Selbstinduktion: Spule bremst Stromänderungen
Selbstinduktion Spule heißt: Ändert sich der Strom in einer Spule, induziert sie in sich selbst eine Spannung, die der Änderung entgegenwirkt. In dieser Lektion lernst du, wie du die Selbstinduktionsspannung mit der Induktivität in Henry berechnest, warum beim Ausschalten Funken entstehen und wie viel Energie eine Spule speichert.
- Fach: Physik
- Klasse 12
- Thema: Elektrizität
- Dauer: 20 Min
- Niveau: Schwer
Selbstinduktion Spule: Wenn eine Spule sich selbst bremst
Selbstinduktion bedeutet: Ändert sich der Strom in einer Spule, entsteht in dieser Spule selbst eine Spannung, die der Änderung entgegenwirkt. Eine Spule bremst also jede Stromänderung, sie verhindert sie aber nicht. Das Phänomen folgt direkt aus der elektromagnetischen Induktion, nur dass die Ursache nicht ein äußeres Magnetfeld ist, sondern das eigene.
Der Ablauf ist logisch. Fließt Strom durch eine Spule, baut er ein Magnetfeld auf. Ändert sich der Strom, ändert sich auch das Feld und damit der magnetische Fluss durch die Windungen. Eine Änderung des Flusses induziert nach dem Induktionsgesetz eine Spannung. Nach der Lenzschen Regel wirkt diese Spannung ihrer Ursache entgegen, hier der Stromänderung.
Beim Einschalten bedeutet das: Der Strom steigt nicht sofort auf seinen Endwert, sondern langsam. Beim Ausschalten sinkt er nicht schlagartig auf null, die Spule versucht ihn aufrechtzuerhalten. Ein Gleichstromkreis mit Spule verhält sich daher kurz nach dem Schalten anders als im Dauerbetrieb. Diese Trägheit ist das elektrische Gegenstück zur Masse in der Mechanik.
Selbstinduktion Spule: Die Induktionsspannung berechnen
Die Spannung, die bei Selbstinduktion entsteht, ist proportional zur Stromänderung pro Zeit. Der Betrag lautet U gleich L mal ΔI geteilt durch Δt. Dabei ist L die Induktivität der Spule. Sie gibt an, wie stark die Spule jede Stromänderung bremst. Ihre Einheit heißt Henry: 1 Henry ist 1 Voltsekunde pro Ampere.
Eine Spule hat die Induktivität 1 Henry, wenn eine Stromänderung von 1 Ampere pro Sekunde eine Spannung von 1 Volt induziert. Das ist eine ziemlich große Induktivität. Spulen im Alltag haben meist Werte von Millihenry. Für eine lange, schlanke Spule gilt L gleich μ0 mal μr mal N zum Quadrat mal A geteilt durch l. Sie hängt von der Windungszahl N, der Querschnittsfläche A, der Länge l und dem Kernmaterial ab.
Wichtig ist die Wirkung der Windungszahl: Verdoppelst du N, wird L viermal so groß, denn N steht im Quadrat. Ein Eisenkern vergrößert die Induktivität um das Hundert- bis Tausendfache. Eine Spule speichert außerdem Energie in ihrem Magnetfeld: W gleich ein halb mal L mal I zum Quadrat. Diese Energie wird beim Abschalten wieder frei, das erklärt die hohen Spannungen und Funken.
- U
- Betrag der Selbstinduktionsspannung in Volt (V)
- L
- Induktivität der Spule in Henry (H)
- I
- Stromstärke in Ampere (A), ΔI ist ihre Änderung
- t
- Zeit in Sekunden (s), Δt ist die Zeitspanne der Änderung
| Größe | Änderung | Wirkung auf L |
|---|---|---|
| Windungszahl N | verdoppelt | viermal so groß |
| Querschnittsfläche A | verdoppelt | doppelt so groß |
| Länge l | verdoppelt | halb so groß |
| Eisenkern statt Luft | μr etwa 100 bis 1 000 | viele hundert Mal größer |
Selbstinduktion Spule: Einschalten, Ausschalten und Energie
Schaltest du eine Spule mit einem Widerstand an eine Gleichspannung, steigt der Strom nicht sofort auf den Wert U durch R. Am Anfang ist ΔI durch Δt groß, die Selbstinduktionsspannung wirkt stark gegen die angelegte Spannung. Je näher der Strom seinem Endwert kommt, desto langsamer ändert er sich und desto kleiner wird die Gegenspannung. Nach einiger Zeit fließt der Dauerstrom, und die Spule wirkt wie ein gewöhnlicher Draht.
Beim Ausschalten wird es dramatisch. Öffnest du den Schalter, sinkt der Strom in sehr kurzer Zeit gegen null, Δt ist winzig, und die induzierte Spannung kann sehr hoch werden. Sie hat die Richtung, die den Strom weitertreiben will. Dadurch springen zwischen den Kontakten Funken über. Bei einer klassischen Türklingel mit Elektromagnet oder bei einem Schütz schützt man die Kontakte deshalb mit Bauteilen, die diese Spannungsspitze aufnehmen.
Die Energie der Spule steckt im Magnetfeld. Je größer die Induktivität und je stärker der Strom, desto mehr Energie ist gespeichert. Diese Energie kann nicht schlagartig verschwinden, sie muss irgendwohin. Genau das macht man sich im Zündsystem eines Benzinmotors zunutze: Eine Zündspule wird getrennt, die hohe Spannung lässt am Zündkerzenspalt einen Funken entstehen.
Beispiel 1: Induktionsspannung und Energie einer Spule
Eine Spule hat die Induktivität 0,5 H. Der Strom wird in 0,01 Sekunden von 2 A auf 0 A abgeschaltet. Berechne den Betrag der Selbstinduktionsspannung und die vor dem Abschalten im Magnetfeld gespeicherte Energie.
Gegeben:
- L0,5 H
- ΔI2 A
- Δt0,01 s
Gesucht:
U und WLösung:
- Spannung: UL · ΔIΔt0,5 H · 2 A0,01 s
- U1 V·s0,01 s100 V
- Energie: W0,5 · L · I²0,5 · 0,5 H · (2 A)²1 J
Beim Abschalten werden in der Spule 100 Volt induziert, obwohl der Strom nur von 2 Ampere stammt. Die gespeicherte Energie beträgt 1 Joule. Würde man in derselben Spule den Strom 100-mal langsamer abschalten, wäre die Spannung nur 1 Volt. Das Beispiel zeigt, warum schnelle Schaltvorgänge so hohe Spannungen erzeugen.
Beispiel 2: Induktivität einer Luftspule und mit Eisenkern
Eine lange Spule hat 600 Windungen, die Querschnittsfläche 4 cm² und die Länge 20 cm. Berechne die Induktivität ohne Kern und mit einem idealisierten Eisenkern mit der relativen Permeabilität 1 000.
Gegeben:
- N600
- A4 · 10⁻⁴ m²
- l0,20 m
- μ04π · 10⁻⁷ VsAm
Gesucht:
L ohne Kern und mit EisenkernLösung:
- Lμ0 · N² · A / l4π · 10⁻⁷ · 600² · 4 · 10⁻⁴0,20
- L ≈ 9,0 · 10⁻⁴ H0,9 mH (ohne Kern)
- Mit Eisenkern: L ≈ 1 000 · 0,9 mH0,9 H
Die Luftspule hat etwa 0,9 Millihenry, mit Eisenkern sind es etwa 0,9 Henry, also tausendmal mehr. Reale Eisenkerne weichen davon ab, weil μr vom Strom abhängt und der Kern sättigen kann. Das Beispiel erklärt, warum Spulen für Netzteile und Drosseln fast immer einen Kern haben: So erreichen sie hohe Induktivitäten bei geringer Größe.
Typische Fehler bei der Selbstinduktion in der Spule
Der erste Fehler ist die Annahme, die Spule verhindere den Strom. Die Selbstinduktion bremst nur die Änderung. Im Gleichstrom-Dauerbetrieb fließt der Strom ganz normal, begrenzt nur durch den Widerstand des Drahtes. Eine ideale Spule ohne Widerstand wäre im Gleichstromkreis sogar ein Kurzschluss. Wirksam ist die Spule nur, solange sich der Strom ändert.
Der zweite Fehler betrifft die Einheiten. Die Induktivität L misst man in Henry, nicht in Volt oder Ampere. Es gilt 1 Henry gleich 1 Voltsekunde pro Ampere. Rechnest du mit Millisekunden oder Zentimetern, musst du vorher umrechnen: 10 ms sind 0,01 s, 4 cm² sind 4 · 10⁻⁴ m². Diese Umrechnungen sind die häufigste Quelle falscher Ergebnisse.
Der dritte Fehler ist das Vergessen des Quadrats bei der Windungszahl. Wer N verdoppelt, bekommt nicht die doppelte, sondern die vierfache Induktivität, weil N in der Formel quadratisch eingeht: Mit mehr Windungen steigt nicht nur das Feld, sondern auch die Zahl der Windungen, in denen induziert wird. Auch beim Energieausdruck vergessen viele das Quadrat bei der Stromstärke.
Selbstinduktion Spule im Alltag und Tipps für die Klassenarbeit
Die Selbstinduktion steckt in vielen Geräten. Drosselspulen in Netzteilen glätten den Strom, Lampenvorschaltgeräte begrenzen den Strom in Leuchtstofflampen, und Zündspulen erzeugen den Funken im Motor. Auch dein Staubsaugermotor und jede Türklingel mit Elektromagnet haben Spulen und damit Selbstinduktion. Der Funke, den du beim Ziehen eines Steckers eines laufenden Motors manchmal siehst, ist ein Effekt der Selbstinduktion.
Auch bei Wechselstrom spielt die Selbstinduktion eine große Rolle. Weil sich der Strom ständig ändert, bremst die Spule ständig: Sie hat einen Wechselstromwiderstand, der mit der Frequenz zunimmt. Das nutzt man, um hohe Frequenzen herauszufiltern. Zusammen mit einem Kondensator bildet die Spule einen Schwingkreis, den du in der nächsten Lektion kennenlernst.
Für die Klassenarbeit merkst du dir: Formel U gleich L mal ΔI durch Δt hinschreiben, alle Größen in SI-Einheiten umrechnen, einsetzen und die Einheit Volt kontrollieren. Bei Fragen nach der Richtung hilft die Lenzsche Regel: Die Spannung wirkt der Änderung entgegen. Beschreibe in Worten, was beim Ein- und Ausschalten passiert, und nenne die Energie ein halb L mal I zum Quadrat.
Jetzt bist du dran
Welche Einheit hat die Induktivität einer Spule?
Noch nicht. Die Induktivität misst man in Henry. Es gilt 1 H gleich 1 V·s pro A, das folgt aus U gleich L mal ΔI durch Δt.
Das Wichtigste in Kürze
- Ändert sich der Strom in einer Spule, induziert sie sich selbst eine Spannung, die der Änderung entgegenwirkt.
- Der Betrag ist U gleich L mal ΔI durch Δt. Die Induktivität L misst man in Henry, 1 H gleich 1 V·s pro A.
- L hängt von N im Quadrat, der Fläche A, der Länge l und dem Kern ab. Ein Eisenkern vervielfacht die Induktivität.
- Eine Spule speichert die Energie ein halb L mal I zum Quadrat im Magnetfeld, die beim Ausschalten wieder frei wird.
- Die Spule verzögert nur die Stromänderung. Im Gleichstrom-Dauerbetrieb wirkt sie wie ein Draht mit Widerstand.
Lektion abschließen
Schließe alle Aufgaben ab, um diese Lektion zu beenden.
Häufige Fragen zu Selbstinduktion: Spule bremst Stromänderungen
- Was ist Selbstinduktion einfach erklärt?
- Selbstinduktion tritt auf, wenn sich der Strom in einer Spule ändert. Dann ändert sich ihr Magnetfeld, und in der Spule selbst wird eine Spannung induziert. Diese wirkt der Stromänderung entgegen, die Spule bremst den Strom also in seiner Veränderung.
- Wie berechnet man die Selbstinduktionsspannung?
- Der Betrag der Spannung ist U gleich L mal ΔI geteilt durch Δt. Dabei ist L die Induktivität in Henry, ΔI die Stromänderung in Ampere und Δt die Zeit der Änderung in Sekunden. Das Ergebnis erhältst du in Volt.
- Was bedeutet die Einheit Henry?
- Ein Henry ist die Induktivität, bei der eine Stromänderung von einem Ampere pro Sekunde eine Spannung von einem Volt induziert. Es gilt 1 Henry gleich 1 Voltsekunde pro Ampere. Typische Spulen haben Werte im Bereich von Mikro- bis Millihenry.
- Wovon hängt die Induktivität einer Spule ab?
- Die Induktivität hängt von der Windungszahl im Quadrat, der Querschnittsfläche, der Länge und dem Kernmaterial ab. Mehr Windungen, größerer Querschnitt und ein Eisenkern erhöhen sie, eine größere Länge senkt sie. Ein Eisenkern vergrößert sie um das Hundert- bis Tausendfache.
- Warum entstehen beim Ausschalten Funken?
- Beim Ausschalten sinkt der Strom sehr schnell, deshalb wird eine hohe Spannung induziert, die den Strom weitertreiben will. Sie kann am Schalter einen Funken zwischen den Kontakten erzeugen. Schutzbauteile wie Freilaufdioden nehmen diese Spannungsspitze auf.
- Was ist der Unterschied zwischen Selbstinduktion und Induktion?
- Bei der Induktion verursacht ein äußeres, sich änderndes Magnetfeld die Spannung. Bei der Selbstinduktion stammt das sich ändernde Feld vom eigenen Strom der Spule. Beide folgen aus dem Induktionsgesetz, die Selbstinduktion ist der Sonderfall, bei dem Ursache und Wirkung in derselben Spule liegen.
- Wie viel Energie speichert eine Spule?
- Die Energie im Magnetfeld einer Spule beträgt ein halb mal L mal I zum Quadrat. Bei 0,5 Henry und 2 Ampere sind das 1 Joule. Beim Abschalten wird diese Energie wieder frei, was die hohen Spannungen und Funken erklärt.
- Warum bremst eine Spule nur Änderungen und nicht den Gleichstrom?
- Die Induktionsspannung entsteht nur, solange sich der magnetische Fluss ändert. Bei konstantem Strom ist ΔI gleich null, also auch die Spannung. Dann begrenzt nur der Drahtwiderstand den Strom. Bei Wechselstrom ändert sich der Strom ständig, deshalb bremst die Spule dort dauerhaft.
Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.