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Die Hexenverfolgung in Europa

Die Hexenverfolgung kostete in der Frühen Neuzeit europaweit Zehntausende Menschen das Leben, die meisten davon Frauen. In dieser Lektion lernst du, wie es zu diesen Verfolgungswellen kam, wie ein Hexenprozess ablief und warum vor allem arme, alleinstehende Frauen zu Opfern wurden.

  • Fach: Geschichte
  • Klasse 7
  • Thema: Neuzeit
  • Dauer: 20 Min
  • Niveau: Mittel
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Was war die Hexenverfolgung?

Als Hexenverfolgung bezeichnet man die systematische Anklage, Folterung und Hinrichtung von Menschen, denen man vorwarf, mit dem Teufel im Bunde zu stehen und durch Zauberei Schaden anzurichten. Die Verfolgungswellen erreichten in weiten Teilen Europas zwischen etwa 1480 und 1750 ihren Höhepunkt, mit besonders vielen Prozessen im Heiligen Römischen Reich, also im Gebiet des heutigen Deutschlands.

Nach heutigem Forschungsstand wurden in Europa insgesamt schätzungsweise 40.000 bis 60.000 Menschen wegen angeblicher Hexerei hingerichtet, deutlich mehr als 100.000 wurden angeklagt oder verhört. Etwa 75 bis 80 Prozent der Opfer waren Frauen, häufig ältere, verwitwete oder alleinstehende Frauen ohne starke männliche Fürsprecher in der Gemeinde.

Der Glaube an Hexerei war in Europa schon lange vor der eigentlichen Verfolgungswelle verbreitet, ähnlich wie der Glaube an Dämonen oder böse Blicke. Neu war ab dem späten 15. Jahrhundert, dass Kirche und weltliche Gerichte begannen, diesen Glauben systematisch zu nutzen, um vermeintliche Hexen offiziell zu verfolgen und hinzurichten.

Die Hexenverfolgung erreichte um 1600 ihren Höhepunkt und endete erst im späten 18. Jahrhundert.
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Der Ablauf eines Hexenprozesses

Ein Hexenprozess begann meist mit einem Gerücht oder einer Anschuldigung aus der Nachbarschaft: Eine kranke Kuh, eine Missernte oder ein plötzlicher Todesfall wurden einer bestimmten Person zugeschrieben, die im Dorf als merkwürdig oder unbeliebt galt. Diese Verdächtigung wurde häufig bei einem weltlichen Gericht oder der örtlichen Obrigkeit angezeigt.

Im Verhör hatte die angeklagte Person kaum Möglichkeiten, sich zu verteidigen, da sie meist keinen Rechtsbeistand erhielt und Aussagen von Nachbarn oft schon als ausreichender Verdacht galten. Besonders folgenschwer war der Einsatz der Folter, die in vielen Territorien offiziell erlaubt war, um Geständnisse zu erzwingen.

Unter der Folter gestanden viele Angeklagte schließlich Dinge, die sie nie getan hatten, und nannten unter Schmerzen oft weitere angebliche Mittäterinnen, wodurch sich eine Verfolgungswelle in einer Region immer weiter ausbreiten konnte. Ein erzwungenes Geständnis galt vor Gericht als vollwertiger Beweis, das Urteil lautete in den meisten Fällen auf die Todesstrafe durch Verbrennen.

SchrittBeschreibung
VerdächtigungGerücht, Streit oder Unglück macht eine Person verdächtig
AnzeigeAnzeige bei Gericht oder Obrigkeit durch Nachbarn
VerhörBefragung meist ohne Recht auf Verteidigung
FolterErzwingt Geständnisse und Namen weiterer Verdächtiger
Urteil und HinrichtungGeständnis gilt als Beweis, meist Todesurteil
Ablauf eines Hexenprozesses im Überblick
Ein Hexenprozess bot der angeklagten Person praktisch keine Möglichkeit, sich wirksam zu verteidigen.
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Wer wurde beschuldigt und warum?

Die Hexenverfolgung traf keineswegs alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen. Besonders gefährdet waren ältere, verwitwete oder alleinstehende Frauen, die als Heilkundige, Hebammen oder einfach als „anders“ galten und keine mächtige Familie hatten, die sie schützen konnte. Auch Armut, körperliche Auffälligkeiten oder ein schlechter Ruf in der Nachbarschaft erhöhten das Risiko einer Anklage erheblich.

Ein wichtiger Auslöser für Verfolgungswellen waren Krisenzeiten: Missernten, Seuchen, Kriege oder plötzliche Wetterumschwünge wie Hagelschläge, für die es damals keine wissenschaftliche Erklärung gab, wurden häufig angeblicher Hexerei zugeschrieben. In solchen Zeiten stieg die Zahl der Anzeigen in betroffenen Regionen deutlich an, da die Bevölkerung nach einer Erklärung und einem Schuldigen suchte.

Auch wirtschaftliche und soziale Konflikte innerhalb eines Dorfes spielten eine Rolle: Wer mit einer Nachbarin im Streit lag, etwa um Erbschaften, Weiderechte oder Schulden, konnte diesen Konflikt durch eine Hexerei-Anschuldigung für sich entscheiden. Die Verfolgung traf damit oft gerade die Schwächsten der Gesellschaft, die sich am wenigsten wehren konnten.

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Ursachen und Folgen der Verfolgungswellen

Verfolge, wie eine einzelne Krise in einer Region zu einer Kettenreaktion von Hexenprozessen führen konnte.

Gegeben:

  • Eine Missernte oder Seuche trifft eine Region unerwartet hart
  • Es gibt bereits Gerüchte über eine angeblich verdächtige Person im Dorf
  • Rechtlich sind Folter und Hexenprozesse in dem Territorium offiziell erlaubt

Gesucht:

Wie konnte aus einer einzelnen Anschuldigung eine große Verfolgungswelle werden?

Lösung:

  1. Ursache: Eine Missernte oder Seuche sorgt für Angst und Existenznot in der Bevölkerung, die nach einer Erklärung sucht.
  2. Auslöser: Eine bereits verdächtige Person wird angezeigt und unter Folter zu einem Geständnis gezwungen.
  3. Verstärkung: Unter Folter nennt die angeklagte Person weitere angebliche Mittäterinnen, gegen die neue Prozesse eröffnet werden.
  4. Folge: Innerhalb weniger Jahre entsteht eine regionale Verfolgungswelle mit Dutzenden oder Hunderten Opfern, bis Kritik oder der Mangel an weiteren Verdächtigen sie abklingen lässt.

Hexenverfolgungswellen entstanden meist aus einem Zusammenspiel von Krisenzeiten, rechtlicher Erlaubnis der Folter und der Logik erzwungener Geständnisse, die immer neue Verdächtige lieferten. Diese Mechanik erklärt, warum manche Regionen und Jahrzehnte besonders viele Prozesse erlebten, während andere kaum betroffen waren.

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Widerstand und das Ende der Verfolgung

Schon während der Verfolgungswellen gab es vereinzelt Kritiker, die die Rechtmäßigkeit der Prozesse in Frage stellten. Besonders bekannt wurde der Jesuitenpater Friedrich Spee, der 1631 anonym ein Buch veröffentlichte, in dem er die Folter in Hexenprozessen scharf kritisierte. Er hatte selbst zum Tode Verurteilte als Beichtvater begleitet und war überzeugt, dass fast alle Geständnisse erfunden waren.

Im Laufe des 17. Jahrhunderts setzte sich in weiten Teilen Europas allmählich die Aufklärung durch, eine geistige Bewegung, die auf Vernunft, wissenschaftliche Beweise und Rechtssicherheit setzte statt auf Aberglauben. Juristen und Gelehrte begannen zunehmend zu bezweifeln, dass durch Folter erzwungene Geständnisse überhaupt als Beweis taugten.

Die letzten Hinrichtungen wegen Hexerei in Mitteleuropa fanden im späten 18. Jahrhundert statt, etwa 1775 im Heiligen Römischen Reich und 1782 mit der Hinrichtung von Anna Göldi in der Schweiz, die oft als letzter Fall dieser Art in Europa gilt. Die Hexenverfolgung endete damit nicht durch ein einzelnes Gesetz, sondern durch einen schrittweisen Wandel im Rechtsdenken und Weltbild.

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Typische Fehler und Alltagsbezug

Ein häufiger Fehler ist, die Hexenverfolgung als reines Mittelalter-Phänomen zu betrachten. Tatsächlich lag ihr Höhepunkt erst in der Frühen Neuzeit, also nach dem Mittelalter, besonders zwischen 1560 und 1630, also zur Zeit von Renaissance und beginnender Aufklärung.

Ein zweiter Fehler ist die Annahme, nur die katholische Kirche habe Hexenprozesse geführt. Tatsächlich fanden Hexenprozesse sowohl in katholischen als auch in protestantischen Gebieten statt, meist waren es weltliche Gerichte und lokale Obrigkeiten, die die Verfahren durchführten, nicht allein kirchliche Instanzen.

Im Alltag begegnet uns das Thema bis heute in Märchen und Erzählungen, in denen „Hexen“ oft als böse alte Frauen dargestellt werden, ein Bild, das direkt aus dieser Verfolgungsgeschichte stammt. Auch der Ausdruck „Hexenjagd“ wird heute noch verwendet, wenn Menschen ohne ausreichende Beweise öffentlich beschuldigt und vorverurteilt werden.

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Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 5

In welcher Epoche lag der Höhepunkt der Hexenverfolgung in Europa?

In welcher Epoche lag der Höhepunkt der Hexenverfolgung in Europa?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Zwischen etwa 1480 und 1750 wurden in Europa schätzungsweise 40.000 bis 60.000 Menschen wegen angeblicher Hexerei hingerichtet.
  • Ein Hexenprozess führte über Verdächtigung, Anzeige, Verhör und Folter fast immer zu einem erzwungenen Geständnis und einem Todesurteil.
  • Besonders gefährdet waren ältere, alleinstehende oder verwitwete Frauen ohne starke gesellschaftliche Fürsprecher.
  • Krisenzeiten wie Missernten oder Seuchen lösten häufig regionale Verfolgungswellen aus, da die Bevölkerung nach Schuldigen suchte.
  • Kritiker wie Friedrich Spee und die aufkommende Aufklärung trugen dazu bei, dass die Hexenverfolgung im späten 18. Jahrhundert endete.

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Häufige Fragen zu Die Hexenverfolgung in Europa

Wie viele Menschen starben in der europäischen Hexenverfolgung?
Nach heutigem Forschungsstand wurden in Europa schätzungsweise 40.000 bis 60.000 Menschen wegen angeblicher Hexerei hingerichtet, mehr als 100.000 wurden angeklagt oder verhört. Die genauen Zahlen schwanken je nach Studie und Region.
Warum wurden vor allem Frauen der Hexerei beschuldigt?
Etwa 75 bis 80 Prozent der Opfer waren Frauen, besonders ältere, verwitwete oder alleinstehende Frauen ohne starke männliche Fürsprecher. Sie galten in einer von Männern dominierten Gesellschaft oft als schwächer geschützt und wurden häufiger verdächtigt, etwa als Heilkundige oder Hebammen.
Was war der Hexenhammer?
Der „Hexenhammer“ war ein 1487 erschienenes Buch, das detailliert beschrieb, wie man angebliche Hexen erkennen, verhören und verurteilen sollte. Es verbreitete sich stark und diente vielen Gerichten als Anleitung für Hexenprozesse.
Wie lief ein Hexenprozess ab?
Ein Hexenprozess begann meist mit einer Verdächtigung und Anzeige, gefolgt von einem Verhör, das oft mit Folter verbunden war, um ein Geständnis zu erzwingen. Ein solches Geständnis galt vor Gericht als Beweis und führte in den meisten Fällen zur Todesstrafe.
Was ist der Unterschied zwischen Hexenverfolgung im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit?
Im Mittelalter gab es zwar den Glauben an Hexerei, aber kaum systematische, staatlich organisierte Verfolgung. Erst in der Frühen Neuzeit, besonders zwischen 1560 und 1630, entwickelten sich die großen Verfolgungswellen mit Massenprozessen und zahlreichen Hinrichtungen.
Wann endete die Hexenverfolgung in Europa?
Die letzten Hinrichtungen wegen Hexerei in Mitteleuropa fanden im späten 18. Jahrhundert statt, etwa 1782 mit der Hinrichtung von Anna Göldi in der Schweiz. Die Aufklärung und wachsende Kritik an der Folter beendeten die Verfolgung schrittweise.
Welche Rolle spielte die Kirche bei der Hexenverfolgung?
Sowohl katholische als auch protestantische Gebiete führten Hexenprozesse durch, meist über weltliche Gerichte und lokale Obrigkeiten. Die Kirche lieferte mit ihrer Lehre über den Teufelspakt eine wichtige religiöse Begründung, die eigentlichen Prozesse führten aber überwiegend weltliche Gerichte.
In welcher Klasse behandelt man die Hexenverfolgung im Geschichtsunterricht?
Die Hexenverfolgung wird meist in Klasse 7 im Rahmen der Frühen Neuzeit behandelt, oft im Zusammenhang mit Reformation und Dreißigjährigem Krieg. Im Mittelpunkt stehen Ursachen, Ablauf der Prozesse und die Opferperspektive.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.

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