Lesetagebuch führen: Aufbau, Beispiel und Tipps
Ein Lesetagebuch führen heißt, beim Lesen eines Buches regelmäßig aufzuschreiben, was geschieht, was du denkst und wie du die Figuren erlebst. Du hältst Handlung, Gefühle und eigene Meinung fest und gestaltest kreative Seiten dazu. In dieser Lektion lernst du, wie ein Lesetagebuch aufgebaut ist, wie du Einträge schreibst und worauf deine Lehrkraft bei der Bewertung achtet.
- Fach: Deutsch
- Klasse 6
- Thema: Texte schreiben
- Dauer: 18 Min
- Niveau: Einfach
Lesetagebuch führen: Was ein Lesetagebuch ist und wozu es dient
Ein Lesetagebuch ist ein Heft oder eine Mappe, in der du ein Buch Abschnitt für Abschnitt begleitest. Du schreibst nicht erst am Ende, wenn du schon alles halb vergessen hast, sondern während des Lesens. So merkst du dir die Handlung besser, verstehst die Figuren genauer und kannst später leichter über das Buch sprechen. Viele Lehrkräfte lassen Lesetagebücher zu einer Ganzschrift anfertigen, also zu einem Buch, das die ganze Klasse oder du allein liest.
Anders als eine Inhaltsangabe darf ein Lesetagebuch persönlich sein. Du schreibst in der Ich-Form, was dir gefällt, was dich ärgert oder was du vermutest. Trotzdem ist es keine Spielerei. Ein gutes Lesetagebuch zeigt, dass du den Text genau gelesen hast, denn deine Meinung begründest du immer mit Stellen aus dem Buch. Außerdem übst du ganz nebenbei das Zusammenfassen, das Beschreiben von Figuren und das Schreiben von kreativen Texten.
Der Aufbau ist in fast allen Klassen ähnlich. Vorne steht ein Deckblatt mit Titel, Autorin oder Autor und Verlag. Es folgen eine Seite mit Steckbriefen der wichtigsten Figuren und dann die einzelnen Einträge zu den Kapiteln. Zum Schluss schreibst du ein Fazit, in dem du das ganze Buch bewertest. Zwischendurch stehen Zeichnungen, Briefe, Gedichte oder Fortsetzungen, die zeigen, wie gut du dich in das Buch hineinversetzt hast.
Lesetagebuch führen: Zusammenfassung und eigene Meinung unterscheiden
Der wichtigste Unterschied im Lesetagebuch ist der zwischen Zusammenfassung und eigener Meinung. Beides gehört in jeden Eintrag, aber beides darf nicht vermischt werden. In der Zusammenfassung berichtest du sachlich, was passiert ist. Du schreibst im Präsens, benutzt eigene Worte und lässt Nebensächliches weg. Hier gibt es keine Gefühle und keine Bewertungen, nur die Handlung.
In der Meinung dagegen darfst du ganz persönlich werden. Du schreibst, was dich überrascht hat, ob du eine Figur sympathisch findest und wie du dich an ihrer Stelle verhalten hättest. Wichtig ist das Wort „weil“. Ein Satz wie „Das Kapitel war langweilig“ hilft niemandem. Besser ist: „Das Kapitel fand ich langweilig, weil fast nur beschrieben wird, wie Tom den Weg zur Schule geht.“ So wird deine Meinung nachvollziehbar.
Dazu kommen die kreativen Aufgaben. Sie zeigen, dass du dich in die Geschichte einfühlen kannst. Du kannst einen Brief an eine Figur schreiben, einen Tagebucheintrag aus ihrer Sicht verfassen, ein Bild malen oder eine Szene weitererzählen. Auch hier gilt: Bleibe bei dem, was im Buch steht, und erfinde nichts, das dem Text widerspricht.
Zusammenfassung
Wenn du sachlich festhältst, was in dem gelesenen Abschnitt geschieht.
Beispiele
- Lena findet im Keller eine alte Karte.
- Am Ende des Kapitels beschließt die Gruppe, die Insel zu suchen.
Signalwörter
- Du schreibst im Präsens.
- Du benutzt eigene Worte und keine Zitate.
- Du lässt Gefühle und Bewertungen weg.
Eigene Meinung
Wenn du deine Gedanken, Gefühle und Vermutungen zum Gelesenen begründet aufschreibst.
Beispiele
- Ich finde Lena mutig, weil sie allein in den Keller geht.
- Ich vermute, dass der Fremde nicht die Wahrheit sagt.
Signalwörter
- Du schreibst in der Ich-Form.
- Du begründest mit weil, denn oder da.
- Du beziehst dich auf eine Stelle im Buch.
| Baustein | Inhalt | Umfang |
|---|---|---|
| Deckblatt | Titel, Autor, Verlag, Gestaltung | 1 Seite |
| Figurensteckbrief | Name, Alter, Aussehen, Eigenschaften | je Figur eine halbe Seite |
| Kapiteleintrag | Zusammenfassung und Meinung | 5 bis 10 Sätze |
| Kreative Aufgabe | Brief, Bild, Gedicht, Fortsetzung | nach Wahl |
| Fazit | Gesamtbewertung und Empfehlung | 10 bis 15 Sätze |
Lesetagebuch führen: Musterseite zu einem Kapitel
Schreibe einen Eintrag zu Kapitel 3 des erfundenen Jugendbuchs „Das Geheimnis der Leuchtturminsel“. In dem Kapitel findet Lena eine Karte und hört nachts ein Geräusch im Turm.
Gegeben:
- Buch: erfundenes Beispiel, Kapitel 3
- Bausteine: Zusammenfassung, Meinung, kreative Aufgabe
- Vorgaben: Präsens, eigene Worte, Meinung begründen
Gesucht:
Ein vollständiger Eintrag mit Zusammenfassung, Meinung und kreativer AufgabeLösung:
- Zusammenfassung: Lena entdeckt auf dem Dachboden eine alte Karte, auf der ein Kreuz neben dem Leuchtturm eingezeichnet ist. In der Nacht hört sie ein Klopfen im Turm. Sie weckt ihren Bruder Jonas, doch er glaubt ihr nicht.
- Meinung: Ich finde Lena mutig, weil sie dem Geräusch nachgehen will, obwohl sie Angst hat. Jonas finde ich ungerecht, denn er hört ihr gar nicht richtig zu. Ich vermute, dass das Kreuz auf der Karte etwas mit dem Klopfen zu tun hat.
- Kreative Aufgabe: Schreibe einen kurzen Brief an Lena. Zum Beispiel: Liebe Lena, ich würde an deiner Stelle zuerst die Karte genau untersuchen und dann bei Tageslicht in den Turm gehen. Pass auf dich auf.
- Prüfung: Steht die Zusammenfassung im Präsens? Habe ich die Meinung mit „weil“ oder „denn“ begründet? Passt die kreative Aufgabe zur Handlung des Kapitels?
Der Eintrag besteht aus einer kurzen sachlichen Zusammenfassung, einer begründeten Meinung und einer kreativen Aufgabe, die zum Kapitel passt. Jeder Teil hat eine eigene Aufgabe und bleibt von den anderen getrennt.
Typische Fehler: Beim Lesetagebuch führen vermeiden
Der häufigste Fehler ist, ganze Kapitel nachzuerzählen. Wer zehn Sätze für drei Seiten Handlung braucht, hat nicht zusammengefasst, sondern abgeschrieben. Eine gute Zusammenfassung umfasst nur die wichtigsten Ereignisse. Frage dich bei jedem Satz: Würde die Handlung ohne ihn noch verständlich sein? Wenn ja, lass ihn weg.
Der zweite Fehler ist die Zeitform. Zusammenfassungen schreibst du im Präsens, auch wenn das Buch im Präteritum erzählt. Statt „Lena fand die Karte“ schreibst du „Lena findet die Karte“. Nur wenn etwas vor dem Geschehen im Kapitel passiert ist, benutzt du das Perfekt, zum Beispiel „Sie hat die Karte schon vorher gesehen“.
Der dritte Fehler sind Meinungen ohne Begründung. Sätze wie „Das Buch ist toll“ oder „Das Kapitel war doof“ sagen nichts. Erkläre, was dir gefallen hat, und nenne eine Stelle. Ein vierter Fehler ist die Unordnung: Wer Einträge ohne Datum, Seitenzahl und Überschrift sammelt, findet später nichts mehr wieder. Schreibe über jeden Eintrag das Datum, das Kapitel und die gelesenen Seiten.
Tipps für die Klassenarbeit: Lesetagebuch führen und bewertet bekommen
Lesetagebücher werden oft benotet. Lehrkräfte achten dabei auf mehrere Dinge: Ist das Heft vollständig? Stimmen Zusammenfassungen mit dem Buch überein? Sind die Meinungen begründet? Sind die kreativen Aufgaben mit Liebe gemacht? Und stimmt die Rechtschreibung? Frage deshalb am Anfang nach den Bewertungskriterien, damit du weißt, worauf es ankommt.
Teile dir die Arbeit ein. Lies nie mehr als zwei oder drei Kapitel am Stück und schreibe sofort danach den Eintrag. Wer alles am Ende nachholt, schreibt flach und vergisst Einzelheiten. Lege einen Zeitplan fest, etwa zwei Kapitel pro Woche, und hake ab, was du erledigt hast. Plane außerdem Zeit für das Fazit ein, denn es zählt oft besonders stark.
Gestalte dein Lesetagebuch sauber, aber nicht überladen. Eine ordentliche Handschrift, Überschriften und ein einheitlicher Aufbau wirken stärker als viele bunte Bilder. Lies jeden Eintrag vor dem Abgeben noch einmal laut. Dann fallen dir fehlende Wörter und Rechtschreibfehler auf. Wenn du ein Wort nicht sicher weißt, schlage es nach.
Jetzt bist du dran
In welcher Zeitform schreibst du die Zusammenfassung im Lesetagebuch?
Noch nicht. Zusammenfassungen stehen im Präsens, auch wenn das Buch in der Vergangenheit erzählt. So wirkt der Text sachlich und einheitlich.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Lesetagebuch begleitet ein Buch Abschnitt für Abschnitt und besteht aus Deckblatt, Steckbriefen, Einträgen, kreativen Aufgaben und Fazit.
- Jeder Eintrag trennt Zusammenfassung und Meinung. Die Zusammenfassung steht im Präsens und bleibt sachlich.
- Meinungen begründest du immer, am besten mit „weil“ und einer Stelle aus dem Buch.
- Kreative Aufgaben müssen zur Handlung passen und dem Text nicht widersprechen.
- Schreibe nach jedem Abschnitt, mit Datum und Überschrift, und lies am Ende alles auf Fehler durch.
Lektion abschließen
Schließe alle Aufgaben ab, um diese Lektion zu beenden.
Häufige Fragen zu Lesetagebuch führen: Aufbau, Beispiel und Tipps
- Was ist ein Lesetagebuch?
- Ein Lesetagebuch ist ein Heft oder eine Mappe, in der du beim Lesen eines Buches regelmäßig Einträge schreibst. Du fasst Abschnitte zusammen, beschreibst Figuren, notierst deine Meinung und bearbeitest kreative Aufgaben. So behältst du den Überblick über das Buch.
- Wie führe ich ein Lesetagebuch?
- Lies einen Abschnitt, notiere Stichpunkte, fasse im Präsens zusammen und schreibe deine begründete Meinung auf. Ergänze Figurensteckbriefe und kreative Aufgaben. Gib jedem Eintrag Datum, Kapitel und Seitenzahlen. Zum Schluss schreibst du ein Fazit über das ganze Buch.
- Was gehört in ein Lesetagebuch?
- Ein Deckblatt, Steckbriefe der wichtigsten Figuren, Einträge zu einzelnen Kapiteln mit Zusammenfassung und Meinung, kreative Aufgaben wie Briefe oder Bilder sowie ein Fazit. Manche Lehrkräfte verlangen zusätzlich ein Inhaltsverzeichnis und eine Leseliste.
- Wie fange ich ein Lesetagebuch an?
- Beginne mit dem Deckblatt: Titel, Autorin oder Autor, Verlag und ein passendes Bild. Danach schreibst du auf, warum du das Buch lesen willst, was du vom Titel und Cover erwartest und wann du anfängst. Diese ersten Gedanken kannst du am Ende mit deinem Fazit vergleichen.
- Wie lang soll ein Eintrag im Lesetagebuch sein?
- Ein Kapiteleintrag umfasst meist fünf bis zehn Sätze für die Zusammenfassung und drei bis fünf Sätze für die Meinung. Das Fazit ist länger. Entscheidend ist, dass du die wichtigsten Ereignisse knapp zusammenfasst und deine Meinung begründest.
- Was ist der Unterschied zwischen Lesetagebuch und Inhaltsangabe?
- Die Inhaltsangabe ist ein sachlicher Text über den ganzen Inhalt eines Werkes ohne eigene Meinung. Das Lesetagebuch begleitet das Lesen, enthält persönliche Gedanken, Gefühle und kreative Aufgaben. Die Zusammenfassung im Lesetagebuch ähnelt der Inhaltsangabe, bleibt aber auf einen Abschnitt beschränkt.
- Welche kreativen Aufgaben passen in ein Lesetagebuch?
- Du kannst einen Brief an eine Figur schreiben, einen Tagebucheintrag aus ihrer Sicht verfassen, eine Szene zeichnen, ein Gedicht zur Stimmung schreiben oder das Ende fortsetzen. Wichtig ist, dass die Aufgabe zur Handlung passt und zeigt, dass du den Text genau gelesen hast.
- Wird ein Lesetagebuch benotet?
- Oft ja. Lehrkräfte bewerten Vollständigkeit, inhaltliche Richtigkeit der Zusammenfassungen, begründete Meinungen, Kreativität, Sauberkeit und Rechtschreibung. Frage zu Beginn nach den Kriterien, damit du gezielt arbeiten kannst und nichts Wichtiges vergisst.
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