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China: Aufstieg einer Großmacht

In dieser Lektion lernst du China als geografischen und wirtschaftlichen Raum kennen. Du erfährst, warum sich die Bevölkerung fast vollständig auf den Osten des Landes konzentriert, wie China sich seit den 1970er-Jahren zur wirtschaftlichen Großmacht entwickelt hat und welche Gegensätze zwischen Küste und Landesinnerem bestehen.

  • Fach: Geografie
  • Klasse 9
  • Thema: Räume und Länder
  • Dauer: 19 Min
  • Niveau: Mittel
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China im Überblick

China ist mit rund 9,6 Millionen Quadratkilometern flächenmäßig einer der größten Staaten der Erde und liegt je nach Zählweise auf Platz drei oder vier, knapp hinter oder vor den USA. Mit über 1,4 Milliarden Menschen war China bis 2023 das bevölkerungsreichste Land der Welt, bevor Indien es überholte.

Das Land grenzt an 14 andere Staaten, mehr als jedes andere Land der Erde, von Russland im Norden über die Mongolei bis zu Indien und Vietnam im Süden. Diese riesige Ausdehnung sorgt für eine enorme naturräumliche Vielfalt, von der Wüste Gobi im Norden über das Hochland von Tibet im Westen bis zu subtropischen Regionen im Süden.

Politisch ist China eine Volksrepublik, die von der Kommunistischen Partei geführt wird, wirtschaftlich hat sich das Land seit den 1980er-Jahren aber weitgehend marktwirtschaftlich geöffnet. Diese Mischung aus straffer politischer Kontrolle und offener Wirtschaftspolitik wird oft als „sozialistische Marktwirtschaft“ bezeichnet.

MerkmalChina
Flächerund 9,6 Millionen km²
Einwohnerrund 1,41 Milliarden
HauptstadtPeking
Größte StadtShanghai
StaatsformVolksrepublik mit Einparteiensystem
WährungRenminbi (Yuan)
China in Zahlen (gerundete Werte, Bevölkerung Stand 2023)
Chinas größte Städte liegen fast alle im fruchtbaren Osten des Landes, nahe der Küste.
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Ost und West: eine geteilte Bevölkerung

Obwohl China riesig ist, lebt der weitaus größte Teil der Bevölkerung auf einem vergleichsweise kleinen Teil der Fläche. Rund 90 Prozent der Menschen leben östlich einer gedachten Linie, die von der Stadt Heihe im Nordosten bis zur Stadt Tengchong im Südwesten verläuft, die sogenannte Hu-Linie. Westlich dieser Linie, auf etwa 60 Prozent der Landesfläche, leben nur rund 10 Prozent der Bevölkerung.

Der Grund dafür liegt vor allem im Klima und in der Landschaft: Der Osten Chinas wird von großen Flüssen wie dem Jangtsekiang und dem Gelben Fluss durchzogen, die fruchtbare Schwemmlandebenen geschaffen haben. Der Westen dagegen besteht überwiegend aus Wüsten wie der Gobi und Taklamakan sowie dem Hochgebirge des tibetischen Hochlands, wo Landwirtschaft kaum möglich ist.

Diese ungleiche Verteilung führt zu einer sehr hohen Bevölkerungsdichte an der Küste, wo Städte wie Shanghai oder Guangzhou zu den am dichtesten besiedelten Großräumen der Erde zählen, während im Westen, etwa in Tibet oder Xinjiang, riesige Flächen fast menschenleer sind.

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Vom Agrarland zur Werkbank der Welt

Bis 1978 war China eine strenge Planwirtschaft, in der der Staat Landwirtschaft und Industrie zentral lenkte. Das Land war damals eines der ärmsten der Welt. Unter dem Politiker Deng Xiaoping begann danach die sogenannte Reform- und Öffnungspolitik, die ausländische Investitionen zuließ und private Unternehmen erlaubte.

Besonders wichtig waren dabei sogenannte Sonderwirtschaftszonen an der Küste, etwa in der Stadt Shenzhen, die damals ein kleines Fischerdorf war. Dort galten niedrigere Steuern und einfachere Regeln für ausländische Firmen, wodurch sich Shenzhen innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer Millionenmetropole mit moderner Industrie entwickelte.

Durch niedrige Löhne und riesige Fabriken wurde China ab den 1990er-Jahren zur „Werkbank der Welt“, in der ein großer Teil der weltweit gehandelten Elektronik, Kleidung und Spielzeuge hergestellt wird. In den letzten Jahren investiert das Land zunehmend in Hochtechnologie, erneuerbare Energien und Infrastrukturprojekte wie die „Neue Seidenstraße“.

Seit der Reform- und Öffnungspolitik ab 1978 hat sich China vom armen Agrarland zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt entwickelt.
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Beispiel: Warum liegen Chinas Großstädte an der Küste?

Erkläre anhand der Karte, warum Peking, Shanghai und Guangzhou an oder nahe der Küste liegen, während Lhasa im Landesinneren viel kleiner ist.

Gegeben:

  • Shanghai, Guangzhou und Peking liegen im Osten Chinas, nahe der Küste oder großen Flüssen
  • Lhasa liegt im Hochland von Tibet auf über 3600 Metern Höhe
  • Der Osten Chinas hat fruchtbare Flussebenen und Häfen für den Welthandel
  • Das Hochland von Tibet ist kalt, dünn besiedelt und schwer zugänglich

Gesucht:

Erklärung der ungleichen Städteverteilung

Lösung:

  1. Häfen an der Ostküste ermöglichen den Export von Waren in alle Welt, das begünstigte das Wachstum von Shanghai und Guangzhou.
  2. Fruchtbare Flussebenen entlang von Jangtsekiang und Gelbem Fluss konnten seit Jahrtausenden viele Menschen ernähren.
  3. Peking liegt zwar nicht direkt am Meer, aber in der fruchtbaren Nordchinesischen Tiefebene und ist seit Jahrhunderten Regierungssitz.
  4. Lhasa liegt dagegen in großer Höhe in einer kargen Gebirgsregion, in der Landwirtschaft und Verkehr viel schwieriger sind.

Die Großstädte Chinas konzentrieren sich dort, wo fruchtbares Land, Flüsse und Häfen zusammentreffen, also im Osten des Landes. Das dünn besiedelte Hochland von Tibet zeigt umgekehrt, wie stark Klima und Landschaft die Verteilung der Bevölkerung bestimmen.

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Typische Fehler und Alltagsbezug

Ein häufiger Fehler ist, China als flächendeckend dicht besiedeltes Land zu betrachten. Tatsächlich lebt der überwiegende Teil der Bevölkerung im Osten, während riesige Gebiete im Westen, etwa in Tibet oder der Wüste Gobi, nur sehr dünn besiedelt sind. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte Chinas sagt darüber wenig aus, weil sie stark verzerrt ist.

Ein zweiter Fehler ist die Annahme, China sei nur für billige Massenware bekannt. Zwar begann der wirtschaftliche Aufstieg mit einfacher Industrieproduktion, heute ist China aber auch bei Elektroautos, Solarzellen und Hochgeschwindigkeitszügen weltweit führend und meldet mehr Patente an als jedes andere Land.

Ein dritter Fehler ist, Chinas Wirtschaftssystem mit einer klassischen Planwirtschaft nach sowjetischem Vorbild gleichzusetzen. Seit der Reform- und Öffnungspolitik gibt es in China private Unternehmen, Aktienmärkte und internationalen Handel, gleichzeitig behält der Staat aber weiterhin eine starke Kontrolle über wichtige Wirtschaftszweige.

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Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 3

Was beschreibt die sogenannte Hu-Linie in China?

Was beschreibt die sogenannte Hu-Linie in China?
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Das Wichtigste in Kürze

  • China ist flächen- und bevölkerungsmäßig einer der größten Staaten der Erde und grenzt an 14 Länder.
  • Rund 90 Prozent der Bevölkerung leben im fruchtbaren Osten des Landes, der Westen ist dünn besiedelt.
  • Seit der Reform- und Öffnungspolitik 1978 hat sich China vom armen Agrarland zur zweitgrößten Volkswirtschaft entwickelt.
  • Sonderwirtschaftszonen wie Shenzhen zeigten, wie schnell Städte durch ausländische Investitionen wachsen können.
  • China ist heute nicht nur Werkbank für Massenware, sondern auch führend bei Zukunftstechnologien.

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Häufige Fragen zu China: Aufstieg einer Großmacht

Wie groß ist China im Vergleich zu Deutschland?
China ist mit rund 9,6 Millionen Quadratkilometern etwa 27-mal so groß wie Deutschland. Trotz dieser riesigen Fläche konzentriert sich der Großteil der über 1,4 Milliarden Einwohner auf den fruchtbaren Osten des Landes.
Warum lebt fast niemand im Westen Chinas?
Der Westen Chinas besteht überwiegend aus Wüsten wie der Gobi und Taklamakan sowie dem Hochland von Tibet mit extremer Höhe und Kälte. Landwirtschaft und Verkehr sind dort viel schwieriger als im fruchtbaren Osten mit seinen großen Flüssen, weshalb sich die Bevölkerung stark im Osten konzentriert.
Was war die Reform- und Öffnungspolitik?
Die Reform- und Öffnungspolitik begann 1978 unter Deng Xiaoping und öffnete China für ausländische Investitionen und private Unternehmen. Sie beendete die strenge Planwirtschaft und legte den Grundstein für Chinas heutigen wirtschaftlichen Aufstieg.
Was sind Sonderwirtschaftszonen?
Sonderwirtschaftszonen sind Gebiete, in denen niedrigere Steuern und einfachere Regeln für ausländische Unternehmen gelten. Die bekannteste ist Shenzhen, das von einem kleinen Fischerdorf zu einer Millionenmetropole mit moderner Industrie wurde.
Ist China noch immer bevölkerungsreichstes Land der Welt?
Nein, seit 2023 hat Indien China als bevölkerungsreichstes Land der Welt abgelöst. Chinas Bevölkerung wächst seit einigen Jahren nicht mehr, unter anderem wegen jahrzehntelanger strenger Geburtenkontrolle und sinkender Geburtenraten.
Welche Rolle spielt der Jangtsekiang für China?
Der Jangtsekiang ist mit über 6300 Kilometern der längste Fluss Asiens und durchquert wichtige Wirtschaftsregionen Chinas, darunter die Millionenstadt Shanghai an seiner Mündung. Er versorgt fruchtbare Ebenen mit Wasser und ist eine wichtige Transportroute.
In welcher Klasse behandelt man China im Erdkundeunterricht?
China wird meist in Klasse 9 als Beispiel für den wirtschaftlichen Aufstieg eines Schwellenlandes behandelt, oft im Zusammenhang mit Globalisierung und Weltwirtschaft. Dabei stehen die ungleiche Bevölkerungsverteilung und der wirtschaftliche Wandel seit 1978 im Mittelpunkt.
Was bedeutet der Begriff „Werkbank der Welt“?
Der Begriff beschreibt Chinas Rolle als wichtigster Produktionsstandort für Industriewaren wie Elektronik, Kleidung und Spielzeug, die von dort in die ganze Welt exportiert werden. Möglich wurde das durch niedrige Löhne, große Fabriken und die Öffnung für ausländische Investoren seit 1978.

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