg von der Entrechtung bis zum systematischen Massenmord.
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Opfergruppen: nicht nur jüdische Menschen, aber vor allem sie

Der Begriff „Holocaust“ bezeichnet im engeren, historisch üblichen Sinn den Völkermord an den europäischen Jüdinnen und Juden. Das nationalsozialistische Regime verfolgte und ermordete jedoch, aus unterschiedlichen ideologischen Gründen, auch weitere Gruppen: Sinti und Roma wurden als „Zigeuner“ rassistisch verfolgt, schätzungsweise zwischen 220 000 und 500 000 wurden ermordet. Diesen Völkermord bezeichnet man auch als „Porajmos“.

Auch Menschen mit Behinderung waren Opfer eines eigenen, bereits vor dem Holocaust an der jüdischen Bevölkerung begonnenen Mordprogramms: Im Rahmen der sogenannten „Aktion T4“ wurden ab 1939 rund 300 000 Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen ermordet, weil die NS-Ideologie sie als angeblich „unwertes Leben“ einstufte. Auch sowjetische Kriegsgefangene, politische Gegner des Regimes und Homosexuelle wurden systematisch verfolgt, interniert und in großer Zahl ermordet.

Diese unterschiedlichen Opfergruppen wurden nicht aus denselben Gründen und nicht im selben Ausmaß verfolgt. Wichtig ist deshalb eine genaue, an den historischen Fakten orientierte Sprache: Der Holocaust bezeichnet spezifisch den Völkermord an den Jüdinnen und Juden, während man für die NS-Verbrechen insgesamt von „NS-Verbrechen“ oder „nationalsozialistischen Völkermorden“ spricht.

OpfergruppeGeschätzte Zahl der ErmordetenGrundlage der Verfolgung
Jüdische Bevölkerung Europasrund 6 MillionenRassistischer Antisemitismus der NS-Ideologie
Sinti und Romamindestens 220 000 bis 500 000Rassistische Verfolgung als „Zigeuner“
Menschen mit Behinderungrund 300 000„Euthanasie“-Morde (Aktion T4)
Vom NS-Regime verfolgte Gruppen (Auswahl)
Der Holocaust im engeren Sinn richtete sich gegen die jüdische Bevölkerung; das NS-Regime verfolgte und ermordete daneben weitere Gruppen.
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Ursache – Verlauf – Folge: der Weg zum Völkermord

Verfolge, wie sich die Verfolgung von rechtlicher Diskriminierung zum industriellen Massenmord steigerte.

Gegeben:

  • Die Nationalsozialisten kommen im Januar 1933 legal an die Regierung und bauen ihre Macht rasch zur Diktatur aus.
  • Antisemitische Ideologie ist zentraler Bestandteil des nationalsozialistischen Programms schon vor der Machtübernahme.

Gesucht:

Wie wurde aus gesetzlicher Diskriminierung ein europaweiter, industriell organisierter Völkermord?

Lösung:

  1. Entrechtung (ab 1933): Boykotte jüdischer Geschäfte, Berufsverbote für jüdische Beamte, Ärzte und Anwälte entziehen jüdischen Menschen ihre wirtschaftliche und rechtliche Stellung.
  2. Ausgrenzung (1935 bis 1938): Die Nürnberger Gesetze von 1935 stufen jüdische Menschen offiziell zu Bürgern zweiter Klasse herab und verbieten Eheschließungen mit „Ariern“. Bei den Novemberpogromen 1938 brennen im ganzen Reich Synagogen, tausende Menschen werden misshandelt oder in Konzentrationslager verschleppt.
  3. Eskalation (1939 bis 1941): Mit dem Überfall auf Polen 1939 und dem Angriff auf die Sowjetunion 1941 gerät die größte jüdische Bevölkerung Europas unter deutsche Kontrolle. Jüdische Menschen werden in abgeriegelte Ghettos gezwungen, Einsatzgruppen der SS beginnen mit systematischen Massenerschießungen hinter der Front.
  4. Industrieller Massenmord (ab 1942): Auf der Wannsee-Konferenz im Januar 1942 koordinieren hochrangige NS-Beamte bürokratisch die europaweite Deportation jüdischer Menschen in eigens errichtete Vernichtungslager wie Auschwitz-Birkenau, Treblinka oder Sobibor, wo die meisten unmittelbar nach Ankunft ermordet werden.

Bis zur Befreiung der letzten Lager 1945 waren rund sechs Millionen jüdische Menschen ermordet worden. Der Ablauf zeigt, wie eine über Jahre andauernde, planmäßige Radikalisierung – nicht ein einzelner Befehl – zum größten Völkermord der europäischen Geschichte führte.

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Täter, Helfer und Mitwissende

Der Holocaust war kein Verbrechen weniger fanatischer Einzeltäter, sondern erforderte die Mitwirkung tausender Beteiligter: SS-Wachmannschaften in den Lagern, Bahnbeamte, die Deportationszüge organisierten, Verwaltungsbeamte, die Listen erstellten, sowie Ärzte, die an Selektionen mitwirkten. Diese arbeitsteilige Organisation machte es für viele Beteiligte leichter, ihre eigene Verantwortung zu verdrängen, weil jeder nur einen kleinen Teil des Gesamtverbrechens ausführte.

Auch in den von Deutschland besetzten Ländern gab es Kollaborateure, die bei der Verfolgung jüdischer Menschen halfen, ebenso wie es Menschen gab, die unter Lebensgefahr Jüdinnen und Juden versteckten und retteten – etwa die als „Gerechte unter den Völkern“ geehrten Helferinnen und Helfer. Die historische Forschung betont, dass Widerstand und Rettung möglich waren, auch wenn sie die Ausnahme blieben.

Der Prozess gegen NS-Kriegsverbrecher in Nürnberg 1945/1946 stellte erstmals den Grundsatz auf, dass sich Täter nicht mit „Befehlsnotstand“ oder bloßer Befehlsausführung von individueller Verantwortung freisprechen können. Dennoch wurden viele Beteiligte nie zur Rechenschaft gezogen; die juristische Aufarbeitung des Holocaust dauerte in Deutschland Jahrzehnte und blieb unvollständig.

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Ursachen und Erinnerungskultur

Die Ursachen des Holocaust liegen in einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren: einem seit Jahrhunderten bestehenden europäischen Antisemitismus, der rassistischen NS-Ideologie, die diesen Antisemitismus radikalisierte, der totalen Kontrolle des NS-Staates über Gesellschaft und Verwaltung sowie den Bedingungen des Zweiten Weltkriegs, der die Verfolgung in besetzten Gebieten weiter eskalieren ließ. Keine dieser Ursachen allein erklärt den Holocaust vollständig.

Nach 1945 dauerte es in Deutschland lange, bis eine breite gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Holocaust begann. Erst ab den 1960er Jahren, etwa durch die Frankfurter Auschwitz-Prozesse, rückte die genauere Aufarbeitung stärker in den Fokus der Öffentlichkeit. Heute gilt die Erinnerung an den Holocaust in Deutschland als zentraler Bestandteil der politischen Kultur, sichtbar etwa im Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin oder den Stolpersteinen vor früheren Wohnhäusern von Opfern in vielen Städten.

Der 27. Januar, der Jahrestag der Befreiung von Auschwitz-Birkenau 1945, ist seit 1996 in Deutschland offizieller Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus und seit 2005 von den Vereinten Nationen als internationaler Holocaust-Gedenktag anerkannt. Diese Erinnerungskultur soll sicherstellen, dass das Wissen um den Holocaust nicht verblasst, gerade weil die Zahl der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen stetig abnimmt.

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Typische Fehler und Tipps für die Klassenarbeit

Ein häufiger Fehler ist es, den Holocaust als plötzliches Ereignis der Kriegsjahre darzustellen. Tatsächlich begann die Verfolgung bereits 1933, unmittelbar nach der nationalsozialistischen Machtübernahme, mit Boykotten und Berufsverboten. Der industrielle Massenmord ab 1942 war der letzte, nicht der einzige Schritt einer über Jahre andauernden Eskalation.

Ein zweiter Fehler ist es, die genauen Opferzahlen zu vermischen oder zu verharmlosen. Die Forschung geht von rund sechs Millionen ermordeten Jüdinnen und Juden aus – diese Zahl solltest du sicher benennen können, ebenso wie die Tatsache, dass weitere Gruppen wie Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung und sowjetische Kriegsgefangene ebenfalls in großer Zahl Opfer nationalsozialistischer Verbrechen wurden, aus jeweils eigenen ideologischen Gründen.

Für die Klassenarbeit hilft es, den Ablauf in vier Phasen zu lernen: Entrechtung (ab 1933), Ausgrenzung und Gewalt (1935 bis 1938), Ghettoisierung und Erschießungen (1939 bis 1941), industrieller Massenmord (ab 1942). Vermeide verharmlosende oder verharmlosend wirkende Formulierungen; historische Fachbegriffe wie „Novemberpogrome“ statt der NS-eigenen, beschönigenden Bezeichnung solltest du korrekt verwenden.

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Jetzt bist du dran!

Aufgabe 1 von 3

Was regelten die Nürnberger Gesetze von 1935?

Was regelten die Nürnberger Gesetze von 1935?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Der Holocaust war der von Nazideutschland und seinen Helfern begangene, systematisch geplante Völkermord an rund sechs Millionen europäischen Jüdinnen und Juden zwischen 1933 und 1945.
  • Die Verfolgung eskalierte schrittweise: Entrechtung ab 1933, Ausgrenzung durch die Nürnberger Gesetze 1935, Gewalt bei den Novemberpogromen 1938, Massenerschießungen ab 1941, industrieller Mord in Vernichtungslagern ab 1942.
  • Auch Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, sowjetische Kriegsgefangene, politische Gegner und Homosexuelle wurden aus jeweils eigenen ideologischen Gründen verfolgt und in großer Zahl ermordet.
  • Der Holocaust erforderte die arbeitsteilige Mitwirkung tausender Beteiligter in Verwaltung, Bahn, Militär und Lagern; individuelle Verantwortung wurde erst nach 1945 juristisch schrittweise aufgearbeitet.
  • Der 27. Januar, Jahrestag der Befreiung von Auschwitz-Birkenau 1945, ist heute internationaler Gedenktag für die Opfer des Holocaust.
  • Typischer Fehler: Den Holocaust als plötzliches Kriegsereignis statt als über zwölf Jahre eskalierten Prozess zu verstehen.

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Häufige Fragen zu Der Holocaust

Was bedeutet das Wort Holocaust?
Das Wort Holocaust stammt aus dem Griechischen und bedeutet ursprünglich „vollständig verbrannt“. Es bezeichnet heute den von Nazideutschland und seinen Helfern zwischen 1933 und 1945 begangenen, systematisch geplanten Völkermord an rund sechs Millionen europäischen Jüdinnen und Juden. Der hebräische Begriff „Shoah“ (Katastrophe) wird gleichbedeutend verwendet.
Wie viele Menschen wurden im Holocaust ermordet?
Nach heutigem Forschungsstand wurden rund sechs Millionen europäische Jüdinnen und Juden im Holocaust ermordet, etwa zwei Drittel der vor 1939 in Europa lebenden jüdischen Bevölkerung. Daneben verfolgte und ermordete das NS-Regime aus jeweils eigenen Gründen weitere Gruppen, etwa Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung und sowjetische Kriegsgefangene.
Wann begann die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung?
Die Verfolgung begann unmittelbar nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 mit Boykotten jüdischer Geschäfte und Berufsverboten. Über die Nürnberger Gesetze 1935 und die Novemberpogrome 1938 eskalierte sie bis zum ab 1941/1942 organisierten industriellen Massenmord. Der Holocaust war damit ein über zwölf Jahre andauernder Prozess, kein plötzliches Ereignis.
Was war die Wannsee-Konferenz?
Bei der Wannsee-Konferenz im Januar 1942 koordinierten hochrangige NS-Beamte in Berlin bürokratisch die europaweite Deportation jüdischer Menschen in Vernichtungslager, die von den Nationalsozialisten beschönigend „Endlösung der Judenfrage“ genannt wurde. Die Konferenz zeigt, wie der Völkermord staatlich organisiert und verwaltungstechnisch geplant wurde.
Was war der Unterschied zwischen Konzentrationslagern und Vernichtungslagern?
Konzentrationslager dienten zunächst vor allem der Inhaftierung, Zwangsarbeit und Terrorisierung politischer Gegner und anderer Verfolgter, wobei viele Häftlinge an Hunger, Krankheit und Misshandlung starben. Vernichtungslager wie Auschwitz-Birkenau, Treblinka oder Sobibor wurden dagegen ab 1942 eigens dafür errichtet, ankommende Menschen unmittelbar systematisch zu ermorden.
Wer waren die Täter des Holocaust?
Der Holocaust wurde von einer Vielzahl Beteiligter arbeitsteilig durchgeführt: SS-Wachmannschaften, Verwaltungsbeamte, Bahnbeamte, Ärzte und Polizeieinheiten in besetzten Gebieten. Diese Organisation erlaubte es vielen Beteiligten, ihre eigene Verantwortung zu verdrängen, weil jeder nur einen Teil des Gesamtverbrechens ausführte. Erst nach 1945 wurde individuelle Verantwortung juristisch schrittweise aufgearbeitet.
Was ist die Erinnerungskultur zum Holocaust?
Als Erinnerungskultur bezeichnet man den gesellschaftlichen Umgang mit der Geschichte des Holocaust, etwa durch Gedenkstätten, das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin, Stolpersteine in vielen Städten und den 27. Januar als internationalen Gedenktag. Sie soll sicherstellen, dass das Wissen um den Holocaust erhalten bleibt, auch wenn immer weniger Zeitzeuginnen und Zeitzeugen berichten können.
In welcher Klasse wird der Holocaust im Unterricht behandelt?
Der Holocaust ist meist Thema im Geschichtsunterricht der 9. Klasse, im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg. Im Mittelpunkt stehen der Ablauf der Verfolgung, die betroffenen Opfergruppen, die Rolle von Tätern und Mitwissenden sowie die heutige Erinnerungskultur.

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