Himmelsrichtungen und Kompass
Norden, Osten, Süden und Westen helfen dir, dich auf Karten und im Gelände zurechtzufinden. In dieser Lektion lernst du die Haupt- und Nebenhimmelsrichtungen, wie ein Kompass funktioniert und wie du auch ohne Kompass mit Sonne und Uhr die Richtung bestimmst.
- Fach: Geografie
- Klasse 5
- Thema: Karten und Orientierung
- Dauer: 16 Min
- Niveau: Einfach
Wo ist Norden?
Die vier Haupthimmelsrichtungen heißen Norden (N), Osten (O), Süden (S) und Westen (W). Du kannst sie dir im Uhrzeigersinn mit dem Merksatz „Nie ohne Seife waschen“ merken. Zwischen ihnen liegen die Nebenhimmelsrichtungen Nordosten (NO), Südosten (SO), Südwesten (SW) und Nordwesten (NW). Auf fast allen Karten ist Norden oben, Süden unten, Osten rechts und Westen links. Deshalb liegt Hamburg auf der Deutschlandkarte oben und München unten.
Die Sonne hilft dir beim Orientieren, weil sich die Erde von Westen nach Osten dreht. Für uns sieht es deshalb so aus, als ginge die Sonne im Osten auf, stünde mittags gegen 12 Uhr (im Sommer wegen der Sommerzeit gegen 13 Uhr) im Süden und ginge im Westen unter. Ein Kompass funktioniert ohne Sonne: Seine magnetische Nadel richtet sich nach dem Magnetfeld der Erde aus und zeigt mit ihrer roten Spitze nach Norden.
Die Kompassnadel zeigt nicht ganz genau zum geografischen Nordpol, sondern zum magnetischen Nordpol, der einige hundert Kilometer davon entfernt liegt und sich sogar langsam verschiebt. Diesen kleinen Unterschied nennt man Missweisung. In Deutschland beträgt sie nur wenige Grad, sodass du sie beim Wandern in der Regel vernachlässigen kannst. Für sehr genaue Vermessungen, etwa in der Luftfahrt oder Schifffahrt, wird sie aber berücksichtigt und regelmäßig neu berechnet.
Kompass oder Sonnenstand?
Beide Methoden führen zum Ziel, eignen sich aber für unterschiedliche Situationen. Der Kompass ist genau und funktioniert bei jedem Wetter, der Sonnenstand braucht keine Hilfsmittel, ist aber ungenauer.
Merke: Beim Kompass zählt die Nadel, bei der Sonne zählt die Uhrzeit.
Kompass
Du brauchst eine genaue Richtung, zum Beispiel im Wald, im Nebel oder bei Nacht.
Beispiele
- Die rote Nadelspitze zeigt nach Norden, du drehst das Gehäuse, bis „N“ unter der Nadel liegt.
- Beim Orientierungslauf im Schwarzwald hältst du mit dem Kompass eine Richtung von 90 Grad, also Osten.
- Auch das Handy hat einen eingebauten Magnetsensor als Kompass.
Signalwörter
- Magnetnadel
- funktioniert bei jedem Wetter
- rote Spitze zeigt nach Norden
- Gradangabe von 0 bis 360
Sonnenstand
Die Sonne scheint und du hast keinen Kompass dabei, weißt aber die Uhrzeit.
Beispiele
- Morgens gegen 6 Uhr steht die Sonne im Osten.
- Mittags gegen 12 Uhr (Sommerzeit 13 Uhr) steht sie im Süden, dein Schatten zeigt nach Norden.
- Abends gegen 18 Uhr steht sie im Westen.
Signalwörter
- braucht Sonnenschein
- Uhrzeit ist wichtig
- Schatten zeigt mittags nach Norden
- nur ungefähre Richtung
| Uhrzeit | Sonnenstand | Richtung des Schattens |
|---|---|---|
| etwa 6 Uhr | Osten | nach Westen |
| etwa 12 Uhr | Süden | nach Norden |
| etwa 18 Uhr | Westen | nach Osten |
Eine Karte einnorden
Du stehst mit einer Wanderkarte am Marktplatz und willst zum Bahnhof, der auf der Karte rechts oben vom Marktplatz liegt. In welche Himmelsrichtung musst du gehen und wie findest du sie im Gelände?
Gegeben:
- Auf der Karte ist Norden oben.
- Der Bahnhof liegt rechts oben vom Marktplatz.
- Du hast einen Kompass dabei.
Gesucht:
Himmelsrichtung zum BahnhofLösung:
- Richtung auf der Karte bestimmen: oben bedeutet Norden, rechts bedeutet Osten. Rechts oben ist also Nordosten.
- Kompass auf die Karte legen und die Karte drehen, bis der Nordrand der Karte in dieselbe Richtung zeigt wie die rote Nadel. Jetzt ist die Karte eingenordet.
- Nun liegen alle Wege auf der Karte genauso wie in der Wirklichkeit. Du gehst in die Richtung zwischen Norden und Osten.
Du musst nach Nordosten gehen. Weil die Karte eingenordet ist, kannst du die Richtung direkt vom Papier in die Landschaft übertragen, ohne sie erst gedanklich zu drehen.
Vier Städte, vier Richtungen
Himmelsrichtungen sind immer relativ zu einem Standort gemeint. Von Berlin aus gesehen liegt Hamburg im Norden, weil es auf der Karte oberhalb von Berlin liegt. Warschau liegt östlich von Berlin, weil es weiter rechts liegt. München liegt südlich, weil es weiter unten liegt, und Köln liegt westlich, weil es weiter links liegt.
Von einer anderen Stadt aus würden dieselben Orte in andere Richtungen liegen. Von München aus gesehen liegt Berlin zum Beispiel im Norden, nicht im Süden. Deshalb ist es beim Beschreiben einer Richtung wichtig, immer den Ausgangspunkt mitzudenken: „Nordöstlich von Berlin“ bedeutet etwas anderes als „nordöstlich von München“.
Typische Fehler und Tipps für die Klassenarbeit
Ein typischer Fehler ist, Osten und Westen zu vertauschen, besonders wenn man die Karte vor sich auf den Tisch legt. Hilfreich ist die Probe mit dem Wort „WO“: Von links nach rechts gelesen stehen W und O in der richtigen Reihenfolge – Westen links, Osten rechts. Wer sich das einmal fest einprägt, verwechselt die beiden Richtungen seltener.
Ein zweiter Fehler ist, den Sonnenstand ohne Berücksichtigung der Uhrzeit zu beurteilen. Die Sonne steht nicht immer im Süden, sondern nur um die Mittagszeit. Wer morgens „die Sonne steht im Süden“ schreibt, verwechselt Sonnenaufgang mit Sonnenhöchststand. Für die Klassenarbeit lohnt es sich, die drei Eckpunkte Sonnenaufgang (Osten), Mittag (Süden) und Sonnenuntergang (Westen) auswendig zu können.
Ein dritter Fehler ist, Himmelsrichtungen ohne Bezugspunkt anzugeben. Die Aussage „Warschau liegt im Osten“ ist nur richtig, wenn klar ist, östlich wovon. Achte in Aufgaben darauf, immer den Ausgangsort zu nennen oder aus der Aufgabenstellung zu übernehmen, bevor du eine Richtung bestimmst.
Jetzt bist du dran!
In welcher Himmelsrichtung steht die Sonne bei uns im Winter gegen 12 Uhr mittags?
Noch nicht. Deutschland liegt nördlich des Wendekreises, deshalb steht die Sonne mittags immer im Süden. Dein Schatten zeigt dann nach Norden.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Haupthimmelsrichtungen sind Norden, Osten, Süden und Westen – Merksatz „Nie ohne Seife waschen“.
- Auf Karten ist Norden fast immer oben, Osten rechts, Süden unten und Westen links.
- Die Sonne geht im Osten auf, steht mittags im Süden und geht im Westen unter.
- Die rote Kompassnadel zeigt nach Norden, weil sie sich nach dem Erdmagnetfeld ausrichtet.
- Himmelsrichtungen gelten immer relativ zu einem Standort, deshalb muss der Bezugspunkt klar sein.
- Typischer Fehler: Osten und Westen vertauschen. Lies „WO“ von links nach rechts.
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Häufige Fragen zu Himmelsrichtungen und Kompass
- Was sind die vier Haupthimmelsrichtungen?
- Die vier Haupthimmelsrichtungen sind Norden, Osten, Süden und Westen. Im Uhrzeigersinn angeordnet ergeben sie den Merksatz „Nie ohne Seife waschen“. Zwischen ihnen liegen die vier Nebenhimmelsrichtungen Nordost, Südost, Südwest und Nordwest, sodass insgesamt acht Richtungen die Windrose bilden.
- Wie funktioniert ein Kompass?
- Ein Kompass besitzt eine kleine, drehbar gelagerte Magnetnadel. Weil die Erde selbst wie ein riesiger Magnet wirkt, richtet sich die Nadel automatisch am Erdmagnetfeld aus. Die rote Spitze zeigt dabei stets zum magnetischen Nordpol, unabhängig davon, wie der Kompass gehalten oder gedreht wird.
- Was ist der Unterschied zwischen Kompass und Sonnenstand?
- Ein Kompass zeigt die Richtung über die Magnetnadel an und funktioniert bei jedem Wetter, auch nachts oder bei Nebel. Der Sonnenstand liefert nur eine grobe Richtung und setzt voraus, dass die Sonne scheint und man die ungefähre Uhrzeit kennt, da sich die Sonnenposition im Tagesverlauf verändert.
- Warum ist auf Karten meistens Norden oben?
- Diese Ausrichtung ist eine Konvention, die sich seit der Neuzeit in der europäischen Kartografie durchgesetzt hat, unter anderem weil frühe Seefahrer sich am Polarstern orientierten, der im Norden steht. Es gibt keinen physikalischen Grund, warum Norden oben liegen muss, aber die einheitliche Ausrichtung erleichtert weltweit das Lesen von Karten.
- Wie bestimme ich Himmelsrichtungen ohne Kompass?
- Am Tag hilft der Sonnenstand: Osten am Morgen, Süden zur Mittagszeit, Westen am Abend. Nachts kann man sich in der nördlichen Hemisphäre am Polarstern orientieren, der fast genau über dem geografischen Nordpol steht. Auch Moosbewuchs an Bäumen gilt als grober Hinweis, ist aber deutlich unzuverlässiger als Sonne oder Sterne.
- Was bedeutet Missweisung beim Kompass?
- Missweisung ist der kleine Winkelunterschied zwischen dem geografischen Nordpol und dem magnetischen Nordpol, zu dem die Kompassnadel tatsächlich zeigt. In Deutschland beträgt dieser Unterschied nur wenige Grad und kann beim Wandern meist vernachlässigt werden, ist aber für die genaue Navigation in Luftfahrt und Schifffahrt wichtig.
- Wie norde ich eine Wanderkarte richtig ein?
- Lege den Kompass so auf die Karte, dass seine Kante parallel zum Kartenrand liegt. Drehe anschließend die ganze Karte samt Kompass, bis die rote Nadelspitze in dieselbe Richtung zeigt wie der Nordrand der Karte. Danach stimmen alle Richtungen auf dem Papier mit der echten Landschaft überein.
- In welcher Klasse werden Himmelsrichtungen unterrichtet?
- Himmelsrichtungen und der Umgang mit dem Kompass gehören zu den ersten Themen im Geografieunterricht, meist bereits in der 5. Klasse. Sie bilden die Grundlage für spätere Themen wie das Gradnetz der Erde, das Lesen von Maßstäben und die Orientierung auf Wander- und Straßenkarten.
Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.