Die Novemberrevolution 1918
Die Novemberrevolution 1918 stürzte das deutsche Kaiserreich und machte Deutschland innerhalb weniger Tage zur Republik. In dieser Lektion lernst du, wie ein Matrosenaufstand in Kiel die Revolution auslöste, warum die Republik gleich zweimal ausgerufen wurde und wie am Ende die Weimarer Verfassung entstand.
- Fach: Geschichte
- Klasse 10
- Thema: Moderne
- Dauer: 21 Min
- Niveau: Mittel
Deutschland am Ende des Ersten Weltkriegs
Im Herbst 1918 war der Erste Weltkrieg für das Deutsche Reich militärisch längst verloren, auch wenn die kaiserliche Führung das der Bevölkerung lange verschwiegen hatte. Die Versorgung mit Lebensmitteln war knapp, Millionen Soldaten waren gefallen, und in weiten Teilen der Bevölkerung wuchs die Wut auf die alte Ordnung aus Kaiser, Adel und Militär.
Die Oberste Heeresleitung um Generalquartiermeister Erich Ludendorff drängte im Oktober 1918 selbst auf schnelle Waffenstillstandsverhandlungen, wollte die Verantwortung für die Niederlage aber lieber einer neuen, zivilen Regierung überlassen. So sollte Reichskanzler Max von Baden, der erstmals eine Regierung mit Beteiligung der Sozialdemokratie bildete, um Frieden mit den Alliierten bitten.
In dieser angespannten Lage brauchte es nur einen Funken, um die aufgestaute Unzufriedenheit im ganzen Land zur Explosion zu bringen. Dieser Funke war ein Befehl der Marineführung, der die Novemberrevolution auslöste, obwohl der Krieg da schon so gut wie beendet war.
Der Matrosenaufstand in Kiel
Am 28. Oktober 1918 sollte die deutsche Hochseeflotte in Kiel und Wilhelmshaven noch einmal gegen die weit überlegene britische Marine auslaufen, obwohl der Krieg praktisch schon entschieden war. Viele Matrosen sahen darin einen sinnlosen letzten Kampf, der nur noch Ehre retten, aber keinen militärischen Nutzen mehr bringen sollte, und verweigerten den Befehl.
Aus der Befehlsverweigerung wurde binnen weniger Tage ein offener Aufstand: Matrosen und Arbeiter in Kiel bildeten die ersten Arbeiter- und Soldatenräte, besetzten wichtige Gebäude und verlangten Frieden sowie eine grundlegende politische Neuordnung. Diese Räte griffen ein Modell auf, das in ähnlicher Form bereits aus der russischen Revolution von 1917 bekannt war.
Von Kiel aus breitete sich die Bewegung in den folgenden Tagen wie ein Lauffeuer über ganz Deutschland aus. In Städten wie Hamburg, München und schließlich auch Berlin bildeten sich weitere Räte, die vielerorts binnen weniger Tage die tatsächliche Macht in den Städten übernahmen.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Beginn des Matrosenaufstands | 28. Oktober 1918 |
| Abdankung Wilhelms II. | 9. November 1918 |
| Ende des Ersten Weltkriegs | 11. November 1918 |
| Wahl zur Nationalversammlung | 19. Januar 1919 |
| Inkrafttreten der Weimarer Verfassung | 11. August 1919 |
Zwei Wege in die Republik im Vergleich
Am 9. November 1918 riefen an einem einzigen Tag gleich zwei Politiker in Berlin die Republik aus, die dabei sehr unterschiedliche Ziele verfolgten. Dieser Gegensatz zeigt, wie tief die politische Lager schon damals gespalten waren.
Parlamentarische Republik
Ausgerufen von Philipp Scheidemann (SPD) vom Reichstag aus
Beispiele
- Ziel: parlamentarische Demokratie mit freien Wahlen
- Getragen von der Mehrheitssozialdemokratie
Signalwörter
- Zusammenarbeit mit alten Beamten und dem Militär
- Ordnung und schnelle Wahlen
- Ablehnung einer Räteherrschaft
Sozialistische Räterepublik
Ausgerufen von Karl Liebknecht (Spartakusbund) vom Berliner Stadtschloss aus
Beispiele
- Ziel: Räteherrschaft nach sowjetischem Vorbild
- Getragen von der radikaleren Linken
Signalwörter
- Grundlegender Umsturz der Wirtschaftsordnung
- Macht bei Arbeiter- und Soldatenräten
- Bruch mit alten Eliten
Ursachen und Folgen: Vom Aufstand zur Verfassung
Verfolge, wie aus dem Matrosenaufstand in Kiel eine parlamentarische Republik wurde.
Gegeben:
- Am 28. Oktober 1918 verweigern Matrosen in Kiel einen aussichtslosen Angriffsbefehl
- Arbeiter- und Soldatenräte übernehmen in immer mehr Städten die Macht
- Am 9. November 1918 dankt Kaiser Wilhelm II. ab
Gesucht:
Wie kam es vom Matrosenaufstand zur ersten demokratisch gewählten Nationalversammlung?Lösung:
- Ausbreitung: Der Aufstand in Kiel greift binnen weniger Tage auf zahlreiche deutsche Großstädte über.
- Machtwechsel: Reichskanzler Max von Baden übergibt die Regierung an die SPD, Kaiser Wilhelm II. dankt ab und flieht in die Niederlande.
- Doppelte Ausrufung: Scheidemann ruft die parlamentarische Republik aus, Liebknecht wenig später eine sozialistische Räterepublik.
- Konsolidierung: Die neue Regierung um Friedrich Ebert sichert sich die Unterstützung von Militär und Beamtenschaft, um die Ordnung zu wahren.
Am 19. Januar 1919 wählte die Bevölkerung erstmals frei eine Nationalversammlung, die im August 1919 die Weimarer Verfassung beschloss. Damit setzte sich in Deutschland die parlamentarische Demokratie durch, während die radikale Linke um den Spartakusbund im Januar 1919 blutig niedergeschlagen wurde.
Die Novemberrevolution als Wendepunkt der deutschen Geschichte
Die Novemberrevolution beendete nicht nur das über Jahrhunderte gewachsene deutsche Kaiserreich, sondern brachte Deutschland zum ersten Mal in seiner Geschichte eine parlamentarische Demokratie mit allgemeinem Wahlrecht. Zum ersten Mal durften dabei auch Frauen wählen, was einen enormen Fortschritt gegenüber der Zeit des Kaiserreichs darstellte.
Gleichzeitig blieb die junge Republik von Anfang an tief gespalten: Die radikale Linke fühlte sich von der SPD-Führung verraten, weil diese eng mit dem alten Militär und der Beamtenschaft zusammenarbeitete, statt die Gesellschaft grundlegend umzugestalten. Diese Konflikte entluden sich bereits im Januar 1919 im blutig niedergeschlagenen Spartakusaufstand.
Die ungelösten Konflikte der Novemberrevolution begleiteten die Weimarer Republik durch ihre gesamte, nur 14 Jahre währende Geschichte. Viele Historiker sehen in der halbherzigen Revolution von 1918 eine der Ursachen dafür, warum die junge Demokratie später so instabil blieb.
Typische Fehler und Alltagsbezug
Ein häufiger Fehler ist, die Novemberrevolution mit der Weimarer Verfassung gleichzusetzen. Tatsächlich war die Revolution der Umsturz selbst, während die Verfassung erst rund neun Monate später als Ergebnis der ersten freien Wahlen entstand.
Ein zweiter Fehler ist die Annahme, in Deutschland habe sich 1918 nur eine einzige revolutionäre Kraft durchgesetzt. Tatsächlich standen sich die gemäßigte Mehrheitssozialdemokratie und die radikale Linke offen gegenüber, und dieser Konflikt endete erst mit der gewaltsamen Niederschlagung des Spartakusaufstands.
Im Alltag begegnet uns die Novemberrevolution vor allem im Datum 9. November, das als „Schicksalstag“ mehrere zentrale Ereignisse der deutschen Geschichte verbindet. Auch Straßennamen und Gedenktafeln, etwa in Kiel und Berlin, erinnern bis heute an die Ereignisse von 1918.
Jetzt bist du dran
In welchem Jahr begann die Novemberrevolution mit dem Matrosenaufstand in Kiel (Jahreszahl)?
Das Wichtigste in Kürze
- Der Matrosenaufstand in Kiel am 28. Oktober 1918 löste die Novemberrevolution aus, die sich rasch über ganz Deutschland ausbreitete.
- Am 9. November 1918 dankte Kaiser Wilhelm II. ab, gleichzeitig riefen Scheidemann die parlamentarische Republik und Liebknecht eine Räterepublik aus.
- Am 11. November 1918 endete mit dem Waffenstillstand der Erste Weltkrieg.
- Der Spartakusaufstand im Januar 1919 zeigte die tiefe Spaltung zwischen gemäßigter und radikaler Linker und wurde blutig niedergeschlagen.
- Die Nationalversammlung schuf 1919 mit der Weimarer Verfassung die erste parlamentarische Demokratie auf deutschem Boden.
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Häufige Fragen zu Die Novemberrevolution 1918
- Was war die Novemberrevolution einfach erklärt?
- Die Novemberrevolution 1918 war eine Volkserhebung, die das deutsche Kaiserreich stürzte und Deutschland zur Republik machte. Ausgelöst durch einen Matrosenaufstand in Kiel, breitete sie sich binnen weniger Tage über das ganze Land aus.
- Wann fand die Novemberrevolution statt?
- Die Novemberrevolution begann am 28. Oktober 1918 mit dem Matrosenaufstand in Kiel und gilt mit der Wahl zur Nationalversammlung im Januar 1919 als weitgehend abgeschlossen. Die Weimarer Verfassung trat im August 1919 in Kraft.
- Warum kam es zum Matrosenaufstand in Kiel?
- Die Marineführung wollte die Hochseeflotte noch einmal gegen die überlegene britische Flotte schicken, obwohl der Krieg militärisch schon entschieden war. Viele Matrosen hielten diesen Befehl für sinnlos und verweigerten den Gehorsam.
- Wer rief die Republik am 9. November 1918 aus?
- Philipp Scheidemann rief vom Reichstag aus die parlamentarische Republik aus, wenig später verkündete Karl Liebknecht vom Berliner Stadtschloss eine sozialistische Räterepublik. Dieser Gegensatz zeigte die tiefe Spaltung der revolutionären Kräfte.
- Was war der Spartakusaufstand?
- Der Spartakusaufstand im Januar 1919 war der Versuch der radikalen Linken um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, die Räteherrschaft gewaltsam durchzusetzen. Die Regierung ließ den Aufstand mit Hilfe von Freikorps blutig niederschlagen, dabei wurden Luxemburg und Liebknecht ermordet.
- Welche Folgen hatte die Novemberrevolution?
- Die Novemberrevolution beendete das Kaiserreich und brachte mit der Weimarer Verfassung die erste parlamentarische Demokratie in Deutschland, samt Frauenwahlrecht. Gleichzeitig blieben die Gräben zwischen gemäßigter und radikaler Linker offen und belasteten die junge Republik dauerhaft.
- Was war der Ebert-Groener-Pakt?
- Im Ebert-Groener-Pakt sicherte die alte Heeresführung der neuen Regierung unter Friedrich Ebert ihre Unterstützung zu, um Ordnung und Stabilität zu wahren. Im Gegenzug blieb die traditionelle Struktur des Militärs weitgehend unangetastet.
- In welcher Klasse behandelt man die Novemberrevolution im Geschichtsunterricht?
- Die Novemberrevolution wird meist in Klasse 10 im Rahmen des Endes des Ersten Weltkriegs und der Weimarer Republik behandelt. Im Mittelpunkt stehen die Ursachen des Umsturzes, sein Verlauf und seine Folgen für die junge Demokratie.
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