Klassenspace

Maya, Azteken und Inka: Hochkulturen Amerikas

Maya, Azteken und Inka schufen lange vor der Ankunft der Europäer bedeutende Hochkulturen in Amerika, mit eigener Schrift, gewaltigen Bauwerken und ausgeklügelten Verwaltungssystemen. In dieser Lektion lernst du die drei Kulturen kennen und verstehst, warum sie innerhalb weniger Jahrzehnte von spanischen Eroberern zerstört wurden.

  • Fach: Geschichte
  • Klasse 7
  • Thema: Neuzeit
  • Dauer: 22 Min
  • Niveau: Mittel
1

Die Maya: Städte, Schrift und Kalender

Die Maya lebten auf der Halbinsel Yucatán im heutigen Mexiko sowie in Teilen Guatemalas, Belizes und Honduras. Anders als Azteken und Inka bildeten sie nie ein einziges Großreich, sondern lebten in zahlreichen eigenständigen Stadtstaaten wie Tikal oder Chichén Itzá, die miteinander sowohl Handel trieben als auch Kriege führten.

Die klassische Maya-Zeit, die um 800 vor Christus begann und bis etwa 900 nach Christus andauerte, brachte beeindruckende Leistungen hervor: Die Maya entwickelten eine der wenigen vollständigen Schriftsysteme Amerikas, einen hochpräzisen astronomischen Kalender und errichteten Stufenpyramiden, die bis heute zu den bekanntesten Bauwerken Mittelamerikas zählen.

Um 900 nach Christus brach die klassische Maya-Kultur in weiten Teilen überraschend zusammen, viele große Städte wurden verlassen. Als mögliche Ursachen gelten heute eine Kombination aus lang anhaltenden Dürreperioden, Überbevölkerung, Ressourcenknappheit und innerer Kriege zwischen den Stadtstaaten, ohne dass die Forschung sich auf eine einzelne Ursache festlegt.

Während die Maya-Kultur bereits seit rund 2000 Jahren bestand, entstanden Azteken- und Inkareich erst kurz vor der spanischen Eroberung.
2

Das Aztekenreich: Macht in Tenochtitlan

Die Azteken gründeten 1325 ihre Hauptstadt Tenochtitlan auf einer Insel im Texcoco-See im Hochtal von Mexiko, an der Stelle des heutigen Mexiko-Stadt. Durch geschickte Bündnispolitik und militärische Eroberungen bauten sie innerhalb von rund 200 Jahren ein Reich auf, das weite Teile Zentralmexikos beherrschte und zahlreiche unterworfene Völker zu Tributzahlungen verpflichtete.

Tenochtitlan selbst war zur Zeit seiner größten Ausdehnung mit schätzungsweise 200.000 bis 300.000 Einwohnern eine der größten Städte der damaligen Welt, größer als die meisten europäischen Städte dieser Zeit. Die Stadt verfügte über künstliche Anbauinseln, sogenannte Chinampas, aufwendige Dämme gegen Überschwemmungen und einen belebten Markt, der spanische Chronisten später in Staunen versetzte.

Die aztekische Gesellschaft war stark religiös geprägt: Zahlreiche Götter mussten nach aztekischem Glauben durch Opfer, in bestimmten Fällen auch Menschenopfer, versorgt werden, um den Fortbestand der Welt zu sichern. Kriege dienten den Azteken deshalb nicht nur der Eroberung, sondern auch der Beschaffung von Gefangenen für religiöse Zeremonien.

MerkmalMayaAztekenInka
RegionYucatán, MittelamerikaZentralmexikoAnden, Südamerika
Hauptstadt/Zentrumviele Stadtstaaten (u. a. Tikal)TenochtitlanCusco
Blütezeitca. 800 v. Chr. – 900 n. Chr.1325 – 15211438 – 1533
BesonderheitSchrift und KalenderAufstieg durch BündnisseStraßennetz über die Anden
Die drei Hochkulturen im Vergleich
Maya, Azteken und Inka entwickelten sich in drei geografisch weit voneinander entfernten Regionen Amerikas unabhängig voneinander.
3

Das Inkareich: Straßen über die Anden

Das Inkareich, von den Inka selbst „Tahuantinsuyu“ (Land der vier Regionen) genannt, entstand ab 1438 unter Herrscher Pachacútec und wurde binnen weniger Jahrzehnte zum größten zusammenhängenden Reich im vorspanischen Amerika. Es erstreckte sich entlang der Anden über eine Strecke von über 4000 Kilometern, von Teilen des heutigen Kolumbien bis nach Chile und Argentinien.

Um dieses riesige und geografisch extrem anspruchsvolle Gebiet zu verwalten, bauten die Inka ein Straßennetz von über 30.000 Kilometern Länge, das selbst steile Gebirgspässe der Anden überwand und durch ein System von Boten-Läufern erstaunlich schnelle Nachrichtenübermittlung ermöglichte. Die berühmte Bergstadt Machu Picchu diente vermutlich als religiöse und repräsentative Anlage für den Herrscher.

Bemerkenswert ist, dass die Inka trotz dieser Verwaltungsleistung keine Schrift im europäischen Sinn kannten. Stattdessen nutzten sie Knotenschnüre, sogenannte Quipus, um Zahlen, Mengen und vermutlich auch andere Informationen zu speichern, ein bis heute nicht vollständig entschlüsseltes System.

4

Ursachen und Folgen der spanischen Eroberung

Erkläre, wie kleine spanische Truppen die riesigen Reiche der Azteken und Inka innerhalb weniger Jahre erobern konnten.

Gegeben:

  • Hernán Cortés landet 1519 mit wenigen hundert Soldaten an der mexikanischen Küste
  • Viele von den Azteken unterworfene Völker unterstützen die Spanier gegen Tenochtitlan
  • Eingeschleppte Krankheiten wie Pocken, gegen die die amerikanische Bevölkerung keine Abwehrkräfte hatte, breiten sich rasant aus
  • Francisco Pizarro nimmt 1532 den Inka-Herrscher Atahualpa während eines Treffens gefangen

Gesucht:

Zusammenhang zwischen militärischen, politischen und biologischen Faktoren beim schnellen Ende von Aztekenreich und Inkareich

Lösung:

  1. Militärisch: Spanische Truppen verfügten über Stahlwaffen, Pferde und Schusswaffen, die den amerikanischen Hochkulturen unbekannt waren und ihnen im direkten Kampf Vorteile verschafften.
  2. Politisch: Cortés nutzte gezielt Unzufriedenheit unterworfener Völker aus, die den Azteken jahrelang Tribut zahlen mussten, und gewann sie so als Verbündete gegen Tenochtitlan.
  3. Biologisch: Eingeschleppte Krankheiten wie Pocken forderten in der amerikanischen Bevölkerung, die keine natürliche Abwehr besaß, vermutlich mehr Todesopfer als alle direkten Kämpfe zusammen.
  4. Strategisch: Pizarro nutzte 1532 die günstige Gelegenheit eines Treffens, um Inka-Herrscher Atahualpa gefangen zu nehmen, wodurch das stark auf den Herrscher zentrierte Inkareich seine Führung verlor.

Das Zusammenspiel aus überlegener Waffentechnik, geschickter Bündnispolitik gegen unterworfene Völker und verheerenden eingeschleppten Krankheiten führte dazu, dass verhältnismäßig kleine spanische Truppen 1521 das Aztekenreich und 1533 das Inkareich in wenigen Jahren zu Fall brachten.

5

Typische Fehler und Alltagsbezug

Ein häufiger Fehler ist es, Maya, Azteken und Inka als ein und dieselbe Kultur zu behandeln. Tatsächlich handelt es sich um drei unterschiedliche Völker mit eigener Sprache, Religion und Geschichte, die in weit voneinander entfernten Regionen Amerikas lebten und teils Jahrhunderte auseinanderlagen.

Ein zweiter Fehler ist die Annahme, diese Kulturen seien technisch rückständig gewesen. Tatsächlich verfügten Maya, Azteken und Inka über hochentwickelte Kenntnisse in Astronomie, Architektur, Landwirtschaft und Verwaltung, die europäischen Kenntnissen in vielen Bereichen ebenbürtig oder überlegen waren, auch wenn sie kein Eisen und kein Schießpulver kannten.

Im Alltag begegnen uns diese Kulturen bis heute: Wichtige Nahrungsmittel wie Mais, Kartoffeln, Tomaten und Kakao stammen ursprünglich aus Amerika und wurden von diesen Hochkulturen kultiviert. Auch der Maya-Kalender oder die Ruinen von Machu Picchu und Chichén Itzá gehören zu den bekanntesten touristischen und kulturellen Symbolen Lateinamerikas.

6

Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 4

Wie hieß die Hauptstadt der Azteken, auf der heute Mexiko-Stadt liegt?

7

Das Wichtigste in Kürze

  • Maya, Azteken und Inka waren drei eigenständige Hochkulturen in unterschiedlichen Regionen Amerikas mit teils großem zeitlichem Abstand.
  • Die Maya lebten in eigenständigen Stadtstaaten und entwickelten Schrift und Kalender, bis ihre klassischen Städte um 900 nach Christus aus ungeklärten Gründen niedergingen.
  • Die Azteken bauten ab 1325 von ihrer Hauptstadt Tenochtitlan aus ein Reich durch Bündnisse und Eroberungen auf.
  • Die Inka verwalteten ab 1438 ihr Reich entlang der Anden über ein gewaltiges Straßennetz, obwohl sie keine Buchstabenschrift besaßen.
  • Überlegene Waffentechnik, Bündnisse mit unterworfenen Völkern und eingeschleppte Krankheiten führten 1521 und 1533 zum schnellen Ende von Aztekenreich und Inkareich.

Lektion abschließen

Schließe alle Aufgaben ab, um diese Lektion zu beenden.

0 %

Häufige Fragen zu Maya, Azteken und Inka: Hochkulturen Amerikas

Was ist der Unterschied zwischen Maya, Azteken und Inka?
Die Maya lebten in eigenständigen Stadtstaaten in Mittelamerika ab etwa 800 vor Christus, die Azteken bauten ab 1325 ein Reich um ihre Hauptstadt Tenochtitlan in Mexiko auf, und die Inka errichteten ab 1438 ein riesiges Reich entlang der Anden in Südamerika. Alle drei Kulturen entwickelten sich unabhängig voneinander.
Warum ging die Maya-Kultur unter?
Um 900 nach Christus wurden viele klassische Maya-Städte verlassen, die genauen Ursachen sind bis heute nicht vollständig geklärt. Die Forschung vermutet ein Zusammenspiel aus lang anhaltenden Dürren, Überbevölkerung, Ressourcenknappheit und Kriegen zwischen den Stadtstaaten.
Wie groß war Tenochtitlan?
Tenochtitlan hatte zur Zeit seiner größten Ausdehnung schätzungsweise 200.000 bis 300.000 Einwohner und zählte damit zu den größten Städten der damaligen Welt, größer als die meisten europäischen Städte im 16. Jahrhundert.
Was war Machu Picchu?
Machu Picchu war eine Bergstadt der Inka in den peruanischen Anden, die vermutlich als religiöse und repräsentative Anlage für den Herrscher diente. Sie wurde von den Spaniern nie entdeckt und blieb deshalb bis 1911 der Außenwelt weitgehend unbekannt.
Wie eroberten die Spanier das Aztekenreich?
Hernán Cortés nutzte ab 1519 überlegene Waffentechnik und gezielte Bündnisse mit Völkern, die zuvor den Azteken Tribut zahlen mussten. Zusätzlich schwächten eingeschleppte Krankheiten wie Pocken die Bevölkerung erheblich, sodass Tenochtitlan 1521 fiel.
Was sind Quipus?
Quipus waren Knotenschnüre, mit denen die Inka Zahlen, Mengen und vermutlich weitere Informationen speicherten, da sie keine Buchstabenschrift kannten. Das genaue System der Quipus ist bis heute nicht vollständig entschlüsselt.
Welche Lebensmittel stammen von Maya, Azteken oder Inka?
Mais und Kakao wurden vor allem in Mittelamerika von Maya und Azteken kultiviert, Kartoffeln stammen ursprünglich aus den Anden und wurden von Andenvölkern wie den Inka angebaut. Alle diese Lebensmittel gelangten erst nach der spanischen Eroberung nach Europa.
In welcher Klasse behandelt man Maya, Azteken und Inka im Geschichtsunterricht?
Maya, Azteken und Inka werden meist in Klasse 7 im Zusammenhang mit den europäischen Entdeckungsfahrten behandelt. Im Mittelpunkt stehen dabei die Hochkulturen selbst sowie die Ursachen und Folgen ihrer Eroberung durch spanische Konquistadoren.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.

Das solltest du vorher können

Das kommt als Nächstes