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Eine Charakterisierung schreiben

Eine Charakterisierung beschreibt eine literarische Figur genau und belegt jede Aussage mit dem Text. In dieser Lektion lernst du den Aufbau und die Quellen, aus denen du Merkmale einer Figur gewinnst.

  • Fach: Deutsch
  • Klasse 8
  • Thema: Texte schreiben
  • Dauer: 17 Min
  • Niveau: Mittel
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Was eine Charakterisierung leisten soll

Eine Charakterisierung beschreibt eine literarische Figur systematisch: ihr Aussehen, ihren Charakter, ihr Verhalten und ihre Beziehungen zu anderen Figuren. Anders als eine bloße Nacherzählung geht es dabei nicht darum, was die Figur erlebt, sondern wer sie ist und wie sich das im Text zeigt.

Jede Aussage in einer Charakterisierung muss durch eine Textstelle belegt werden, sonst bleibt sie eine bloße Behauptung. Schreibst du „Klara ist mutig“, brauchst du eine Szene oder ein Zitat, das dieses Verhalten zeigt, etwa eine Situation, in der sie trotz Angst handelt.

Ein typischer Fehler ist, die Handlung des Werkes nachzuerzählen statt die Figur zu analysieren. Eine Charakterisierung fragt nicht „Was passiert?“, sondern „Was sagt dieses Verhalten über die Figur aus?“. Diese Verschiebung vom Erzählen zum Deuten ist der Kern der Aufgabe.

So baust du eine Charakterisierung von der Einleitung bis zur Deutung auf.
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Direkte oder indirekte Charakterisierung?

Merkmale einer Figur werden im Text auf zwei unterschiedliche Arten vermittelt. Manchmal beschreibt der Erzähler die Figur direkt, manchmal muss der Leser den Charakter erst aus Handlungen und Aussagen erschließen.

Direkte Charakterisierung

Der Erzähler beschreibt die Figur unmittelbar mit wertenden Adjektiven.

Beispiele

  • „Sie war eine mutige junge Frau.“
  • „Er galt als geizig und misstrauisch.“
  • eine ausdrückliche Beschreibung im Erzählertext

Signalwörter

  • wertende Adjektive im Erzählertext
  • Aussage stammt direkt vom Erzähler
  • kommt seltener vor als die indirekte Form
  • muss trotzdem mit dem übrigen Text abgeglichen werden

Indirekte Charakterisierung

Der Charakter wird durch Handlungen, Sprache oder das Urteil anderer Figuren erschlossen.

Beispiele

  • Handlung: Sie rettet trotz eigener Angst ein Kind.
  • Sprache: kurze, schroffe Sätze zeigen Ungeduld.
  • Fremdurteil: „Er ist doch immer so vorsichtig“, sagt Tom.

Signalwörter

  • Handlungen der Figur deuten
  • Sprachstil und Wortwahl beachten
  • Aussagen anderer Figuren über sie
  • häufigste Form der Charakterisierung in Romanen
MerkmalDirektIndirekt
QuelleErzählerkommentarHandlung, Sprache, Fremdurteil
Deutlichkeiteindeutig benanntmuss erschlossen werden
Häufigkeitseltenerhäufiger
Beispiel„Er war stolz.“Er weigert sich, um Hilfe zu bitten.
Direkte und indirekte Charakterisierung im Vergleich
Diese vier Quellen im Text liefern die Merkmale für eine Charakterisierung.
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Eine Textstelle für die Charakterisierung auswerten

Bestimme, welches Merkmal die folgende Textstelle über die Figur Marie zeigt.

Gegeben:

  • Marie schwieg, obwohl sie genau wusste, dass der Vorwurf ungerecht war. Erst als alle den Raum verlassen hatten, flüsterte sie leise: „Das war doch nicht meine Schuld.“

Gesucht:

Charaktermerkmal und Beleg

Lösung:

  1. Handlung beschreiben: Marie widerspricht nicht öffentlich, sondern erst, als niemand mehr zuhört.
  2. Merkmal ableiten: Dieses Verhalten deutet auf Zurückhaltung und Konfliktscheu hin.
  3. Beleg sichern: Das Zitat „Das war doch nicht meine Schuld“ zeigt, dass Marie innerlich widerspricht, sich aber nicht traut, dies offen zu sagen.
  4. Einordnen: Es handelt sich um indirekte Charakterisierung, da der Erzähler das Merkmal nicht benennt, sondern es aus dem Verhalten erschlossen werden muss.

Die Textstelle zeigt Marie als zurückhaltend und konfliktscheu: Sie widerspricht dem Vorwurf zwar innerlich, traut sich aber erst zu sprechen, als niemand mehr zuhört. Beleg dafür ist ihr leises Flüstern nach dem Verlassen der anderen Personen.

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Typische Fehler

Der häufigste Fehler ist eine Charakterisierung ohne Belege, in der Merkmale nur behauptet werden. Jede Aussage über die Figur muss mit einem Zitat oder einem konkreten Verweis auf eine Textstelle gestützt werden.

Ein zweiter Fehler ist die falsche Zeitform: Eine Charakterisierung steht im Präsens, weil sie den Text so behandelt, als würde er beim Lesen gerade geschehen. „Klara ist mutig“ ist richtig, „Klara war mutig“ ist im literarischen Präsens falsch.

Ein dritter Fehler ist das Nacherzählen der Handlung statt der Analyse der Figur. Beschreibe nicht, was geschieht, sondern was das Verhalten der Figur über ihren Charakter aussagt.

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Tipps für die Klassenarbeit

Sammle vor dem Schreiben Stichworte zu den vier Quellen: Erzählerkommentar, eigene Worte der Figur, Handlungen und Fremdurteile anderer Figuren. So findest du systematisch Belege, statt Merkmale spontan zu erfinden.

Ordne deine Charakterisierung vom Äußeren zum Inneren: erst Aussehen und Herkunft, dann Charakterzüge und Verhalten, zum Schluss die Deutung der Funktion für die Handlung. Diese Reihenfolge macht den Text nachvollziehbar und vollständig.

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Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 3

In welcher Zeitform wird eine Charakterisierung geschrieben?

In welcher Zeitform wird eine Charakterisierung geschrieben?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Charakterisierung beschreibt Aussehen, Charakter, Verhalten und Beziehungen einer Figur.
  • Jede Aussage muss durch ein Zitat oder eine Textstelle belegt werden.
  • Direkte Charakterisierung benennt Merkmale, indirekte muss aus Handlung und Sprache erschlossen werden.
  • Charakterisierungen stehen im literarischen Präsens.
  • Typischer Fehler: Nacherzählen der Handlung statt Deuten des Charakters.

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Häufige Fragen zu Eine Charakterisierung schreiben

Was ist eine Charakterisierung einfach erklärt?
Eine Charakterisierung beschreibt eine literarische Figur systematisch nach Aussehen, Charakter, Verhalten und Beziehungen zu anderen Figuren. Jede Aussage wird dabei mit einem Zitat oder einer konkreten Textstelle belegt, damit sie nachvollziehbar und nicht nur behauptet ist.
Was ist der Unterschied zwischen direkter und indirekter Charakterisierung?
Bei der direkten Charakterisierung beschreibt der Erzähler die Figur unmittelbar, etwa mit „Er war geizig“. Bei der indirekten Charakterisierung muss der Charakter aus Handlungen, Sprache oder dem Urteil anderer Figuren erschlossen werden, was in modernen Romanen deutlich häufiger vorkommt.
In welcher Zeitform schreibt man eine Charakterisierung?
Eine Charakterisierung steht im literarischen Präsens, auch wenn die Handlung des Werkes in der Vergangenheit spielt. Das gilt für alle Textanalysen literarischer Werke, weil der Text beim Lesen behandelt wird, als würde er gerade geschehen.
Wie finde ich Merkmale für eine Charakterisierung?
Achte auf vier Quellen im Text: Beschreibungen des Erzählers, die eigenen Worte der Figur, ihre Handlungen sowie das Urteil anderer Figuren über sie. Aus diesen vier Bereichen lassen sich fast alle Charaktermerkmale ableiten und belegen.
Was gehört in die Einleitung einer Charakterisierung?
Die Einleitung nennt Werk, Autor, die zu charakterisierende Figur und kurz ihre Rolle in der Handlung. Sie sollte knapp sein und direkt zur eigentlichen Beschreibung der Figur überleiten, ohne die Handlung ausführlich vorwegzunehmen.
Was ist der Unterschied zwischen Charakterisierung und Personenbeschreibung?
Eine Personenbeschreibung schildert meist nur das äußere Erscheinungsbild einer Person. Eine Charakterisierung geht deutlich weiter und untersucht zusätzlich Charakterzüge, Denkweise, Verhalten und Beziehungen anhand konkreter Textbelege.
In welcher Klasse behandelt man das Charakterisieren?
Charakterisierungen werden meist ab Klasse 7 oder 8 eingeführt, oft im Zusammenhang mit der Analyse von Kurzgeschichten oder Romanen. In höheren Klassen werden Charakterisierungen mit weiteren Analysemethoden verbunden, etwa der Untersuchung von Erzählperspektiven.
Wie schließe ich eine Charakterisierung ab?
Am Ende deutest du die Funktion der Figur für die gesamte Handlung, etwa ob sie als Gegenspieler, Vorbild oder Vermittler dient. Diese abschließende Deutung verbindet die einzelnen Merkmale zu einem Gesamtbild und zeigt, warum die Figur für das Werk wichtig ist.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.