Die Polargebiete
Arktis und Antarktis sind die kältesten Regionen der Erde, unterscheiden sich aber grundlegend. In dieser Lektion lernst du, warum es dort so kalt ist, was Polartag und Polarnacht bedeuten und woran du Arktis und Antarktis sicher auseinanderhältst.
- Fach: Geografie
- Klasse 7
- Thema: Klima
- Dauer: 19 Min
- Niveau: Mittel
Die kältesten Räume der Erde
Die Polargebiete beginnen ungefähr an den Polarkreisen bei 66,5 Grad nördlicher und südlicher Breite. Dort treffen die Sonnenstrahlen selbst im Sommer sehr flach auf, sodass wenig Energie pro Quadratmeter ankommt. Hinzu kommt, dass Schnee und Eis bis zu 90 Prozent des Sonnenlichts zurückwerfen. Die Folge sind extreme Temperaturen: An der russischen Station Wostok in der Antarktis wurden 1983 -89,2 °C gemessen, der niedrigste je direkt gemessene Wert auf der Erde.
Zum Vergleich: Der deutsche Kälterekord liegt bei -45,0 °C, gemessen 2001 am Funtensee in Bayern. Das zeigt, wie extrem die Polargebiete tatsächlich sind – selbst der kälteste Ort Deutschlands ist noch deutlich milder als ein durchschnittlicher Wintertag in der Antarktis. In der Arktis wurde die tiefste Temperatur 1991 in Grönland mit -69,6 °C gemessen, deutlich milder als in der Antarktis.
Ein typischer Fehler ist, Arktis und Antarktis für zwei gleiche Eiswüsten zu halten. Die Arktis ist ein Ozean, der von gefrorenem Meerwasser bedeckt ist, umgeben von Kontinenten. Die Antarktis dagegen ist selbst ein Kontinent, auf dem ein bis zu 4800 m dicker Eisschild liegt. Deshalb ist die Antarktis auch viel kälter: Sie liegt hoch, und kein Meerwasser gibt von unten Wärme ab.
Wie Polartag und Polarnacht entstehen
Weil die Erdachse um etwa 23,5 Grad geneigt ist, gibt es jenseits der Polarkreise Polartag und Polarnacht. Am Polarkreis geht die Sonne mindestens einen Tag im Jahr nicht unter und mindestens einen Tag nicht auf. Je näher man dem Pol kommt, desto länger dauern diese Zeiten. Am Nordpol selbst scheint die Sonne etwa ein halbes Jahr lang ununterbrochen, das andere halbe Jahr herrscht Dunkelheit.
Der Grund liegt darin, dass die geneigte Erdachse während des Sonnenumlaufs mal die Nordhalbkugel, mal die Südhalbkugel der Sonne zuneigt. Ist die Nordhalbkugel zugeneigt, herrscht dort Nordsommer mit Polartag am Nordpol, während am Südpol gleichzeitig Polarnacht herrscht. Ein halbes Jahr später kehrt sich das Verhältnis um. Deshalb sind Polartag und Polarnacht an Nord- und Südpol immer genau gegenläufig.
In der Zeit um Frühlings- und Herbstanfang steht die Sonne über dem Äquator, und auf der ganzen Erde sind Tag und Nacht etwa gleich lang. Erst danach beginnt sich die Situation an den Polen wieder in die eine oder andere Richtung zu verschieben, bis am Sommer- beziehungsweise Wintersonnenwendtag der jeweilige Pol am stärksten der Sonne zu- oder abgewandt ist.
Arktis oder Antarktis?
Beide Gebiete sind kalt, eisbedeckt und haben Polartag und Polarnacht. Der entscheidende Unterschied ist, was unter dem Eis liegt: in der Arktis Meer, in der Antarktis Land.
Daraus folgen fast alle anderen Unterschiede – bei Temperatur, Tieren und Menschen.
Arktis
Nordpolargebiet: ein von Meereis bedecktes Ozeanbecken mit angrenzenden Landflächen.
Beispiele
- Das Meereis ist meist nur 1 bis 4 m dick und schrumpft im Sommer stark.
- Rund 4 Millionen Menschen leben in der Arktis, darunter Inuit in Grönland und Kanada.
- Tiere: Eisbär, Polarfuchs, Rentier, Walross.
Signalwörter
- Ozean mit Meereis
- Nordhalbkugel
- dauerhaft bewohnt
- Eisbären
- Wintermittel etwa -30 bis -40 °C
Antarktis
Südpolargebiet: ein Kontinent, bedeckt von einem Eisschild mit durchschnittlich rund 2000 m Dicke.
Beispiele
- Die Antarktis ist mit etwa 14 Millionen km² größer als Europa.
- Keine dauerhafte Bevölkerung, nur Forschende auf Stationen wie der deutschen Neumayer-Station III.
- Tiere: Kaiserpinguin, Weddellrobbe, Krill im Meer.
Signalwörter
- Kontinent unter Eis
- Südhalbkugel
- nur Forschungsstationen
- Pinguine
- Rekordkälte -89,2 °C
| Merkmal | Arktis | Antarktis |
|---|---|---|
| Untergrund | gefrorener Ozean | Kontinent unter Eisschild |
| Fläche | rund 14 Mio. km² Meereis (schwankend) | rund 14 Mio. km² Landfläche |
| Rekordkälte | -69,6 °C (Grönland, 1991) | -89,2 °C (Wostok, 1983) |
| Bevölkerung | rund 4 Mio. Menschen dauerhaft | keine, nur Forschungsstationen |
Wie lange dauert die Polarnacht?
Ein Ort liegt genau am Nordpol. Die Sonne geht dort um den 21. März auf und um den 23. September unter. Wie lange dauert der Polartag ungefähr und wie lange die Polarnacht?
Gegeben:
- Sonnenaufgang am Nordpol: um den 21. März
- Sonnenuntergang am Nordpol: um den 23. September
- Ein Jahr hat 365 Tage.
Gesucht:
Dauer von Polartag und Polarnacht in TagenLösung:
- Tage vom 21. März bis 23. September zählen: 10 Tage im März, dann April 30, Mai 31, Juni 30, Juli 31, August 31 und 23 im September. Zusammen sind das 186 Tage.
- Polarnacht berechnen: 365 - 186179 Tage.
- Ergebnis prüfen: Der Polartag ist etwas länger, weil sich die Erde im Nordsommer langsamer um die Sonne bewegt und die Atmosphäre das Licht leicht bricht.
Am Nordpol dauert der Polartag etwa 186 Tage, die Polarnacht etwa 179 Tage – jeweils rund ein halbes Jahr. Am Polarkreis wäre es dagegen nur ein einziger Tag.
Typische Fehler und Alltagsbezug
Der häufigste Fehler ist zu behaupten, Eisbären und Pinguine lebten am selben Pol. Eisbären kommen ausschließlich in der Arktis vor, Pinguine leben fast ausschließlich auf der Südhalbkugel, die meisten Arten in der Antarktis. Beide Tierarten sind sich nie in freier Wildbahn begegnet, weil zwischen ihnen der gesamte Globus liegt.
Ein zweiter Fehler ist, Polartag und Polarnacht mit den Jahreszeiten zu verwechseln. Polartag und Polarnacht sind extreme Sonderfälle, die nur jenseits der Polarkreise auftreten, während in gemäßigten Breiten wie Deutschland ganzjährig ein täglicher Wechsel von Tag und Nacht stattfindet, nur mit unterschiedlich langen Tageslichtphasen je nach Jahreszeit.
Im Alltag spürst du die Wirkung der Erdachsenneigung selbst in Deutschland: Im Sommer ist es abends länger hell, weil die Nordhalbkugel der Sonne zugeneigt ist – genau derselbe Mechanismus, der am Nordpol zum halbjährigen Polartag führt, nur deutlich abgeschwächt. Für die Klassenarbeit hilft es, sich diesen Zusammenhang bildlich vorzustellen: eine schräge Erdachse, die sich beim Sonnenumlauf nicht mitdreht.
Jetzt bist du dran!
Welche Aussage über die Antarktis ist richtig?
Noch nicht. Unter dem Eis der Antarktis liegt Festland. Weil sie hoch liegt und kein Meerwasser von unten wärmt, ist sie kälter als die Arktis.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Polargebiete liegen jenseits der Polarkreise bei 66,5 Grad Nord und Süd.
- Flache Sonnenstrahlen und stark reflektierendes Eis machen sie zu den kältesten Räumen der Erde.
- Jenseits der Polarkreise gibt es Polartag und Polarnacht, am Pol dauern sie je etwa ein halbes Jahr.
- Die Antarktis ist ein Kontinent unter Eis und kälter als die Arktis mit dem Rekord von -89,2 °C.
- Typischer Fehler: Arktis und Antarktis gleichsetzen. Die Arktis ist ein Ozean mit Meereis, die Antarktis ein Kontinent.
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Häufige Fragen zu Die Polargebiete
- Was ist der Unterschied zwischen Arktis und Antarktis?
- Die Arktis ist ein Ozean, der von Meereis bedeckt ist und von Kontinenten umgeben wird. Die Antarktis ist dagegen selbst ein Kontinent, der von einem bis zu 4800 m dicken Eisschild bedeckt ist. Deshalb ist die Antarktis auch deutlich kälter als die Arktis.
- Wie entstehen Polartag und Polarnacht?
- Die Erdachse ist um etwa 23,5 Grad geneigt. Während des Umlaufs um die Sonne ist deshalb mal die Nord-, mal die Südhalbkugel der Sonne zugeneigt. Jenseits der Polarkreise bei 66,5 Grad Breite führt das dazu, dass die Sonne an manchen Tagen im Jahr gar nicht untergeht (Polartag) oder gar nicht aufgeht (Polarnacht).
- Warum leben Eisbären nicht in der Antarktis?
- Eisbären haben sich ausschließlich in der Arktis entwickelt und sind dort an das Jagen von Robben auf Meereis angepasst. Sie kamen nie über den Äquator in die Antarktis, wo stattdessen Pinguine als typische Tierart leben, die sich unabhängig von Eisbären entwickelt haben.
- Wie kalt wird es in der Antarktis wirklich?
- An der russischen Forschungsstation Wostok wurde 1983 mit -89,2 °C die tiefste je direkt gemessene Temperatur der Erde registriert. Im Sommer steigen die Temperaturen an der Küste zwar auf einige Grad über null, im Inneren des Kontinents bleibt es aber ganzjährig extrem kalt.
- Wo genau liegen die Polarkreise?
- Die Polarkreise liegen bei 66,5 Grad nördlicher und südlicher Breite. Diese Zahl ergibt sich aus 90 Grad minus der Neigung der Erdachse von 23,5 Grad. Jenseits dieser Breite treten mindestens einmal im Jahr Polartag und Polarnacht auf.
- In welcher Klasse werden die Polargebiete im Unterricht behandelt?
- Die Polargebiete sind meist Thema der Klassen 6 bis 8 im Geografieunterricht, oft im Zusammenhang mit den Klimazonen der Erde. Der Klimawandel in den Polarregionen wird häufig in höheren Klassen vertiefend behandelt.
- Leben Menschen dauerhaft in der Antarktis?
- Nein, in der Antarktis gibt es keine dauerhafte Bevölkerung, sondern nur Forschungsstationen wie die deutsche Neumayer-Station III, die meist mit einigen Dutzend Personen besetzt sind. In der Arktis dagegen leben dauerhaft rund 4 Millionen Menschen, etwa Inuit in Grönland und Kanada.
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