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Stickstoffkreislauf: Ablauf, Stationen und Bedeutung

Der Stickstoffkreislauf beschreibt, wie Stickstoff aus der Luft von Bakterien gebunden, in Boden und Pflanzen eingebaut und am Ende wieder als N2 in die Atmosphäre abgegeben wird. In dieser Lektion lernst du die Stationen Fixierung, Ammonifikation, Nitrifikation und Denitrifikation kennen, stellst die Reaktionsgleichungen auf und verstehst, warum Dünger und Nitrat im Grundwasser damit zusammenhängen.

  • Fach: Chemie
  • Klasse 10
  • Thema: Chemische Reaktionen
  • Dauer: 20 Min
  • Niveau: Mittel
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Stickstoffkreislauf: Warum Stickstoff so wichtig ist

Stickstoff ist das häufigste Gas der Luft. Rund 78 Prozent der Atmosphäre bestehen aus N2-Molekülen. Trotzdem können Pflanzen und Tiere diesen Stickstoff nicht direkt nutzen, denn die beiden Atome sind durch eine Dreifachbindung sehr fest verknüpft. Sie reagiert nur unter extremen Bedingungen, etwa bei Blitzen, im Haber-Bosch-Verfahren oder mithilfe bestimmter Bakterien.

Dabei ist Stickstoff für alles Leben unverzichtbar. Er steckt in Aminosäuren und damit in Eiweißen, in den Basen der DNA und im Blattgrün. Pflanzen nehmen ihn als Ammonium oder Nitrat aus dem Boden auf. Tiere und Menschen bekommen ihn, indem sie Pflanzen oder andere Tiere fressen. Fehlt Stickstoff, wachsen Pflanzen schlecht und werden gelblich.

Der Stickstoffkreislauf zeigt, wie der Stoff zwischen Luft, Boden, Wasser und Lebewesen wandert, ohne dass er verloren geht. Die meisten Schritte erledigen Mikroorganismen. Chemisch betrachtet handelt es sich um eine Kette von Redoxreaktionen, in der sich die Oxidationszahl des Stickstoffs zwischen minus 3 und plus 5 bewegt.

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Stickstoffkreislauf: Die Stationen

Am Anfang steht die Stickstofffixierung. Knöllchenbakterien an den Wurzeln von Erbsen, Klee oder Bohnen und freilebende Bakterien im Boden binden N2 mithilfe des Enzyms Nitrogenase und bilden Ammoniak, der im Wasser als Ammonium NH4+ vorliegt. Die Pflanze liefert den Bakterien Zucker, die Bakterien liefern ihr Stickstoff, eine echte Symbiose. Auch Blitze erzeugen etwas Stickoxid, dessen Reaktionsprodukte als Nitrat mit dem Regen in den Boden gelangen.

Wenn Pflanzen und Tiere sterben, bauen Bakterien und Pilze das Eiweiß ab. Dabei wird Ammonium frei, das nennt man Ammonifikation. Danach folgt die Nitrifikation in zwei Stufen: Nitrosomonas-Bakterien oxidieren Ammonium zu Nitrit NO2-, Nitrobacter-Bakterien oxidieren Nitrit weiter zu Nitrat NO3-. Nitrat ist die Form, die Pflanzen am besten aufnehmen. Sie bauen es in organische Stoffe ein, das nennt man Assimilation.

Den Kreis schließt die Denitrifikation. In staunassen Böden und Gewässern ohne Sauerstoff benutzen bestimmte Bakterien Nitrat statt Sauerstoff zum Atmen und reduzieren es über Zwischenstufen zu elementarem Stickstoff, der in die Luft entweicht. Dabei kann auch Lachgas N2O entstehen, ein starkes Treibhausgas.

StationAusgangsstoffProduktBeteiligte
FixierungN2NH4+Knöllchenbakterien, Cyanobakterien
AmmonifikationEiweißNH4+Bakterien und Pilze im Boden
Nitrifikation 1NH4+NO2-Nitrosomonas
Nitrifikation 2NO2-NO3-Nitrobacter
AssimilationNO3-EiweißPflanzen
DenitrifikationNO3-N2Bakterien ohne Sauerstoff
Stationen des Stickstoffkreislaufs
Der Stickstoffkreislauf läuft in sechs Stationen von der Luft über den Boden zurück in die Luft.
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Stickstoffkreislauf: Reaktionen und Oxidationszahlen

Die Teilschritte lassen sich als Gleichungen schreiben. Bei der ersten Nitrifikationsstufe gilt: 2 NH4+ + 3 O2 ergibt 2 NO2- + 4 H+ + 2 H2O. Bei der zweiten Stufe reagiert Nitrit mit Sauerstoff: 2 NO2- + O2 ergibt 2 NO3-. Die Denitrifikation fasst man vereinfacht zusammen: 2 NO3- + 12 H+ + 10 e- ergibt N2 + 6 H2O. Prüfe selbst, dass auf beiden Seiten Atome und Ladungen übereinstimmen.

Entscheidend ist die Oxidationszahl. In N2 ist sie 0, in Ammonium minus 3, in Nitrit plus 3 und in Nitrat plus 5. Die Nitrifikation erhöht sie von minus 3 auf plus 5. Das ist eine Oxidation, die Bakterien gewinnen dabei Energie. Fixierung und Denitrifikation senken die Oxidationszahl. Das sind Reduktionen und benötigen Elektronen aus organischen Stoffen.

Wichtig ist auch der pH-Wert: Die Nitrifikation setzt Wasserstoff-Ionen frei und säuert den Boden etwas an. Landwirte kalken daher regelmäßig. Außerdem laufen alle Schritte nur bei passender Temperatur und Feuchte ab. In kalten oder durchnässten Böden ist die Nitrifikation stark gebremst.

StoffFormelOxidationszahl von N
AmmoniumNH4+-3
DistickstoffN20
StickstoffmonooxidNO+2
NitritNO2-+3
NitratNO3-+5
Oxidationszahl von Stickstoff in wichtigen Stoffen
Im Stickstoffkreislauf wechseln Oxidationen und Reduktionen einander ab.
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Beispiel 1: Nitrifikation und Oxidationszahlen

Zeige für die erste Stufe der Nitrifikation, dass die Gleichung ausgeglichen ist und dass es sich um eine Oxidation des Stickstoffs handelt.

Gegeben:

  • 2 NH4+ + 3 O2 ergibt 2 NO2- + 4 H+ + 2 H2O

Gesucht:

Atom- und Ladungsbilanz, Oxidationszahl von N

Lösung:

  1. Zähle links: 2 N, 8 H, 6 O und die Ladung plus 2 aus den beiden Ammonium-Ionen.
  2. Zähle rechts: 2 N, 4 H aus 4 H+ plus 4 H aus 2 H2O, also 8 H. Dazu 4 O aus 2 NO2- plus 2 O aus 2 H2O, also 6 O. Ladung: minus 2 plus 4, also plus 2.
  3. Atome und Ladung stimmen links und rechts überein, die Gleichung ist ausgeglichen.
  4. Oxidationszahl von N: In NH4+ ist sie minus 3, in NO2- plus 3. Sie steigt um 6 Stufen, also gibt der Stickstoff Elektronen ab.

Pro Stickstoffatom werden 6 Elektronen abgegeben, es ist eine Oxidation. Die gewonnene Energie nutzen die Bakterien zum Wachsen. Dabei werden außerdem Wasserstoff-Ionen frei, der Boden versauert leicht.

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Beispiel 2: Nitrat im Trinkwasser

Der Grenzwert für Nitrat im Trinkwasser beträgt 50 mg pro Liter. Berechne, wie viel Milligramm Stickstoff darin pro Liter stecken.

Gegeben:

  • Grenzwert: 50 mg NO3- pro Liter
  • M(NO3-)62,0 g/mol
  • M(N)14,0 g/mol

Gesucht:

Masse an Stickstoff pro Liter

Lösung:

  1. Ein Nitrat-Ion enthält genau ein Stickstoffatom. Der Stickstoffanteil an der Masse beträgt 14,0 durch 62,0, also etwa 0,226.
  2. Multipliziere mit der Nitratmasse: 50 mg mal 0,226 ergibt 11,3 mg.
  3. Zur Kontrolle: 50 mg Nitrat sind 50 durch 62 mmol, also etwa 0,806 mmol. Mal 14,0 mg pro mmol ergibt ebenfalls 11,3 mg.

Im Grenzwert von 50 mg Nitrat pro Liter stecken etwa 11,3 mg Stickstoff. Manche Messberichte geben Nitrat-Stickstoff an, deshalb ist die Umrechnung wichtig.

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Typische Fehler beim Stickstoffkreislauf

Ein häufiger Fehler ist die Annahme, Pflanzen könnten Stickstoff direkt aus der Luft nehmen, weil die Luft so viel davon enthält. Das können nur bestimmte Bakterien. Pflanzen brauchen gebundenen Stickstoff, also Ammonium oder Nitrat. Hülsenfrüchte sind deshalb stickstoffsammelnde Pflanzen, aber nur wegen ihrer Knöllchenbakterien.

Oft werden auch Nitrifikation und Denitrifikation vertauscht oder mit Nitrat und Nitrit durcheinandergebracht. Merke dir: Nitrifikation führt zu Nitrat und braucht Sauerstoff. Denitrifikation führt von Nitrat zu N2 und läuft ohne Sauerstoff ab. Nitrit NO2- ist nur eine Zwischenstufe und für Menschen und Fische giftig.

Ein dritter Fehler betrifft die Gleichungen. Wer bei der Nitrifikation die H+-Ionen und das Wasser auf der Produktseite vergisst, kommt weder zu ausgeglichenen Atomen noch Ladungen. Rechne darum immer erst die Ladung, dann Sauerstoff und zuletzt Wasserstoff.

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Alltagsbezug: Dünger, Gülle und Grundwasser

Der Mensch greift stark in den Stickstoffkreislauf ein. Das Haber-Bosch-Verfahren stellt Ammoniak aus N2 und H2 her, aus ihm entstehen Dünger. Etwa die Hälfte der Menschheit wird heute mit Nahrung ernährt, die ohne diesen Kunstdünger nicht wachsen würde. Gleichzeitig gelangt viel mehr gebundener Stickstoff in die Umwelt, als die Natur allein bereitstellen würde.

Wird zu viel gedüngt oder fällt Gülle in großen Mengen an, kann das Nitrat von den Pflanzen nicht mehr aufgenommen werden. Es wird mit dem Regen ausgewaschen und gelangt ins Grundwasser, aus dem Trinkwasser gewonnen wird. In Flüssen und Seen fördert überschüssiger Stickstoff Algenwachstum. Sterben die Algen ab, verbraucht ihr Abbau den Sauerstoff, und Fische ersticken. Dieses Umkippen heißt Eutrophierung.

Darum gibt es Düngeverordnungen, Sperrfristen im Winter und Zwischenfrüchte, die Nitrat über die Wintermonate binden. Auch du kannst etwas tun: weniger Fleisch essen verringert den Gülleanfall, im Garten reicht ein Kompost und bedarfsgerechtes Düngen.

Die Merkkarte zum Stickstoffkreislauf zeigt die Kernaussagen auf einen Blick.
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Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 5

Welche Lebewesen können Luftstickstoff direkt binden?

Welche Lebewesen können Luftstickstoff direkt binden?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Luftstickstoff N2 ist reaktionsträge, nur bestimmte Bakterien binden ihn als Ammonium.
  • Stationen: Fixierung, Ammonifikation, Nitrifikation, Assimilation und Denitrifikation.
  • Nitrifikation ist eine Oxidation (NH4+ zu NO2- zu NO3-), Denitrifikation eine Reduktion bis zu N2.
  • Oxidationszahlen von N: minus 3 in NH4+, 0 in N2, plus 3 in NO2-, plus 5 in NO3-.
  • Zu viel Dünger belastet Grundwasser und Gewässer mit Nitrat und fördert Eutrophierung.

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Häufige Fragen zu Stickstoffkreislauf: Ablauf, Stationen und Bedeutung

Was ist der Stickstoffkreislauf?
Der Stickstoffkreislauf beschreibt den Weg des Stickstoffs durch Luft, Boden, Wasser und Lebewesen. Bakterien binden N2 aus der Luft, wandeln ihn in Ammonium, Nitrit und Nitrat um, Pflanzen bauen ihn in Eiweiß ein, und die Denitrifikation gibt ihn als N2 wieder an die Luft ab.
Was versteht man unter Stickstofffixierung?
Stickstofffixierung ist das Binden von elementarem Stickstoff N2 zu Ammonium. Das leisten nur bestimmte Bakterien, etwa Knöllchenbakterien an Hülsenfrüchten, mit dem Enzym Nitrogenase. Auch Blitze und das Haber-Bosch-Verfahren binden Stickstoff.
Was ist der Unterschied zwischen Nitrifikation und Denitrifikation?
Bei der Nitrifikation oxidieren Bakterien Ammonium über Nitrit zu Nitrat, dafür brauchen sie Sauerstoff. Bei der Denitrifikation reduzieren andere Bakterien Nitrat zu N2, und das geschieht ohne Sauerstoff. Die eine Reaktion baut Nitrat auf, die andere ab.
Warum sind Hülsenfrüchte gut für den Boden?
An ihren Wurzeln leben Knöllchenbakterien, die Luftstickstoff binden. Nach der Ernte bleibt stickstoffreiches Pflanzenmaterial im Boden und düngt die Nachfolgekultur. Deshalb nutzt man Klee, Lupinen und Erbsen in der Fruchtfolge.
Warum ist zu viel Nitrat im Grundwasser ein Problem?
Nitrat kann im Körper teilweise zu Nitrit umgewandelt werden, das für Säuglinge gefährlich ist. Außerdem muss das Wasserwerk das Nitrat aufwendig entfernen oder mit sauberem Wasser verdünnen. Der Grenzwert für Trinkwasser liegt bei 50 Milligramm pro Liter.
Welche Rolle spielt der Mensch im Stickstoffkreislauf?
Durch Kunstdünger aus dem Haber-Bosch-Verfahren, Gülle und Verbrennungsprozesse bringt der Mensch viel mehr gebundenen Stickstoff in Umlauf als die Natur. Das steigert Ernten, belastet aber Grundwasser, Gewässer und das Klima, etwa durch Lachgas.
Was ist Ammonifikation?
Ammonifikation ist der Abbau von Eiweißen und anderen stickstoffhaltigen Stoffen aus toten Pflanzen und Tieren durch Bakterien und Pilze. Dabei entsteht Ammonium, das im Boden weiter zu Nitrit und Nitrat umgewandelt wird.
Was ist Eutrophierung?
Eutrophierung ist die Überdüngung von Gewässern mit Stickstoff und Phosphor. Algen wachsen stark, sterben ab und werden von Bakterien abgebaut, die viel Sauerstoff verbrauchen. Fische und andere Tiere können dann ersticken.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.