Die Berliner Mauer
Über 28 Jahre lang teilte die Berliner Mauer eine Stadt, Familien und ein ganzes Land. In dieser Lektion lernst du, warum die DDR-Führung 1961 die Mauer baute, wie das Leben an dieser Grenze aussah und wie es 1989 zum überraschenden Mauerfall kam.
- Fach: Geschichte
- Klasse 10
- Thema: Moderne
- Dauer: 22 Min
- Niveau: Mittel
Eine geteilte Stadt vor 1961
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland 1949 in zwei Staaten geteilt: die Bundesrepublik Deutschland (BRD) im Westen und die Deutsche Demokratische Republik (DDR) im Osten. Auch Berlin, mitten im DDR-Gebiet gelegen, war in vier Besatzungssektoren geteilt und faktisch in West-Berlin und Ost-Berlin gespalten, wobei West-Berlin politisch zur Bundesrepublik gehörte.
Bis 1961 war die Grenze zwischen Ost- und West-Berlin noch relativ leicht zu überqueren, anders als die streng bewachte innerdeutsche Grenze zwischen BRD und DDR. Dadurch flohen zwischen 1949 und 1961 über 2,5 Millionen Menschen aus der DDR in den Westen, oft junge, gut ausgebildete Fachkräfte, ein Aderlass, den die DDR-Führung als „Republikflucht“ bezeichnete und zunehmend als existenzielle Bedrohung ihres Staates ansah.
Die DDR-Führung unter Walter Ulbricht stand damit vor einem Dilemma: Ohne Gegenmaßnahmen drohte der wirtschaftliche und personelle Zusammenbruch des Staates. Da eine offene politische Lösung der Massenflucht wegen der grundsätzlich unterschiedlichen politischen Systeme nicht in Sicht war, entschied sich die Führung, unterstützt von der Sowjetunion, für eine radikale Grenzschließung.
Der Mauerbau 1961
In der Nacht zum 13. August 1961 begannen DDR-Grenztruppen und paramilitärische Kampfgruppen, die Sektorengrenze in Berlin mit Stacheldraht, Absperrungen und Betonelementen abzuriegeln. Die Aktion war minutiös geplant und wurde bewusst an einem Wochenende durchgeführt, um Überraschung und schnelle Kontrolle zu sichern. Innerhalb weniger Tage wurde die provisorische Absperrung durch feste Mauerelemente ersetzt.
Walter Ulbricht hatte wenige Wochen zuvor öffentlich erklärt: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“ – ein Satz, der sich später als bewusste Irreführung erwies und bis heute als Symbol für die Unglaubwürdigkeit der DDR-Führung gilt. Für die Berliner Bevölkerung kam der Mauerbau dennoch überraschend: Über Nacht wurden Familien getrennt, Arbeitswege unmöglich gemacht und U-Bahn-Linien unterbrochen.
Die Mauer entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einer hochtechnisierten Grenzanlage mit zwei parallelen Mauern, einem breiten „Todesstreifen“ dazwischen, Wachtürmen, Selbstschussanlagen an manchen Abschnitten, Hundelaufanlagen und beleuchteten Kontrollstreifen. Insgesamt war die innerstädtische Grenze rund 43 Kilometer lang, die gesamte Grenze um West-Berlin einschließlich Umland etwa 155 Kilometer.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Baubeginn | 13. August 1961 |
| Gesamtlänge um West-Berlin | rund 155 Kilometer |
| Länge in der Innenstadt | rund 43 Kilometer |
| Wachtürme (Ende der 1980er) | über 300 |
| Bestehen bis zum Fall | 27 Jahre, 2 Monate, 27 Tage |
Leben und Sterben an der Mauer
Trotz der massiven Sicherung versuchten in den Jahren des Mauerbestehens tausende Menschen, die Grenze zu überwinden – durch selbstgegrabene Tunnel, mit Fluchtautos, Heißluftballons oder waghalsigen Sprüngen aus Häusern direkt an der Grenze. Viele dieser Fluchtversuche gelangen, viele scheiterten mit Verhaftung, manche endeten tödlich.
Nach heutigem Forschungsstand starben an der Berliner Mauer und den angrenzenden Grenzanlagen mindestens 140 Menschen, die meisten davon durch Schüsse der DDR-Grenzsoldaten, die den sogenannten Schießbefehl befolgten. Besonders bekannt wurde der Tod des 18-jährigen Peter Fechter, der 1962 nahe dem Checkpoint Charlie erschossen wurde und dessen Sterben von westlicher Seite nicht verhindert werden konnte, ohne einen internationalen Zwischenfall zu riskieren.
Für die Bewohner beider Seiten veränderte die Mauer den Alltag tiefgreifend: Familien, Freundschaften und Arbeitsverhältnisse wurden zerrissen, Besuche waren nur mit strengen Kontrollen und oft nur für Rentner der DDR möglich. West-Berlin wurde faktisch zu einer isolierten Insel mitten im DDR-Gebiet, versorgt über Luft-, Straßen- und Wasserwege, deren Nutzung politisch immer wieder umstritten war.
Ursachen und Folgen des Mauerfalls 1989
Verfolge, wie es innerhalb weniger Monate 1989 zum überraschenden Fall der Mauer kam.
Gegeben:
- Ab Sommer 1989 öffnet Ungarn seine Grenze zu Österreich, tausende DDR-Bürger fliehen über diesen Umweg in den Westen
- In DDR-Städten wie Leipzig finden ab Herbst 1989 wachsende Montagsdemonstrationen für Reformen statt
- Die sowjetische Führung unter Michail Gorbatschow signalisiert, nicht militärisch in andere Ostblockstaaten einzugreifen
Gesucht:
Wie kam es vom Reformdruck des Sommers 1989 zur Öffnung der Mauer am 9. November?Lösung:
- Ursache: Die Fluchtwelle über Ungarn und die Botschaftsbesetzungen in Prag und Warschau zeigen der DDR-Führung, dass sie die Ausreisewünsche nicht mehr kontrollieren kann.
- Verstärkung: Die Montagsdemonstrationen, zunächst in Leipzig, wachsen bis Anfang November auf hunderttausende Teilnehmer in vielen DDR-Städten an, die friedlich Reisefreiheit und politische Reformen fordern.
- Auslöser: Am 9. November 1989 verkündet SED-Funktionär Günter Schabowski auf einer Pressekonferenz missverständlich, neue Reiseregelungen gälten „sofort, unverzüglich“ – ein Formulierungsfehler mit enormer Wirkung.
- Ereignis: Tausende Ost-Berliner strömen daraufhin noch in derselben Nacht zu den Grenzübergängen, die überforderten Grenzsoldaten öffnen schließlich die Schlagbäume, ohne Befehl von oben abzuwarten.
Der Mauerfall am 9. November 1989 war das Ergebnis wachsenden inneren und äußeren Drucks auf die DDR-Führung, ausgelöst durch einen kommunikativen Zufall bei der Pressekonferenz Schabowskis. Er leitete die deutsche Wiedervereinigung ein, die am 3. Oktober 1990 rechtlich vollzogen wurde.
Typische Fehler und Alltagsbezug
Ein häufiger Fehler ist, den Mauerbau 1961 und den Mauerfall 1989 zeitlich zu verwechseln oder die Dauer der deutschen Teilung zu unterschätzen. Zwischen beiden Ereignissen lagen über 28 Jahre, in denen zwei Generationen von Deutschen in getrennten politischen Systemen aufwuchsen.
Ein zweiter Fehler ist, den Mauerfall als geplantes politisches Ereignis darzustellen. Tatsächlich war die Grenzöffnung in der Nacht zum 10. November 1989 ein spontanes, von der Bevölkerung erzwungenes Ereignis, das durch einen Kommunikationsfehler auf einer Pressekonferenz ausgelöst wurde und die DDR-Führung selbst überraschte.
Im Alltag begegnen uns Spuren der Mauer bis heute: Ein doppelter Pflasterstreifen markiert in Berlin an vielen Stellen den ehemaligen Mauerverlauf, die East Side Gallery zeigt bemalte Mauerreste, und der 9. November erinnert Deutschland zugleich an einen der bewegendsten und einen der dunkelsten Tage seiner Geschichte, da an diesem Datum auch die Novemberpogrome von 1938 stattfanden.
Jetzt bist du dran
In welchem Jahr begann der Bau der Berliner Mauer?
Das Wichtigste in Kürze
- Nach der deutschen Teilung 1949 flohen bis 1961 über 2,5 Millionen Menschen aus der DDR, meist über Berlin.
- Am 13. August 1961 begann die DDR mit der Abriegelung der Sektorengrenze, aus der die Berliner Mauer entstand.
- Die Grenzanlage wuchs zu einem hochgesicherten Todesstreifen; mindestens 140 Menschen kamen an der Mauer ums Leben, die meisten bei Fluchtversuchen.
- Fluchtwellen über Ungarn und wachsende Montagsdemonstrationen setzten die DDR-Führung 1989 zunehmend unter Druck.
- Am 9. November 1989 öffnete sich die Mauer nach einer missverständlichen Ankündigung Schabowskis, am 3. Oktober 1990 folgte die deutsche Wiedervereinigung.
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Häufige Fragen zu Die Berliner Mauer
- Warum wurde die Berliner Mauer gebaut?
- Die DDR-Führung baute die Mauer 1961, um die massenhafte Flucht von Bürgern in den Westen zu stoppen. Zwischen 1949 und 1961 hatten über 2,5 Millionen Menschen die DDR verlassen, was den Staat wirtschaftlich und politisch stark schwächte.
- Wie lange stand die Berliner Mauer?
- Die Berliner Mauer bestand vom 13. August 1961 bis zu ihrer Öffnung am 9. November 1989, also 27 Jahre, zwei Monate und 27 Tage. Der offizielle Abriss der meisten Mauerreste erfolgte erst in den Jahren danach.
- Wie viele Menschen starben an der Berliner Mauer?
- Nach heutigem Forschungsstand starben mindestens 140 Menschen an der Berliner Mauer und den angrenzenden Grenzanlagen, die meisten durch Schüsse von DDR-Grenzsoldaten bei Fluchtversuchen. Einzelne Opferzahlen schwanken je nach Studie und Zählweise.
- Was geschah am 9. November 1989?
- Nach einer missverständlichen Ankündigung des SED-Funktionärs Günter Schabowski, neue Reiseregelungen gälten „sofort“, strömten tausende Ost-Berliner zu den Grenzübergängen. Überforderte Grenzsoldaten öffneten schließlich die Schlagbäume, was faktisch das Ende der Berliner Mauer bedeutete.
- Was war der Todesstreifen?
- Der Todesstreifen war der breite, streng gesicherte Bereich zwischen den beiden Mauerlinien der Grenzanlage, ausgestattet mit Wachtürmen, Kontrollstreifen und Hundelaufanlagen. Er sollte Fluchtversuche unmöglich machen und war Schauplatz vieler tödlicher Vorfälle.
- Wer war Peter Fechter?
- Peter Fechter war ein 18 Jahre alter Bauarbeiter, der 1962 bei einem Fluchtversuch nahe dem Checkpoint Charlie von DDR-Grenzsoldaten erschossen wurde. Sein Tod, bei dem er vor den Augen westlicher Beobachter verblutete, wurde weltweit bekannt und zum Symbol für die Unmenschlichkeit der Grenzanlagen.
- Was ist der Unterschied zwischen Mauerbau und Mauerfall?
- Der Mauerbau 1961 war die von der DDR-Führung geplante Abriegelung der Grenze zur Fluchtverhinderung. Der Mauerfall 1989 war dagegen ein spontanes, von der Bevölkerung erzwungenes Ereignis, das die Öffnung der Grenze und wenig später die deutsche Wiedervereinigung einleitete.
- In welcher Klasse behandelt man die Berliner Mauer im Geschichtsunterricht?
- Die Berliner Mauer wird meist in Klasse 10 im Rahmen der deutschen Nachkriegsgeschichte behandelt, oft zusammen mit dem Kalten Krieg und der deutschen Teilung. Im Mittelpunkt stehen Mauerbau, Alltag an der Grenze und die Ereignisse rund um den Mauerfall 1989.
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