Gebirgsbildung: Wie Faltengebirge entstehen
Gebirgsbildung beschreibt, wie über Jahrmillionen aus flachem Gestein hohe Gebirge wie die Alpen oder der Himalaya entstehen. In dieser Lektion lernst du, wie die Bewegung der Kontinentalplatten Gestein zu Falten presst und ein Faltengebirge auftürmt, und warum Verwitterung die Form der Gebirge bis heute verändert.
- Fach: Geografie
- Klasse 9
- Thema: Geologie
- Dauer: 19 Min
- Niveau: Mittel
Was Gebirgsbildung bedeutet
Gebirgsbildung, auch Orogenese genannt, bezeichnet den geologischen Prozess, durch den sich über sehr lange Zeiträume hohe Gebirge aus zuvor flacherem Gestein auftürmen. Dieser Prozess dauert meist mehrere Millionen Jahre und läuft so langsam ab, dass er im menschlichen Alltag nicht direkt beobachtbar ist.
Die Erdoberfläche besteht aus großen, starren Platten, den Kontinentalplatten und Ozeanplatten, die sich ständig, wenn auch sehr langsam, bewegen. Treffen zwei dieser Platten aufeinander, kann der entstehende Druck Gestein auffalten oder aufbrechen lassen, wodurch neue Gebirge entstehen.
Die meisten der höchsten Gebirge der Erde, etwa die Alpen, der Himalaya oder die Anden, sind sogenannte Faltengebirge, die durch das Zusammenschieben von Gesteinsschichten entstanden sind. Sie unterscheiden sich damit deutlich von Vulkangebirgen, die durch aufsteigendes Magma aufgebaut werden.
Wie ein Faltengebirge entsteht
Am Anfang eines Faltengebirges steht die Bewegung zweier Kontinentalplatten aufeinander zu, angetrieben durch Strömungen im heißen Erdmantel unter der Erdkruste. Zwischen den beiden Platten liegt häufig zunächst ein Meer mit abgelagertem Sediment auf dem Ozeanboden.
Nähern sich die Platten weiter an, wird dieser Meeresboden zunehmend eingeengt und zusammengeschoben, wobei ein Teil davon unter die andere Platte abtaucht. Der enorme Druck presst die verbliebenen Gesteinsschichten dabei zu großen Falten zusammen, ähnlich wie ein Tischtuch, das man von beiden Seiten zusammenschiebt.
Durch den anhaltenden Druck werden die gefalteten Gesteinsmassen schließlich nach oben gedrückt und bilden hohe Gipfel. Erst danach beginnt Verwitterung durch Wind, Wasser und Eis, das Gebirge weiter zu formen, Täler einzuschneiden und Gipfel abzutragen.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Dauer der Gebirgsbildung | mehrere Millionen Jahre |
| Alter der Alpenfaltung (Beginn) | vor etwa 65 Millionen Jahren |
| Höchster Alpengipfel (Mont Blanc) | 4 809 Meter |
| Höchster Berg der Erde (Mount Everest) | 8 849 Meter |
Faltengebirge und Bruchschollengebirge im Vergleich
Nicht jedes Gebirge entsteht durch Faltung. Je nachdem, wie das Gestein auf den Druck reagiert, unterscheidet man Faltengebirge von Bruchschollengebirgen.
Faltengebirge
Bei weichem, biegsamem Gestein und starkem seitlichem Druck
Beispiele
- Alpen, Himalaya, Anden
- Entstehung durch Auffaltung von Gesteinsschichten
Signalwörter
- Meist an Kontinentalplattengrenzen
- Häufig sehr hohe, spitze Gipfel
- Gesteinsschichten sichtbar gefaltet
Bruchschollengebirge
Bei sprödem, starrem Gestein, das eher bricht als sich faltet
Beispiele
- Harz, Schwarzwald, Vogesen
- Entstehung durch Zerbrechen in einzelne Schollen
Signalwörter
- Gestein bricht statt sich zu falten
- Einzelne Gesteinsblöcke heben oder senken sich
- Oft niedriger und runder als Faltengebirge
Beispiel: Die Entstehung der Alpen
Erkläre, wie die Kollision zweier Kontinentalplatten zur Entstehung der Alpen führte.
Gegeben:
- Vor etwa 65 Millionen Jahren beginnt sich die Afrikanische Platte auf die Eurasische Platte zuzubewegen
- Zwischen beiden Platten lag ursprünglich ein Meer mit mächtigen Sedimentschichten
- Die Alpen zählen heute zu den höchsten Faltengebirgen Europas
Gesucht:
Wie entstanden die Alpen aus der Bewegung der Afrikanischen und der Eurasischen Platte?Lösung:
- Durch die langsame Annäherung der Afrikanischen an die Eurasische Platte wurde das dazwischenliegende Meer immer schmaler.
- Die am Meeresboden abgelagerten Sedimentschichten wurden zwischen den beiden Platten zunehmend zusammengepresst und gefaltet.
- Ein Teil der ozeanischen Kruste tauchte dabei unter die Eurasische Platte ab, während die gefalteten Gesteinsmassen nach oben gedrückt wurden.
- Dieser Prozess hält bis heute in abgeschwächter Form an, weshalb sich die Alpen auch heute noch geringfügig weiter heben.
Die Alpen entstanden durch die fortlaufende Kollision der Afrikanischen mit der Eurasischen Platte, die über Jahrmillionen Gesteinsschichten eines ehemaligen Meeresbodens zu einem hohen Faltengebirge auffaltete. Fossile Meerestiere auf Alpengipfeln liefern bis heute den Beweis für diesen ungewöhnlichen Ursprung.
Große Faltengebirge der Erde im Vergleich
Nicht alle Faltengebirge der Erde sind gleich hoch, weil die Kräfte und die Dauer der beteiligten Plattenkollisionen sehr unterschiedlich ausfallen. Die Alpen erreichen mit dem Mont Blanc eine Höhe von 4 809 Metern und entstanden vor allem durch die Kollision der Afrikanischen mit der Eurasischen Platte.
Noch deutlich höher ist der Himalaya, der durch die Kollision der Indischen mit der Eurasischen Platte entstand und mit dem Mount Everest mit 8 849 Metern den höchsten Berg der Erde besitzt. Diese Kollision hält bis heute an und lässt den Himalaya weiterhin geringfügig wachsen.
Auch die Rocky Mountains in Nordamerika sind ein Faltengebirge, entstanden durch komplexe Plattenbewegungen im Westen des amerikanischen Kontinents, und erreichen mit dem Denali eine Höhe von 6 190 Metern. Der Vergleich zeigt, dass die Stärke und Dauer der Plattenkollision entscheidend für die Höhe eines Gebirges ist.
Typische Fehler und Alltagsbezug
Ein häufiger Fehler ist, alle Gebirge für Vulkangebirge zu halten, die durch aufsteigendes Magma entstehen. Tatsächlich sind die meisten großen Gebirge der Erde, etwa die Alpen und der Himalaya, Faltengebirge, die durch die Kollision von Kontinentalplatten entstehen, nicht durch Vulkanismus.
Ein zweiter Fehler ist die Annahme, Gebirgsbildung sei ein abgeschlossener Vorgang der Vergangenheit. Tatsächlich bewegen sich die Erdplatten bis heute weiter, weshalb sich Gebirge wie die Alpen oder der Himalaya auch gegenwärtig noch geringfügig verändern und teilweise weiter erhöhen.
Im Alltag begegnet uns Gebirgsbildung vor allem indirekt, etwa bei Erdbeben in Gebirgsregionen wie dem Himalaya oder den Anden, die durch die anhaltende Plattenbewegung ausgelöst werden. Auch Fossilienfunde in Gebirgen, etwa von Muscheln auf hohen Alpengipfeln, erinnern an ihre Entstehung aus einstigen Meeresböden.
Jetzt bist du dran
Wie wird der geologische Prozess der Gebirgsbildung auch genannt?
Noch nicht. Der Fachbegriff für Gebirgsbildung ist Orogenese, abgeleitet von den griechischen Wörtern für Berg und Entstehung.
Das Wichtigste in Kürze
- Gebirgsbildung, auch Orogenese genannt, entsteht meist über Jahrmillionen durch die Bewegung der Erdplatten.
- Faltengebirge wie die Alpen oder der Himalaya entstehen durch die Kollision von Kontinentalplatten.
- Bruchschollengebirge entstehen dagegen, wenn sprödes Gestein unter Druck zerbricht statt sich zu falten.
- Die Alpen entstanden durch die Kollision der Afrikanischen mit der Eurasischen Platte, der Himalaya durch die Kollision mit der Indischen Platte.
- Verwitterung durch Wind, Wasser und Eis formt Gebirge auch nach ihrer Entstehung immer weiter.
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Häufige Fragen zu Gebirgsbildung: Wie Faltengebirge entstehen
- Was ist Gebirgsbildung einfach erklärt?
- Gebirgsbildung, auch Orogenese genannt, ist der über Jahrmillionen ablaufende Prozess, bei dem die Bewegung der Erdplatten Gestein zu Gebirgen auffaltet oder auftürmt. Die meisten hohen Gebirge der Erde entstehen so.
- Wie entsteht ein Faltengebirge?
- Ein Faltengebirge entsteht, wenn zwei Kontinentalplatten aufeinanderzudriften und dabei die dazwischenliegenden Gesteinsschichten, oft ehemaligen Meeresboden, zu Falten zusammenpressen und nach oben drücken.
- Was ist der Unterschied zwischen Faltengebirge und Vulkangebirge?
- Ein Faltengebirge entsteht durch die Kollision von Kontinentalplatten, die Gestein auffaltet. Ein Vulkangebirge entsteht dagegen durch aufsteigendes Magma, das sich an der Erdoberfläche zu einem Berg aufbaut.
- Wie entstanden die Alpen?
- Die Alpen entstanden durch die Kollision der Afrikanischen Platte mit der Eurasischen Platte, die vor etwa 65 Millionen Jahren begann. Dabei wurden Sedimentschichten eines ehemaligen Meeresbodens zu Falten gepresst und emporgehoben.
- Warum findet man Meerestiere auf Alpengipfeln?
- Weil das Gestein der Alpen ursprünglich am Boden eines Meeres zwischen der Afrikanischen und der Eurasischen Platte lag. Bei der Gebirgsbildung wurde dieses Gestein samt fossiler Meerestiere nach oben gedrückt.
- Wächst der Himalaya noch heute?
- Ja, weil die Indische Platte weiterhin gegen die Eurasische Platte drückt, hebt sich der Himalaya auch heute noch um wenige Millimeter pro Jahr. Erdbeben in der Region sind eine direkte Folge dieser anhaltenden Plattenbewegung.
- Was ist ein Bruchschollengebirge?
- Ein Bruchschollengebirge entsteht, wenn sprödes Gestein unter Druck nicht faltet, sondern in einzelne Schollen zerbricht, die sich heben oder senken. Beispiele in Deutschland sind der Harz und der Schwarzwald.
- In welcher Klasse behandelt man Gebirgsbildung im Erdkundeunterricht?
- Gebirgsbildung wird meist in Klasse 9 im Rahmen der Geologie und Plattentektonik behandelt. Im Mittelpunkt stehen die Entstehung von Faltengebirgen und der Vergleich mit Bruchschollengebirgen.
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