Das Gradnetz der Erde
Mit Breitenkreisen und Längenhalbkreisen lässt sich jeder Ort der Erde genau angeben. In dieser Lektion lernst du, wie das Gradnetz aufgebaut ist, was geografische Breite und Länge bedeuten und wie du die Lage einer Stadt mit Koordinaten beschreibst.
- Fach: Geografie
- Klasse 5
- Thema: Karten und Orientierung
- Dauer: 18 Min
- Niveau: Mittel
Ein Netz aus gedachten Linien
Auf einer Kugel gibt es kein natürliches „oben links“, an dem man sich orientieren könnte. Deshalb hat man die Erde mit einem gedachten Netz überzogen, dem Gradnetz. Es besteht aus Breitenkreisen, die parallel zum Äquator rund um die Erde laufen, und aus Längenhalbkreisen, auch Meridiane genannt, die vom Nordpol zum Südpol verlaufen. Jeder Ort liegt auf genau einem Breitenkreis und einem Meridian – ihr Schnittpunkt ist seine Adresse.
Der Äquator ist der Breitenkreis mit 0 Grad. Von ihm aus zählt man nach Norden bis 90 Grad nördlicher Breite (Nordpol) und nach Süden bis 90 Grad südlicher Breite (Südpol). Die Längenhalbkreise zählt man vom Nullmeridian aus, der durch die Sternwarte in Greenwich bei London läuft. Nach Osten geht es bis 180 Grad östlicher Länge, nach Westen bis 180 Grad westlicher Länge. Berlin liegt zum Beispiel bei etwa 52 Grad Nord und 13 Grad Ost.
Alle Meridiane sind gleich lang, weil sie von Pol zu Pol über die ganze Erdkugel verlaufen. Die Breitenkreise dagegen werden zu den Polen hin immer kürzer: Am Äquator misst ein Breitenkreis rund 40 000 Kilometer, direkt am Pol schrumpft er zu einem einzigen Punkt zusammen. Das erklärt, warum auf Weltkarten Länder nahe der Pole oft viel größer wirken, als sie tatsächlich sind – die Karte muss die runde Erde auf eine ebene Fläche übertragen und verzerrt dabei die Flächen in Polnähe.
Breite oder Länge?
Für jede Ortsangabe brauchst du beide Werte. Die Breite beschreibt die Lage zwischen Nord und Süd, die Länge die Lage zwischen West und Ost.
In einer Koordinatenangabe steht die Breite immer zuerst: „52° N, 13° O“ bedeutet 52 Grad nördliche Breite und 13 Grad östliche Länge.
Geografische Breite
Du willst angeben, wie weit ein Ort nördlich oder südlich des Äquators liegt.
Beispiele
- Hamburg liegt bei etwa 53° N, München bei etwa 48° N.
- Kapstadt liegt bei etwa 34° S, also auf der Südhalbkugel.
- Der nördliche Wendekreis liegt bei 23,5° N.
Signalwörter
- Breitenkreise, Parallelkreise
- Nullpunkt: Äquator
- 0 bis 90 Grad
- Angabe N oder S
Geografische Länge
Du willst angeben, wie weit ein Ort östlich oder westlich des Nullmeridians liegt.
Beispiele
- Berlin liegt bei etwa 13° O, Köln bei etwa 7° O.
- New York liegt bei etwa 74° W.
- Die Datumsgrenze folgt ungefähr dem 180. Längengrad im Pazifik.
Signalwörter
- Längenhalbkreise, Meridiane
- Nullpunkt: Greenwich
- 0 bis 180 Grad
- Angabe O oder W
Koordinaten einer Stadt bestimmen
Auf einer Atlaskarte liegt Madrid knapp über dem Breitenkreis 40° N und knapp links vom Nullmeridian, etwa bei 4° W. Beschreibe die Lage von Madrid im Gradnetz und bestimme die Halbkugeln.
Gegeben:
- Breite: etwa 40° N
- Länge: etwa 4° W
Gesucht:
Koordinatenangabe und HalbkugelnLösung:
- Breite zuerst: Madrid liegt nördlich des Äquators bei rund 40 Grad, also 40° N. Damit liegt es auf der Nordhalbkugel.
- Länge danach: Madrid liegt westlich von Greenwich bei rund 4 Grad, also 4° W. Damit liegt es auf der Westhalbkugel.
- Beide Werte zusammensetzen, Breite vor Länge.
Madrid liegt bei etwa 40° N, 4° W – auf der Nord- und der Westhalbkugel. Obwohl Spanien in Europa liegt, befindet sich Madrid also knapp westlich des Nullmeridians, weil dieser mitten durch Westeuropa verläuft.
Vier Städte im Vergleich
Alle vier Städte liegen auf der Nordhalbkugel, weil ihre Breite mit N angegeben wird. Bei der Länge unterscheiden sie sich aber: Reykjavik und Madrid liegen westlich des Nullmeridians, Berlin und Athen östlich davon. Das zeigt, dass Halbkugel-Zugehörigkeit bei der Breite und bei der Länge getrennt betrachtet werden muss.
Je weiter eine Stadt vom Äquator entfernt liegt, desto größer ist ihre Breitenzahl. Reykjavik hat mit 64° N den größten Wert der vier Städte und liegt damit am nächsten am Nordpol. Athen mit 38° N liegt am nächsten am Äquator. An der Länge lässt sich dagegen nicht ablesen, wie kalt oder warm es an einem Ort ist – dafür ist vor allem die Breite entscheidend, weil sie bestimmt, wie steil die Sonne einfällt.
| Stadt | Breite | Länge | Halbkugeln |
|---|---|---|---|
| Reykjavik | 64° N | 22° W | Nord, West |
| Berlin | 52° N | 13° O | Nord, Ost |
| Madrid | 40° N | 4° W | Nord, West |
| Athen | 38° N | 24° O | Nord, Ost |
Typische Fehler und Tipps für die Klassenarbeit
Ein typischer Fehler ist, Breite und Länge zu verwechseln. Die geografische Breite sagt, wie weit nördlich oder südlich ein Ort liegt – obwohl die Breitenkreise auf der Karte waagerecht verlaufen. Wer das durcheinanderbringt, gibt oft die Länge an, wo eigentlich die Breite gefragt ist, und umgekehrt. Präge dir deshalb die Eselsbrücke aus dem Vergleichsblock ein, bevor du mit Koordinaten rechnest.
Ein zweiter häufiger Fehler ist, die Reihenfolge Breite vor Länge zu vertauschen. In fast allen Schulbüchern, Atlanten und auch in digitalen Karten wird zuerst die Breite und dann die Länge genannt. Wenn eine Aufgabe „52° N, 13° O“ vorgibt, ist die erste Zahl immer die Breite. Für die Klassenarbeit lohnt es sich außerdem, die Himmelsrichtungsbuchstaben N, S, O und W sauber mitzuschreiben, denn ohne sie ist eine Gradangabe nicht eindeutig.
Ein dritter Fehler betrifft die Längenangabe bei Orten nahe am Nullmeridian: Schüler vergessen manchmal, dass auch kleine Abweichungen nach West oder Ost angegeben werden müssen, selbst wenn der Wert nur wenige Grad beträgt. Madrid liegt zum Beispiel nur 4 Grad westlich von Greenwich, trotzdem gehört das W zur vollständigen Angabe dazu.
Jetzt bist du dran!
Durch welchen Ort verläuft der Nullmeridian?
Noch nicht. Auf einer internationalen Konferenz 1884 wurde der Meridian durch die Sternwarte in Greenwich als Nullmeridian festgelegt. Von dort zählt man nach Osten und Westen.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Gradnetz besteht aus Breitenkreisen und Längenhalbkreisen (Meridianen).
- Die Breite zählt vom Äquator (0°) bis zu den Polen (90° N oder 90° S).
- Die Länge zählt vom Nullmeridian durch Greenwich bis 180° O oder 180° W.
- In einer Koordinatenangabe steht die Breite vor der Länge, etwa Berlin 52° N, 13° O.
- Typischer Fehler: Breite und Länge vertauschen. Breitenkreise laufen waagerecht, geben aber die Nord-Süd-Lage an.
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Häufige Fragen zu Das Gradnetz der Erde
- Was ist das Gradnetz der Erde?
- Das Gradnetz ist ein gedachtes Netz aus Breitenkreisen und Längenhalbkreisen, mit dem man jeden Ort auf der Erde eindeutig beschreiben kann. Breitenkreise verlaufen parallel zum Äquator, Längenhalbkreise vom Nordpol zum Südpol. Der Schnittpunkt aus beiden Linien ergibt die geografischen Koordinaten eines Ortes, also seine Adresse auf der Erdkugel.
- Wie liest man geografische Koordinaten?
- Eine Koordinate besteht aus zwei Werten: zuerst die geografische Breite mit N oder S, dann die geografische Länge mit O oder W. Bei „52° N, 13° O“ ist die Stadt also 52 Grad nördlich des Äquators und 13 Grad östlich von Greenwich zu finden. Auf digitalen Karten stehen oft Nachkommastellen statt gerundeter Gradzahlen.
- Was ist der Unterschied zwischen Breitenkreis und Längenhalbkreis?
- Breitenkreise verlaufen waagerecht rund um die Erde, parallel zum Äquator, und werden zu den Polen hin immer kürzer. Längenhalbkreise, auch Meridiane genannt, verlaufen von Pol zu Pol und sind alle gleich lang. Beide Linienarten zusammen bilden das Gradnetz und legen jeden Ort eindeutig fest.
- Warum liegt der Nullmeridian in Greenwich?
- 1884 einigten sich mehrere Staaten auf einer internationalen Konferenz darauf, den Meridian durch die Sternwarte in Greenwich bei London als Nullmeridian festzulegen. Zuvor nutzten verschiedene Länder eigene Nullpunkte, was die Navigation erschwerte. Die Wahl fiel auf Greenwich, weil zu dieser Zeit die meisten Seekarten der Welt bereits britische Referenzpunkte verwendeten.
- Was bedeuten N, S, O und W bei Koordinaten?
- N steht für nördliche Breite, S für südliche Breite, O für östliche Länge und W für westliche Länge. Diese Buchstaben geben an, auf welcher Seite des Äquators beziehungsweise des Nullmeridians ein Ort liegt. Ohne diese Angabe wäre eine Gradzahl nicht eindeutig, weil es auf beiden Seiten der Nulllinien Orte mit derselben Zahl gibt.
- Warum werden Länder nahe der Pole auf Karten oft zu groß dargestellt?
- Weil Breitenkreise zu den Polen hin immer kürzer werden, die Erde aber häufig auf einer rechteckigen Karte mit gleich langen waagerechten Linien dargestellt wird. Dadurch müssen Gebiete in Polnähe stark gedehnt werden, damit sie auf die Karte passen. Grönland wirkt auf solchen Karten deshalb oft ähnlich groß wie Afrika, ist in Wirklichkeit aber vierzehnmal kleiner.
- In welcher Klasse lernt man das Gradnetz?
- Das Gradnetz gehört meist zum Geografieunterricht der 5. oder 6. Klasse und baut auf den Grundlagen zu Himmelsrichtungen und Kartenlesen auf. Es ist die Voraussetzung für spätere Themen wie Zeitzonen, Klimazonen und die Arbeit mit Atlanten und digitalen Kartendiensten.
- Wie kann ich mir Breite und Länge besser merken?
- Nutze die Eselsbrücke: Breitenkreise sind wie ein Gürtel „breit“ um die Erde gelegt, Längenhalbkreise sind „lang“ von Pol zu Pol gezogen. Hilfreich ist außerdem, sich immer eine bekannte Stadt als Anker zu merken, zum Beispiel Berlin bei 52° N, 13° O, und neue Orte im Vergleich dazu einzuordnen.
Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.
Das solltest du vorher können
Das kommt als Nächstes
- Die Klimazonen der Erde
- Zeitzonen der Erdein Arbeit