Die Novemberpogrome 1938
Die Novemberpogrome 1938 waren reichsweite, staatlich gelenkte Gewalttaten gegen jüdische Menschen in Deutschland und Österreich. In dieser Lektion lernst du, wie es zu den Pogromen kam, was in der Nacht zum 10. November 1938 geschah und warum dieser Tag als entscheidender Schritt zum Holocaust gilt.
- Fach: Geschichte
- Klasse 9
- Thema: Moderne
- Dauer: 22 Min
- Niveau: Mittel
Der Weg zur Ausgrenzung ab 1933
Bereits ab 1933 entzog die nationalsozialistische Regierung jüdischen Menschen in Deutschland schrittweise ihre Rechte: Sie verloren ihre Stellen im öffentlichen Dienst, wurden aus Berufen gedrängt und zunehmend aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen. Diese Politik der Ausgrenzung entwickelte sich über mehrere Jahre und traf zunächst vor allem einzelne Lebensbereiche.
Einen entscheidenden Einschnitt markierten die Nürnberger Gesetze von 1935, die jüdischen Menschen die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen und Eheschließungen zwischen Juden und Nichtjuden verboten. Damit war die Ausgrenzung erstmals systematisch und rechtlich verankert, nicht mehr nur eine Sammlung einzelner Maßnahmen.
In den folgenden Jahren verschärfte sich der Druck weiter, etwa durch die Enteignung jüdischer Betriebe. Diese schrittweise Entrechtung bildete den Nährboden, auf dem im November 1938 aus staatlich geduldeter Diskriminierung offene, reichsweite Gewalt wurde.
Das Attentat in Paris als Vorwand
Am 7. November 1938 verübte der siebzehnjährige Herschel Grynszpan, dessen Familie zuvor aus Deutschland ausgewiesen worden war, in Paris ein Attentat auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath. Vom Rath erlag am 9. November 1938 seinen Verletzungen.
Die nationalsozialistische Propaganda um Reichspropagandaminister Joseph Goebbels nutzte den Tod vom Raths sofort als Vorwand, um lange vorbereitete Gewalt gegen jüdische Menschen in ganz Deutschland und dem seit März 1938 angeschlossenen Österreich freizugeben. In einer Rede in München am Abend des 9. November forderte Goebbels die Parteiführung auf, Übergriffe zuzulassen, ohne dass die Partei selbst offiziell in Erscheinung trat.
In der folgenden Nacht führten vor allem SA-Männer, Mitglieder der Hitlerjugend und Parteiaktivisten die Gewalt aus, während die Polizei angewiesen wurde, nicht einzugreifen. Nach außen sollten die Ausschreitungen als spontaner „Volkszorn“ erscheinen, tatsächlich waren sie von der Parteiführung zentral organisiert.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Attentat auf Ernst vom Rath | 7. November 1938 |
| Zerstörte Synagogen | über 1.400 |
| Getötete Menschen | mindestens 91 |
| In Konzentrationslager verschleppte Männer | rund 30.000 |
| Geforderte „Judenvermögensabgabe“ | 1 Milliarde Reichsmark |
„Volkszorn“ oder staatliche Lenkung im Vergleich
Die nationalsozialistische Propaganda stellte die Novemberpogrome bewusst anders dar, als sie tatsächlich abliefen. Der Vergleich zeigt, wie weit die offizielle Darstellung von den historischen Tatsachen entfernt war.
Propaganda-Darstellung
So stellte es die NS-Führung öffentlich dar
Beispiele
- Angeblich spontane Reaktion der Bevölkerung
- Keine offizielle Beteiligung von Partei oder Staat
Signalwörter
- Begriff „Volkszorn“
- Behauptete Distanz der Führung
- Keine erkennbare Planung
Historische Tatsachen
So belegen es Quellen und Forschung
Beispiele
- Zentrale Anweisung durch Goebbels und die Parteiführung
- Polizei wies an, nicht einzugreifen
Signalwörter
- Reichsweit zeitgleiches Vorgehen
- Beteiligung von SA und Hitlerjugend
- Vorbereitete Verhaftungslisten
Ursachen und Folgen: Die Nacht zum 10. November 1938
Verfolge, wie aus einem Attentat in Paris reichsweite, staatlich gelenkte Gewalt gegen jüdische Menschen wurde.
Gegeben:
- Am 7. November 1938 verübt Herschel Grynszpan ein Attentat auf Ernst vom Rath in Paris
- Vom Rath stirbt am 9. November 1938 an seinen Verletzungen
- Die NSDAP-Führung nutzt den Tod als Anlass für lange vorbereitete Gewalt
Gesucht:
Was geschah in der Nacht zum 10. November 1938 in Deutschland und Österreich?Lösung:
- Anweisung: Goebbels fordert die Parteiführung auf, Übergriffe zuzulassen, ohne dass die Partei offiziell in Erscheinung tritt.
- Gewalt: SA-Männer, Hitlerjugend und Parteiaktivisten zerstören reichsweit über 1.400 Synagogen sowie zahlreiche jüdische Geschäfte und Wohnungen.
- Verschleppung: Rund 30.000 jüdische Männer werden festgenommen und in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen gebracht.
- Staatliche Erpressung: Die Betroffenen selbst müssen die entstandenen Schäden bezahlen und werden zusätzlich zur „Judenvermögensabgabe“ von 1 Milliarde Reichsmark gezwungen.
Die Novemberpogrome markierten den Übergang von schrittweiser, oft bürokratischer Ausgrenzung zu offener, reichsweiter Gewalt gegen jüdische Menschen. Sie gelten heute als eine der zentralen Vorstufen auf dem Weg zum Holocaust, der systematischen Ermordung der europäischen Juden während des Zweiten Weltkriegs.
Die Novemberpogrome als Wendepunkt der Verfolgung
Mit den Novemberpogromen verschob sich die Verfolgung jüdischer Menschen sichtbar von rechtlicher Diskriminierung hin zu offener, organisierter Gewalt im öffentlichen Raum. Nach 1938 verschärfte sich der Druck weiter: Jüdische Kinder durften keine öffentlichen Schulen mehr besuchen, und viele Familien versuchten verzweifelt, aus Deutschland zu fliehen.
Für zahlreiche Historiker markieren die Pogrome eine zentrale Etappe auf dem Weg zum Holocaust, auch wenn der systematische Massenmord in den Vernichtungslagern erst einige Jahre später begann. Die Ereignisse zeigten der Weltöffentlichkeit bereits 1938 deutlich, wie weit das NS-Regime zu gehen bereit war.
Viele Länder reagierten damals dennoch zurückhaltend auf die Nachrichten aus Deutschland und nahmen nur begrenzt jüdische Flüchtlinge auf. Diese international unzureichende Reaktion erschwerte vielen Betroffenen die Flucht vor der weiteren Verfolgung erheblich.
Typische Fehler und Umgang mit dem Thema
Ein häufiger Fehler ist, die Novemberpogrome als spontanen Gewaltausbruch der Bevölkerung misszuverstehen. Tatsächlich waren sie von der Parteiführung zentral geplant und angeordnet, auch wenn sie propagandistisch als angebliche Reaktion des „Volkes“ dargestellt wurden.
Ein zweiter Fehler ist die Verwendung des Begriffs „Reichskristallnacht“, der die Ereignisse verharmlost, indem er nur auf zerbrochenes Glas verweist. Die Bezeichnung „Novemberpogrome“ beschreibt zutreffender, dass es sich um organisierte Gewalt gegen Menschen handelte.
Bei diesem Thema ist ein sachlicher, respektvoller Umgang besonders wichtig: Im Mittelpunkt stehen die Betroffenen und ihre Geschichte, nicht die Darstellung von Gewalt. Gedenkstätten und Dokumentationszentren, etwa an Orten ehemaliger Synagogen, machen die Geschichte heute erfahrbar, ohne sie reißerisch darzustellen.
Jetzt bist du dran
In welchem Jahr fanden die Novemberpogrome statt (Jahreszahl)?
Das Wichtigste in Kürze
- Ab 1933 verloren jüdische Menschen schrittweise ihre Rechte, die Nürnberger Gesetze von 1935 entzogen ihnen die Staatsbürgerschaft.
- Das Attentat auf Ernst vom Rath in Paris am 7. November 1938 diente der NS-Führung als Vorwand für lange vorbereitete Gewalt.
- In der Nacht zum 10. November 1938 wurden reichsweit über 1.400 Synagogen sowie zahlreiche jüdische Geschäfte und Wohnungen zerstört.
- Rund 30.000 jüdische Männer wurden verschleppt, die Betroffenen selbst mussten für die Schäden aufkommen.
- Die Novemberpogrome gelten als zentrale Etappe auf dem Weg zum Holocaust, der systematischen Ermordung der europäischen Juden.
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Häufige Fragen zu Die Novemberpogrome 1938
- Was waren die Novemberpogrome 1938 einfach erklärt?
- Die Novemberpogrome waren reichsweite, von der NSDAP-Führung angeordnete Gewalttaten gegen jüdische Menschen in der Nacht zum 10. November 1938. Synagogen, Geschäfte und Wohnungen wurden zerstört, tausende Menschen verhaftet.
- Wann fanden die Novemberpogrome statt?
- Die Novemberpogrome fanden in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 in ganz Deutschland und im angeschlossenen Österreich statt. Auslöser war der Tod des Diplomaten Ernst vom Rath am selben Tag.
- Was war der Anlass für die Novemberpogrome?
- Anlass war das Attentat des siebzehnjährigen Herschel Grynszpan auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath in Paris am 7. November 1938. Die NS-Führung nutzte seinen Tod als Vorwand für lange vorbereitete Gewalt.
- Was ist der Unterschied zwischen „Reichskristallnacht“ und „Novemberpogrome“?
- Der Begriff „Reichskristallnacht“ verharmlost die Ereignisse, indem er nur auf zerbrochenes Glas verweist. Die heute übliche Bezeichnung „Novemberpogrome“ macht deutlicher, dass es sich um organisierte Gewalt gegen Menschen handelte.
- Wer war für die Novemberpogrome verantwortlich?
- Die Pogrome wurden von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels und der NSDAP-Führung zentral angeordnet und von SA-Männern, der Hitlerjugend und Parteiaktivisten ausgeführt. Die Polizei erhielt die Anweisung, nicht einzugreifen.
- Welche Folgen hatten die Novemberpogrome für die Betroffenen?
- Rund 30.000 jüdische Männer wurden in Konzentrationslager verschleppt, die Betroffenen mussten die Schäden an ihrem Eigentum selbst bezahlen und wurden zusätzlich zu einer „Judenvermögensabgabe“ von 1 Milliarde Reichsmark gezwungen.
- Warum gelten die Novemberpogrome als Vorstufe zum Holocaust?
- Die Pogrome zeigten 1938 erstmals offen und reichsweit, wie weit das NS-Regime bei der Verfolgung jüdischer Menschen zu gehen bereit war. Viele Historiker sehen darin einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zur späteren systematischen Ermordung.
- In welcher Klasse behandelt man die Novemberpogrome im Geschichtsunterricht?
- Die Novemberpogrome werden meist in Klasse 9 im Rahmen des Nationalsozialismus behandelt, oft im Zusammenhang mit den Nürnberger Gesetzen und dem Holocaust. Im Mittelpunkt stehen Ursachen, Ablauf und die Bedeutung für die weitere Verfolgung.
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