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Haber-Bosch-Verfahren einfach erklärt – Ablauf

Das Haber-Bosch-Verfahren stellt aus Stickstoff und Wasserstoff großtechnisch Ammoniak her, den wichtigsten Rohstoff für mineralischen Stickstoffdünger. Die Reaktion ist ein chemisches Gleichgewicht, dessen Ausbeute durch hohen Druck, mittlere Temperatur und einen Katalysator optimiert wird. In dieser Lektion lernst du den Ablauf, die Reaktionsgleichung und typische Fehler zum Haber-Bosch-Verfahren kennen.

  • Fach: Chemie
  • Klasse 11
  • Thema: Chemische Reaktionen
  • Dauer: 20 Min
  • Niveau: Schwer
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Was das Haber-Bosch-Verfahren ist

Das Haber-Bosch-Verfahren ist ein großtechnisches Verfahren, mit dem Ammoniak aus den Elementen Stickstoff und Wasserstoff hergestellt wird. Es wurde 1909 von Fritz Haber im Labor entwickelt und von Carl Bosch für die industrielle Produktion nutzbar gemacht, weshalb das Verfahren nach beiden Chemikern benannt ist.

Vor der Entwicklung dieses Verfahrens war Stickstoffdünger knapp, weil sich der reaktionsträge Stickstoff aus der Luft nur schwer in eine pflanzenverfügbare Form überführen ließ. Das Haber-Bosch-Verfahren löste dieses Problem und ermöglichte dadurch eine deutlich höhere landwirtschaftliche Erträge weltweit.

Ein häufiger Fehler ist zu glauben, die Reaktion laufe bei Normalbedingungen ähnlich gut ab wie im Labor gezeigt. Tatsächlich stellt sich das Gleichgewicht zwischen Stickstoff, Wasserstoff und Ammoniak bei Raumtemperatur und Normaldruck kaum ein, deshalb sind für eine wirtschaftliche Ausbeute hoher Druck, erhöhte Temperatur und ein Katalysator notwendig.

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Die Reaktionsgleichung des Haber-Bosch-Verfahrens

Die Reaktion zwischen Stickstoff und Wasserstoff zu Ammoniak ist eine umkehrbare Gleichgewichtsreaktion. Auf der linken Seite stehen ein Stickstoffmolekül und drei Wasserstoffmoleküle, auf der rechten Seite entstehen daraus zwei Ammoniakmoleküle, die Reaktion kann aber auch in die Gegenrichtung ablaufen.

Weil auf der linken Seite vier Gasteilchen und auf der rechten Seite nur zwei Gasteilchen stehen, verschiebt hoher Druck nach dem Prinzip von Le Chatelier das Gleichgewicht auf die Seite mit weniger Teilchen, also zu mehr Ammoniak. Die Reaktion ist zudem exotherm, deshalb würde niedrige Temperatur die Ausbeute an Ammoniak begünstigen, jedoch auf Kosten der Reaktionsgeschwindigkeit.

N + 3 H2 A
N
ein Stickstoffmolekül (N2)
H
ein Wasserstoffmolekül (H2)
A
ein Ammoniakmolekül (NH3)
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Rechenbeispiel: Ammoniak-Ausbeute berechnen

In einem Reaktor werden 40 Kilogramm Stickstoff vollständig zu Ammoniak umgesetzt. Berechne die theoretisch entstehende Masse an Ammoniak.

Gegeben:

  • Masse Stickstoff: 40 kg
  • Molare Masse Stickstoff (N2): 28 g/mol
  • Molare Masse Ammoniak (NH3): 17 g/mol

Gesucht:

Masse des entstehenden Ammoniaks

Lösung:

  1. Stoffmenge des Stickstoffs berechnen: n = m/M = 40.000 g / 28 g/mol ≈ 1428,6 mol.
  2. Reaktionsgleichung beachten: aus 1 mol N2 entstehen 2 mol NH3.
  3. Stoffmenge des Ammoniaks berechnen: n(NH3) = 2 · 1428,6 mol ≈ 2857,1 mol.
  4. Masse des Ammoniaks berechnen: m = n · M = 2857,1 mol · 17 g/mol ≈ 48.571 g.

Aus 40 Kilogramm Stickstoff entstehen theoretisch etwa 48,6 Kilogramm Ammoniak, wenn die Reaktion vollständig abläuft. In der Praxis wird diese Ausbeute nie ganz erreicht, weil sich bei jedem Durchlauf durch den Reaktor nur ein Teil des Gasgemisches umsetzt und der Rest im Kreislauf zurückgeführt werden muss.

Nicht umgesetzter Stickstoff und Wasserstoff werden im Kreislauf zurück in den Reaktor geführt.
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Druck, Temperatur und Katalysator im Vergleich

Die technischen Bedingungen des Haber-Bosch-Verfahrens sind ein Kompromiss zwischen hoher Ausbeute und ausreichender Reaktionsgeschwindigkeit. Ein sehr hoher Druck von etwa 150 bis 350 bar verschiebt das Gleichgewicht deutlich zugunsten von Ammoniak, ist aber technisch aufwendig und teuer in der Anlagensicherheit.

Bei der Temperatur muss abgewogen werden: Niedrige Temperatur würde zwar mehr Ammoniak im Gleichgewicht liefern, weil die Reaktion exotherm ist, die Reaktion würde aber viel zu langsam ablaufen. Bei etwa 450 Grad Celsius läuft die Reaktion schnell genug ab, ohne dass die Ausbeute zu stark absinkt.

Der eingesetzte Eisen-Katalysator verändert die Lage des Gleichgewichts nicht, er beschleunigt aber beide Reaktionsrichtungen gleichermaßen, sodass sich das Gleichgewicht viel schneller einstellt. Ohne Katalysator müsste entweder eine viel höhere Temperatur oder eine unwirtschaftlich lange Reaktionszeit in Kauf genommen werden.

BedingungTypischer WertWirkung auf die Ausbeute
Druck150 bis 350 barerhöht die Ausbeute an Ammoniak
Temperaturrund 450 Grad CelsiusKompromiss zwischen Ausbeute und Geschwindigkeit
KatalysatorEisen mit Zusätzenbeschleunigt die Einstellung des Gleichgewichts
Ausbeute je Durchlaufetwa 15 bis 20 %Rest wird im Kreislauf zurückgeführt
Technische Bedingungen des Haber-Bosch-Verfahrens
Hoher Druck erhöht die Ausbeute, der Katalysator beschleunigt nur die Reaktion.
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Typische Fehler beim Haber-Bosch-Verfahren

Ein häufiger Fehler ist die Annahme, ein Katalysator verschiebe das chemische Gleichgewicht zugunsten der Produkte. Tatsächlich beschleunigt ein Katalysator Hin- und Rückreaktion gleichermaßen und verändert dadurch nur, wie schnell sich das Gleichgewicht einstellt, nicht aber die Lage des Gleichgewichts selbst.

Ein zweiter Fehler ist zu glauben, eine möglichst hohe Temperatur würde die Ammoniakausbeute steigern. Da die Reaktion exotherm ist, sinkt die Ammoniak-Ausbeute im Gleichgewicht bei steigender Temperatur, hohe Temperatur erhöht nur die Reaktionsgeschwindigkeit, mit der sich das Gleichgewicht einstellt.

Ein dritter Fehler ist, die Reaktionsgleichung ohne Berücksichtigung der stöchiometrischen Verhältnisse zu berechnen. Stickstoff und Wasserstoff reagieren im Verhältnis 1 zu 3, wer bei Rechnungen zur Ausbeute dieses Verhältnis vernachlässigt, erhält falsche Stoffmengen und Massen.

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Alltagsbezug: Ammoniak als Düngemittel

Der größte Teil des weltweit hergestellten Ammoniaks wird zu Stickstoffdüngern wie Ammoniumnitrat oder Harnstoff weiterverarbeitet, die Pflanzen den lebenswichtigen Nährstoff Stickstoff in aufnehmbarer Form liefern. Ohne diese künstliche Stickstofffixierung könnte die heutige Weltbevölkerung nach Schätzungen nicht in diesem Umfang ernährt werden.

Im Labor wird das Haber-Bosch-Verfahren wegen der hohen Drücke und Temperaturen nicht nachgestellt, stattdessen untersucht man das chemische Gleichgewicht meist an ungefährlicheren Reaktionen. Beim Umgang mit konzentriertem Ammoniak im Labor ist trotzdem Vorsicht geboten, da die Dämpfe stechend riechen und die Atemwege reizen, deshalb sollte immer unter dem Abzug gearbeitet werden.

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Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 5

Welcher Stoff entsteht beim Haber-Bosch-Verfahren aus Stickstoff und Wasserstoff?

Welcher Stoff entsteht beim Haber-Bosch-Verfahren aus Stickstoff und Wasserstoff?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Das Haber-Bosch-Verfahren stellt Ammoniak aus Stickstoff und Wasserstoff nach der Gleichung N2 + 3 H2 ⇌ 2 NH3 her.
  • Hoher Druck verschiebt das Gleichgewicht zur Seite mit weniger Gasteilchen und erhöht dadurch die Ammoniak-Ausbeute.
  • Rund 450 Grad Celsius sind ein Kompromiss zwischen ausreichender Geschwindigkeit und akzeptabler Ausbeute.
  • Der Eisen-Katalysator beschleunigt nur die Einstellung des Gleichgewichts, verändert aber nicht dessen Lage.
  • Ammoniak aus dem Haber-Bosch-Verfahren ist die Grundlage für den Großteil des weltweiten Stickstoffdüngers.

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Häufige Fragen zu Haber-Bosch-Verfahren einfach erklärt – Ablauf

Was ist das Haber-Bosch-Verfahren einfach erklärt?
Das Haber-Bosch-Verfahren ist ein industrielles Verfahren, mit dem aus Stickstoff und Wasserstoff bei hohem Druck, erhöhter Temperatur und mit einem Eisen-Katalysator Ammoniak hergestellt wird. Es liefert den Ausgangsstoff für den Großteil des weltweit verwendeten Stickstoffdüngers.
Wie lautet die Reaktionsgleichung des Haber-Bosch-Verfahrens?
Die Reaktionsgleichung lautet N2 + 3 H2 ⇌ 2 NH3. Ein Molekül Stickstoff reagiert mit drei Molekülen Wasserstoff zu zwei Molekülen Ammoniak, wobei die Reaktion umkehrbar ist und sich ein chemisches Gleichgewicht einstellt.
Warum wird beim Haber-Bosch-Verfahren hoher Druck verwendet?
Auf der linken Seite der Reaktionsgleichung stehen vier Gasteilchen, auf der rechten nur zwei. Hoher Druck verschiebt nach dem Prinzip von Le Chatelier das Gleichgewicht auf die Seite mit weniger Teilchen, also zugunsten von Ammoniak, deshalb wird mit 150 bis 350 bar gearbeitet.
Welche Rolle spielt der Katalysator beim Haber-Bosch-Verfahren?
Der eingesetzte Eisen-Katalysator beschleunigt sowohl die Hin- als auch die Rückreaktion, verändert aber nicht die Lage des chemischen Gleichgewichts. Ohne ihn würde sich das Gleichgewicht bei den technisch sinnvollen Temperaturen viel zu langsam einstellen.
Warum wird nicht bei niedrigerer Temperatur gearbeitet, wenn das die Ausbeute erhöhen würde?
Bei niedrigerer Temperatur würde die Reaktion zwar mehr Ammoniak im Gleichgewicht liefern, weil sie exotherm ist, sie würde aber viel zu langsam ablaufen. Rund 450 Grad Celsius sind deshalb ein technischer Kompromiss zwischen ausreichender Geschwindigkeit und akzeptabler Ausbeute.
Wofür wird das beim Haber-Bosch-Verfahren hergestellte Ammoniak verwendet?
Der überwiegende Teil des Ammoniaks wird zu Stickstoffdüngern wie Harnstoff oder Ammoniumnitrat weiterverarbeitet, die Pflanzen mit lebenswichtigem Stickstoff versorgen. Ein kleinerer Teil wird auch für Kühlmittel, Reinigungsmittel und weitere chemische Grundstoffe genutzt.
In welcher Klasse lernt man das Haber-Bosch-Verfahren?
Das Haber-Bosch-Verfahren wird in Deutschland meist in der elften Klasse im Zusammenhang mit dem chemischen Gleichgewicht und dem Prinzip von Le Chatelier behandelt. Es ist ein klassisches Beispiel dafür, wie theoretische Gleichgewichtsprinzipien in der Industrie technisch umgesetzt werden.
Wer hat das Haber-Bosch-Verfahren entwickelt?
Fritz Haber entwickelte 1909 das grundlegende Laborverfahren zur Ammoniaksynthese, Carl Bosch übertrug es anschließend gemeinsam mit seinem Team bei der BASF in eine großtechnische Anlage. Beide erhielten für diese Leistungen später den Nobelpreis für Chemie.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.

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