Halbwertszeit berechnen
Die Halbwertszeit gibt an, nach welcher Zeitspanne genau die Hälfte eines radioaktiven Stoffes zerfallen ist. In dieser Lektion lernst du die Zerfallsformel N ist gleich N-null mal ein Halb hoch t durch T, rechnest Beispiele zu Iod-131 und zur Altersbestimmung mit Kohlenstoff-14 und erfährst, warum der radioaktive Zerfall ein Zufallsprozess ist.
- Fach: Physik
- Klasse 10
- Thema: Atomphysik
- Dauer: 20 Min
- Niveau: Schwer
Was bedeutet Halbwertszeit?
Die Halbwertszeit ist die Zeitspanne, nach der von einer bestimmten Menge eines radioaktiven Stoffes im Mittel genau die Hälfte zerfallen ist. Diese Zeit ist für jedes radioaktive Isotop eine feste Größe, unabhängig davon, wie viel von dem Stoff ursprünglich vorhanden war.
Wichtig ist dabei, dass sich die Halbwertszeit immer auf die jeweils noch vorhandene Menge bezieht, nicht auf die ursprüngliche Gesamtmenge. Nach einer Halbwertszeit ist die Hälfte übrig, nach zwei Halbwertszeiten ein Viertel, nach drei Halbwertszeiten nur noch ein Achtel der ursprünglichen Menge, und so weiter in immer gleichen Schritten.
Welcher einzelne Atomkern zu welchem Zeitpunkt zerfällt, ist dabei vollkommen zufällig und lässt sich nicht vorhersagen. Erst bei sehr vielen Kernen, wie sie in jeder realen Probe vorkommen, ergibt sich aus diesem Zufallsprinzip die regelmäßige, berechenbare Abnahme, die die Halbwertszeit beschreibt.
Die Zerfallsformel für die Halbwertszeit
Die noch vorhandene Menge N eines radioaktiven Stoffes nach einer Zeit t berechnet sich aus der Anfangsmenge N-null, der Halbwertszeit T des jeweiligen Isotops und der verstrichenen Zeit t. Die Formel lautet N ist gleich N-null mal ein Halb hoch, in Klammern, t durch T.
Der Bruch t durch T gibt an, wie viele Halbwertszeiten seit dem Start bereits vergangen sind. Ist genau eine Halbwertszeit vergangen, ist t durch T gleich 1, und ein Halb hoch 1 ergibt einfach ein Halb, also die Hälfte der Anfangsmenge. Sind drei Halbwertszeiten vergangen, ist t durch T gleich 3, und von der Anfangsmenge bleibt nur noch ein Achtel übrig.
N-null und N müssen dabei in derselben Einheit angegeben werden, etwa als Anzahl der Atomkerne, als Masse in Gramm oder als gemessene Strahlungsaktivität. Die Halbwertszeit T und die Zeit t müssen ebenfalls in derselben Zeiteinheit stehen, damit der Bruch t durch T eine reine, einheitenlose Zahl ergibt.
- N
- noch vorhandene Menge zum Zeitpunkt t
- T
- Halbwertszeit des Isotops
- t
- verstrichene Zeit seit dem Startzeitpunkt
| Anzahl Halbwertszeiten | Anteil der Anfangsmenge | Beispiel bei 800 Kernen |
|---|---|---|
| 1 | 1/2 | 400 |
| 2 | 1/4 | 200 |
| 3 | 1/8 | 100 |
| 4 | 1/16 | 50 |
Halbwertszeit verschiedener radioaktiver Stoffe
Die Halbwertszeit unterscheidet sich von Isotop zu Isotop teils enorm: Manche radioaktiven Stoffe zerfallen innerhalb weniger Tage fast vollständig, andere brauchen tausende Jahre, bis nur die Hälfte übrig ist. Diese Unterschiede entscheiden auch darüber, wofür ein Isotop technisch oder medizinisch sinnvoll eingesetzt werden kann.
Iod-131 mit einer Halbwertszeit von etwa 8 Tagen wird in der Medizin zur Untersuchung und Behandlung der Schilddrüse verwendet, weil es schnell genug zerfällt, um die Strahlenbelastung für den Patienten gering zu halten. Kohlenstoff-14 dagegen hat eine Halbwertszeit von etwa 5730 Jahren und eignet sich deshalb hervorragend zur Altersbestimmung von jahrtausendealten organischen Funden wie Holz oder Knochen.
Beispiel 1: Zerfall von Iod-131
Eine Probe enthält anfangs 800 Kerne des radioaktiven Isotops Iod-131 mit einer Halbwertszeit von 8 Tagen. Wie viele Kerne sind nach 24 Tagen noch vorhanden?
Gegeben:
- N₀800
- T8 Tage
- t24 Tage
Gesucht:
NLösung:
- tT24 Tage8 Tage3
- NN₀ · (12)^(t/T)
- N800 · (12)³800 · 18
- N100
Nach 24 Tagen sind noch 100 der ursprünglich 800 Kerne vorhanden. Da 24 Tage genau drei Halbwertszeiten entsprechen, hat sich die Anfangsmenge dreimal hintereinander halbiert.
Beispiel 2: Altersbestimmung mit Kohlenstoff-14
In einem Holzfund wird gemessen, dass nur noch ein Viertel des ursprünglichen Kohlenstoff-14-Gehalts vorhanden ist. Die Halbwertszeit von Kohlenstoff-14 beträgt 5730 Jahre. Wie alt ist der Holzfund?
Gegeben:
- NN₀14
- T5730 Jahre
Gesucht:
tLösung:
- (12)^(t/T)14(12)²
- tT2
- t2 · T2 · 5730 Jahre
- t11460 Jahre
Der Holzfund ist etwa 11460 Jahre alt. Da nur noch ein Viertel des ursprünglichen Kohlenstoff-14-Gehalts vorhanden ist, sind seit dem Absterben des Holzes genau zwei Halbwertszeiten von Kohlenstoff-14 vergangen.
Typische Fehler bei der Halbwertszeit
Ein häufiger Fehler ist zu denken, nach zwei Halbwertszeiten sei der gesamte Stoff bereits zerfallen, weil man fälschlich zwei Hälften einfach addiert. Tatsächlich bleibt nach zwei Halbwertszeiten noch ein Viertel der Anfangsmenge übrig, denn jede Halbwertszeit halbiert immer nur die jeweils noch vorhandene Menge, nicht die ursprüngliche Gesamtmenge.
Ein zweiter Fehler ist, die Halbwertszeit fälschlich linear statt exponentiell zu behandeln, etwa anzunehmen, nach doppelter Halbwertszeit sei die Menge doppelt so klein wie nach einer einfachen Halbwertszeit. Tatsächlich wird die Menge nach jeder weiteren Halbwertszeit nochmals halbiert, wodurch der Zerfall deutlich schneller abläuft als bei einer linearen Abnahme.
Ein dritter Fehler ist, Zeit t und Halbwertszeit T in unterschiedlichen Einheiten in die Formel einzusetzen, etwa t in Jahren und T in Tagen. Da im Exponenten der Bruch t durch T steht, führt eine solche Einheitenverwechslung sofort zu einem völlig falschen Ergebnis.
Alltagsbezug und Tipps für die Klassenarbeit
Die Halbwertszeit begegnet dir in vielen praktischen Zusammenhängen: In der Medizin nutzen Ärzte radioaktive Isotope mit kurzer Halbwertszeit wie Iod-131 gezielt zur Diagnose und Behandlung, weil die Strahlung nach wenigen Wochen weitgehend abgeklungen ist. In der Archäologie und Geologie dagegen dient die sehr lange Halbwertszeit von Kohlenstoff-14 dazu, das Alter von Knochen, Holzresten oder anderen organischen Funden zu bestimmen.
Auch das radioaktive Gas Radon, das natürlich im Boden entsteht und in Kellerräumen gemessen werden kann, unterliegt demselben Zerfallsprinzip mit einer Halbwertszeit von wenigen Tagen. Kraftwerke, die mit radioaktiven Brennstoffen arbeiten, müssen aufgrund unterschiedlicher Halbwertszeiten in den entstehenden Abfallstoffen sehr unterschiedliche Zeiträume der sicheren Lagerung einplanen.
Für die Klassenarbeit solltest du dir merken, dass die Formel N ist gleich N-null mal ein Halb hoch, in Klammern, t durch T immer den Bruch aus verstrichener Zeit und Halbwertszeit im Exponenten enthält. Prüfe bei jeder Aufgabe zuerst, ob t ein ganzzahliges Vielfaches von T ist, dann kannst du oft ohne Taschenrechner nur durch wiederholtes Halbieren zum Ergebnis kommen.
Jetzt bist du dran
Welche Formel beschreibt den radioaktiven Zerfall mithilfe der Halbwertszeit?
Noch nicht. Der radioaktive Zerfall wird durch N ist gleich N-null mal ein Halb hoch, in Klammern, t durch T beschrieben, wobei t die verstrichene Zeit und T die Halbwertszeit ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Halbwertszeit ist die Zeit, nach der im Mittel genau die Hälfte einer radioaktiven Menge zerfallen ist.
- Formel: N ist gleich N-null mal ein Halb hoch, in Klammern, t durch T, mit der Anfangsmenge N-null, der Halbwertszeit T und der Zeit t.
- Nach jeder weiteren Halbwertszeit halbiert sich die jeweils noch vorhandene Menge erneut, der Zerfall verläuft exponentiell, nicht linear.
- Verschiedene Isotope haben stark unterschiedliche Halbwertszeiten, von wenigen Tagen bis zu tausenden Jahren, je nach Anwendung.
- Typischer Fehler: zwei Halbwertszeiten fälschlich addieren oder Zeit und Halbwertszeit in unterschiedlichen Einheiten in die Formel einsetzen.
Lektion abschließen
Schließe alle Aufgaben ab, um diese Lektion zu beenden.
Häufige Fragen zu Halbwertszeit berechnen
- Wie berechnet man die Halbwertszeit eines radioaktiven Stoffes?
- Mit der Formel N ist gleich N-null mal ein Halb hoch, in Klammern, t durch T berechnet man, wie viel von einer Anfangsmenge N-null nach der Zeit t noch übrig ist. Ist die Halbwertszeit T gesucht, stellt man die Formel entsprechend nach T um, sobald N, N-null und t bekannt sind.
- Was ist der Unterschied zwischen Halbwertszeit und radioaktivem Zerfall?
- Der radioaktive Zerfall ist der Vorgang, bei dem instabile Atomkerne sich in andere Kerne umwandeln und dabei Strahlung aussenden. Die Halbwertszeit ist eine feste Kenngröße dieses Zerfalls und gibt an, nach welcher Zeit im Mittel die Hälfte einer bestimmten Menge des Stoffes zerfallen ist.
- Warum ist nach zwei Halbwertszeiten nicht der ganze Stoff zerfallen?
- Jede Halbwertszeit halbiert immer nur die zu diesem Zeitpunkt noch vorhandene Menge, nicht die ursprüngliche Gesamtmenge. Nach einer Halbwertszeit ist die Hälfte übrig, nach zwei Halbwertszeiten die Hälfte davon, also ein Viertel der ursprünglichen Menge, und so weiter in immer gleichen Schritten.
- In welcher Klasse lernt man die Halbwertszeit in Physik?
- Die Halbwertszeit wird in Deutschland meist in der zehnten Klasse im Rahmen der Atom- und Kernphysik behandelt, häufig zusammen mit den Themen Radioaktivität und Kernspaltung. Sie bildet die Grundlage für spätere Themen wie die Kernenergie und die medizinische Nutzung radioaktiver Stoffe.
- Wie funktioniert die Altersbestimmung mit Kohlenstoff-14?
- Lebende Organismen nehmen ständig ein bestimmtes Verhältnis von radioaktivem Kohlenstoff-14 zu stabilem Kohlenstoff auf. Nach dem Absterben nimmt der Kohlenstoff-14-Anteil mit einer Halbwertszeit von 5730 Jahren ab, aus dem gemessenen Verhältnis lässt sich deshalb berechnen, wie viele Halbwertszeiten seit dem Tod vergangen sind.
- Warum haben verschiedene radioaktive Stoffe unterschiedliche Halbwertszeiten?
- Die Halbwertszeit hängt davon ab, wie stabil ein bestimmter Atomkern aufgebaut ist. Manche Atomkerne sind sehr instabil und zerfallen deshalb schon nach wenigen Tagen zur Hälfte, andere Kerne sind deutlich stabiler und benötigen dafür tausende oder sogar Millionen Jahre.
- Wofür wird Iod-131 mit seiner kurzen Halbwertszeit in der Medizin genutzt?
- Iod-131 mit einer Halbwertszeit von etwa 8 Tagen wird in der Nuklearmedizin zur Untersuchung und Behandlung der Schilddrüse eingesetzt, da sich Iod dort natürlich anreichert. Die kurze Halbwertszeit sorgt dafür, dass die Strahlenbelastung für den Patienten nach wenigen Wochen weitgehend abgeklungen ist.
- Kann man vorhersagen, wann genau ein einzelner Atomkern zerfällt?
- Nein, der Zerfall eines einzelnen Atomkerns ist ein reiner Zufallsprozess, für den sich nur eine Wahrscheinlichkeit, aber kein exakter Zeitpunkt angeben lässt. Erst bei einer sehr großen Anzahl von Kernen ergibt sich aus vielen einzelnen Zufallsereignissen die regelmäßige, mit der Halbwertszeit beschreibbare Abnahme.
Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.