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Wasserknappheit

In dieser Lektion lernst du, warum sauberes Süßwasser trotz der riesigen Wassermassen der Erde vielerorts knapp ist. Du erfährst, welche natürlichen und menschengemachten Ursachen zusammenwirken, wie Wasserknappheit gemessen wird und welche Lösungsansätze es gibt.

  • Fach: Geografie
  • Klasse 9
  • Thema: Klima
  • Dauer: 18 Min
  • Niveau: Mittel
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Warum Wasser trotz Wasserplanet knapp ist

Rund 71 Prozent der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt, trotzdem leiden Milliarden Menschen unter Wasserknappheit. Der Grund dafür ist einfach: 97 Prozent des Wassers auf der Erde ist salziges Meerwasser, das ohne aufwendige Aufbereitung weder getrunken noch für die Landwirtschaft genutzt werden kann.

Von den verbleibenden knapp 3 Prozent Süßwasser ist der größte Teil in Gletschern und Eiskappen gebunden, vor allem in der Antarktis und Grönland. Nur ein winziger Bruchteil des gesamten Wassers der Erde, etwa 0,3 Prozent, ist als flüssiges Süßwasser in Flüssen, Seen und leicht erreichbarem Grundwasser tatsächlich nutzbar.

Dieses nutzbare Süßwasser ist zudem sehr ungleich über die Erde verteilt. Länder wie Kanada oder Brasilien verfügen über riesige Wassermengen pro Einwohner, während Länder in trockenen Klimazonen wie im Nahen Osten oder in Teilen Afrikas strukturell zu wenig Wasser für ihre Bevölkerung haben.

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Wie Wasserknappheit entsteht

Wasserknappheit entsteht selten durch eine einzelne Ursache, sondern durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Grundlage ist häufig ein trockenes Klima mit wenig und unregelmäßigem Niederschlag, wie es in weiten Teilen Nordafrikas, des Nahen Ostens und Zentralasiens vorkommt.

Zu diesem natürlichen Wassermangel kommt der menschliche Verbrauch hinzu. Weltweit verbraucht die Landwirtschaft mit Bewässerungsfeldbau rund 70 Prozent des genutzten Süßwassers, Industrie und Haushalte teilen sich den Rest. Mit wachsender Bevölkerung und steigendem Wohlstand steigt auch der Wasserbedarf pro Person, etwa durch mehr Fleischkonsum, der besonders wasserintensiv ist.

Verschärft wird die Lage durch übernutzte Grundwasserspeicher, die sich langsamer wieder auffüllen, als sie abgepumpt werden, sowie durch den Klimawandel, der in vielen Regionen zu häufigeren und stärkeren Dürren führt. Diese Faktoren zusammen führen dazu, dass Wasserknappheit heute eines der drängendsten globalen Umweltprobleme ist.

Natürliche und menschengemachte Ursachen verstärken sich bei Wasserknappheit gegenseitig.
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Wasserverfügbarkeit im Ländervergleich

Um die Wasserverfügbarkeit von Ländern vergleichbar zu machen, wird oft die Menge an erneuerbarem Süßwasser pro Kopf und Jahr berechnet. Als Faustregel gilt: Unter 1700 Kubikmetern pro Kopf spricht man von Wasserstress, unter 1000 Kubikmetern von Wasserknappheit und unter 500 Kubikmetern von absoluter Wasserknappheit.

Kanada verfügt mit rund 79.000 Kubikmetern pro Kopf über gewaltige Wasserreserven, unter anderem wegen seiner riesigen Seen und geringen Bevölkerungsdichte. Deutschland liegt mit rund 1300 Kubikmetern noch über der Wasserstress-Grenze, gilt also nicht als wasserarm, muss aber dennoch sparsam mit Wasser umgehen.

Länder wie Jordanien oder Katar liegen dagegen weit unter der Grenze der absoluten Wasserknappheit. Diese Länder sind auf Entsalzungsanlagen, den Import virtuellen Wassers in Form von Lebensmitteln oder auf Wasser aus Nachbarländern angewiesen, um den Bedarf ihrer Bevölkerung zu decken.

LandSüßwasser pro KopfEinordnung
Kanada79.000 m³sehr wasserreich
Deutschland1.300 m³Wasserstress
Ägypten570 m³Wasserknappheit
Jordanien100 m³absolute Wasserknappheit
Katar21 m³absolute Wasserknappheit
Verfügbares Süßwasser pro Kopf und Jahr (gerundet)
Katar und Jordanien gehören zu den wasserärmsten Ländern der Erde, Kanada zu den wasserreichsten.
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Beispiel: Der Nil und drei Anrainerstaaten

Erkläre, warum der Bau eines großen Staudamms in Äthiopien zu Konflikten mit Ägypten führen kann, obwohl beide Länder am selben Fluss liegen.

Gegeben:

  • Der Nil entspringt unter anderem in Äthiopien und fließt durch den Sudan nach Ägypten
  • Ägypten liegt am Ende des Flusslaufs und ist fast vollständig von Nilwasser abhängig
  • Äthiopien baute den Grand-Ethiopian-Renaissance-Staudamm zur Stromerzeugung
  • Das Auffüllen eines großen Staudamms verringert vorübergehend den Wasserabfluss flussabwärts

Gesucht:

Erklärung des Nutzungskonflikts am Nil

Lösung:

  1. Ägypten erhält nahezu sein gesamtes Süßwasser aus dem Nil, weil das Land selbst extrem trocken ist.
  2. Äthiopien liegt am Oberlauf des Blauen Nils und kann durch einen Staudamm den Wasserabfluss beeinflussen.
  3. Beim Auffüllen des Stausees fließt vorübergehend weniger Wasser nach Sudan und Ägypten weiter.
  4. Da Ägypten kaum Alternativen zum Nilwasser hat, sieht das Land jede Verringerung des Abflusses als Bedrohung seiner Wasserversorgung.

Auch wenn beide Länder am selben Fluss liegen, sind ihre Interessen unterschiedlich: Äthiopien möchte den Fluss für Stromerzeugung nutzen, Ägypten ist auf einen möglichst gleichbleibenden Wasserabfluss angewiesen. Solche Konflikte um gemeinsame Flüsse erfordern internationale Verträge zur fairen Wasserverteilung.

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Typische Fehler und Alltagsbezug

Ein häufiger Fehler ist, Wasserknappheit nur mit fehlendem Regen gleichzusetzen. Tatsächlich spielt neben dem Klima auch der menschliche Verbrauch eine entscheidende Rolle: Ein Land mit ausreichend Niederschlag kann durch verschwenderische Landwirtschaft oder schnelles Bevölkerungswachstum trotzdem wasserarm werden.

Ein zweiter Fehler ist, Wasserverbrauch nur am direkten Trinkwasserkonsum zu messen. Der weitaus größte Teil des persönlichen Wasserverbrauchs steckt unsichtbar in Lebensmitteln, Kleidung und Konsumgütern, dem sogenannten virtuellen Wasser. Ein Kilogramm Rindfleisch benötigt in der Herstellung oft über 15.000 Liter Wasser, weit mehr als ein Kilogramm Gemüse.

Ein dritter Fehler ist zu glauben, Entsalzungsanlagen könnten das Problem der Wasserknappheit überall einfach lösen. Entsalzung benötigt sehr viel Energie und ist teuer, weshalb sie vor allem für wohlhabende Länder wie die Golfstaaten eine Option ist, für ärmere, wasserarme Länder aber oft nicht finanzierbar.

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Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 3

Wie viel Prozent des gesamten Wassers der Erde ist leicht nutzbares, flüssiges Süßwasser?

Wie viel Prozent des gesamten Wassers der Erde ist leicht nutzbares, flüssiges Süßwasser?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Nur rund 0,3 Prozent des Wassers der Erde ist leicht nutzbares, flüssiges Süßwasser.
  • Wasserknappheit entsteht durch das Zusammenspiel von trockenem Klima, Bevölkerungswachstum und hohem Verbrauch.
  • Die Landwirtschaft verbraucht weltweit rund 70 Prozent des genutzten Süßwassers.
  • Nutzungskonflikte an gemeinsamen Flüssen wie dem Nil erfordern internationale Verträge.
  • Lösungsansätze reichen von Tröpfchenbewässerung über Entsalzung bis zu fairen Wasserpreisen.

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Häufige Fragen zu Wasserknappheit

Warum gibt es Wasserknappheit, obwohl die Erde zu 71 Prozent aus Wasser besteht?
97 Prozent des Wassers der Erde ist salziges Meerwasser, das ohne aufwendige Aufbereitung nicht trinkbar ist. Von den restlichen knapp 3 Prozent Süßwasser ist der größte Teil in Gletschern und Eiskappen gebunden, sodass nur rund 0,3 Prozent des gesamten Wassers leicht nutzbar sind.
Was verbraucht am meisten Wasser weltweit?
Die Landwirtschaft verbraucht mit Bewässerungsfeldbau weltweit rund 70 Prozent des genutzten Süßwassers. Industrie und private Haushalte teilen sich den restlichen Anteil, wobei besonders wasserintensive Lebensmittel wie Rindfleisch den persönlichen Wasserverbrauch stark erhöhen.
Was ist virtuelles Wasser?
Virtuelles Wasser ist die Wassermenge, die zur Herstellung eines Produkts benötigt wird, auch wenn man sie dem Produkt nicht ansieht. Ein Kilogramm Rindfleisch benötigt in der Produktion oft über 15.000 Liter Wasser, deutlich mehr als pflanzliche Lebensmittel.
Welche Länder sind besonders von Wasserknappheit betroffen?
Besonders betroffen sind trockene Regionen wie der Nahe Osten, Nordafrika und Teile Zentralasiens. Länder wie Jordanien oder Katar liegen weit unter der Grenze von 500 Kubikmetern Süßwasser pro Kopf und Jahr und gelten damit als absolut wasserarm.
Können Entsalzungsanlagen die Wasserknappheit lösen?
Entsalzungsanlagen wandeln Meerwasser in Trinkwasser um, benötigen dafür aber sehr viel Energie und sind teuer im Betrieb. Sie sind deshalb vor allem für wohlhabende Länder wie die Golfstaaten eine Lösung, für ärmere, wasserarme Länder oft finanziell kaum umsetzbar.
Warum kommt es an Flüssen wie dem Nil zu Konflikten?
Flüsse wie der Nil fließen durch mehrere Länder mit unterschiedlichen Interessen, etwa Stromerzeugung durch Staudämme im Oberlauf oder gesicherte Wasserversorgung im Unterlauf. Ohne internationale Verträge kann die Nutzung durch ein Land die Wasserversorgung eines anderen Landes gefährden.
In welcher Klasse behandelt man Wasserknappheit im Erdkundeunterricht?
Wasserknappheit wird meist in Klasse 9 im Rahmen der Klimageografie behandelt, oft im Zusammenhang mit Klimawandel, Landwirtschaft und globaler Gerechtigkeit. Sie zeigt beispielhaft, wie natürliche und menschengemachte Faktoren zusammenwirken.
Was kann man persönlich gegen Wasserknappheit tun?
Weniger Fleischkonsum, bewusster Umgang mit Trinkwasser und der Kauf langlebiger statt schnell produzierter Kleidung senken den eigenen virtuellen Wasserverbrauch. Auch politisches Engagement für faire Wasserpreise und internationale Wasserabkommen kann langfristig etwas bewirken.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.

Das solltest du vorher können