Partizip I und Partizip II: Bildung und Beispiele
Partizip I und Partizip II sind Verbformen, die nicht nach Person und Zahl gebeugt werden und oft wie Adjektive verwendet werden. Das Partizip I endet auf -d und beschreibt eine gleichzeitige, laufende Handlung (lachend), das Partizip II steht meist mit ge- am Anfang und beschreibt eine abgeschlossene Handlung (gelacht). In dieser Lektion lernst du ihre Bildung, die Ausnahmen, die Verwendung als Adjektiv und im Perfekt und Passiv sowie typische Fehler.
- Fach: Deutsch
- Klasse 9
- Thema: Grammatik
- Dauer: 20 Min
- Niveau: Mittel
Partizip I und Partizip II: Was sind Partizipien?
Verben haben im Deutschen mehr als nur gebeugte Formen wie „ich lache“ oder „sie lachte“. Es gibt auch Formen, die nicht angeben, wer etwas tut, die infiniten Verbformen. Dazu gehören der Infinitiv (lachen) und die Partizipien. Das Partizip nimmt eine Zwischenstellung ein: Es hat Eigenschaften eines Verbs, kann aber auch wie ein Adjektiv Eigenschaften beschreiben, zum Beispiel „die lachenden Kinder“ oder „das gelachte Wort“.
Das Partizip I, auch Partizip Präsens oder Mittelwort der Gegenwart genannt, bildest du, indem du an den Infinitiv ein d hängst: lachen wird zu lachend, spielen zu spielend. Es drückt aus, dass eine Handlung gerade abläuft. Das Partizip II, auch Partizip Perfekt oder Mittelwort der Vergangenheit genannt, hat meist die Form ge- plus Stamm plus -t oder -en: gelacht, gespielt, gelaufen. Es drückt aus, dass eine Handlung abgeschlossen ist.
Wofür brauchst du das? Das Partizip II ist unverzichtbar, wenn du das Perfekt (ich habe gespielt), das Plusquamperfekt und das Passiv (das Spiel wird gespielt) bilden willst. Beide Partizipien lassen sich außerdem wie Adjektive vor einem Nomen verwenden und werden dann dekliniert. Wer sie sicher beherrscht, schreibt präziser und abwechslungsreicher.
Partizip I und Partizip II bilden: Regeln und Ausnahmen
Das Partizip II regelmäßiger Verben endet auf -t: spielen, gespielt. Bei unregelmäßigen Verben endet es auf -en, oft mit Vokalwechsel: laufen, gelaufen, singen, gesungen, schreiben, geschrieben. Eine kleine Gruppe von Verben mischt beides, sie hat -t am Ende, aber auch einen Vokalwechsel: denken, gedacht, bringen, gebracht, wissen, gewusst. Diese Formen solltest du auswendig lernen.
Nicht jedes Partizip II beginnt mit ge-. Verben mit untrennbarem Präfix wie be-, er-, ver-, zer-, ent- und miss- haben kein zusätzliches ge-: besuchen, besucht; verlieren, verloren. Verben auf -ieren bilden ebenfalls kein ge-: probieren, probiert. Bei trennbaren Verben steht das ge- zwischen Vorsilbe und Stamm: aufräumen, aufgeräumt; mitnehmen, mitgenommen. Das Partizip I bildest du dagegen immer gleich, mit dem d am Ende.
Partizip I (Partizip Präsens)
Wenn eine Handlung gleichzeitig läuft oder als Eigenschaft beschrieben wird.
Beispiele
- das schlafende Kind
- Sie kam lachend nach Hause.
Signalwörter
- Endet immer auf -d: laufend, singend, spielend.
- Beschreibt eine Handlung, die gerade stattfindet.
- Kommt nur als Adjektiv, Adverb oder Nomen vor.
Partizip II (Partizip Perfekt)
Wenn eine Handlung abgeschlossen ist oder ein Zustand das Ergebnis ist.
Beispiele
- das gelesene Buch
- Er hat das Fenster geöffnet.
- Das Fenster wird geöffnet.
Signalwörter
- Meist mit ge-: gespielt, gesungen, gelaufen.
- Wichtig für Perfekt, Plusquamperfekt und Passiv.
- Kann auch als Adjektiv stehen.
- Manche Verben bilden das Partizip ohne ge-.
| Infinitiv | Partizip I | Partizip II |
|---|---|---|
| lachen | lachend | gelacht |
| laufen | laufend | gelaufen |
| bringen | bringend | gebracht |
| besuchen | besuchend | besucht |
| aufräumen | aufräumend | aufgeräumt |
| probieren | probierend | probiert |
Partizip I und Partizip II: Beispielanalyse
Bestimme im Satz „Die lachenden Kinder zeigten der Lehrerin die gemalten Bilder“ die Partizipien, gib die Infinitive an und forme sie in Nebensätze um.
Gegeben:
- Satz: Die lachenden Kinder zeigten der Lehrerin die gemalten Bilder.
- Gesucht: Partizip I und Partizip II mit Infinitiv
- Umformung in Relativsätze
Gesucht:
die Partizipien, ihre Art und eine Umformung in NebensätzeLösung:
- Partizipien finden: „lachenden“ und „gemalten“ sind keine Verben im Satz, sondern stehen als Adjektive vor einem Nomen. Das gebeugte Verb ist „zeigten“.
- lachenden bestimmen: Der Infinitiv ist lachen. Die Grundform lachend endet auf -d, das ist das Partizip I. Es steht hier mit der Endung -en vor dem Plural „Kinder“. Es beschreibt eine Handlung, die gleichzeitig mit dem Zeigen abläuft.
- gemalten bestimmen: Der Infinitiv ist malen. Die Grundform gemalt beginnt mit ge- und endet auf -t, das ist das Partizip II. Es steht hier mit der Endung -en vor „Bilder“. Das Malen ist abgeschlossen, bevor die Bilder gezeigt werden.
- Umformung in Relativsätze: „Die Kinder, die lachen, zeigten der Lehrerin die Bilder, die gemalt wurden.“ Damit zeigst du, dass das Partizip II hier passivisch gemeint ist, die Bilder wurden gemalt.
lachenden ist das Partizip I von lachen, gemalten das Partizip II von malen. Das Partizip I zeigt Gleichzeitigkeit, das Partizip II Abgeschlossenheit. In der Klassenarbeit nennst du Infinitiv, Art, Endung und Bedeutung.
Typische Fehler bei Partizip I und Partizip II
Der häufigste Fehler betrifft die Bildung des Partizips II unregelmäßiger Verben. Viele Schüler bilden Formen nach dem regelmäßigen Muster und schreiben „gekommt“, „gebringt“ oder „geschwimmt“. Richtig sind gekommen, gebracht und geschwommen. Hier hilft nur das Lernen der Stammformen: Infinitiv, Präteritum, Partizip II, zum Beispiel schwimmen, schwamm, geschwommen.
Der zweite Fehler ist das überflüssige ge-. Bei Verben mit untrennbarer Vorsilbe oder der Endung -ieren steht kein ge-: Man schreibt „besucht“ statt „gebesucht“ und „studiert“ statt „gestudiert“. Bei trennbaren Verben ist ge- dagegen Pflicht, und zwar in der Mitte: „aufgeräumt“, nicht „geaufräumt“ oder „aufräumt“. Merke dir: Die Vorsilbe bleibt vorn, das ge- rutscht in die Mitte.
Ein dritter Fehler ist die Verwechslung der Zeitbedeutung. Das Partizip I steht für Gleichzeitigkeit, nicht für Vorzeitigkeit. Der Satz „der gestern ankommende Zug“ ist falsch, richtig ist „der gestern angekommene Zug“ oder „der heute ankommende Zug“. Außerdem verwechseln viele „das brennende Haus“ (es brennt noch) mit „das verbrannte Haus“ (das Feuer ist vorbei). Prüfe also immer, ob die Handlung noch läuft oder schon vorbei ist.
Tipps für die Klassenarbeit: Partizip I und Partizip II sicher bestimmen
Wenn du ein Partizip bestimmen sollst, gehe in drei Schritten vor. Erstens: Bilde den Infinitiv. Aus „gemalten“ wird malen, aus „lachenden“ lachen. Zweitens: Prüfe die Form. Endet die Grundform auf -d, handelt es sich um ein Partizip I. Beginnt sie mit ge- oder steht ein ge- in der Mitte, oder endet sie auf -t oder -en, ist es ein Partizip II. Drittens: Prüfe die Bedeutung. Läuft die Handlung gerade oder ist sie abgeschlossen?
Bei Umformungsaufgaben verwandelst du Relativsätze in Partizipgruppen und umgekehrt. Aus „das Kind, das auf der Bank sitzt“ wird „das auf der Bank sitzende Kind“. Aus „der Brief, der gestern geschrieben wurde“ wird „der gestern geschriebene Brief“. Achte darauf, dass die Endungen zum Nomen passen: Das Partizip wird wie ein Adjektiv dekliniert, also der laufende Hund, die laufende Katze, des laufenden Hundes.
Übe die Stammformen der wichtigen unregelmäßigen Verben regelmäßig, am besten in kleinen Portionen von fünf Verben pro Tag. Schreibe auch eigene Sätze mit Partizipien als Adjektiv. Prüfe in jedem Satz die Kommasetzung bei erweiterten Partizipgruppen: Meist darfst du ein Komma setzen oder weglassen, ein Komma ist aber sinnvoll, wenn der Satz sonst missverständlich wird.
Jetzt bist du dran
Wie lautet das Partizip I von singen?
Noch nicht. Das Partizip I entsteht aus dem Infinitiv plus d: singen wird zu singend. Gesungen ist das Partizip II, gesingt gibt es nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Partizip I bildest du aus dem Infinitiv plus d, es beschreibt eine gleichzeitige, laufende Handlung.
- Das Partizip II endet meist auf -t oder -en und beginnt oft mit ge-, es beschreibt eine abgeschlossene Handlung.
- Verben mit be-, er-, ver-, zer-, ent- und auf -ieren bilden das Partizip II ohne ge-, trennbare Verben mit ge- in der Mitte.
- Das Partizip II brauchst du für Perfekt, Plusquamperfekt und Passiv, beide Partizipien können Adjektive sein.
- Prüfe bei jedem Partizip den Infinitiv, die Form und die Zeitbedeutung.
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Schließe alle Aufgaben ab, um diese Lektion zu beenden.
Häufige Fragen zu Partizip I und Partizip II: Bildung und Beispiele
- Was ist ein Partizip?
- Ein Partizip ist eine Verbform, die nicht nach Person und Zahl gebeugt wird und oft wie ein Adjektiv verwendet wird. Es gibt zwei Partizipien: das Partizip I (lachend) und das Partizip II (gelacht). Zusammen mit dem Infinitiv gehören sie zu den infiniten Verbformen.
- Wie bildet man das Partizip I?
- Das Partizip I bildest du aus dem Infinitiv plus d: lachen wird zu lachend, laufen zu laufend, spielen zu spielend. Es gibt kaum Ausnahmen, bei sein heißt es seiend und bei tun tuend. Das Partizip I beschreibt eine Handlung, die gerade abläuft.
- Wie bildet man das Partizip II?
- Bei regelmäßigen Verben setzt du ge- vor den Stamm und hängst -t an: gespielt. Bei unregelmäßigen Verben endet es auf -en, oft mit Vokalwechsel: gelaufen, gesungen. Verben mit be-, er-, ver- oder auf -ieren bekommen kein ge-. Bei trennbaren Verben steht ge- in der Mitte.
- Was ist der Unterschied zwischen Partizip I und Partizip II?
- Das Partizip I endet auf -d und drückt Gleichzeitigkeit aus: das spielende Kind. Das Partizip II steht meist mit ge- und drückt Abgeschlossenheit aus: das gespielte Lied. Außerdem kommt nur das Partizip II im Perfekt und Passiv vor.
- Wann verwendet man Partizip I?
- Du verwendest das Partizip I, wenn du eine laufende Handlung als Eigenschaft beschreiben willst, etwa „das schlafende Kind“. Es steht als Adjektiv, als Adverb („Sie kam lachend herein“) oder als Nomen („der Reisende“). Für das Perfekt ist es nicht geeignet.
- Warum hat besucht kein ge-?
- Verben mit untrennbarer Vorsilbe wie be-, er-, ver-, zer-, ent- und miss- bilden das Partizip II ohne zusätzliches ge-, weil die Vorsilbe schon vor dem Stamm steht und ein weiteres ge- überflüssig wäre. Man sagt also besucht, erzählt und verloren.
- Wie dekliniert man Partizipien als Adjektiv?
- Als Adjektiv vor einem Nomen bekommen Partizipien Endungen wie jedes Adjektiv: der laufende Hund, die laufende Katze, des laufenden Hundes, das gelesene Buch, dem gelesenen Buch. Die Endung richtet sich nach Fall, Zahl und Geschlecht des Nomens.
- Was ist ein erweitertes Partizip?
- Ein erweitertes Partizip ist ein Partizip mit weiteren Wörtern davor, zum Beispiel „das auf dem Tisch liegende Buch“. Es lässt sich meist durch einen Relativsatz ersetzen. Die Partizipgruppe wird oft durch Komma abgetrennt, wenn sie nachgestellt ist.
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