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Frauenwahlrecht in Deutschland 1918

Das Frauenwahlrecht in Deutschland wurde erst am 12. November 1918 eingeführt, nachdem Frauen jahrzehntelang für politische Mitbestimmung gekämpft hatten. In dieser Lektion lernst du, wie es zur Einführung des Frauenwahlrechts kam, wer sich dafür einsetzte und wie die erste Wahl mit weiblicher Beteiligung 1919 verlief.

  • Fach: Geschichte
  • Klasse 9
  • Thema: Moderne
  • Dauer: 20 Min
  • Niveau: Mittel
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Kein Wahlrecht für Frauen im Kaiserreich

Im Deutschen Kaiserreich, das von 1871 bis 1918 bestand, hatten Frauen kein Wahlrecht auf Reichsebene und in den meisten deutschen Einzelstaaten. Auch politische Mitgliedschaft war Frauen lange verwehrt: Bis 1908 durften Frauen in Preußen und den meisten anderen deutschen Ländern per Gesetz nicht einmal Mitglied in politischen Vereinen oder Parteien werden.

Diese Einschränkung entsprach dem damals vorherrschenden Rollenbild, wonach Politik als Aufgabe der Männer galt, während Frauen auf Haushalt und Familie beschränkt sein sollten. Frauen zahlten zwar Steuern und unterlagen den Gesetzen des Staates, hatten aber keinerlei Möglichkeit, an deren Gestaltung mitzuwirken, ein Zustand, den Kritikerinnen schon damals als eklatante Ungerechtigkeit bezeichneten.

Dennoch engagierten sich Frauen bereits im Kaiserreich politisch, etwa in der Arbeiterbewegung oder in karitativen und bildungspolitischen Vereinen, auch wenn ihnen die formale politische Mitbestimmung verwehrt blieb. Diese informellen Aktivitäten bildeten den Nährboden für eine organisierte Frauenbewegung.

Erst die Novemberrevolution 1918 brachte das Frauenwahlrecht, das im Kaiserreich trotz jahrzehntelanger Forderungen nicht durchsetzbar war.
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Die Frauenbewegung kämpft für Mitbestimmung

Bereits 1894 gründete sich der Bund Deutscher Frauenvereine als Dachverband zahlreicher bürgerlicher Frauenorganisationen, der sich für bessere Bildungs- und Berufschancen sowie langfristig für das Frauenwahlrecht einsetzte. Prominente Vertreterinnen wie Helene Lange oder Gertrud Bäumer prägten diese bürgerliche Frauenbewegung entscheidend mit.

Parallel dazu forderte die sozialdemokratische Frauenbewegung, angeführt unter anderem von Clara Zetkin, das Frauenwahlrecht als Teil eines umfassenderen Kampfes für soziale Gleichberechtigung der Arbeiterschaft. Zetkin initiierte 1911 den ersten internationalen Frauentag, der explizit auch das Wahlrecht für Frauen forderte.

1908 brachte eine wichtige rechtliche Verbesserung: Das preußische Vereinsgesetz wurde reformiert, wodurch Frauen im gesamten Deutschen Reich erstmals politischen Parteien und Vereinen beitreten durften. Dies stärkte die Organisationskraft der Frauenbewegung erheblich, auch wenn das eigentliche Wahlrecht noch ein Jahrzehnt auf sich warten ließ.

JahrEreignis
1894Gründung des Bundes Deutscher Frauenvereine
1908Frauen dürfen erstmals politischen Vereinen beitreten
1911Erster internationaler Frauentag mit Forderung nach Wahlrecht
1918Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland
Wichtige Stationen der deutschen Frauenbewegung
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Die Einführung des Frauenwahlrechts 1918

Am 9. November 1918 brach im Zuge der Novemberrevolution das Kaiserreich zusammen, Kaiser Wilhelm II. dankte ab. Bereits kurz darauf, am 12. November 1918, verkündete der neu gebildete Rat der Volksbeauftragten unter Führung der SPD in einem Aufruf „An das deutsche Volk“ das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht für alle Männer und Frauen ab 20 Jahren.

Damit war Deutschland im internationalen Vergleich kein Vorreiter, lag aber im vorderen Mittelfeld der Industriestaaten: Neuseeland hatte das Frauenwahlrecht bereits 1893 eingeführt, Finnland 1906, während Frankreich erst 1944 und die Schweiz sogar erst 1971 folgten. In den USA erhielten Frauen 1920 das Wahlrecht auf Bundesebene.

Am 19. Januar 1919 fand die erste deutsche Reichstagswahl statt, bei der Frauen sowohl wählen als auch selbst gewählt werden konnten. Die Wahlbeteiligung der Frauen lag mit über 80 Prozent überraschend hoch, und insgesamt zogen 36 Frauen als Abgeordnete in die verfassunggebende Nationalversammlung ein, das entsprach rund 9,6 Prozent aller Sitze.

Deutschland führte das Frauenwahlrecht 1918 im internationalen Vergleich im vorderen Mittelfeld der Industriestaaten ein.
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Ursachen und Folgen für die Weimarer Republik

Erkläre, welche Faktoren 1918 zur schnellen Einführung des Frauenwahlrechts führten, obwohl es zuvor jahrzehntelang gefordert worden war.

Gegeben:

  • Jahrzehntelange Vorarbeit der bürgerlichen und sozialdemokratischen Frauenbewegung seit den 1890er-Jahren
  • Zusammenbruch des Kaiserreichs durch die Novemberrevolution im November 1918
  • SPD und USPD übernehmen im Rat der Volksbeauftragten vorübergehend die Regierungsgewalt

Gesucht:

Zusammenhang zwischen jahrzehntelangem Engagement der Frauenbewegung und der plötzlichen Einführung des Wahlrechts 1918

Lösung:

  1. Vorarbeit: Seit 1894 hatte die organisierte Frauenbewegung Öffentlichkeit, politisches Bewusstsein und Netzwerke für das Frauenwahlrecht aufgebaut, auch wenn im Kaiserreich keine Mehrheit dafür bestand.
  2. Umbruch: Die Novemberrevolution 1918 stürzte das Kaiserreich und schuf ein politisches Machtvakuum, das reformorientierte Kräfte kurzfristig füllten.
  3. Entscheidung: Der Rat der Volksbeauftragten unter SPD-Führung, die das Frauenwahlrecht bereits seit Jahren in ihrem Programm hatte, verkündete es umgehend als Teil eines umfassenden demokratischen Wahlrechts.
  4. Folge: Bei der Reichswahl am 19. Januar 1919 nutzten Millionen Frauen erstmals ihr Wahlrecht, und 36 Frauen zogen als Abgeordnete in die Nationalversammlung ein, die die Weimarer Verfassung ausarbeitete.

Die jahrzehntelange Vorarbeit der Frauenbewegung traf 1918 auf ein politisches Machtvakuum nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs, in dem reformbereite Kräfte das Frauenwahlrecht kurzfristig durchsetzen konnten. Damit war Deutschland ab 1919 eine der ersten großen Demokratien mit vollem Frauenwahlrecht.

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Typische Fehler und Alltagsbezug

Ein häufiger Fehler ist die Annahme, Deutschland sei international besonders früh dran gewesen mit dem Frauenwahlrecht. Tatsächlich lag Deutschland 1918 im Mittelfeld: Neuseeland führte es schon 1893 ein, während Frankreich und die Schweiz erst deutlich später folgten.

Ein zweiter Fehler ist, das Frauenwahlrecht ausschließlich der Weimarer Verfassung von 1919 zuzuschreiben. Tatsächlich wurde es bereits am 12. November 1918, also noch vor der Verfassung, vom revolutionären Rat der Volksbeauftragten verkündet.

Im Alltag begegnet uns dieses Thema bis heute: Der 12. November erinnert in Deutschland regelmäßig an die Einführung des Frauenwahlrechts, und Debatten über die tatsächliche politische Gleichstellung von Frauen, etwa bei der Zusammensetzung von Parlamenten, knüpfen unmittelbar an diese historische Entwicklung an.

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Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 4

In welchem Jahr wurde das Frauenwahlrecht in Deutschland eingeführt?

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Das Wichtigste in Kürze

  • Im Kaiserreich hatten Frauen kein Wahlrecht und durften bis 1908 nicht einmal politischen Vereinen beitreten.
  • Seit 1894 kämpfte eine organisierte bürgerliche und sozialdemokratische Frauenbewegung für politische Mitbestimmung.
  • Am 12. November 1918 verkündete der Rat der Volksbeauftragten nach der Novemberrevolution das Frauenwahlrecht.
  • Bei der Wahl am 19. Januar 1919 zogen erstmals 36 Frauen in die Nationalversammlung ein.
  • International lag Deutschland 1918 im Mittelfeld, deutlich nach Neuseeland (1893), aber deutlich vor Frankreich (1944) und der Schweiz (1971).

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Häufige Fragen zu Frauenwahlrecht in Deutschland 1918

Wann wurde das Frauenwahlrecht in Deutschland eingeführt?
Das Frauenwahlrecht wurde am 12. November 1918 vom Rat der Volksbeauftragten verkündet, kurz nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs durch die Novemberrevolution. Die erste Wahl mit Frauenbeteiligung fand am 19. Januar 1919 statt.
Warum hatten Frauen im Kaiserreich kein Wahlrecht?
Im Kaiserreich herrschte ein Rollenbild, wonach Politik als Aufgabe der Männer galt, während Frauen auf Haushalt und Familie beschränkt sein sollten. Bis 1908 durften Frauen zudem in den meisten deutschen Ländern nicht einmal politischen Vereinen beitreten.
Wer setzte sich für das Frauenwahlrecht ein?
Wichtige Vertreterinnen waren Helene Lange und Gertrud Bäumer aus der bürgerlichen Frauenbewegung sowie Clara Zetkin aus der sozialdemokratischen Frauenbewegung. Der 1894 gegründete Bund Deutscher Frauenvereine bündelte zahlreiche Organisationen, die sich für politische Mitbestimmung von Frauen einsetzten.
Wie viele Frauen zogen 1919 ins Parlament ein?
Bei der Wahl zur Nationalversammlung am 19. Januar 1919 zogen 36 Frauen als Abgeordnete ein, das entsprach etwa 9,6 Prozent aller Sitze. Die Wahlbeteiligung der Frauen lag dabei überraschend hoch bei über 80 Prozent.
War Deutschland früh dran mit dem Frauenwahlrecht?
Deutschland lag 1918 im vorderen Mittelfeld der Industriestaaten. Neuseeland führte das Frauenwahlrecht bereits 1893 ein, Finnland 1906, während Frankreich erst 1944 und die Schweiz sogar erst 1971 folgten.
Was ist der Unterschied zwischen Novemberrevolution und Frauenwahlrecht?
Die Novemberrevolution 1918 war der Umsturz, der das Kaiserreich beendete und eine demokratische Regierung ermöglichte. Das Frauenwahlrecht war eine der ersten und wichtigsten politischen Reformen, die aus dieser Revolution unmittelbar hervorgingen.
Gab es das Frauenwahlrecht schon vor der Weimarer Verfassung?
Ja, das Frauenwahlrecht wurde bereits am 12. November 1918 verkündet, mehrere Monate bevor die Weimarer Verfassung im August 1919 in Kraft trat. Die Verfassung bestätigte das Wahlrecht später lediglich rechtlich verbindlich.
In welcher Klasse behandelt man das Frauenwahlrecht im Geschichtsunterricht?
Das Frauenwahlrecht wird meist in Klasse 9 im Rahmen der Novemberrevolution und der Entstehung der Weimarer Republik behandelt. Im Mittelpunkt stehen dabei die Vorgeschichte der Frauenbewegung sowie die politischen Folgen der Einführung 1918.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.

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