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Blutgruppen und Vererbung: AB0-System und Rhesusfaktor

Die Blutgruppen A, B, AB und 0 werden nach festen Regeln der Vererbung von den Eltern an ihre Kinder weitergegeben. In dieser Lektion lernst du, woran sich Blutgruppen unterscheiden, warum bei einer Bluttransfusion die Verträglichkeit wichtig ist und wie du mögliche Blutgruppen von Kindern bestimmst.

  • Fach: Biologie
  • Klasse 9
  • Thema: Der menschliche Körper
  • Dauer: 20 Min
  • Niveau: Mittel
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Blutgruppen: Was ist das AB0-System?

Das Blut ist bei allen Menschen ähnlich aufgebaut, trotzdem gibt es Unterschiede. Auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen sitzen bestimmte Merkmale, die man Antigene nennt. Nach den Antigenen A und B teilt man die Menschen in vier Blutgruppen ein: A, B, AB und 0. Dieses Einteilungssystem heißt AB0-System. Es wurde im Jahr 1901 von dem österreichischen Arzt Karl Landsteiner entdeckt.

Wer Blutgruppe A hat, trägt auf den roten Blutkörperchen das Merkmal A. Bei Blutgruppe B ist es das Merkmal B, bei AB sind beide Merkmale vorhanden, bei 0 keines von beiden. Das 0 steht also für „ohne“. Die Blutgruppe ist angeboren und ändert sich im Laufe des Lebens nicht.

In Deutschland ist die Verteilung ungefähr so: Etwa 43 von 100 Menschen haben Blutgruppe A, etwa 41 von 100 Blutgruppe 0, etwa 11 von 100 Blutgruppe B und etwa 5 von 100 Blutgruppe AB. Die Häufigkeiten sind in anderen Ländern anders. Das Wissen um die Blutgruppe ist vor allem für Bluttransfusionen und in der Medizin wichtig.

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Blutgruppen: Merkmale und Antikörper im Überblick

Im Blutplasma schwimmen Antikörper, die gegen fremde Merkmale gerichtet sind. Wer Blutgruppe A hat, besitzt Antikörper gegen das Merkmal B. Wer Blutgruppe B hat, besitzt Antikörper gegen A. Menschen mit Blutgruppe AB haben keine dieser Antikörper, Menschen mit Blutgruppe 0 dagegen beide.

Das ist logisch: Der Körper bildet keine Antikörper gegen die eigenen Merkmale, wohl aber gegen die fremden. Das Immunsystem erkennt fremde Merkmale an der Oberfläche als „nicht zu mir gehörig“. Diese Antikörper sind schon vorhanden, auch wenn der Körper noch nie mit fremdem Blut in Kontakt war.

Kommt ein Antikörper auf seine passenden Merkmale, bindet er sich daran. Die roten Blutkörperchen verklumpen. Man nennt das Agglutination. Die Klumpen können kleine Blutgefäße verstopfen, und die Blutkörperchen werden zerstört. Das ist der Grund, warum bei einer Transfusion nicht jedes Blut jedem Menschen gegeben werden kann.

Jede der vier Blutgruppen hat andere Merkmale auf den roten Blutkörperchen und andere Antikörper im Plasma.
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Blutgruppen und Verträglichkeit bei der Bluttransfusion

Bei einer Transfusion bekommt ein Mensch das Blut eines anderen. Meist sind es nur die roten Blutkörperchen, die übertragen werden. Entscheidend ist, dass die roten Blutkörperchen des Spenders keine Merkmale tragen, gegen die der Empfänger Antikörper hat. Sonst verklumpen sie.

Blutgruppe 0 trägt kein Merkmal. Ihre roten Blutkörperchen lösen daher bei den anderen Blutgruppen keine Reaktion aus. Menschen mit Blutgruppe AB haben keine Antikörper und können rote Blutkörperchen von allen vier Blutgruppen erhalten. Die Antikörper im Plasma des Spenders spielen kaum eine Rolle, weil sie im Blut des Empfängers stark verdünnt werden und nur geringe Mengen übertragen werden.

Deshalb sagt man oft vereinfachend, Blutgruppe 0 sei Universalspender und AB Universalempfänger. In der Praxis wird trotzdem möglichst die gleiche Blutgruppe übertragen, und vor jeder Transfusion wird die Verträglichkeit im Labor geprüft. Die Regeln gelten für die roten Blutkörperchen, für Blutplasma gilt es umgekehrt.

Blutgruppe des SpendersKann geben anKann erhalten von
AA und ABA und 0
BB und ABB und 0
ABnur ABA, B, AB und 0
0A, B, AB und 0nur 0
Wer kann rote Blutkörperchen an wen weitergeben?
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Der Rhesusfaktor als zweites Blutgruppensystem

Neben dem AB0-System gibt es weitere Blutgruppensysteme. Das bekannteste ist das Rhesussystem. Es wurde bei Rhesusaffen entdeckt. Es geht um ein weiteres Merkmal auf den roten Blutkörperchen, das D-Merkmal. Wer es trägt, ist rhesus-positiv, wer es nicht trägt, rhesus-negativ. Etwa 85 von 100 Menschen in Deutschland sind rhesus-positiv.

Man gibt die Blutgruppe deshalb mit beiden Angaben an, zum Beispiel „A positiv“ oder „0 negativ“. Rhesus-negative Menschen bilden Antikörper gegen das D-Merkmal erst, nachdem sie mit rhesus-positivem Blut in Kontakt gekommen sind. Anders als im AB0-System sind die Antikörper also nicht von Geburt an vorhanden.

Die Vererbung des Rhesusfaktors folgt einer einfachen Regel: Das Allel für rhesus-positiv ist dominant, das für rhesus-negativ rezessiv. Rhesus-negativ ist ein Mensch nur, wenn er von beiden Eltern das rezessive Allel geerbt hat. Zwei rhesus-negative Eltern haben deshalb immer rhesus-negative Kinder.

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Blutgruppen und Vererbung: ein Beispiel

Ein Elternteil hat Blutgruppe A und die Erbanlagen A und 0. Der andere Elternteil hat Blutgruppe B und die Erbanlagen B und 0. Welche Blutgruppen können die Kinder haben?

Gegeben:

  • Vater: Blutgruppe A mit den Allelen A und 0
  • Mutter: Blutgruppe B mit den Allelen B und 0
  • A und B sind dominant gegenüber 0, A und B sind untereinander codominant

Gesucht:

Mögliche Blutgruppen der Kinder und ihre Wahrscheinlichkeiten

Lösung:

  1. Jeder Elternteil gibt eines seiner beiden Allele weiter: der Vater A oder 0, die Mutter B oder 0.
  2. Es gibt vier gleich wahrscheinliche Kombinationen: A mit B, A mit 0, 0 mit B und 0 mit 0.
  3. A mit B ergibt Blutgruppe AB, A mit 0 ergibt A, 0 mit B ergibt B, 0 mit 0 ergibt 0.

Jede der vier Blutgruppen A, B, AB und 0 ist mit einer Wahrscheinlichkeit von je 25 Prozent möglich. Dass beim ersten Kind die Blutgruppe AB auftritt, sagt nichts darüber, welche Blutgruppen die späteren Kinder haben, denn jede Zeugung ist ein eigener Zufall.

BlutgruppeMögliche Allelpaare
AAA oder A0
BBB oder B0
ABAB
000
Mögliche Blutgruppen und ihre Erbanlagen
Welche Blutgruppen bei Kindern möglich sind, hängt von den Erbanlagen beider Eltern ab.
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Typische Fehler bei Blutgruppen und Vererbung

Ein häufiger Fehler ist die Annahme, ein Kind habe die Blutgruppe eines Elternteils oder einen Mix aus beiden. Tatsächlich werden Allele vererbt, nicht Blutgruppen. Zwei Eltern mit den Blutgruppen A und B können also ein Kind mit Blutgruppe 0 haben, wenn beide das Allel 0 tragen. Das Allel 0 ist rezessiv und wird oft nicht sichtbar.

Ein zweiter Fehler: AB wird als „Mischung“ verstanden. In Wirklichkeit sind A und B codominant, das heißt, beide Merkmale werden gleichzeitig ausgebildet und bleiben voneinander getrennt. Blutgruppe AB ist deshalb keine Zwischenform, sondern hat beide Merkmale vollständig.

Der dritte Fehler betrifft die Verträglichkeit: Viele denken, Blutgruppe A dürfe an B spenden, weil beide ein Merkmal haben. Das gilt nicht, denn Empfänger B hat Antikörper gegen A. Sicher ist nur: Das Spenderblut darf keine Merkmale tragen, gegen die der Empfänger Antikörper hat. Auch kann man Blutgruppen nicht als alleinigen Beweis einer Vaterschaft benutzen. Sie können eine Vaterschaft nur ausschließen, aber nicht beweisen.

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Blutgruppen im Alltag: Blutspende und Notfallausweis

Wer Blut spendet, bekommt danach seine Blutgruppe mitgeteilt. Viele Menschen tragen sie in einem Notfallausweis bei sich, damit sie im Ernstfall schnell bekannt ist. Blutspenden sind wichtig, weil Blut nicht künstlich hergestellt werden kann und rote Blutkörperchen nur begrenzt haltbar sind. Ob jemand Blut spenden darf, entscheiden der Spendendienst und das medizinische Personal vor Ort.

Besonders gesucht sind Spenden der Blutgruppe 0 negativ, weil sie bei Notfällen ohne Zeit für eine Untersuchung eingesetzt werden können. Sie trägt weder A, B noch das D-Merkmal. Wer diese Zusammenhänge verstanden hat, kann auch Zeitungsberichte über Blutspenden besser einordnen.

Auch bei Schwangeren spielt der Rhesusfaktor eine Rolle: Bei einer rhesus-negativen Mutter und einem rhesus-positiven Kind kann das Immunsystem der Mutter Antikörper bilden. Die Medizin hat dafür sichere Vorsorgeverfahren entwickelt, die von Ärztinnen, Ärzten und Hebammen erklärt werden. Konkrete medizinische Fragen gehören immer in eine Arztpraxis.

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Jetzt bist du dran!

Aufgabe 1 von 5

Welche Merkmale tragen die roten Blutkörperchen der Blutgruppe AB?

Welche Merkmale tragen die roten Blutkörperchen der Blutgruppe AB?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Die Blutgruppen A, B, AB und 0 richten sich nach den Merkmalen A und B auf den roten Blutkörperchen.
  • Im Plasma sind Antikörper gegen die fremden Merkmale, bei Verträglichkeitsfehlern verklumpen die roten Blutkörperchen.
  • Die Allele A und B sind dominant gegenüber 0 und untereinander codominant, Blutgruppe 0 hat die Allele 00.
  • Rhesus-positiv ist dominant über rhesus-negativ.
  • Typischer Fehler: Es werden Allele vererbt, nicht fertige Blutgruppen, deshalb sind Kinder mit anderer Blutgruppe als beide Eltern möglich.

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Häufige Fragen zu Blutgruppen und Vererbung: AB0-System und Rhesusfaktor

Wie werden Blutgruppen vererbt?
Jeder Mensch erbt von jedem Elternteil ein Allel für das AB0-System: A, B oder 0. A und B sind dominant gegenüber 0 und untereinander codominant. Aus den beiden Allelen ergibt sich die Blutgruppe des Kindes.
Können zwei Eltern mit Blutgruppe A ein Kind mit Blutgruppe 0 haben?
Ja, wenn beide Eltern die Erbanlagen A0 haben. Beide geben dann mit je 25 Prozent Wahrscheinlichkeit das Allel 0 weiter. Das Kind hat dann die Allele 00 und damit die Blutgruppe 0.
Was bedeutet 0 bei den Blutgruppen?
Die 0 steht für „ohne“: Auf den roten Blutkörperchen der Blutgruppe 0 sitzen weder das Merkmal A noch das Merkmal B. Blutgruppe 0 hat im Plasma deshalb Antikörper gegen A und gegen B.
Warum ist die Blutgruppe bei Transfusionen wichtig?
Passen Spender und Empfänger nicht zusammen, binden die Antikörper des Empfängers an die fremden Merkmale der gespendeten roten Blutkörperchen. Diese verklumpen und können kleine Gefäße verstopfen. Deshalb wird die Verträglichkeit vorher geprüft.
Was ist der Rhesusfaktor?
Der Rhesusfaktor ist ein zweites Blutgruppenmerkmal, das D-Merkmal auf den roten Blutkörperchen. Wer es hat, ist rhesus-positiv, wer es nicht hat, rhesus-negativ. Rhesus-positiv wird dominant vererbt.
Welche Blutgruppe ist am häufigsten?
In Deutschland ist Blutgruppe A mit etwa 43 Prozent am häufigsten, dicht gefolgt von Blutgruppe 0 mit etwa 41 Prozent. Blutgruppe B kommt bei etwa 11 Prozent vor, AB bei etwa 5 Prozent.
Was bedeutet Codominanz bei den Blutgruppen?
Codominanz heißt, dass sich zwei Allele gleichzeitig vollständig durchsetzen. Wer die Allele A und B erbt, bildet beide Merkmale aus und hat die Blutgruppe AB. Es entsteht keine Mischform.
Wer hat die Blutgruppen entdeckt?
Das AB0-System wurde im Jahr 1901 vom Arzt Karl Landsteiner entdeckt. Er beobachtete, dass Blut verschiedener Menschen beim Mischen manchmal verklumpt. Dafür erhielt er später den Nobelpreis für Medizin.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.

Das solltest du vorher können

Das kommt als Nächstes