Römische Republik und Senat
Römische Republik Senat – damit sind zwei Dinge gemeint: die Staatsform Roms zwischen 509 und 27 v. Chr., in der es keinen König gab, und der Rat der erfahrenen Männer, der die Politik tatsächlich lenkte. In dieser Lektion lernst du, welche Ämter es gab, was der Senat entschied und wie die Plebejer im Ständekampf mehr Rechte durchsetzten. Wie aus der Stadt ein Weltreich wurde, steht im Beitrag über das Römische Reich, hier geht es um die Ordnung im Inneren.
- Fach: Geschichte
- Klasse 6
- Thema: Antike
- Dauer: 18 Min
- Niveau: Mittel
Römische Republik Senat: Wer regierte in Rom?
Nach der Überlieferung vertrieben die Römer im Jahr 509 v. Chr. ihren letzten König, Tarquinius Superbus. Danach sollte nie wieder ein einzelner Mann dauerhaft über die Stadt herrschen. Das lateinische Wort res publica bedeutet „die Sache des Volkes“, daher kommt unser Wort Republik. Gemeint war aber nicht, dass alle gleich viel mitbestimmten: Reiche Familien hatten weit mehr Einfluss als arme Bürger, und Frauen, Sklaven und Fremde hatten gar kein Stimmrecht.
Die Römer verteilten die Macht auf mehrere Schultern. Beamte, die man Magistrate nannte, führten die Geschäfte, und sie wurden nur für ein Jahr gewählt. Der Senat beriet sie und bestimmte die große Linie. Die Volksversammlungen wählten die Beamten und stimmten über Gesetze ab. Jeder dieser Teile konnte die anderen bremsen. Dieses Zusammenspiel sollte verhindern, dass jemand zu mächtig wird und sich zum König aufschwingt.
Der Begriff Römische Republik grenzt sich damit vom Römischen Reich ab. Die Republik beginnt 509 v. Chr. und endet 27 v. Chr., als Octavian den Titel Augustus erhält und die Kaiserzeit anbricht. In diese 482 Jahre fallen der Aufstieg Roms zur Macht im Mittelmeerraum, die Kriege gegen Karthago und die inneren Kämpfe, die schließlich zum Ende der Ordnung führten.
Die Ämter der Republik
An der Spitze standen die beiden Konsuln. Sie führten das Heer, leiteten die Sitzungen des Senats und der Volksversammlung und waren die ranghöchsten Beamten. Weil es immer zwei gab, konnte einer den anderen stoppen. Dieses Prinzip heißt Kollegialität. Es galt auch für die anderen Ämter, denn niemand sollte allein entscheiden. Nach einem Jahr mussten die Konsuln abtreten und waren erst nach einer Pause wieder wählbar.
Darunter lagen weitere Ämter. Die Prätoren sprachen Recht, die Ädilen sorgten für Märkte, Bauten und die öffentlichen Spiele, und die Quästoren verwalteten die Staatskasse. Wer Politik machen wollte, stieg Stufe für Stufe auf. Diese Ämterlaufbahn heißt Cursus honorum. Alle fünf Jahre prüften außerdem die Zensoren die Liste der Bürger, schätzten ihr Vermögen und bestimmten, wer in den Senat aufgenommen wurde. Ihre Amtszeit betrug 18 Monate.
Ein Sonderfall war der Volkstribun, den es seit 494 v. Chr. gab. Er sollte die einfachen Bürger, die Plebejer, vor Willkür schützen. Seine Person galt als unverletzlich, und er konnte gegen Beschlüsse anderer Beamter Einspruch einlegen. Dieser Einspruch hieß Veto, lateinisch für „ich verbiete“. In echten Notlagen konnte der Senat zudem einen Diktator ernennen, der für höchstens sechs Monate fast uneingeschränkt regierte. Danach musste er sein Amt zurückgeben.
| Amt | Aufgabe | Amtszeit |
|---|---|---|
| Konsul | Oberbefehl im Krieg, Leitung des Senats | 1 Jahr, zwei Amtsinhaber |
| Prätor | Rechtsprechung | 1 Jahr |
| Ädil | Märkte, Bauten, Spiele | 1 Jahr |
| Quästor | Staatskasse und Finanzen | 1 Jahr |
| Zensor | Bürgerlisten und Senatsliste | 18 Monate, alle fünf Jahre gewählt |
| Volkstribun | Schutz der Plebejer, Veto | 1 Jahr |
Römische Republik Senat und Volksversammlungen: Wer hatte die Macht?
Der Senat bestand in der mittleren Republik aus etwa 300 Männern. Sie waren in der Regel frühere Beamte und gehörten zu den reichen und angesehenen Familien. Wer einmal im Senat saß, blieb es in der Regel auf Lebenszeit. Das Wort kommt vom lateinischen senex, dem Greis, denn man erwartete, dass hier erfahrene und ältere Männer Rat gaben. Der Senat verfügte über das Wissen, das die jährlich wechselnden Beamten nicht haben konnten.
Formal konnte der Senat nur Ratschläge geben, sogenannte Senatsbeschlüsse. Tatsächlich hielten sich die Beamten fast immer daran. Der Senat entschied über Krieg und Frieden, empfing fremde Gesandte, verwaltete die Finanzen und bestimmte, welcher Konsul welche Provinz bekam. Weil ehemalige Beamte im Senat saßen und die Beamten später wieder dort einzogen, wuchs hier eine Elite heran, die man später Nobilität nannte.
Das Volk stimmte in Versammlungen ab. In den Zenturiatskomitien, die nach dem Vermögen gegliedert waren, wählten die Bürger Konsuln, Prätoren und Zensoren und entschieden über Krieg und Frieden. Die Reichsten gaben ihre Stimme zuerst ab, und sie hatten zusammen die Mehrheit. Die Plebejer hatten eine eigene Versammlung, das Concilium plebis, in der sie die Volkstribunen wählten. Die Republik war also keine Demokratie nach dem Vorbild Athens, sondern eine Ordnung, in der Reiche den Ton angaben.
Ursachen und Folgen des Ständekampfs in der Römischen Republik
Am Anfang der Republik lagen alle wichtigen Ämter in der Hand der Patrizier, einer kleinen Gruppe alteingesessener Familien. Die Plebejer, die Masse der Bürger, waren oft Bauern, Handwerker und Händler. Sie dienten im Heer, durften aber weder Ämter bekleiden noch die Gesetze lesen, denn das Recht war nur mündlich überliefert. Wer Schulden hatte, konnte sogar zum Knecht seines Gläubigers werden. Das waren die Ursachen des Konflikts, den man Ständekampf nennt.
Im Jahr 494 v. Chr. zogen die Plebejer nach der Überlieferung aus der Stadt aus und verweigerten den Kriegsdienst. Ohne ihr Heer war Rom nicht verteidigungsfähig, und die Patrizier gaben nach: Es entstanden die Volkstribunen. Um 450 v. Chr. wurde das Recht im Zwölftafelgesetz aufgeschrieben und öffentlich ausgestellt. 445 v. Chr. erlaubte man die Heirat zwischen den Ständen. 367 v. Chr. wurde festgelegt, dass einer der beiden Konsuln ein Plebejer sein durfte, und 287 v. Chr. erklärte die Lex Hortensia, dass die Beschlüsse der Plebejer für alle Bürger galten.
Die Folge war eine neue Ordnung. Rechtlich waren Patrizier und Plebejer nun gleich, und Plebejer konnten alle Ämter erreichen. Allerdings entstand eine neue Oberschicht aus alten patrizischen und reichen plebejischen Familien, die Nobilität. Arme Bürger blieben weiter benachteiligt. Wichtig ist auch: Der Ständekampf verlief weitgehend ohne Bürgerkrieg, weil beide Seiten Kompromisse suchten. Das gilt als einer der Gründe, warum die Republik so lange stabil blieb.
Das Ende der Republik und der Bezug zu heute
Mit den Siegen über Karthago, das 146 v. Chr. zerstört wurde, beherrschte Rom das westliche Mittelmeer. Das Land, die Beute und die Macht kamen vor allem wenigen reichen Familien zugute. Viele Bauern, die jahrelang im Krieg gewesen waren, verloren ihre Höfe. Die Brüder Tiberius und Gaius Gracchus wollten Land neu verteilen, wurden aber 133 und 121 v. Chr. mit ihren Anhängern getötet. Damit war ein Tabu gebrochen: Politik wurde nun mit Gewalt ausgetragen.
Der Feldherr Marius nahm um 107 v. Chr. auch Besitzlose ins Heer auf. Diese Berufssoldaten verdankten ihren Lohn und ihr Land dem Feldherrn und nicht dem Staat. So konnten ehrgeizige Männer wie Sulla und später Gaius Julius Caesar mit ihren Truppen Politik machen. Caesar überschritt im Jahr 49 v. Chr. mit seinem Heer den Rubikon und löste einen Bürgerkrieg aus. Am 15. März 44 v. Chr. wurde er von Senatoren ermordet, die die Republik retten wollten.
Gerettet war sie damit nicht. Nach weiteren Bürgerkriegen siegte Caesars Adoptivsohn Octavian im Jahr 31 v. Chr. bei Actium. Im Jahr 27 v. Chr. erhielt er den Ehrentitel Augustus. Er ließ Senat und Ämter bestehen, hatte aber die wirkliche Macht, und gilt als erster Kaiser. Vieles aus der Republik lebt bis heute fort: Das Wort Senat verwenden wir für die Regierungen von Hamburg oder Bremen, das Veto kennst du aus der Politik, und ein Kandidat war ursprünglich ein „weiß Gekleideter“ in der Toga, mit der sich Bewerber um ein Amt zeigten.
| Merkmal | Republik (509 bis 27 v. Chr.) | Kaiserzeit (ab 27 v. Chr.) |
|---|---|---|
| Spitze des Staates | zwei Konsuln, jährlich gewählt | ein Kaiser, meist auf Lebenszeit |
| Rolle des Senats | lenkt die Politik | bleibt bestehen, hat wenig Macht |
| Heer | Bürger im Kriegsdienst | Berufssoldaten |
Typische Fehler und Tipps für die Klassenarbeit
Ein häufiger Fehler ist, die Römische Republik mit dem Römischen Reich gleichzusetzen. Die Republik war die Zeit ohne Kaiser, also 509 bis 27 v. Chr. Das Reich im engeren Sinn, das Kaiserreich, beginnt erst mit Augustus. Ebenso falsch ist die Annahme, Caesar sei römischer Kaiser gewesen. Er war Diktator auf Lebenszeit, ein Kaiser war er nicht, und gerade seine Machtfülle war der Grund für seine Ermordung.
Ein zweiter Fehler: Patrizier und Plebejer werden mit Reichen und Armen gleichgesetzt. Die Stände ergaben sich aus der Herkunft. Es gab arme Patrizier und sehr reiche Plebejer. Auch den Senat verwechseln viele mit einer gewählten Volksvertretung. Er war ein Kreis ehemaliger Beamter, die man nicht einfach abwählen konnte.
Für die Klassenarbeit lohnt sich ein Dreischritt. Erstens: die Staatsorgane benennen, also Beamte, Senat, Volksversammlung. Zweitens: den Ständekampf mit den Jahreszahlen 494, 450 und 287 v. Chr. beschreiben. Drittens: Ursachen und Folgen trennen. Wenn die Aufgabe lautet „Erkläre, warum die Republik zerbrach“, nenne die Eroberungen, die Berufsheere und den Machtkampf der Feldherren.
Jetzt bist du dran
Wie viele Konsuln gab es in der Römischen Republik gleichzeitig?
Noch nicht. Es gab immer zwei Konsuln, die sich gegenseitig kontrollierten. Dieses Prinzip heißt Kollegialität und sollte verhindern, dass ein Einzelner zu mächtig wird.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Römische Republik dauerte von 509 bis 27 v. Chr.: Die Macht lag bei gewählten Beamten, dem Senat und den Volksversammlungen.
- Ämter galten ein Jahr und waren mit mindestens zwei Personen besetzt. Die Konsuln waren die höchsten Beamten.
- Der Senat mit etwa 300 ehemaligen Beamten beriet nur formal, lenkte in der Praxis aber Krieg, Frieden und Finanzen.
- Im Ständekampf (494 bis 287 v. Chr.) erreichten die Plebejer Volkstribunen, geschriebenes Recht und Zugang zu allen Ämtern.
- Berufsheere und Machtkämpfe der Feldherren zerstörten die Republik. Caesar wurde 44 v. Chr. ermordet, Augustus wurde 27 v. Chr. erster Kaiser.
Lektion abschließen
Schließe alle Aufgaben ab, um diese Lektion zu beenden.
Häufige Fragen zu Römische Republik und Senat
- Was war die Römische Republik?
- Die Römische Republik war die Staatsform Roms von 509 bis 27 v. Chr., in der es keinen König gab. Die Macht teilten sich jährlich gewählte Beamte, der Senat und die Volksversammlungen. Es war keine Demokratie für alle, denn nur männliche Bürger durften wählen und reiche Familien hatten den größten Einfluss.
- Was machte der Senat im Alten Rom?
- Der Senat beriet die Beamten und lenkte die Politik. Er entschied über Krieg und Frieden, empfing Gesandte, verwaltete die Finanzen und verteilte die Provinzen. Seine Beschlüsse waren formal nur Ratschläge, wurden aber fast immer befolgt. Die rund 300 Senatoren waren meist frühere Beamte und blieben auf Lebenszeit im Amt.
- Was ist der Unterschied zwischen Konsul und Senator?
- Ein Konsul war ein gewählter Beamter, der ein Jahr lang das Heer führte und den Senat leitete. Ein Senator war Mitglied des Senats und blieb es in der Regel lebenslang. Jeder Konsul wurde nach seinem Amtsjahr selbst Senator. Der Konsul führte also aus, der Senat beriet und gab die Richtung vor.
- Wer waren Patrizier und Plebejer?
- Patrizier waren die alteingesessenen Adelsfamilien, die zu Beginn der Republik alle Ämter besetzten. Plebejer waren die übrigen Bürger, darunter Bauern, Handwerker und Händler. Die Stände ergaben sich aus der Herkunft, nicht aus dem Besitz: Es gab arme Patrizier und sehr reiche Plebejer. Im Ständekampf erreichten die Plebejer die Gleichstellung.
- Was war der Ständekampf?
- Als Ständekampf bezeichnet man die Auseinandersetzung zwischen Plebejern und Patriziern von 494 bis 287 v. Chr. Die Plebejer erzwangen zunächst durch den Auszug aus Rom das Amt des Volkstribuns, dann das Zwölftafelgesetz, die Heiratserlaubnis, den Zugang zum Konsulat und schließlich die Lex Hortensia. Er verlief ohne offenen Bürgerkrieg.
- Was war das Zwölftafelgesetz?
- Das Zwölftafelgesetz wurde um 450 v. Chr. aufgeschrieben und öffentlich ausgestellt. Es war das erste geschriebene Recht Roms. Vorher kannten nur die Patrizier die Regeln, die mündlich weitergegeben wurden. Mit der schriftlichen Fassung konnten alle Bürger nachlesen, was galt, und Richter konnten nicht mehr nach Belieben urteilen.
- Wann und warum endete die Römische Republik?
- Die Republik endete 27 v. Chr., als Octavian den Titel Augustus erhielt. Ursachen waren die riesigen Eroberungen, die Berufsheere, die ihren Feldherren loyal waren, und die Machtkämpfe von Männern wie Sulla und Caesar. Nach Caesars Ermordung im Jahr 44 v. Chr. folgten weitere Bürgerkriege, aus denen Augustus als Sieger hervorging.
- War die Römische Republik eine Demokratie?
- Nein, nicht im heutigen Sinn. Zwar wählten die Bürger Beamte und stimmten über Gesetze ab, doch Frauen, Sklaven und Fremde waren ausgeschlossen. Die Stimmen der Reichen zählten in den Zenturiatskomitien mehr. Der Senat lenkte die Politik. Man spricht deshalb von einer gemischten Ordnung mit starkem Einfluss der Oberschicht.
Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.