Überfischung der Meere
Überfischung der Meere bedeutet, dass Menschen mehr Fische fangen, als in der gleichen Zeit nachwachsen können, sodass die Bestände schrumpfen. Nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO galten 2021 rund 37,7 Prozent der weltweit untersuchten Fischbestände als überfischt. In dieser Lektion lernst du, wie es dazu kommt, welche Fangmethoden die Meere belasten, welche Folgen das hat und was Fischer, Staaten und Verbraucher dagegen tun können.
- Fach: Geografie
- Klasse 8
- Thema: Wirtschaft
- Dauer: 18 Min
- Niveau: Mittel
Überfischung der Meere: Was bedeutet das?
Fische sind eine erneuerbare Ressource, denn sie vermehren sich. Solange nicht mehr entnommen wird, als nachwächst, bleibt der Bestand stabil. Fachleute sprechen vom maximalen Dauerertrag: Das ist die größte Menge, die man dauerhaft fangen kann, ohne den Bestand zu schwächen. Wird mehr gefangen, schrumpft die Zahl der Tiere. Das nennt man Überfischung. Entscheidend ist dabei nicht, ob ein Fischer viel fängt, sondern ob es genug erwachsene Tiere gibt, die Nachwuchs zeugen.
Die Zahlen zeigen, wie ernst das Problem ist. Die FAO ermittelt regelmäßig den Zustand der Bestände. 1974 galten rund 10 Prozent als überfischt, 2015 waren es 33,1 Prozent, 2019 dann 35,4 Prozent und 2021 schließlich 37,7 Prozent. Umgekehrt heißt das: Rund 62 Prozent der Bestände werden innerhalb nachhaltiger Grenzen befischt. Etwa drei Viertel des gefangenen Fisches stammen aus diesen gesunden Beständen, denn die großen, gut überwachten Bestände sind meist in besserem Zustand.
Das Thema betrifft alle, denn Fisch ist für viele Menschen ein wichtiges Nahrungsmittel. Im Durchschnitt isst ein Mensch auf der Welt über 20 Kilogramm Fisch im Jahr. Hunderte Millionen Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt mit Fischerei und Aquakultur. Wenn die Bestände zusammenbrechen, geht deshalb nicht nur ein Teil der Natur verloren, sondern auch Nahrung und Einkommen.
Fischerei weltweit und Fangmethoden
Weltweit werden jedes Jahr rund 90 Millionen Tonnen Fisch und andere Wassertiere aus Meeren und Binnengewässern gefangen. Seit 2022 stammt aus Aquakultur, also Fischzucht, mehr als aus dem Fang: Die Zucht liefert rund 94 Millionen Tonnen Wassertiere im Jahr. Der Fang im Meer ist dennoch noch immer die wichtigste Quelle für viele beliebte Arten wie Alaska-Seelachs, Hering, Thunfisch und Kabeljau.
Moderne Fischereischiffe sind riesige schwimmende Fabriken. Sie orten Schwärme mit Sonar und Satelliten, fangen mit Netzen von vielen Hundert Metern Länge und verarbeiten und frieren den Fang an Bord ein. So können sie monatelang auf See bleiben. Besonders belastend sind Grundschleppnetze, die über den Meeresboden gezogen werden und Korallen, Schwämme und andere Lebensräume zerstören. Mit Ringwaden werden ganze Schwärme von Hering oder Thunfisch umzingelt.
Ein großes Problem ist der Beifang. Netze fangen nicht nur die Art, auf die man es abgesehen hat, sondern auch Jungfische, Haie, Meeresschildkröten, Delfine und Seevögel. Ein Teil davon wird tot oder sterbend zurück ins Meer geworfen. Schätzungen gehen von mehreren Millionen Tonnen Beifang jährlich aus. Kleinere Fischer mit Angeln, Reusen oder kleinen Booten belasten die Bestände meist weniger.
| Methode | So funktioniert sie | Problem |
|---|---|---|
| Grundschleppnetz | wird über den Meeresboden gezogen | zerstört den Boden, viel Beifang |
| Ringwade | umzingelt einen Schwarm | fängt ganze Schwärme auf einmal |
| Langleine | viele Haken an einer langen Leine | Beifang von Seevögeln und Haien |
| Angel und Reuse | einzelne Fische werden gefangen | geringe Mengen, wenig Beifang |
Überfischung der Meere: Ursachen
Eine wichtige Ursache ist die Größe der Flotten. Weltweit gibt es mehr Fischereischiffe und bessere Technik, als die Bestände verkraften. Staaten haben den Bau von Schiffen lange mit Geld unterstützt, sogenannten Subventionen, weil sie Arbeitsplätze und Ernährung sichern wollten. Dadurch entstanden Überkapazitäten. Wenn sich dann der Fang verringert, bleibt der Druck hoch, weil Schiffe und Kredite bezahlt werden müssen.
Das Meer gehört niemandem. Auf der Hohen See kann prinzipiell jeder fischen, und was ein Fischer nicht fängt, holt ein anderer. Wirtschaftswissenschaftler nennen das die Tragik der Allmende: Jeder sucht seinen eigenen Vorteil und alle zusammen zerstören die gemeinsame Grundlage. Seit dem UN-Seerechtsübereinkommen von 1982, das 1994 in Kraft trat, besitzen Küstenstaaten zwar eine Wirtschaftszone bis 200 Seemeilen, doch weit draußen bleibt die Kontrolle schwierig.
Hinzu kommt die illegale Fischerei. Schiffe fischen ohne Erlaubnis, in Schutzgebieten oder mit verbotenen Netzen und melden ihren Fang nicht. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu einem Fünftel des weltweiten Fangs illegal oder nicht gemeldet ist. Dazu kommt die wachsende Nachfrage: Mit der Zahl der Menschen und dem steigenden Wohlstand wächst der Appetit auf Fisch. Auch Klimawandel und Erwärmung der Meere verändern, wo Fische leben, und machen die Bestände zusätzlich anfällig.
Überfischung der Meere: Folgen und Beispiele
Das bekannteste Beispiel ist der Kabeljau vor Neufundland. Jahrhundertelang war er so häufig, dass man ihn fast mit der Hand fangen konnte. Nach dem Einsatz großer Flotten und Schleppnetze seit den 1950er Jahren brachen die Bestände ein. Am 2. Juli 1992 verhängte Kanada ein Fangverbot, das etwa 30 000 Fischer und Arbeiter in Fabriken arbeitslos machte. Bis heute haben sich die Bestände nur teilweise erholt, obwohl seit Jahrzehnten kaum gefischt wird.
Überfischung stört auch das Gleichgewicht im Meer. Wenn Raubfische wie Kabeljau oder Thunfisch fehlen, vermehren sich ihre Beutetiere stark, und ganze Nahrungsnetze verschieben sich. Wo Grundschleppnetze Korallen und Meeresboden zerstören, verlieren zahlreiche Arten ihren Lebensraum. Beim Nordseehering brach der Bestand in den 1970er Jahren zusammen, erst ein mehrjähriges Fangverbot erlaubte die Erholung. Das zeigt, dass Bestände sich erholen können, wenn man rechtzeitig handelt.
Besonders hart trifft es Küstenbewohner in ärmeren Ländern. Vor Westafrika fischen auch Schiffe aus fernen Ländern, und die einheimischen Fischer in kleinen Booten fangen immer weniger. Für viele Familien ist Fisch das wichtigste Eiweiß. Wenn der Fang ausbleibt, fehlt nicht nur das Einkommen, sondern auch die Nahrung. Manche Fischer suchen Arbeit in den Städten oder gehen ins Ausland.
| Bereich | Folge | Beispiel |
|---|---|---|
| Natur | Bestände brechen zusammen, Nahrungsnetze verändern sich | Kabeljau vor Neufundland |
| Wirtschaft | Fischer und Fabriken verlieren Arbeit | rund 30 000 Arbeitsplätze nach 1992 |
| Ernährung | weniger Fisch für Küstenbewohner | Küsten Westafrikas |
Lösungen für nachhaltigen Fischfang
Das wichtigste Mittel sind Fangquoten. Wissenschaftler schätzen, wie viel von einer Art gefangen werden darf, und die Staaten legen daraufhin Höchstmengen fest. In der Europäischen Union regelt das die Gemeinsame Fischereipolitik. Dazu kommen Schonzeiten, in denen Fische laichen dürfen, größere Maschenweiten, damit Jungfische entkommen, und Schutzgebiete, in denen nicht gefischt wird. Seit 2022 ist die gezielte Fischerei auf Dorsch in der östlichen Ostsee praktisch verboten, weil der Bestand zu klein ist.
Kontrolle ist die zweite Säule. Satelliten und Schiffsortung zeigen, wo Boote unterwegs sind, und Inspektoren prüfen Fänge im Hafen. Die Vereinten Nationen haben in ihrem Nachhaltigkeitsziel 14 „Leben unter Wasser“ vereinbart, die Fischerei bis 2030 nachhaltig zu gestalten. Auch Aquakultur kann entlasten, hat aber eigene Probleme: Für Raubfische wie Lachs braucht man Futter aus Wildfisch, und Zuchtanlagen an der Küste können Wasser und Lebensräume belasten.
Auch Verbraucher haben Einfluss. Siegel wie das MSC-Siegel, das es seit 1997 gibt, kennzeichnen Fisch aus Fischereien, die bestimmte Regeln einhalten. Für Zuchtfisch gibt es das ASC-Siegel. Man kann außerdem bei der Wahl der Fischart darauf achten, ob der Bestand gesund ist, und seltener, dafür bewusster Fisch kaufen. Kein Siegel ist perfekt, aber Siegel helfen bei der Orientierung. Wichtiger als einzelne Produkte bleibt der politische Rahmen mit klaren Quoten und wirksamer Kontrolle.
Typische Fehler und Alltagsbezug
Ein häufiger Fehler ist die Vorstellung, alle Meere seien leergefischt. Das stimmt so nicht: Rund 62 Prozent der Bestände werden nachhaltig befischt, und rund drei Viertel des Fangs stammen aus ihnen. Das Problem liegt bei einzelnen Beständen und Regionen, die überfischt sind. Ebenso falsch ist die Behauptung, Aquakultur löse das Problem allein, denn auch Zuchtfische brauchen Futter und Platz.
Ein zweiter Fehler ist, Überfischung mit Verschmutzung der Meere zu verwechseln. Beide Probleme gibt es, aber sie haben andere Ursachen: Überfischung entsteht durch zu hohe Fangmengen, Verschmutzung durch Plastik, Öl oder Abwässer. Auch die Prozentzahl 37,7 wird missverstanden. Sie gibt den Anteil der überfischten Bestände an und nicht den Anteil des gefangenen Fisches, der überfischt ist.
Im Alltag begegnet dir das Thema im Supermarkt: Deutsche essen im Durchschnitt rund 13 bis 14 Kilogramm Fisch im Jahr, der größte Teil wird importiert. Für die Klassenarbeit lohnt sich ein klarer Dreischritt aus Ursachen, Folgen und Lösungen. Nenne dabei möglichst ein Beispiel wie den Kabeljau vor Neufundland und eine Zahl wie die 37,7 Prozent überfischter Bestände.
Jetzt bist du dran
Was bedeutet Überfischung?
Noch nicht. Überfischung liegt vor, wenn mehr entnommen wird, als sich in derselben Zeit durch Vermehrung ersetzt. Dann schrumpft der Bestand. Die anderen Aussagen beschreiben Verstöße gegen Regeln, aber nicht die Überfischung selbst.
Das Wichtigste in Kürze
- Überfischung heißt: Es werden mehr Fische gefangen, als nachwachsen. 2021 waren nach der FAO 37,7 Prozent der Bestände überfischt, 1974 rund 10 Prozent.
- Ursachen sind zu große Flotten, Subventionen, schwer kontrollierbare Meere, illegale Fischerei und steigende Nachfrage.
- Grundschleppnetze zerstören den Meeresboden, Beifang tötet Haie, Schildkröten und Seevögel.
- Der Kabeljau vor Neufundland brach zusammen, Kanada verhängte 1992 ein Fangverbot, das rund 30 000 Menschen die Arbeit nahm.
- Fangquoten, Schutzgebiete, Kontrolle, nachhaltige Aquakultur und Siegel wie MSC und ASC können die Bestände schützen.
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Häufige Fragen zu Überfischung der Meere
- Was ist Überfischung?
- Überfischung bedeutet, dass mehr Fische aus dem Meer gefangen werden, als durch Fortpflanzung nachwachsen. Der Bestand sinkt dann unter die Menge, die sich dauerhaft nutzen lässt. Nach der FAO galten 2021 rund 37,7 Prozent der untersuchten Fischbestände als überfischt, 1974 waren es noch rund 10 Prozent.
- Warum ist Überfischung ein Problem?
- Überfischung gefährdet Arten, stört das Gleichgewicht im Meer und bedroht die Ernährung und das Einkommen von Hunderten Millionen Menschen, die von Fischerei leben. Wenn Bestände zusammenbrechen, wie beim Kabeljau vor Neufundland, verlieren Fischer ihre Arbeit, und die Erholung der Bestände dauert oft Jahrzehnte.
- Wie viel Prozent der Fischbestände sind überfischt?
- Nach dem FAO-Bericht von 2024 waren im Jahr 2021 rund 37,7 Prozent der weltweit untersuchten Fischbestände überfischt, rund 62 Prozent wurden nachhaltig befischt. Etwa drei Viertel des Fangs stammen aus nachhaltig befischten Beständen. Die Zahlen unterscheiden sich stark je nach Meeresregion.
- Was sind die Ursachen der Überfischung?
- Zu den Ursachen zählen zu viele und zu leistungsstarke Fangschiffe, staatliche Subventionen, mangelnde Kontrolle auf der Hohen See, illegale Fischerei und die steigende Nachfrage nach Fisch. Wissenschaftler sprechen auch von der Tragik der Allmende: Das Meer gehört niemandem, und jeder will möglichst viel für sich herausholen.
- Was ist Beifang?
- Beifang sind Tiere, die beim Fischen ungewollt mit gefangen werden, etwa Jungfische, Haie, Delfine, Meeresschildkröten oder Seevögel. Viele sterben im Netz oder werden tot zurück ins Meer geworfen. Besonders viel Beifang entsteht bei Grundschleppnetzen. Schätzungen gehen von mehreren Millionen Tonnen pro Jahr aus.
- Was kann man gegen Überfischung tun?
- Politisch helfen Fangquoten, Schonzeiten, Schutzgebiete, größere Maschen und bessere Kontrolle. Verbraucher können auf Siegel wie MSC oder ASC achten und nachhaltige Fischarten wählen. Aquakultur kann entlasten, braucht aber selbst nachhaltiges Futter. Das Nachhaltigkeitsziel 14 der Vereinten Nationen verlangt, die Fischerei bis 2030 nachhaltig zu gestalten.
- Ist Zuchtfisch aus Aquakultur eine Lösung?
- Aquakultur liefert seit 2022 mehr Wassertiere als der Fang, sie kann also die Meere entlasten. Allerdings brauchen Raubfische wie Lachs Futter aus Wildfisch, und Zuchtanlagen können Küsten, Wasser und Lebensräume belasten. Nachhaltig ist Aquakultur nur mit pflanzlichem Futter, geringer Belastung der Umwelt und kontrollierten Beständen.
- Was war der Zusammenbruch des Kabeljaus vor Neufundland?
- Vor Neufundland gab es jahrhundertelang riesige Kabeljauschwärme. Durch große Flotten und Schleppnetze seit den 1950er Jahren brachen die Bestände ein. Am 2. Juli 1992 verhängte Kanada ein Fangverbot, wodurch etwa 30 000 Menschen arbeitslos wurden. Die Bestände haben sich bis heute nur teilweise erholt.
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