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Ostwaldverfahren Salpetersäure: Ablauf und Gleichungen

Das Ostwaldverfahren ist das großtechnische Verfahren, mit dem aus Ammoniak und Luftsauerstoff Salpetersäure hergestellt wird. In dieser Lektion lernst du die drei Reaktionsstufen mit ihren Gleichungen, erkennst die Rolle des Platin-Rhodium-Katalysators und rechnest nach, wie viel Salpetersäure aus einer Tonne Ammoniak entstehen kann.

  • Fach: Chemie
  • Klasse 11
  • Thema: Chemische Reaktionen
  • Dauer: 20 Min
  • Niveau: Schwer
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Ostwaldverfahren Salpetersäure: Wozu braucht man es?

Das Ostwaldverfahren stellt Salpetersäure (HNO₃) aus Ammoniak (NH₃) und Sauerstoff her. Es ist benannt nach dem Chemiker Wilhelm Ostwald, der das Prinzip 1902 patentieren ließ und 1909 den Nobelpreis für seine Arbeiten zur Katalyse erhielt. Heute ist es der einzige große Weg zur Salpetersäure und wird weltweit in riesigen Anlagen betrieben.

Salpetersäure ist ein wichtiger Grundstoff der chemischen Industrie. Der größte Teil wird zu Düngemitteln verarbeitet, vor allem zu Ammoniumnitrat, das entsteht, wenn Salpetersäure mit Ammoniak reagiert. Außerdem braucht man sie für Kunststoffe, Farbstoffe und Sprengstoffe. Das Ostwaldverfahren schließt damit an das Haber-Bosch-Verfahren an, denn das benötigte Ammoniak stammt aus dessen Syntheseanlagen.

Das Besondere am Verfahren ist die Kombination aus Katalyse und Redoxreaktion. Der Stickstoff im Ammoniak hat die Oxidationszahl −3, in der Salpetersäure +5. Er wird also in mehreren Stufen von −3 bis +5 oxidiert, und Sauerstoff nimmt dabei die Elektronen auf. Jede Stufe hat ihre eigenen Bedingungen und ihren eigenen Zweck.

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Die drei Stufen des Ostwaldverfahrens

In der ersten Stufe wird Ammoniak mit Luft über ein feinmaschiges Netz aus einer Platin-Rhodium-Legierung geleitet. Dort verbrennt es bei etwa 850 °C zu Stickstoffmonooxid: 4 NH₃ + 5 O₂ → 4 NO + 6 H₂O. Die Reaktion ist stark exotherm. Die freiwerdende Wärme hält das Netz auf Temperatur, sodass keine zusätzliche Heizung nötig ist. Ohne Katalysator würde dagegen hauptsächlich elementarer Stickstoff entstehen.

In der zweiten Stufe kühlt das Gasgemisch ab. Beim Abkühlen reagiert Stickstoffmonooxid ohne Katalysator mit überschüssigem Sauerstoff zu rotbraunem Stickstoffdioxid: 2 NO + O₂ → 2 NO₂. Diese Reaktion liegt im Gleichgewicht, das bei tiefer Temperatur auf der Seite von NO₂ liegt.

In der dritten Stufe leitet man das Stickstoffdioxid in Wasser ein. Es disproportioniert dabei: 3 NO₂ + H₂O → 2 HNO₃ + NO. Das entstehende NO wird wieder mit Sauerstoff zu NO₂ oxidiert und erneut absorbiert, bis fast alles verbraucht ist. So erhält man eine Salpetersäure mit etwa 60 % Massenanteil. Fasst man alle Stufen zusammen, ergibt sich die Gesamtgleichung NH₃ + 2 O₂ → HNO₃ + H₂O.

StufeGleichungBedingungen
14 NH₃ + 5 O₂ → 4 NO + 6 H₂OPt/Rh-Netz, etwa 850 °C, exotherm
22 NO + O₂ → 2 NO₂nach dem Abkühlen, Sauerstoff im Überschuss
33 NO₂ + H₂O → 2 HNO₃ + NOAbsorption in Wasser, NO wird zurückgeführt
GesamtNH₃ + 2 O₂ → HNO₃ + H₂Ozusammengefasst über alle Stufen
Reaktionsgleichungen des Ostwaldverfahrens
Die drei Stufen des Ostwaldverfahrens im Überblick.
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Ostwaldverfahren Schritt für Schritt

Wenn du das Ostwaldverfahren beschreiben sollst, gehst du am besten der Reihe nach vor. Zuerst nennst du die Rohstoffe, Ammoniak und Luft. Das Ammoniak wird verdampft, mit Luft gemischt und über das Netz geleitet. Dort läuft die katalytische Verbrennung ab. Die Katalysatoren erhöhen die Reaktionsgeschwindigkeit, sie lenken die Reaktion aber vor allem zum gewünschten Produkt NO und nicht zu N₂.

Im zweiten Schritt wird das heiße Gas in Wärmetauschern gekühlt. Man nutzt die Wärme zur Dampferzeugung, das spart Energie. Beim Abkühlen bildet sich NO₂. Im dritten Schritt strömt das Gas durch Absorptionstürme, in denen Wasser herunterrieselt. Dort entsteht die Salpetersäure. Die Abgase werden nachbehandelt, damit möglichst wenig Stickstoffoxide in die Luft gelangen.

Insgesamt erreicht man Ausbeuten von etwa 95 bis 98 %. Der Prozess läuft kontinuierlich, das bedeutet Rohstoffe werden ständig nachgeführt, Produkt wird ständig entnommen. Das ist wirtschaftlich effizient und vermeidet Anfahrverluste.

Vom Ammoniak zur Salpetersäure: Der Ablauf des Ostwaldverfahrens in vier Schritten.
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Beispiel 1: Ausbeute berechnen

Eine Anlage setzt 1,0 t Ammoniak um. Berechne, wie viel Salpetersäure theoretisch entsteht und wie viel bei einer Ausbeute von 96 % tatsächlich gewonnen wird. Es gilt M(NH₃) = 17,03 g/mol und M(HNO₃) = 63,01 g/mol.

Gegeben:

  • m(NH₃)1,0 t1000 kg
  • M(NH₃)17,03 g/mol
  • M(HNO₃)63,01 g/mol
  • Ausbeute 96 %

Gesucht:

Masse an Salpetersäure

Lösung:

  1. Gesamtgleichung nutzen: NH₃ + 2 O₂ → HNO₃ + H₂O. Aus 1 mol NH₃ entsteht 1 mol HNO₃.
  2. Stoffmenge Ammoniak: n = 1000 kg : 17,03 kg/kmol ≈ 58,7 kmol.
  3. Theoretische Masse: m = 58,7 kmol · 63,01 kg/kmol ≈ 3700 kg, also 3,70 t HNO₃.
  4. Reale Masse bei 96 %: 3,70 t · 0,96 ≈ 3,55 t.

Theoretisch entstehen 3,70 t Salpetersäure, bei einer Ausbeute von 96 % sind es etwa 3,55 t. Die Masse steigt auf mehr als das Dreifache, weil Sauerstoff und Wasserstoff aus dem Wasser in das Produkt eingebaut werden.

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Beispiel 2: Oxidationszahlen verfolgen

Gib die Oxidationszahlen des Stickstoffs in NH₃, NO, NO₂ und HNO₃ an und bestimme die Zahl der Elektronen, die ein Stickstoffatom insgesamt abgibt.

Gegeben:

  • Formeln: NH₃, NO, NO₂, HNO₃
  • Wasserstoff +I, Sauerstoff −II

Gesucht:

Oxidationszahlen und Elektronenabgabe

Lösung:

  1. NH₃: Wasserstoff trägt +1, die Summe muss null sein, also hat N die Zahl −3.
  2. NO: Sauerstoff trägt −2, also hat N die Zahl +2. NO₂: 2 · (−2) = −4, also hat N die Zahl +4.
  3. HNO₃: +1 für H und 3 · (−2) = −6 ergeben −5, also hat N die Zahl +5.
  4. Von −3 bis +5 liegen 8 Stufen, also gibt jedes Stickstoffatom insgesamt 8 Elektronen ab.

Der Stickstoff wird von −3 über +2 und +4 bis +5 oxidiert und gibt dabei 8 Elektronen ab. Pro Sauerstoffmolekül werden 4 Elektronen aufgenommen. Deshalb brauchst du für ein NH₃ genau zwei O₂, wie es die Gesamtgleichung zeigt.

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Typische Fehler beim Ostwaldverfahren

Ein häufiger Fehler besteht darin, das Ostwaldverfahren mit dem Haber-Bosch-Verfahren zu verwechseln. Haber-Bosch stellt Ammoniak aus Stickstoff und Wasserstoff her, das Ostwaldverfahren verbraucht Ammoniak, um Salpetersäure zu erzeugen. Beide ergänzen sich, doch Rohstoff und Produkt sind vertauscht.

Ein zweiter Fehler betrifft die Katalysatoren. Beim Haber-Bosch-Verfahren dient Eisen, beim Ostwaldverfahren ein Platin-Rhodium-Netz. Verwechsle das nicht mit dem Vanadiumpentoxid der Schwefelsäureherstellung. Dritter Fehler: Es wird behauptet, die Salpetersäure entstehe direkt aus Ammoniak. Tatsächlich gibt es zwei Zwischenprodukte, NO und NO₂, die du in der Reihenfolge kennen solltest.

Schließlich vergessen viele, dass in Stufe 3 Stickstoffmonooxid entsteht und zurückgeführt wird. Schreibst du nur 3 NO₂ + H₂O → 2 HNO₃ ohne das NO, ist die Gleichung nicht ausgeglichen. Kontrolliere deshalb immer, ob links und rechts gleich viele Atome jeder Sorte stehen.

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Alltagsbezug und Sicherheit

Ohne das Ostwaldverfahren gäbe es keine modernen Stickstoffdünger in der heutigen Menge. Ammoniumnitrat und andere Nitratdünger sorgen dafür, dass Felder ausreichend mit Stickstoff versorgt sind, und tragen so wesentlich zur Ernährung der Weltbevölkerung bei. Auch der Rohstoff für viele Kunststoffe und Lacke geht auf Salpetersäure zurück.

Der Umgang mit den Stoffen erfordert Vorsicht. Salpetersäure ist stark ätzend und wirkt oxidierend. Stickstoffdioxid ist ein rotbraunes, giftiges Gas, das die Atemwege reizt. In der Technik werden die Abgase deshalb katalytisch gereinigt. Auch Lachgas, das als Nebenprodukt entstehen kann, ist ein starkes Treibhausgas und wird in modernen Anlagen weitgehend zersetzt. Im Schullabor führt man Versuche mit nitrosen Gasen nur im Abzug und mit Schutzbrille durch.

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Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 5

Welcher Katalysator wird in der ersten Stufe des Ostwaldverfahrens verwendet?

Welcher Katalysator wird in der ersten Stufe des Ostwaldverfahrens verwendet?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Das Ostwaldverfahren stellt Salpetersäure aus Ammoniak und Luftsauerstoff her.
  • Stufe 1: 4 NH₃ + 5 O₂ → 4 NO + 6 H₂O am Platin-Rhodium-Netz bei etwa 850 °C.
  • Stufe 2 und 3: NO wird zu NO₂ oxidiert und in Wasser zu HNO₃ umgesetzt, das entstehende NO wird zurückgeführt.
  • Gesamtgleichung: NH₃ + 2 O₂ → HNO₃ + H₂O, der Stickstoff wird von −3 auf +5 oxidiert.
  • Salpetersäure dient vor allem der Herstellung von Düngemitteln wie Ammoniumnitrat.

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Häufige Fragen zu Ostwaldverfahren Salpetersäure: Ablauf und Gleichungen

Was ist das Ostwaldverfahren einfach erklärt?
Das Ostwaldverfahren ist ein technisches Verfahren zur Herstellung von Salpetersäure. Ammoniak wird mit Luftsauerstoff an einem Katalysator zu Stickstoffmonooxid verbrannt, dieses reagiert zu Stickstoffdioxid und wird in Wasser zu Salpetersäure umgesetzt.
Welche Reaktionsgleichungen gehören zum Ostwaldverfahren?
Stufe 1 lautet 4 NH₃ + 5 O₂ → 4 NO + 6 H₂O, Stufe 2 lautet 2 NO + O₂ → 2 NO₂ und Stufe 3 lautet 3 NO₂ + H₂O → 2 HNO₃ + NO. Zusammengefasst ergibt sich NH₃ + 2 O₂ → HNO₃ + H₂O.
Welchen Katalysator nutzt das Ostwaldverfahren?
Verwendet wird ein feinmaschiges Netz aus einer Platin-Rhodium-Legierung. Der Katalysator sorgt dafür, dass Ammoniak bei etwa 850 °C bevorzugt zu Stickstoffmonooxid reagiert und nicht zu elementarem Stickstoff.
Warum braucht das Ostwaldverfahren keine zusätzliche Heizung?
Die Verbrennung des Ammoniaks in Stufe 1 ist stark exotherm. Die frei werdende Wärme hält das Katalysatornetz bei etwa 850 °C und kann zusätzlich in Wärmetauschern zur Dampferzeugung genutzt werden.
Was ist der Unterschied zwischen Haber-Bosch- und Ostwaldverfahren?
Beim Haber-Bosch-Verfahren entsteht Ammoniak aus Stickstoff und Wasserstoff, beim Ostwaldverfahren wird Ammoniak zu Salpetersäure oxidiert. Das Ostwaldverfahren nutzt also das Produkt des Haber-Bosch-Verfahrens als Rohstoff.
Wofür wird Salpetersäure aus dem Ostwaldverfahren verwendet?
Der größte Teil wird zu Düngemitteln wie Ammoniumnitrat verarbeitet. Daneben dient Salpetersäure der Herstellung von Sprengstoffen, Farbstoffen und Kunststoffen sowie als Ätz- und Reinigungsmittel in der Industrie.
Warum wird das entstehende NO in Stufe 3 zurückgeführt?
In Stufe 3 entsteht neben Salpetersäure wieder Stickstoffmonooxid. Es wird mit Sauerstoff erneut zu NO₂ oxidiert und noch einmal in Wasser eingeleitet. Dadurch wird fast der gesamte Stickstoff zu Salpetersäure umgesetzt.
Welche Gefahren gehen vom Ostwaldverfahren aus?
Salpetersäure ist stark ätzend, Stickstoffdioxid ist ein giftiges Reizgas und Lachgas ist ein starkes Treibhausgas. Deshalb werden die Abgase technisch gereinigt, und im Labor arbeitet man mit nitrosen Gasen nur im Abzug.

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