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Die Europäische Union

Nach zwei verheerenden Weltkriegen entschieden sich europäische Staaten für einen radikal anderen Weg: wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit statt militärischer Konkurrenz. In dieser Lektion lernst du, wie aus der Montanunion von 1951 die heutige Europäische Union wurde, wie ihre wichtigsten Institutionen arbeiten und vor welchen Herausforderungen die Staatengemeinschaft heute steht.

  • Fach: Geschichte
  • Klasse 10
  • Thema: Moderne
  • Dauer: 24 Min
  • Niveau: Mittel
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Von der Montanunion zur Europäischen Union

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag Europa in Trümmern, Millionen Menschen waren gestorben, ganze Städte zerstört. Politiker wie der französische Außenminister Robert Schuman und der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer zogen daraus eine gemeinsame Lehre: Krieg zwischen den europäischen Staaten, besonders zwischen Deutschland und Frankreich, sollte künftig undenkbar werden, indem man die Volkswirtschaften eng miteinander verflocht. 1951 gründeten Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl, kurz Montanunion.

Die Idee dahinter war einfach, aber wirkungsvoll: Kohle und Stahl waren die wichtigsten Rohstoffe für die Rüstungsindustrie. Wer sie gemeinsam verwaltet, kann sie nicht mehr heimlich für einen Krieg gegen den Partner nutzen. 1957 folgten mit den Römischen Verträgen die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft, die einen gemeinsamen Markt und den freien Austausch von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Arbeitskräften zum Ziel hatten.

Der entscheidende Schritt zur heutigen Europäischen Union kam 1993 mit dem Vertrag von Maastricht. Er wandelte die wirtschaftliche Gemeinschaft in eine politische Union um, die neben dem Binnenmarkt auch eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik sowie eine Zusammenarbeit in Justiz und Inneren Angelegenheiten vorsah. Seit Maastricht spricht man offiziell von der Europäischen Union statt der Europäischen Gemeinschaft.

Von der Montanunion 1951 bis zum Austritt des Vereinigten Königreichs 2020: die wichtigsten Etappen der europäischen Einigung.
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Die wichtigsten Institutionen der EU im Vergleich

Die EU besteht aus mehreren Institutionen, die zusammenarbeiten, sich aber in ihrer Zusammensetzung und Aufgabe deutlich unterscheiden. Wer sie verwechselt, versteht nicht, wie Entscheidungen in der EU zustande kommen.

Als Faustregel gilt: Manche Institutionen vertreten die Bürgerinnen und Bürger direkt, andere die Regierungen der Mitgliedstaaten, wieder andere handeln unabhängig im gemeinsamen Interesse der Union.

Europäisches Parlament

Vertritt die Bürgerinnen und Bürger der EU direkt.

Beispiele

  • Wird alle fünf Jahre von den EU-Bürgern direkt gewählt.
  • Entscheidet gemeinsam mit dem Rat über die meisten Gesetze.
  • Kontrolliert die Arbeit der Europäischen Kommission.

Signalwörter

  • Direktwahl
  • Abgeordnete
  • Straßburg/Brüssel
  • Mitentscheidung

Europäische Kommission

Vertritt das gemeinsame Interesse der gesamten EU.

Beispiele

  • Schlägt als einzige Institution neue EU-Gesetze vor.
  • Überwacht die Einhaltung der EU-Verträge durch die Mitgliedstaaten.
  • Besteht aus einem Kommissar oder einer Kommissarin pro Mitgliedstaat.

Signalwörter

  • Gesetzesvorschlag
  • Vertragshüterin
  • Kommissare
  • Brüssel
InstitutionWer sitzt dort?Hauptaufgabe
Europäisches ParlamentDirekt gewählte AbgeordneteGesetzgebung und Kontrolle
Rat der Europäischen UnionFachminister der MitgliedstaatenGesetzgebung gemeinsam mit dem Parlament
Europäischer RatStaats- und RegierungschefsPolitische Leitlinien und Grundsatzentscheidungen
Europäische KommissionEin Kommissar je MitgliedstaatGesetzesvorschläge und Überwachung der Verträge
Europäischer GerichtshofUnabhängige RichterAuslegung und Durchsetzung des EU-Rechts
Institutionen der Europäischen Union im Überblick
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Beispiel: Binnenmarkt und Euro im Alltag

Untersuche am Beispiel eines Warentransports, wie Binnenmarkt und Euro den Alltag in der EU konkret verändern.

Gegeben:

  • Ein deutsches Unternehmen will Maschinenteile an einen Kunden in Italien verkaufen.
  • Deutschland und Italien gehören seit 2002 zur Eurozone und seit 1995 zum Schengen-Raum.

Gesucht:

Welchen Unterschied macht die EU-Mitgliedschaft für diesen Handel gegenüber der Zeit vor der europäischen Integration?

Lösung:

  1. Zölle: Innerhalb des EU-Binnenmarkts entfallen Zölle und die meisten Handelshemmnisse zwischen Mitgliedstaaten, die Maschinenteile können ohne Grenzabgaben verkauft werden.
  2. Grenzkontrollen: Durch das Schengener Abkommen von 1995 entfallen reguläre Personen- und Warenkontrollen an der Grenze zwischen Deutschland und Italien, der Lkw-Transport verläuft ohne Wartezeit an Schlagbäumen.
  3. Währung: Seit der Euro-Einführung 2002 rechnet das Unternehmen nicht mehr zwischen D-Mark und Lira um, Wechselkursrisiken bei der Rechnungsstellung entfallen.
  4. Recht: Einheitliche EU-Normen für technische Sicherheit erleichtern den Verkauf zusätzlich, weil das Produkt nicht für jedes Land einzeln zertifiziert werden muss.

Der Binnenmarkt mit gemeinsamer Währung senkt Kosten und Aufwand für Unternehmen erheblich und erklärt einen Großteil des innereuropäischen Handelswachstums seit den 1990er Jahren. Gleichzeitig bedeutet eine gemeinsame Währung, dass einzelne Staaten ihre Geldpolitik nicht mehr eigenständig steuern können, was in Krisen wie der Eurokrise ab 2010 zu Spannungen zwischen den Mitgliedstaaten führte.

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Erweiterung, Schengen und die Krisen der Gegenwart

Von sechs Gründungsstaaten wuchs die europäische Gemeinschaft in mehreren Wellen. Großbritannien, Irland und Dänemark traten 1973 bei, Griechenland 1981, Spanien und Portugal 1986. Nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Zusammenbruch der kommunistischen Regime öffnete sich die EU 2004 in ihrer bislang größten Erweiterungsrunde für zehn mittel- und osteuropäische Staaten, darunter Polen, Ungarn und Tschechien. Heute zählt die EU 27 Mitgliedstaaten.

Diese Erweiterung ging mit tiefer werdender Integration einher: 1995 trat das Schengener Abkommen in Kraft und schaffte die Personenkontrollen an vielen Binnengrenzen ab, 2002 wurde der Euro als Bargeld eingeführt, zunächst in zwölf Staaten. 2009 reformierte der Vertrag von Lissabon die Entscheidungsstrukturen der EU und stärkte das Europäische Parlament.

Zugleich stand die EU vor schweren Krisen. Die Eurokrise ab 2010 brachte hoch verschuldete Staaten wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit und stellte die gemeinsame Währung auf die Probe. 2015 stellte die sogenannte Flüchtlingskrise die Mitgliedstaaten vor die Frage einer gemeinsamen Asylpolitik. 2020 verließ das Vereinigte Königreich als bislang einziger Mitgliedstaat die EU, ein Vorgang, der als Brexit bekannt wurde und die wirtschaftlichen und politischen Verflechtungen der Union sichtbar machte.

Aus sechs Gründungsstaaten von 1951/1957 wurde die heutige Europäische Union mit 27 Mitgliedstaaten.
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Ursachen und Folgen der europäischen Einigung

Die europäische Einigung entstand aus einer klaren historischen Ursache: der Erfahrung zweier Weltkriege, die von Europa ausgingen und Millionen Menschenleben forderten. Politiker der Nachkriegszeit zogen daraus den Schluss, dass nationale Alleingänge und Konkurrenz um Rohstoffe und Territorium immer wieder zu Krieg führen können, während wirtschaftliche Verflechtung gemeinsame Interessen schafft, die einen Krieg unattraktiv machen.

Die Folgen dieser Idee sind beträchtlich: Zwischen den heutigen EU-Mitgliedstaaten hat es seit der Gründung der Montanunion keinen Krieg mehr gegeben, ein historisch bemerkenswerter Zustand angesichts der jahrhundertelangen Kriege zuvor, insbesondere zwischen Deutschland und Frankreich. Wirtschaftlich profitierten die Mitgliedstaaten von einem der größten Binnenmärkte der Welt, auch wenn der Nutzen ungleich verteilt ist und wohlhabendere Staaten oft stärker profitieren als ärmere Regionen.

Gleichzeitig bringt die enge Verflechtung neue Herausforderungen mit sich: Entscheidungen in Brüssel wirken sich unmittelbar auf nationale Politik aus, was manche Bürgerinnen und Bürger als Verlust nationaler Selbstbestimmung empfinden. Die Frage, wie viel Souveränität einzelne Staaten an gemeinsame Institutionen abgeben sollten, bleibt bis heute politisch umstritten und zeigte sich besonders deutlich beim Brexit-Referendum 2016.

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Typische Fehler und Tipps für die Klassenarbeit

Ein häufiger Fehler ist es, EU, Euro und Schengen gleichzusetzen. Nicht jeder EU-Mitgliedstaat nutzt den Euro als Währung, und nicht jeder Schengen-Staat ist EU-Mitglied – die Schweiz etwa gehört zum Schengen-Raum, ist aber kein EU-Mitgliedstaat. Diese drei Ebenen solltest du sauber auseinanderhalten.

Ein zweiter Fehler ist es, die EU-Institutionen zu verwechseln, besonders den Europäischen Rat mit dem Rat der Europäischen Union. Der Europäische Rat versammelt die Staats- und Regierungschefs und setzt politische Leitlinien, der Rat der Europäischen Union besteht aus Fachministern und beschließt gemeinsam mit dem Parlament konkrete Gesetze. Die ähnlichen Namen führen in Klassenarbeiten regelmäßig zu Verwechslungen.

Für die Klassenarbeit hilft eine klare Zeitkette: 1951 Montanunion, 1957 Römische Verträge, 1993 Vertrag von Maastricht gründet die EU, 1995 Schengen, 2002 Euro-Bargeld, 2004 Osterweiterung, 2009 Vertrag von Lissabon, 2020 Brexit. Wenn eine Aufgabe nach Ursachen fragt, denke immer zuerst an die Erfahrung der Weltkriege, nicht nur an wirtschaftliche Vorteile.

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Jetzt bist du dran!

Aufgabe 1 von 3

Welches Ziel verfolgte die Montanunion von 1951?

Welches Ziel verfolgte die Montanunion von 1951?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Die europäische Einigung begann 1951 mit der Montanunion als Reaktion auf zwei Weltkriege und wurde 1993 durch den Vertrag von Maastricht zur politischen Europäischen Union.
  • Das Europäische Parlament vertritt die Bürger, der Rat der EU die Regierungen, die Kommission das gemeinsame EU-Interesse und der Europäische Gerichtshof das EU-Recht.
  • Binnenmarkt, Schengen-Raum und Euro erleichtern Handel und Reisen erheblich, sind aber drei unterschiedliche Ebenen, die nicht für alle Mitgliedstaaten gleichermaßen gelten.
  • Aus sechs Gründungsstaaten wurden 27 Mitgliedstaaten, begleitet von Krisen wie der Eurokrise ab 2010 und dem Brexit 2020.
  • Seit Gründung der Montanunion gab es keinen Krieg mehr zwischen den Mitgliedstaaten – der zentrale historische Erfolg der europäischen Einigung.
  • Typischer Fehler: EU, Euro und Schengen gleichsetzen – nicht jeder EU-Staat nutzt den Euro, nicht jeder Schengen-Staat ist EU-Mitglied.

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Häufige Fragen zu Die Europäische Union

Wie und warum entstand die Europäische Union?
Die EU entwickelte sich aus der Montanunion von 1951, die Kohle und Stahl der Gründungsstaaten gemeinsam verwaltete, um einen erneuten Krieg zwischen Deutschland und Frankreich unmöglich zu machen. Über die Römischen Verträge 1957 und den Vertrag von Maastricht 1993, der die politische Union begründete, wuchs daraus die heutige EU mit 27 Mitgliedstaaten.
Was ist der Unterschied zwischen dem Europäischen Rat und dem Rat der Europäischen Union?
Der Europäische Rat versammelt die Staats- und Regierungschefs aller Mitgliedstaaten und legt politische Leitlinien fest, tagt aber nicht ständig. Der Rat der Europäischen Union besteht aus Fachministern, etwa Finanz- oder Umweltministern, und beschließt gemeinsam mit dem Europäischen Parlament konkrete Gesetze. Die ähnlichen Namen führen häufig zu Verwechslungen.
Welche Länder gehören zur Eurozone?
Der Euro wurde 2002 als Bargeld eingeführt, zunächst in zwölf EU-Staaten. Heute nutzen 20 der 27 EU-Mitgliedstaaten den Euro. Länder wie Polen, Schweden, Dänemark und Ungarn haben ihre eigenen Währungen behalten, gehören aber weiterhin zum EU-Binnenmarkt.
Was ist der Unterschied zwischen der EU und dem Schengen-Raum?
Die EU ist die politische und wirtschaftliche Union ihrer Mitgliedstaaten, der Schengen-Raum regelt speziell den Wegfall von Grenzkontrollen zwischen teilnehmenden Ländern. Beide Kreise überschneiden sich, sind aber nicht identisch: Die Schweiz etwa gehört zum Schengen-Raum, ist aber kein EU-Mitgliedstaat, während Irland EU-Mitglied ist, aber nicht vollständig dem Schengen-Raum angehört.
Was war der Brexit?
Als Brexit wird der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union bezeichnet. Nach einem Referendum 2016, bei dem sich eine Mehrheit für den Austritt aussprach, verließ Großbritannien die EU offiziell am 31. Januar 2020. Es ist bis heute der einzige Austritt eines Mitgliedstaats aus der Europäischen Union.
Wie viele Mitgliedstaaten hat die Europäische Union?
Die EU zählt aktuell 27 Mitgliedstaaten. Sie begann 1951/1957 mit sechs Gründungsstaaten und wuchs in mehreren Erweiterungsrunden, darunter die große Osterweiterung 2004 um zehn mittel- und osteuropäische Staaten. Mit dem Brexit 2020 verringerte sich die Zahl der Mitgliedstaaten erstmals in der Geschichte der Union.
Was war die Eurokrise?
Ab 2010 gerieten mehrere Staaten der Eurozone, allen voran Griechenland, wegen hoher Staatsschulden in eine schwere Finanzkrise. Da diese Länder keine eigene Geldpolitik mehr betreiben konnten, um etwa ihre Währung abzuwerten, mussten die übrigen Eurostaaten und der Internationale Währungsfonds mit Hilfskrediten und strengen Sparauflagen eingreifen, um einen Zusammenbruch der Eurozone zu verhindern.
In welcher Klasse behandelt man die Europäische Union im Geschichtsunterricht?
Die Geschichte der europäischen Einigung wird meist in der 10. Klasse behandelt, oft im Zusammenhang mit dem Kalten Krieg und der Nachkriegsgeschichte Europas. Dabei geht es sowohl um die historische Entwicklung seit 1951 als auch um die heutige Funktionsweise der EU-Institutionen.

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