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Die Studentenbewegung 1968

1968 gingen weltweit Studierende auf die Straße, in Westdeutschland richtete sich der Protest gegen verkrustete Autoritäten, den Vietnamkrieg und die unaufgearbeitete NS-Vergangenheit vieler Eltern und Professoren. In dieser Lektion lernst du die Ursachen, wichtigsten Ereignisse und langfristigen Folgen der 68er-Bewegung kennen.

  • Fach: Geschichte
  • Klasse 10
  • Thema: Moderne
  • Dauer: 21 Min
  • Niveau: Mittel
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Eine unruhige Generation

In den 1960er-Jahren wuchs in vielen westlichen Ländern eine neue Generation heran, die erstmals in großer Zahl studierte und sich zunehmend kritisch mit Autoritäten auseinandersetzte. In Westdeutschland richtete sich diese Kritik besonders gegen die Elterngeneration, der viele junge Menschen vorwarfen, die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht ausreichend aufgearbeitet zu haben und stattdessen unbequeme Fragen zu verdrängen.

Hinzu kam internationale Empörung über den Vietnamkrieg, in dem die USA seit den frühen 1960er-Jahren gegen den kommunistischen Norden Vietnams kämpften und dabei auch die Zivilbevölkerung stark trafen. Fernsehbilder von Bombardierungen und zivilen Opfern erreichten erstmals ein Massenpublikum und lösten weltweit Proteste gegen die amerikanische Kriegsführung aus, auch unter westdeutschen Studierenden.

Organisatorisch bündelte sich der Protest in Westdeutschland vor allem im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS), der zur wichtigsten Organisation der sogenannten Außerparlamentarischen Opposition (APO) wurde – eine Bewegung, die sich bewusst außerhalb der etablierten Parteien und Parlamente artikulierte, weil sie diese als reformunfähig ansah.

Innerhalb weniger Jahre eskalierten Proteste, Gewalt und politische Auseinandersetzungen der Studentenbewegung.
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Themen und Forderungen der 68er

Die Studentenbewegung war kein einheitlicher Block, sondern vereinte unterschiedliche Anliegen. Ein zentrales Thema war die Kritik an autoritären Strukturen, etwa an überholten Universitäten mit wenig Mitspracherecht für Studierende, an autoritärer Erziehung in Schule und Familie oder an einer Presselandschaft, die als einseitig konservativ wahrgenommen wurde, allen voran der Axel-Springer-Verlag mit seiner auflagenstarken „Bild“-Zeitung.

Ein weiteres wichtiges Feld war die feministische und sexuelle Befreiung: Die 68er-Bewegung stellte traditionelle Geschlechterrollen infrage und trug zur gesellschaftlichen Liberalisierung bei, etwa bei Fragen von Sexualität, Ehe und Familienmodellen, auch wenn viele Frauen innerhalb der Bewegung selbst noch für gleichberechtigte Anerkennung ihrer politischen Arbeit kämpfen mussten.

International verstanden sich viele Aktivisten als Teil einer globalen Protestwelle, die von den USA über Frankreich bis nach Japan reichte. In Frankreich mündete der Protest im Mai 1968 in einen landesweiten Generalstreik mit Millionen Beteiligten, der die Regierung de Gaulle kurzzeitig ernsthaft ins Wanken brachte, ohne sie letztlich zu stürzen.

ThemaBeispielforderung
NS-VergangenheitKonsequente juristische und öffentliche Aufarbeitung
VietnamkriegEnde der amerikanischen Kriegsführung in Vietnam
HochschulenMitbestimmung von Studierenden, Reform verkrusteter Strukturen
NotstandsgesetzeVerhinderung als Gefahr für demokratische Grundrechte
GeschlechterrollenKritik an traditionellen Rollenbildern, sexuelle Befreiung
Zentrale Themen der Studentenbewegung 1968
Die Studentenbewegung vereinte mehrere Anliegen, von der NS-Aufarbeitung bis zur Kritik an traditionellen Geschlechterrollen.
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Eskalation: Attentat und Notstandsgesetze

Zwei Ereignisse trieben die Proteste in Westdeutschland zu einem Höhepunkt. Am 2. Juni 1967 wurde bei einer Demonstration gegen den Besuch des iranischen Schahs Mohammad Reza Pahlavi der Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten erschossen. Der Tod des unbeteiligten jungen Mannes löste landesweite Empörung aus und radikalisierte Teile der Bewegung, die zunehmend auch Gewalt gegen Sachen und in Einzelfällen gegen Personen für legitim hielten.

Am 11. April 1968 wurde der prominente Studentenführer Rudi Dutschke bei einem Attentat lebensgefährlich am Kopf verletzt. Viele Studierende machten die aufgeheizte Stimmung, für die sie die „Bild“-Zeitung mitverantwortlich sahen, für die Tat mitverantwortlich, was zu tagelangen, teils gewaltsamen „Osterunruhen“ mit Blockaden von Springer-Druckereien führte.

Parallel dazu verabschiedete der Bundestag im Mai 1968 die Notstandsgesetze, die dem Staat besondere Vollmachten für Krisenfälle wie Krieg oder Naturkatastrophen einräumten. Kritiker befürchteten, diese Gesetze könnten ähnlich wie die Notverordnungen am Ende der Weimarer Republik zum Abbau demokratischer Grundrechte missbraucht werden, was zu den größten Demonstrationen der gesamten 68er-Bewegung in Westdeutschland führte.

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Ursachen und Folgen der Studentenbewegung

Erkläre den Zusammenhang zwischen den Ursachen der Proteste und ihren langfristigen gesellschaftlichen Folgen.

Gegeben:

  • Viele Professoren und Politiker der 1960er-Jahre hatten selbst im Nationalsozialismus Karriere gemacht
  • Der Vietnamkrieg wird durch Fernsehbilder erstmals einem Massenpublikum unmittelbar vor Augen geführt
  • Studierende erleben Universitäten als autoritär und ohne echte Mitbestimmung

Gesucht:

Wie führten diese Ursachen zu dauerhaften gesellschaftlichen Veränderungen?

Lösung:

  1. Ursache: Die als unzureichend empfundene Aufarbeitung der NS-Zeit und autoritäre Strukturen an Universitäten erzeugen bei vielen jungen Menschen ein tiefes Misstrauen gegenüber etablierten Autoritäten.
  2. Verstärkung: Der Tod Benno Ohnesorgs 1967 und das Attentat auf Rudi Dutschke 1968 radikalisieren Teile der Bewegung und sorgen für bundesweite mediale Aufmerksamkeit.
  3. Reaktion: Universitäten reformieren in den folgenden Jahren ihre Mitbestimmungsstrukturen, gesellschaftliche Debatten über NS-Vergangenheit, Erziehung und Geschlechterrollen intensivieren sich deutlich.
  4. Langzeitfolge: Aus der Bewegung gehen später neue politische Kräfte hervor, etwa Teile der 1980 gegründeten Partei Die Grünen, und viele 68er prägen als Lehrer, Journalisten oder Politiker jahrzehntelang die politische Kultur Deutschlands.

Die Studentenbewegung veränderte die westdeutsche Gesellschaft nachhaltig: Sie beschleunigte die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, modernisierte Hochschulen und Erziehung und prägte bis heute Debatten über Autorität, Gleichberechtigung und politische Beteiligung.

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Typische Fehler und Alltagsbezug

Ein häufiger Fehler ist, die 68er-Bewegung als rein deutsches Phänomen darzustellen. Tatsächlich gab es 1968 vergleichbare Studentenproteste in vielen Ländern, etwa in den USA gegen den Vietnamkrieg, in Frankreich mit dem Mai 1968 und sogar im kommunistischen Ostblock, wo der Prager Frühling in der Tschechoslowakei im selben Jahr von sowjetischen Truppen niedergeschlagen wurde.

Ein zweiter Fehler ist, die gesamte Bewegung als gewalttätig oder radikal darzustellen. Die überwiegende Mehrheit der Aktionen bestand aus friedlichen Demonstrationen, Diskussionsveranstaltungen und Flugblattaktionen; nur ein kleinerer, sich später radikalisierender Teil griff zu Gewalt, aus dem in den 1970er-Jahren auch die terroristische Rote Armee Fraktion (RAF) hervorging.

Im Alltag wirken Ergebnisse der 68er-Bewegung bis heute nach: Die kritische öffentliche Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit in Schulen und Medien, mehr Mitbestimmung an Universitäten und liberalere Vorstellungen von Erziehung und Geschlechterrollen gehen wesentlich auf diese Zeit zurück.

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Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 3

Was geschah am 2. Juni 1967 bei der Demonstration gegen den Schah-Besuch?

Was geschah am 2. Juni 1967 bei der Demonstration gegen den Schah-Besuch?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Die westdeutsche Studentenbewegung richtete sich vor allem gegen unzureichende NS-Aufarbeitung und den Vietnamkrieg.
  • Der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) war die wichtigste Organisation der Außerparlamentarischen Opposition.
  • Der Tod Benno Ohnesorgs 1967 und das Attentat auf Rudi Dutschke 1968 radikalisierten Teile der Bewegung.
  • Die 1968 verabschiedeten Notstandsgesetze lösten die größten Proteste der gesamten Bewegung aus.
  • Langfristig führte die Bewegung zu Hochschulreformen, gesellschaftlicher Liberalisierung und neuen politischen Kräften wie den Grünen.

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Häufige Fragen zu Die Studentenbewegung 1968

Wogegen richtete sich die Studentenbewegung 1968?
Die Studentenbewegung richtete sich vor allem gegen die als unzureichend empfundene Aufarbeitung der NS-Vergangenheit durch die Elterngeneration, gegen den amerikanischen Vietnamkrieg und gegen autoritäre Strukturen an Universitäten und in der Gesellschaft.
Was war der SDS?
Der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) war die wichtigste Organisation der westdeutschen Studentenbewegung und Kern der sogenannten Außerparlamentarischen Opposition (APO), die sich bewusst außerhalb der etablierten Parteien für politische Veränderungen einsetzte.
Wer war Rudi Dutschke?
Rudi Dutschke war der prominenteste Wortführer der westdeutschen Studentenbewegung. Er wurde am 11. April 1968 bei einem Attentat lebensgefährlich verletzt, überlebte aber schwer gezeichnet und starb 1979 an den Spätfolgen der Verletzung.
Was waren die Notstandsgesetze?
Die 1968 verabschiedeten Notstandsgesetze gaben dem Staat besondere Vollmachten für Krisenfälle wie Krieg oder Katastrophen. Kritiker befürchteten einen möglichen Missbrauch gegen demokratische Grundrechte, was zu den größten Demonstrationen der 68er-Bewegung führte.
War die Studentenbewegung nur in Deutschland aktiv?
Nein, 1968 gab es weltweit vergleichbare Proteste, etwa in den USA gegen den Vietnamkrieg, in Frankreich mit einem landesweiten Generalstreik im Mai 1968 und im Ostblock beim Prager Frühling, der von sowjetischen Truppen niedergeschlagen wurde.
Welche Rolle spielte der Tod von Benno Ohnesorg?
Der Tod des Studenten Benno Ohnesorg, der 1967 von einem Polizisten erschossen wurde, gilt als eines der zentralen Ereignisse, das die Studentenbewegung radikalisierte und zum Symbol für staatliche Gewalt gegen friedliche Demonstranten wurde.
Was hat die Studentenbewegung mit der RAF zu tun?
Aus einem kleinen, sich radikalisierenden Teil der Studentenbewegung ging Anfang der 1970er-Jahre die terroristische Rote Armee Fraktion (RAF) hervor. Die große Mehrheit der 68er-Bewegung selbst handelte jedoch friedlich und lehnte Gewalt gegen Personen ab.
In welcher Klasse behandelt man die Studentenbewegung 1968 im Geschichtsunterricht?
Die Studentenbewegung wird meist in Klasse 10 im Rahmen der westdeutschen Nachkriegsgeschichte behandelt, oft im Zusammenhang mit dem Kalten Krieg und gesellschaftlichem Wandel. Im Mittelpunkt stehen Ursachen, wichtige Ereignisse und langfristige Folgen der Bewegung.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.

Das solltest du vorher können