Athen und Sparta
Athen und Sparta waren die beiden mächtigsten Stadtstaaten des antiken Griechenlands – und könnten unterschiedlicher kaum sein. In dieser Lektion lernst du, wie Demokratie in Athen entstand, wie die Erziehung in Sparta ablief und warum die beiden Poleis am Ende im Peloponnesischen Krieg gegeneinander kämpften.
- Fach: Geschichte
- Klasse 6
- Thema: Antike
- Dauer: 20 Min
- Niveau: Einfach
Griechenland bestand aus vielen einzelnen Stadtstaaten
Das antike Griechenland war kein einheitlicher Staat, sondern bestand aus vielen kleinen, selbstständigen Stadtstaaten, den sogenannten Poleis (Einzahl: Polis). Jede Polis hatte eine eigene Stadt als Zentrum, umliegendes Land, eigene Gesetze und oft eine eigene Armee. Die Menschen fühlten sich zuerst ihrer Polis zugehörig, erst danach als „Griechen“ im weiteren Sinne.
Athen und Sparta waren zwei der größten und mächtigsten dieser Poleis, lagen aber nur etwa 200 Kilometer voneinander entfernt und entwickelten sich völlig unterschiedlich. Athen lag an der Küste, betrieb Seehandel und entwickelte als eine der ersten Gesellschaften der Weltgeschichte eine Demokratie. Sparta lag im Landesinneren der Peloponnes, konzentrierte sich auf ein straff organisiertes Landheer und behielt eine strenge Adels- und Militärherrschaft.
Trotz ihrer Unterschiede teilten beide Poleis dieselbe Sprache, dieselben Götter und nahmen gemeinsam an den Olympischen Spielen teil. In Krisenzeiten, etwa bei einem Angriff von außen, konnten sich griechische Poleis auch verbünden – wie die Perserkriege zeigen. Das änderte aber nichts daran, dass Athen und Sparta oft auch Konkurrenten und schließlich sogar Kriegsgegner waren.
Athen und Sparta: zwei völlig verschiedene Staatsmodelle
Athen und Sparta zeigen besonders gut, dass „die griechische Antike“ kein einheitliches Modell war. In Athen entschied ab etwa 508 v. Chr. die Volksversammlung, an der alle männlichen Bürger teilnehmen durften – eine frühe Form der Demokratie, auch wenn Frauen, Sklaven und Fremde davon ausgeschlossen blieben. In Sparta dagegen regierten zwei Könige gemeinsam mit einem Rat der Ältesten, der Gerusia, und einer Versammlung mit eingeschränkten Rechten.
Auch der Alltag unterschied sich stark. Athener Jungen lernten Lesen, Schreiben, Rhetorik und Musik, später besuchten viele Bürger das Theater oder philosophische Vorträge. Spartanische Jungen wurden dagegen schon mit sieben Jahren von ihren Familien getrennt und durchliefen die Agoge, eine harte, mehrjährige Militärausbildung mit dem Ziel, unbedingten Gehorsam und Körperkraft zu erzeugen.
Athen
Seemacht mit demokratischer Verfassung.
Beispiele
- Volksversammlung entscheidet über Politik.
- Bildung in Rhetorik, Theater, Philosophie.
- Starke Kriegsflotte (Trieren) im Seebund.
Signalwörter
- Demokratie
- Volksversammlung
- Perikles
- Seebund
- Agora
Sparta
Landmacht mit strenger Militärordnung.
Beispiele
- Zwei Könige und ein Rat der Ältesten regieren.
- Agoge: Militärausbildung ab sieben Jahren.
- Starkes Landheer aus Hopliten.
Signalwörter
- Agoge
- Heloten
- Gerusia
- Hopliten
- Disziplin
| Bereich | Athen | Sparta |
|---|---|---|
| Staatsform | Demokratie durch Volksversammlung | Zwei Könige und Ältestenrat |
| Erziehung | Schule, Rhetorik, Kunst | Agoge: militärische Härte |
| Wirtschaft | Handel und Handwerk | Landwirtschaft durch Heloten |
| Stärke | Flotte (Seebund) | Landheer (Hopliten) |
Ursache – Verlauf – Folge: die Perserkriege
Verfolge, wie Athen und Sparta gemeinsam das mächtige Perserreich zurückschlugen.
Gegeben:
- Das Perserreich unter den Großkönigen Dareios und Xerxes war das größte Reich seiner Zeit und wollte Griechenland unterwerfen.
- Griechische Städte in Kleinasien hatten sich zuvor gegen persische Herrschaft aufgelehnt, Athen unterstützte diesen Aufstand.
Gesucht:
Wie gelang es den zahlenmäßig unterlegenen Griechen, die Perser zu besiegen?Lösung:
- Ursache: Als Strafe für die Unterstützung des Aufstands greift Persien 490 v. Chr. Griechenland an. Bei Marathon besiegen athenische Truppen das persische Heer, obwohl sie deutlich in der Unterzahl sind.
- Verschärfung: 480 v. Chr. greift Xerxes mit einem noch größeren Heer erneut an. Ein kleines Heer unter dem Spartanerkönig Leonidas hält die Perser am Pass von Thermopylae zeitweise auf, unterliegt aber am Ende.
- Wendepunkt: In der Seeschlacht bei Salamis 480 v. Chr. besiegt die athenische Flotte, unterstützt von anderen Poleis, die zahlenmäßig überlegene persische Flotte in der engen Meerenge.
- Folge: 479 v. Chr. werden die persischen Landtruppen bei Plataiai geschlagen. Die Perserkriege enden mit einem griechischen Sieg und stärken vor allem Athens Ansehen als Seemacht.
Die Perserkriege zeigen, dass Athen und Sparta trotz aller Unterschiede in einer existenziellen Bedrohung zusammenarbeiten konnten. Der Sieg stärkte vor allem Athen, das danach den Attischen Seebund gründete – eine Entwicklung, die später zu Spannungen mit Sparta führte.
Alltag in Athen und Sparta
In Athen war das politische Leben eng mit dem Alltag der männlichen Bürger verknüpft. Sie trafen sich regelmäßig auf der Agora, dem zentralen Marktplatz, zum Handeln, Diskutieren und für die Volksversammlung. Sklaven, die einen großen Teil der Bevölkerung ausmachten, und Frauen waren von der Politik ausgeschlossen; Frauen führten meist den Haushalt und verließen das Haus selten allein. Die Demokratie Athens war also, gemessen an heutigen Maßstäben, eine Demokratie nur für eine Minderheit der Bevölkerung.
In Sparta war fast das gesamte gesellschaftliche Leben auf das Militär ausgerichtet. Freie spartanische Männer, die Spartiaten, widmeten sich hauptsächlich der militärischen Ausbildung und dem Kriegsdienst, während unfreie Landarbeiter, die Heloten, die Landwirtschaft betrieben und den Spartiaten unterworfen waren. Spartanische Frauen genossen dagegen mehr Freiheiten als Athenerinnen: Sie durften Sport treiben, besaßen eigenes Vermögen und wurden körperlich trainiert, damit sie kräftige künftige Krieger gebären konnten.
Beide Systeme beruhten auf Ungleichheit: Athens Demokratie funktionierte nur, weil Sklaven und Handwerker die Wirtschaft am Laufen hielten, während die Bürger Zeit für Politik hatten. Spartas Militärstaat funktionierte nur, weil die zahlenmäßig weit überlegenen Heloten die Landwirtschaft übernahmen, während die Spartiaten sich ausschließlich dem Kriegsdienst widmeten. Diese Abhängigkeit von unfreier Arbeit war beiden Poleis gemeinsam, auch wenn sie unterschiedlich organisiert war.
Ursachen und Folgen: der Peloponnesische Krieg
Nach den Perserkriegen wuchs Athens Macht durch den Attischen Seebund, ein Verteidigungsbündnis vieler griechischer Poleis unter athenischer Führung. Athen nutzte die gemeinsame Kriegskasse zunehmend für eigene Zwecke und verwandelte den Seebund faktisch in ein eigenes Machtinstrument. Sparta und dessen Verbündete, der Peloponnesische Bund, beobachteten diesen Machtzuwachs mit wachsendem Misstrauen.
Die Ursachen des 431 v. Chr. ausbrechenden Peloponnesischen Krieges lagen also vor allem in der Konkurrenz zweier Machtblöcke: Athens Seemacht mit demokratischer Verfassung gegen Spartas Landmacht mit seinen Verbündeten. Hinzu kamen konkrete Konflikte um Handelswege und Einflusssphären in Griechenland. Der Krieg dauerte mit Unterbrechungen 27 Jahre und erschöpfte beide Seiten.
Die Folgen waren gravierend: Athen musste sich 404 v. Chr. Sparta geschlagen geben, verlor seine Flotte und seine Vormachtstellung. Doch auch der Sieger Sparta konnte die gewonnene Vorherrschaft nicht dauerhaft sichern; wenig später übernahm zeitweise Theben die Führungsrolle. Langfristig schwächte der jahrzehntelange Krieg zwischen den griechischen Poleis sie so sehr, dass Makedonien unter König Philipp II. 338 v. Chr. die griechischen Stadtstaaten unterwerfen konnte.
Typische Fehler und Tipps für die Klassenarbeit
Ein häufiger Fehler ist es, die athenische Demokratie mit einer modernen Demokratie gleichzusetzen. In Athen durften nur erwachsene, männliche Bürger mit athenischer Abstammung an der Volksversammlung teilnehmen – Frauen, Sklaven und zugewanderte Fremde (Metöken) waren ausgeschlossen. Schätzungen zufolge besaßen nur etwa 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung Athens tatsächlich das Bürgerrecht.
Ein zweiter Fehler ist es, Sparta pauschal als „primitiv“ oder „unzivilisiert“ im Vergleich zu Athen darzustellen. Sparta hatte eine eigene, funktionierende Staats- und Gesellschaftsordnung, die auf andere Ziele ausgerichtet war als die athenische – militärische Stärke und innere Stabilität statt Kunst und Handel. Beide Systeme waren jeweils an die eigene Lage angepasst.
Für die Klassenarbeit hilft es, Athen und Sparta konsequent in Paaren zu lernen: Demokratie – Königtum, Flotte – Landheer, Rhetorikschule – Agoge, Seebund – Peloponnesischer Bund. Wenn eine Aufgabe nach Gemeinsamkeiten fragt, denke an die Perserkriege; wenn sie nach Gegensätzen fragt, denke an den Peloponnesischen Krieg.
Jetzt bist du dran!
Was versteht man unter einer griechischen „Polis“?
Noch nicht. Eine Polis war ein eigenständiger Stadtstaat mit eigener Regierung, eigenen Gesetzen und oft eigener Armee. Griechenland bestand aus vielen solcher Poleis, nicht aus einem einheitlichen Staat.
Das Wichtigste in Kürze
- Griechenland bestand aus vielen unabhängigen Poleis; Athen und Sparta waren die mächtigsten davon.
- Athen war eine Demokratie mit Volksversammlung, Handel und starker Flotte, offen aber nur für männliche Vollbürger.
- Sparta wurde von zwei Königen und einem Ältestenrat regiert, mit strenger Militärerziehung (Agoge) und starkem Landheer.
- In den Perserkriegen (490 und 480/479 v. Chr.) kämpften Athen und Sparta gemeinsam gegen Persien und siegten.
- Im Peloponnesischen Krieg (431 bis 404 v. Chr.) kämpften Athen und Sparta gegeneinander; Sparta siegte, doch beide Seiten wurden geschwächt.
- Typischer Fehler: Athens Demokratie als Demokratie für alle darzustellen – tatsächlich waren Frauen, Sklaven und Fremde ausgeschlossen.
Lektion abschließen
Schließe alle Aufgaben ab, um diese Lektion zu beenden.
Häufige Fragen zu Athen und Sparta
- Was ist der Unterschied zwischen Athen und Sparta?
- Athen war eine Demokratie mit Volksversammlung, betrieb Seehandel und legte Wert auf Bildung, Kunst und Philosophie. Sparta wurde von zwei Königen und einem Ältestenrat regiert, konzentrierte sich auf ein starkes Landheer und ließ Jungen ab sieben Jahren die harte Militärausbildung Agoge durchlaufen. Beide Poleis waren zeitweise Verbündete, später jedoch Kriegsgegner.
- Was war eine Polis?
- Eine Polis war ein eigenständiger griechischer Stadtstaat mit eigener Stadt, umliegendem Land, eigenen Gesetzen und meist einer eigenen Armee. Griechenland bestand in der Antike aus vielen solcher Poleis, etwa Athen, Sparta, Korinth oder Theben, die sich gegenseitig als eigenständige Staaten betrachteten.
- Wie funktionierte die Demokratie in Athen?
- In Athen entschied ab etwa 508 v. Chr. die Volksversammlung über politische Fragen. Teilnehmen durften jedoch nur erwachsene, männliche Bürger athenischer Abstammung – schätzungsweise nur 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung. Frauen, Sklaven und zugewanderte Fremde (Metöken) waren von der politischen Mitbestimmung ausgeschlossen.
- Was war die Agoge in Sparta?
- Die Agoge war die staatliche Erziehung spartanischer Jungen, die im Alter von sieben Jahren von ihren Familien getrennt wurden und in Gruppen unter harten Bedingungen körperlich und militärisch trainiert wurden. Ziel war es, disziplinierte, gehorsame Soldaten für das spartanische Heer heranzubilden.
- Wer waren die Heloten?
- Die Heloten waren die unfreie Bevölkerungsmehrheit im spartanischen Staatsgebiet. Sie bewirtschafteten das Land für die Spartiaten und mussten einen Teil ihrer Ernte abliefern, hatten selbst aber kaum Rechte. Ohne die Arbeit der Heloten hätten sich die Spartiaten nicht vollständig dem Kriegsdienst widmen können.
- Wie endeten die Perserkriege?
- Die Perserkriege endeten 479 v. Chr. mit einem griechischen Sieg. Entscheidend waren der Sieg bei Marathon 490 v. Chr., die Seeschlacht bei Salamis 480 v. Chr. und der Landsieg bei Plataiai 479 v. Chr. Athen und Sparta hatten dabei zusammengearbeitet, obwohl sie sonst oft Konkurrenten waren.
- Warum kam es zum Peloponnesischen Krieg?
- Nach den Perserkriegen wuchs Athens Macht durch den Attischen Seebund stark an, was Sparta und seine Verbündeten im Peloponnesischen Bund als Bedrohung empfanden. Konkurrenz um Einfluss und Handelswege sowie das Misstrauen zwischen den beiden Machtblöcken führten 431 v. Chr. zum Ausbruch des Krieges, den Sparta 404 v. Chr. für sich entschied.
- In welcher Klasse lernt man über Athen und Sparta?
- Athen und Sparta sind meist Thema im Geschichtsunterricht der 6. Klasse, häufig im Rahmen der griechischen Antike. Im Mittelpunkt stehen der Vergleich der beiden Staatsformen, die gemeinsamen Perserkriege und der spätere Peloponnesische Krieg zwischen den beiden Poleis.
Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.