Einen Bericht schreiben
Ein Bericht sagt nüchtern, was passiert ist – ohne Spannung, ohne Meinung. In dieser Lektion lernst du, welche sieben W-Fragen ein Bericht beantworten muss, wie du Einleitung, Hauptteil und Schluss aufbaust und warum du im Präteritum schreibst.
- Fach: Deutsch
- Klasse 6
- Thema: Texte schreiben
- Dauer: 14 Min
- Niveau: Einfach
Wozu man Berichte schreibt
Ein Bericht hat eine einzige Aufgabe: Jemand, der nicht dabei war, soll hinterher genau wissen, was passiert ist. Deshalb steht im Bericht nur, was man beobachten konnte – keine Vermutungen, keine Gefühle, keine Wertungen. Zeitungsmeldungen, Unfallberichte, Praktikumsberichte und Protokolle funktionieren alle nach diesem Muster. Wer einen Bericht liest, will Fakten, und zwar schnell.
Damit nichts fehlt, arbeitest du die sieben W-Fragen ab: Wer? Was? Wann? Wo? Wie? Warum? Welche Folgen? Wenn du alle sieben beantwortet hast, ist dein Bericht vollständig. Die wichtigsten Angaben kommen nach vorn, die Einzelheiten danach – so erfährt der Leser schon im ersten Satz, worum es überhaupt geht.
Der häufigste Fehler: Schüler erzählen statt zu berichten. Sätze wie „Plötzlich krachte es furchtbar“ oder „Zum Glück kam schnell Hilfe“ gehören in eine Erzählung, nicht in einen Bericht. Schreibe stattdessen sachlich: „Um 7.45 Uhr stießen zwei Fahrräder zusammen. Ein Passant rief den Notarzt.“ Auch wörtliche Rede fällt weg – du gibst sie in indirekter Rede wieder.
Tipp für die Klassenarbeit: Leg dir vor dem Schreiben eine Tabelle mit den sieben W-Fragen an und trage die Antworten in Stichworten ein. Beim Schreiben kontrollierst du dann nur noch, ob jede Zeile im Text vorkommt. Achte außerdem auf genaue Angaben: Statt „neulich nachmittags“ schreibst du „am Dienstag, dem 12. März, gegen 15:30 Uhr“. Wörtliche Rede ersetzt du durch indirekte Rede oder eine knappe Zusammenfassung, denn im Bericht zählt nur, was gesagt wurde, nicht wie.
Bericht oder Erzählung?
Beide Textsorten erzählen von einem Ereignis, haben aber gegensätzliche Ziele. Die Erzählung will unterhalten und Spannung aufbauen, der Bericht will informieren. Daran hängt alles Weitere: Zeitform, Wortwahl, Reihenfolge.
Prüfe deinen Text am Ende mit einer einfachen Frage: Könnte der Satz so in der Zeitung stehen? Wenn nicht, ist er zu spannend oder zu persönlich für einen Bericht.
Ein weiteres Beispiel verdeutlicht den Unterschied: „Der Ball flog wie in Zeitlupe auf das Tor zu, und die ganze Halle hielt den Atem an“ ist eine Erzählung. „In der 34. Minute erzielte die Mannschaft das entscheidende Tor“ ist ein Bericht über dasselbe Ereignis.
Bericht
Du sollst sachlich informieren. Der Leser war nicht dabei und braucht die Fakten in der richtigen Reihenfolge.
Beispiele
- Am Montag, dem 5. Mai, stürzte eine Schülerin auf dem Schulhof.
- Die Lehrkraft verständigte um 10.15 Uhr den Rettungsdienst.
- Der Schüler gab an, er habe das Fahrrad nicht gesehen.
Signalwörter
- Präteritum (stürzte, rief, kam)
- sachliche Wortwahl, keine Adjektive wie „furchtbar“
- genaue Zeit- und Ortsangaben
- indirekte Rede
- keine Ich-Perspektive, keine Meinung
Erzählung
Du sollst unterhalten. Der Leser soll mitfühlen und wissen wollen, wie es weitergeht.
Beispiele
- Plötzlich rutscht Mia aus und schlägt hart auf dem Asphalt auf.
- Mein Herz klopfte bis zum Hals.
- „Ruft einen Arzt“, schrie jemand hinter mir.
Signalwörter
- Präsens oder Präteritum mit Spannungsbogen
- anschauliche Adjektive und Verben
- Gedanken und Gefühle
- wörtliche Rede
- Höhepunkt kurz vor dem Schluss
| Textteil | W-Fragen |
|---|---|
| Einleitung | Wer? Was? Wann? Wo? |
| Hauptteil | Wie? Warum? |
| Schluss | Welche Folgen? |
Aus Notizen wird ein Bericht
Du hast nur Stichpunkte von einem Vorfall. Schreibe daraus die Einleitung und den Anfang des Hauptteils.
Gegeben:
- Notizen: Dienstag, 12. März, 7.50 Uhr, Bushaltestelle Ringstraße
- zwei Radfahrer gestoßen, einer am Knie verletzt
- Busfahrerin hat Erste Hilfe geleistet, Rettungswagen um 8.05 Uhr
Gesucht:
Bericht in Einleitung und HauptteilLösung:
- Einleitung: Wer, was, wann, wo in einen einzigen Satz packen – „Am Dienstag, dem 12. März, stießen um 7.50 Uhr an der Bushaltestelle Ringstraße zwei Radfahrer zusammen.“
- Hauptteil: Wie? In der Reihenfolge des Geschehens ergänzen – „Beide fuhren aus entgegengesetzter Richtung auf den Radweg ein. Ein 14-jähriger Schüler verletzte sich am Knie.“
- Hauptteil: Warum? Ursache nennen, ohne zu vermuten – „Nach Angaben der Beteiligten war die Sicht durch einen parkenden Lieferwagen versperrt.“
- Schluss: Welche Folgen? – „Die Busfahrerin leistete Erste Hilfe. Um 8.05 Uhr brachte ein Rettungswagen den Schüler ins Krankenhaus.“
Alle sieben W-Fragen sind beantwortet, der Text steht im Präteritum und enthält keine Wertung. Vergleiche: „Gott sei Dank war die Busfahrerin da“ wäre eine Meinung und müsste gestrichen werden.
Typische Fehler beim Bericht schreiben
Der häufigste Fehler ist es, statt zu berichten zu erzählen. Wörter wie „plötzlich“, „zum Glück“ oder „furchtbar“ werten das Geschehen und erzeugen Spannung – beides hat im Bericht nichts verloren. Prüfe jeden Satz: Steht dort nur eine überprüfbare Tatsache, oder schwingt eine Gefühlsregung mit?
Ein zweiter Fehler ist wörtliche Rede im Bericht. „Ruft einen Arzt“, schrie jemand“ gehört in eine Erzählung. Im Bericht gibst du das Gesagte indirekt wieder: „Ein Zeuge forderte, einen Arzt zu rufen.“ Die indirekte Rede wirkt sachlicher und lässt sich leichter mit dem Konjunktiv I verbinden.
Ein dritter Fehler sind ungenaue Angaben. „Neulich“, „irgendwann am Nachmittag“ oder „in der Nähe der Schule“ reichen für einen Bericht nicht aus. Notiere dir vor dem Schreiben exakte Angaben zu Datum, Uhrzeit und Ort, denn genau das unterscheidet den Bericht von einer vagen Schilderung.
Tipps für die Klassenarbeit
Lies dir die Aufgabenstellung und die Notizen genau durch, bevor du zu schreiben beginnst, und markiere darin die Antworten auf die sieben W-Fragen mit unterschiedlichen Farben oder Symbolen. So siehst du sofort, welche Angabe noch fehlt, bevor du überhaupt den ersten Satz schreibst.
Schreibe kurze, klare Sätze mit maximal einer Information pro Satz. Verzichte auf Füllwörter wie „eigentlich“, „irgendwie“ oder „total“, die in sachlichen Texten nichts verloren haben. Kontrolliere am Ende noch einmal, ob du durchgehend im Präteritum geschrieben hast.
Wenn eine Aufgabe verlangt, einen Vorfall aus Stichpunkten zu berichten, ordne die Stichpunkte zuerst nach den sieben W-Fragen und erst danach nach der zeitlichen Reihenfolge. So verhinderst du, dass wichtige Angaben wie der Ort oder die Folgen im Text fehlen.
Jetzt bist du dran!
Welcher Satz passt in einen Bericht?
Noch nicht. Nur dieser Satz nennt sachlich Zeit, Ort und Vorgang. Die anderen drei enthalten Gefühle, eine Wertung oder wörtliche Rede – das gehört in eine Erzählung.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Bericht informiert sachlich: keine Gefühle, keine Wertung, keine Spannung.
- Aufbau: Einleitung mit Wer, Was, Wann, Wo – Hauptteil mit Wie und Warum – Schluss mit den Folgen.
- Zeitform ist das Präteritum, Vorzeitiges steht im Plusquamperfekt.
- Wörtliche Rede wird zu indirekter Rede.
- Typischer Fehler: erzählen statt berichten – Wörter wie „plötzlich“ oder „zum Glück“ streichen.
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Häufige Fragen zu Einen Bericht schreiben
- Welche Zeitform hat ein Bericht?
- Ein Bericht steht im Präteritum, also in der einfachen Vergangenheit: „Der Radfahrer bog in die Straße ein und stieß mit einem Auto zusammen.“ Das Ereignis ist bereits vorbei, deshalb erzählst du es in der Vergangenheit. Für Dinge, die vor dem Ereignis geschahen, nutzt du das Plusquamperfekt: „Der Fahrer hatte das Stoppschild übersehen.“ Das Präsens ist für den Bericht nicht geeignet.
- Was sind die W-Fragen beim Bericht?
- Die sieben W-Fragen lauten: Wer war beteiligt? Was ist passiert? Wann geschah es? Wo geschah es? Wie lief es ab? Warum ist es passiert? Welche Folgen hatte es? Die ersten vier gehören in die Einleitung, weil der Leser sie sofort wissen muss. Im Hauptteil beantwortest du „Wie“ und „Warum“, im Schluss nennst du die Folgen.
- Wie ist ein Bericht aufgebaut?
- Ein Bericht besteht aus Überschrift, Einleitung, Hauptteil und Schluss. Die Einleitung beantwortet in ein bis zwei Sätzen, wer, was, wann und wo. Der Hauptteil schildert den Ablauf in der richtigen zeitlichen Reihenfolge und nennt die Ursachen. Der Schluss beschreibt die Folgen, zum Beispiel Verletzungen, Schäden oder was danach unternommen wurde. Die Überschrift fasst das Ereignis knapp und sachlich zusammen.
- Was ist der Unterschied zwischen Bericht und Erzählung?
- Der Bericht informiert, die Erzählung unterhält. Deshalb ist der Bericht sachlich, knapp und ohne Gefühle geschrieben, während die Erzählung Spannung aufbaut, wörtliche Rede nutzt und Gedanken der Figuren zeigt. Beide stehen meist im Präteritum. Wörter wie „plötzlich“, „zum Glück“ oder „schrecklich“ passen zur Erzählung, im Bericht haben sie nichts zu suchen, weil sie werten oder Spannung erzeugen sollen.
- Wie schreibt man einen Unfallbericht?
- Ein Unfallbericht folgt demselben Aufbau wie jeder andere Bericht: Einleitung mit Wer, Was, Wann, Wo, Hauptteil mit dem genauen Ablauf und der Ursache, Schluss mit den Folgen wie Verletzungen oder Sachschäden. Wichtig ist besonders die genaue Zeitangabe, weil Unfallberichte oft für Versicherungen oder die Polizei genutzt werden. Vermutungen zur Schuldfrage gehören nicht hinein, nur beobachtbare Fakten und Aussagen der Beteiligten in indirekter Rede.
- Darf man im Bericht die Ich-Form benutzen?
- In der Regel nicht. Ein Bericht schildert ein Ereignis aus einer neutralen, beobachtenden Perspektive, auch wenn der Schreiber selbst dabei war. Statt „Ich sah, wie das Fahrrad umkippte“ schreibst du „Ein Fahrrad kippte um“. Nur bestimmte Sonderformen wie ein persönlicher Praktikumsbericht erlauben die Ich-Form, weil dort ausdrücklich deine eigenen Erfahrungen gefragt sind – prüfe das immer anhand der Aufgabenstellung.
Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.
Das solltest du vorher können
- Präteritum bilden
- Sachlich formulierenin Arbeit
Das kommt als Nächstes
- Die Inhaltsangabe
- Protokoll schreibenin Arbeit