Indirekte Rede
Indirekte Rede gibt wieder, was jemand gesagt hat, ohne die Aussage wörtlich zu zitieren – dafür brauchst du meist den Konjunktiv I. In dieser Lektion lernst du, wie du direkte Rede sicher in indirekte Rede umwandelst, wann du auf den Konjunktiv II ausweichst und wie sich Pronomen und Zeitangaben dabei verändern.
- Fach: Deutsch
- Klasse 8
- Thema: Grammatik
- Dauer: 18 Min
- Niveau: Mittel
Indirekte Rede gibt eine Aussage wieder, ohne zu zitieren
Indirekte Rede gibt die Aussage einer anderen Person wieder, ohne sie wörtlich zu zitieren. Aus „Ich komme morgen“, sagt Lena, wird in einem Bericht: Lena sagt, sie komme am nächsten Tag. Statt der Anführungszeichen der direkten Rede verwendest du dafür in den meisten Fällen den Konjunktiv I, die Möglichkeitsform des Verbs.
Der Konjunktiv I signalisiert dem Leser, dass hier nicht deine eigene Meinung, sondern eine fremde Aussage wiedergegeben wird. Das ist besonders in Zeitungsartikeln, Berichten und Referaten wichtig, weil so klar bleibt, wer für eine Behauptung verantwortlich ist – nicht der Schreiber, sondern die zitierte Person.
Ein Problem entsteht, wenn der Konjunktiv I genauso klingt wie die normale Indikativform, zum Beispiel bei „sie sagen“ in der ersten und dritten Person Mehrzahl. In diesen Fällen weicht man auf den Konjunktiv II aus, damit der Unterschied zur direkten Behauptung erhalten bleibt: aus „sie kommen“ wird „sie kämen“.
Neben der Verbform verändern sich in der indirekten Rede auch die Pronomen und manchmal die Zeitangaben, weil sich die Perspektive verschiebt. Wer „ich komme heute“ sagt, wird im Bericht zu „er komme an diesem Tag“ – die berichtende Person spricht ja nicht mehr aus der Ich-Perspektive des ursprünglichen Sprechers.
Direkte oder indirekte Rede?
Direkte Rede zitiert eine Aussage wortgetreu und steht in Anführungszeichen: „Ich habe keine Zeit“, sagte er. Indirekte Rede gibt denselben Inhalt wieder, ohne Anführungszeichen und meist im Konjunktiv I: Er sagte, er habe keine Zeit. Die Kernaussage bleibt gleich, aber Form und Perspektive ändern sich vollständig.
Ob du „dass“ verwendest oder nicht, ist eine Stilfrage, verändert aber die Wortstellung. Mit „dass“ eingeleitet, wandert das Verb ans Satzende: Er sagte, dass er keine Zeit habe. Ohne „dass“ bleibt das Verb an Position zwei, wie in einem normalen Hauptsatz: Er sagte, er habe keine Zeit. Beide Formen sind korrekt, die Version mit „dass“ wirkt oft etwas formeller.
Direkte Rede
Wenn eine Aussage wortwörtlich zitiert wird, mit Anführungszeichen und in der ursprünglichen Zeit- und Personenform des Sprechers.
Beispiele
- „Ich bin morgen nicht da“, sagte die Lehrerin.
- „Wir haben das Spiel gewonnen“, riefen die Fans.
- „Kannst du mir helfen?“, fragte er mich.
Signalwörter
- steht in Anführungszeichen
- Verb im Indikativ
- Ich-Perspektive des ursprünglichen Sprechers
- wird durch einen Doppelpunkt oder ein Komma angekündigt
Indirekte Rede
Wenn eine Aussage wiedergegeben wird, ohne sie wörtlich zu zitieren. Meist im Konjunktiv I, bei Gleichklang im Konjunktiv II.
Beispiele
- Die Lehrerin sagte, sie sei morgen nicht da.
- Die Fans riefen, sie hätten das Spiel gewonnen.
- Er fragte, ob ich ihm helfen könne.
Signalwörter
- keine Anführungszeichen
- Verb im Konjunktiv I oder II
- Pronomen an die berichtende Perspektive angepasst
- bei Fragen ohne Fragewort steht ob am Satzanfang
| Verb | Konjunktiv I | Konjunktiv II (bei Gleichklang) |
|---|---|---|
| haben | er/sie habe | sie hätten |
| sein | er/sie sei | sie wären |
| können | er/sie könne | sie könnten |
| kommen | er/sie komme | sie kämen |
Einen Zeitungssatz in indirekte Rede umformen
Forme die direkte Rede in indirekte Rede um und passe Verbform, Pronomen und Zeitangabe an.
Gegeben:
- Die Schulsprecherin sagte: „Wir haben heute eine wichtige Entscheidung getroffen.“
Gesucht:
die vollständige indirekte Wiedergabe der AussageLösung:
- Pronomen prüfen: „Wir“ bleibt „sie“ (Schülervertretung), weil die berichtende Person nicht selbst zur Gruppe gehört. Das Verb muss deshalb in die entsprechende Mehrzahlform des Konjunktivs.
- Konjunktiv I bilden: Aus „haben getroffen“ wird der Konjunktiv-I-Perfekt „hätten getroffen“, weil die einfache Konjunktiv-I-Form „haben“ in der Mehrzahl mit dem Indikativ identisch klingt und deshalb der Konjunktiv II verwendet wird.
- Zeitangabe anpassen: „heute“ bezieht sich im ursprünglichen Zitat auf den Tag der Aussage. In einem späteren Bericht wird daraus „an diesem Tag“, damit klar bleibt, auf welchen Tag sich die Aussage bezieht.
- Satz zusammensetzen, wahlweise mit oder ohne „dass“: Die Schulsprecherin sagte, sie hätten an diesem Tag eine wichtige Entscheidung getroffen. Alternativ mit „dass“: Die Schulsprecherin sagte, dass sie an diesem Tag eine wichtige Entscheidung getroffen hätten.
„Die Schulsprecherin sagte, sie hätten an diesem Tag eine wichtige Entscheidung getroffen.“ Das Pronomen, die Verbform und die Zeitangabe wurden an die berichtende Perspektive angepasst.
Typische Fehler bei der indirekten Rede
Der häufigste Fehler ist, den Konjunktiv I zu verwenden, obwohl er mit dem Indikativ identisch klingt, ohne auf den Konjunktiv II auszuweichen: „Sie sagen, sie kommen morgen“ statt richtig „sie kämen am nächsten Tag“. Ohne den Wechsel zur eindeutigen Form ist für den Leser nicht erkennbar, ob es sich um eine wörtliche Behauptung oder eine wiedergegebene Aussage handelt.
Ein zweiter Fehler betrifft vergessene Pronomenanpassungen: Schüler übernehmen oft versehentlich das „ich“ aus dem Originalzitat, statt es an die berichtende Perspektive anzupassen, etwa in „Er sagte, ich komme morgen“ statt richtig „er komme am nächsten Tag“.
Ein dritter Fehler ist die falsche Wortstellung bei Sätzen mit „dass“: Manche Schüler lassen das Verb versehentlich an Position zwei stehen, obwohl „dass“ es an das Satzende verschiebt, etwa „dass sie hätten getroffen die Entscheidung“ statt richtig „dass sie die Entscheidung getroffen hätten“.
Tipps für die Klassenarbeit
Bilde dir vor der Arbeit eine kleine Übersicht der wichtigsten Konjunktiv-I-Formen von „sein“, „haben“, „werden“ und „können“, denn diese Hilfsverben brauchst du in fast jeder Umformung. Wo der Konjunktiv I mit dem Indikativ übereinstimmt, notiere direkt daneben die Konjunktiv-II-Form.
Gehe beim Umformen eines Satzes systematisch vor: erst das Verb in den Konjunktiv setzen, dann die Pronomen prüfen, zuletzt die Zeit- und Ortsangaben anpassen. Wer alle drei Schritte einzeln abarbeitet, übersieht seltener eine notwendige Änderung.
Übe an Zeitungsmeldungen, weil dort indirekte Rede besonders häufig vorkommt. Lies einen kurzen Artikel und markiere jede Konjunktivform – so bekommst du ein Gefühl dafür, wie natürlich sich indirekte Rede in echten Texten liest.
Jetzt bist du dran
Welche Form ist der Konjunktiv I von „sein“ für „er“?
Noch nicht. Die Konjunktiv-I-Form von „sein“ in der dritten Person Einzahl lautet „er sei“. Sie unterscheidet sich vom Indikativ „er ist“ und muss deshalb nicht durch den Konjunktiv II ersetzt werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Indirekte Rede gibt eine Aussage wieder, meist im Konjunktiv I.
- Klingt der Konjunktiv I wie der Indikativ, wird auf den Konjunktiv II ausgewichen.
- Mit „dass“ wandert das Verb ans Satzende, ohne „dass“ bleibt es an Position zwei.
- Pronomen und Zeitangaben werden an die berichtende Perspektive angepasst.
- Typischer Fehler: fehlender Wechsel zum Konjunktiv II bei Gleichklang – prüfe im Zweifel, ob sich die Form vom Indikativ unterscheidet.
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Häufige Fragen zu Indirekte Rede
- Was ist indirekte Rede einfach erklärt?
- Indirekte Rede gibt wieder, was jemand gesagt hat, ohne es wörtlich zu zitieren. Statt Anführungszeichen verwendest du meist den Konjunktiv I, zum Beispiel „er sagte, er sei müde“ statt „er sagte: ‚Ich bin müde.‘“ So bleibt für den Leser klar, dass es sich um eine wiedergegebene Aussage handelt.
- Wann verwendet man Konjunktiv I und wann Konjunktiv II in der indirekten Rede?
- Grundsätzlich verwendest du den Konjunktiv I, wenn er sich vom Indikativ unterscheidet, etwa „er habe“, „sie sei“. Klingt der Konjunktiv I wie der ganz normale Indikativ, zum Beispiel bei „sie kommen“, weichst du auf den Konjunktiv II aus: „sie kämen“. So bleibt die indirekte Rede eindeutig erkennbar.
- Wie verändern sich Pronomen in der indirekten Rede?
- Pronomen werden an die Perspektive der berichtenden Person angepasst. Wer selbst „ich komme“ sagt, wird im Bericht einer dritten Person zu „er komme“ oder „sie komme“. Auch besitzanzeigende Pronomen wie „mein“ passen sich entsprechend an, etwa zu „sein“ oder „ihr“.
- Muss man dass in der indirekten Rede verwenden?
- Nein, „dass“ ist optional. Mit „dass“ eingeleitet wandert das Verb ans Satzende: „Er sagte, dass er komme.“ Ohne „dass“ bleibt das Verb an Position zwei, wie in einem normalen Hauptsatz: „Er sagte, er komme.“ Beide Formen sind grammatisch korrekt.
- In welcher Klasse lernt man die indirekte Rede?
- Die indirekte Rede mit Konjunktiv I und II wird meist ab Klasse 8 behandelt, nachdem der Konjunktiv als Grundlage bereits eingeführt wurde. Sie spielt vor allem beim Analysieren von Zeitungstexten und beim eigenen Verfassen von Berichten eine wichtige Rolle.
- Wie wird eine Frage in indirekte Rede umgeformt?
- Fragen mit Fragewort behalten dieses Fragewort bei, etwa „Wann kommst du?“ wird zu „er fragte, wann sie komme“. Fragen ohne Fragewort, sogenannte Entscheidungsfragen, werden mit „ob“ eingeleitet: „Kommst du mit?“ wird zu „er fragte, ob sie mitkomme“.
- Was ist der Unterschied zwischen indirekter Rede und Konjunktiv II insgesamt?
- Der Konjunktiv II drückt allgemein Irrealität, Wünsche oder Höflichkeit aus, etwa „ich hätte gerne“. In der indirekten Rede wird der Konjunktiv II dagegen nur dann verwendet, wenn der eigentlich passende Konjunktiv I mit dem Indikativ identisch klingt und deshalb als Ersatzform gebraucht wird.
- Wie erkenne ich indirekte Rede in einem Text?
- Achte auf Verbformen wie „sei“, „habe“, „könne“ oder „würde“, die nicht die alltäglichen Indikativformen sind, sowie auf einleitende Verben wie „sagen“, „erklären“ oder „berichten“, gefolgt von einem Nebensatz ohne Anführungszeichen. Diese Kombination ist ein starkes Signal für indirekte Rede.
Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.
Das solltest du vorher können
- Konjunktiv
- Wörtliche Redein Arbeit