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Kernkraftwerk – Funktionsweise

Ein Kernkraftwerk erzeugt elektrischen Strom, indem es die bei der Kernspaltung freiwerdende Wärmeenergie über Dampf und Turbine in einem Generator in elektrische Energie umwandelt. In dieser Lektion lernst du die Funktionsweise Schritt für Schritt kennen und erfährst sachlich, warum Deutschland 2023 seine letzten Kernkraftwerke abgeschaltet hat.

  • Fach: Physik
  • Klasse 10
  • Thema: Atomphysik
  • Dauer: 20 Min
  • Niveau: Mittel
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Wie funktioniert ein Kernkraftwerk?

Ein Kernkraftwerk nutzt die Kernspaltung, um Wärmeenergie zu erzeugen, die anschließend wie in einem herkömmlichen Kraftwerk in elektrische Energie umgewandelt wird. Im Reaktorkern spalten Neutronen Kerne des Isotops Uran-235, dabei entstehen zwei leichtere Kerne, mehrere neue Neutronen und vor allem sehr viel Energie in Form von Wärme.

Diese Wärme erhitzt Wasser in einem geschlossenen Kreislauf, der Dampf treibt eine Turbine an, und die Turbine wiederum einen Generator, der schließlich elektrischen Strom liefert. Prinzipiell unterscheidet sich ein Kernkraftwerk hier kaum von einem Kohlekraftwerk, nur die Wärmequelle ist eine andere: Kernspaltung statt Verbrennung von Kohle oder Gas.

Damit die Kernspaltung kontrolliert abläuft und nicht wie bei einer Kernwaffe schlagartig, werden Steuerstäbe aus neutronenabsorbierenden Materialien in den Reaktorkern gefahren. Sie regeln, wie viele Neutronen für weitere Spaltungen zur Verfügung stehen, und ermöglichen so eine gleichmäßige, dauerhafte Energiefreisetzung.

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Kernspaltung und Kettenreaktion im Detail

Bei der Kernspaltung trifft ein Neutron auf den Kern eines Uran-235-Atoms, das dadurch instabil wird und in zwei kleinere Kerne zerfällt. Gleichzeitig werden zwei bis drei neue Neutronen freigesetzt sowie eine große Menge Energie, die vor allem als Bewegungsenergie der Spaltprodukte auftritt und sich als Wärme bemerkbar macht.

Treffen die neu freigesetzten Neutronen auf weitere Uran-235-Kerne, lösen sie dort erneut Spaltungen aus, sodass sich die Reaktion von selbst am Laufen hält. Diesen sich selbst erhaltenden Vorgang nennt man Kettenreaktion, sie ist das Grundprinzip jedes Kernreaktors und muss durch Steuerstäbe und einen Moderator kontrolliert werden.

Der Moderator, meist Wasser, hat die Aufgabe, die bei der Spaltung entstehenden schnellen Neutronen abzubremsen, denn langsame Neutronen lösen deutlich zuverlässiger weitere Spaltungen aus als schnelle. Ohne Moderator würde die Kettenreaktion in den meisten Reaktortypen schnell zum Erliegen kommen.

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Beispiel 1: Wärmeenergie aus einer Kernspaltung im Vergleich

Die Spaltung eines einzelnen Uran-235-Kerns setzt rund 3,2 · 10 hoch minus 11 Joule frei. Wie viele Kernspaltungen wären nötig, um 320 Joule Energie freizusetzen, und was zeigt dieser Vergleich über die Energiedichte der Kernspaltung?

Gegeben:

  • Energie pro Spaltung: rund 3,2 · 10 hoch minus 11 J
  • gesuchte Gesamtenergie: 320 J

Gesucht:

Anzahl der Kernspaltungen

Lösung:

  1. Anzahl = gesuchte Energie / Energie pro Spaltung
  2. Anzahl320 J3,2 · 10 hoch minus 11 J
  3. Anzahl1 · 10 hoch 13 Spaltungen

Es wären rund 10 Billionen einzelne Kernspaltungen nötig, um 320 Joule freizusetzen, eine für unsere Anschauung riesige Zahl, die aber in einem Reaktorkern in Sekundenbruchteilen ständig abläuft. Das zeigt, wie enorm die Energiemenge ist, die in Atomkernen gespeichert ist, verglichen mit chemischen Reaktionen wie der Verbrennung.

So wird im Kernkraftwerk aus der Wärme der Kernspaltung über Dampf und Turbine elektrischer Strom.
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Beispiel 2: Vom Reaktor bis zur Steckdose

Beschreibe den vollständigen Energieweg vom Reaktorkern bis zum Strom aus der Steckdose in einem Kernkraftwerk mit zwei getrennten Wasserkreisläufen.

Gegeben:

  • Primärkreislauf: Wasser wird im Reaktorkern erhitzt
  • Sekundärkreislauf: Wasser wird zu Dampf für die Turbine

Gesucht:

Reihenfolge der Energieumwandlung

Lösung:

  1. Kernspaltung erhitzt das Wasser im Primärkreislauf auf hohe Temperatur
  2. Über einen Wärmetauscher wird die Wärme auf den Sekundärkreislauf übertragen, ohne dass sich das Wasser vermischt
  3. Das Wasser im Sekundärkreislauf verdampft, der Dampf treibt die Turbine und den angeschlossenen Generator an

Die Trennung in zwei Kreisläufe verhindert, dass radioaktiv belastetes Wasser aus der Nähe des Reaktorkerns in die Turbine gelangt. Erst der Dampf im sauberen Sekundärkreislauf treibt Turbine und Generator an und liefert so den elektrischen Strom, der ins Netz eingespeist wird.

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Sicherheit, radioaktive Reststoffe und typische Fehlvorstellungen

Nach der Kernspaltung bleiben radioaktive Spaltprodukte im verbrauchten Brennelement zurück, die über sehr lange Zeiträume Strahlung abgeben. Dieser hochradioaktive Abfall muss sicher gelagert werden, in Deutschland derzeit in Zwischenlagern, während die Suche nach einem geeigneten Endlager noch andauert.

Ein häufiger Fehler ist die Vorstellung, ein Kernkraftwerk könne wie eine Atombombe explodieren. Die Uran-Anreicherung in Reaktor-Brennelementen liegt bei nur etwa 3 bis 5 Prozent des spaltbaren Isotops Uran-235, für eine Kernwaffe wäre eine Anreicherung von über 90 Prozent nötig, eine unkontrollierte nukleare Explosion ist in einem zivilen Reaktor deshalb ausgeschlossen.

Kühltürme, die viele mit Kernkraftwerken verbinden, gehören technisch nicht zwingend zur Kernspaltung selbst, sondern kühlen den Wasserdampf des Sekundärkreislaufs zurück zu Wasser, damit der Kreislauf erneut beginnen kann. Auch Kohlekraftwerke nutzen häufig solche Kühltürme, der weiße Dampf daraus ist einfach Wasserdampf, keine radioaktive Wolke.

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Deutschland und der Atomausstieg

Deutschland hat seine Kernkraftwerke schrittweise abgeschaltet: 2000 vereinbarte die damalige Bundesregierung im sogenannten Atomkonsens einen geordneten Ausstieg, nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 wurden acht Kraftwerke sofort vom Netz genommen. Die letzten drei deutschen Kernkraftwerke, Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2, gingen im April 2023 endgültig vom Netz.

Diese Lektion beschreibt die Funktionsweise von Kernkraftwerken bewusst sachlich und ausgewogen: Kernkraft liefert zuverlässig große Mengen Strom nahezu ohne CO2-Ausstoß im laufenden Betrieb, wirft aber ungelöste Fragen zur Endlagerung radioaktiver Abfälle und zu Sicherheitsrisiken bei seltenen, schweren Störfällen auf. Beide Aspekte gehören zu einem vollständigen physikalischen und gesellschaftlichen Verständnis des Themas.

Für die Klassenarbeit ist wichtig, die einzelnen Schritte der Energieumwandlung in der richtigen Reihenfolge zu nennen: Kernspaltung, Erwärmung des Primärkreislaufs, Dampferzeugung im Sekundärkreislauf, Turbine, Generator. Auch die Rolle von Moderator und Steuerstäben bei der kontrollierten Kettenreaktion wird häufig abgefragt.

MerkmalKernkraftwerkKohlekraftwerkWindkraftanlage
CO2-Ausstoß im Betriebsehr geringsehr hochkeiner
Reststoffehochradioaktiver AbfallAsche, Rauchgasekeine im Betrieb
VerfügbarkeitDauerbetrieb möglichDauerbetrieb möglichabhängig vom Wind
Kernkraft im Vergleich zu anderen Kraftwerkstypen
Der deutsche Atomausstieg verlief in mehreren Etappen, von der Ausbauphase bis zur endgültigen Abschaltung 2023.
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Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 4

Was beschreibt eine Kettenreaktion in einem Kernkraftwerk?

Was beschreibt eine Kettenreaktion in einem Kernkraftwerk?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Kernkraftwerk nutzt die Wärme aus der Kernspaltung, um über Dampf, Turbine und Generator Strom zu erzeugen.
  • Bei der Kettenreaktion lösen freigesetzte Neutronen laufend weitere Kernspaltungen aus, Steuerstäbe und Moderator halten sie kontrolliert.
  • Radioaktive Spaltprodukte bleiben als hochradioaktiver Abfall zurück und müssen sicher gelagert werden.
  • Deutschland hat den Ausstieg aus der Kernkraft schrittweise vollzogen, die letzten Kraftwerke gingen im April 2023 vom Netz.
  • Typischer Fehler: den Wasserdampf aus dem Kühlturm für radioaktiv zu halten, tatsächlich ist er nur erhitztes Wasser.

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Häufige Fragen zu Kernkraftwerk – Funktionsweise

Wie funktioniert ein Kernkraftwerk einfach erklärt?
Ein Kernkraftwerk spaltet Uran-235-Kerne, wobei Wärme freigesetzt wird. Diese Wärme erhitzt Wasser zu Dampf, der eine Turbine und einen daran gekoppelten Generator antreibt, der schließlich elektrischen Strom erzeugt, ähnlich wie bei einem Kohlekraftwerk.
Was ist eine Kettenreaktion?
Eine Kettenreaktion entsteht, wenn die bei einer Kernspaltung freigesetzten Neutronen weitere Kerne spalten, die wiederum neue Neutronen freisetzen. Dadurch hält sich die Reaktion von selbst aufrecht, solange genügend spaltbares Material vorhanden ist und die Reaktion nicht durch Steuerstäbe gebremst wird.
Warum kann ein Kernkraftwerk nicht wie eine Atombombe explodieren?
In Reaktor-Brennelementen liegt der Anteil des spaltbaren Uran-235 bei nur etwa 3 bis 5 Prozent, für eine nukleare Explosion wäre eine Anreicherung von über 90 Prozent nötig. Deshalb ist eine unkontrollierte, explosionsartige Kettenreaktion wie bei einer Kernwaffe in einem zivilen Reaktor physikalisch ausgeschlossen.
Was passiert mit dem radioaktiven Abfall aus Kernkraftwerken?
Verbrauchte Brennelemente enthalten hochradioaktive Spaltprodukte und werden zunächst in Zwischenlagern sicher untergebracht. In Deutschland läuft derzeit die Suche nach einem geeigneten Endlager für die dauerhafte, sichere Lagerung dieser Abfälle über sehr lange Zeiträume.
Wann wurden die letzten deutschen Kernkraftwerke abgeschaltet?
Die letzten drei deutschen Kernkraftwerke, Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2, wurden im April 2023 endgültig vom Netz genommen. Damit endete nach jahrzehntelangem, schrittweisem Ausstieg die Stromerzeugung aus Kernkraft in Deutschland.
In welcher Klasse lernt man die Funktionsweise von Kernkraftwerken?
Das Thema wird in Deutschland meist in der zehnten Klasse im Rahmen der Atomphysik behandelt, im Anschluss an Kernspaltung und Kernfusion sowie Radioaktivität. Es verbindet physikalisches Grundwissen mit einer gesellschaftlich diskutierten Energiefrage.
Was ist der Unterschied zwischen Moderator und Steuerstäben?
Der Moderator, meist Wasser, bremst schnelle Neutronen ab, damit sie zuverlässiger weitere Kernspaltungen auslösen. Steuerstäbe dagegen bestehen aus neutronenabsorbierendem Material und regeln, wie viele Neutronen überhaupt für weitere Spaltungen zur Verfügung stehen.
Ist der Dampf aus dem Kühlturm eines Kernkraftwerks gefährlich?
Nein, der sichtbare weiße Dampf aus dem Kühlturm ist gewöhnlicher Wasserdampf aus dem Sekundärkreislauf, der mit dem radioaktiven Bereich des Reaktors nicht in Berührung kommt. Er ist nicht radioaktiv belastet und entsteht auch bei anderen Kraftwerkstypen mit Kühltürmen.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.