Nernst-Gleichung: Formel, Berechnung und Beispiele
Die Nernst-Gleichung berechnet das Elektrodenpotential einer Halbzelle für beliebige Konzentrationen, wenn nur das Standardpotential für 1 mol/L bekannt ist. In dieser Lektion lernst du die Formel samt Konstanten kennen, rechnest Potentiale und Zellspannungen Schritt für Schritt aus und verstehst, warum eine Batterie mit der Zeit schwächer wird und wie die pH-Messung funktioniert.
- Fach: Chemie
- Klasse 12
- Thema: Chemische Reaktionen
- Dauer: 20 Min
- Niveau: Schwer
Nernst-Gleichung: Wozu man sie braucht
In der Spannungsreihe stehen Standardpotentiale. Sie gelten nur unter Standardbedingungen: 25 Grad Celsius und Konzentrationen von 1 mol/L. In der Praxis sind die Lösungen aber fast nie genau so konzentriert, zum Beispiel wenn eine Batterie entladen wird oder eine Lösung verdünnt ist. Dann stimmt das Potential nicht mehr mit dem Tabellenwert überein.
Die Nernst-Gleichung, benannt nach dem Chemiker Walther Nernst, schließt diese Lücke. Sie beschreibt, wie das Potential von der Konzentration der beteiligten Teilchen abhängt. Je mehr oxidierte Teilchen (Ox) in der Lösung sind, desto höher ist das Potential, je mehr reduzierte Teilchen (Red), desto niedriger. Der Zusammenhang ist logarithmisch: Eine Verzehnfachung der Konzentration verschiebt das Potential immer um denselben Betrag.
Damit kannst du auch erklären, warum die Spannung einer Batterie beim Entladen sinkt. Die Konzentrationen der Reaktionspartner verändern sich, das Potential der einen Halbzelle sinkt, das der anderen steigt. Ist die Spannung null, sind beide Halbzellen im Gleichgewicht, und die Batterie ist leer.
Nernst-Gleichung: Formel und Konstanten
Die allgemeine Form lautet: E = E0 + (R · T) / (z · F) · ln Q. Dabei ist E das Potential der Halbzelle, E0 das Standardpotential, R die allgemeine Gaskonstante mit 8,314 J/(mol · K), T die Temperatur in Kelvin, z die Zahl der übertragenen Elektronen und F die Faraday-Konstante mit 96485 C/mol. Q ist der Quotient aus den Konzentrationen: c(Ox) geteilt durch c(Red).
Bei 25 Grad Celsius, also 298 K, fasst man die Konstanten zusammen. Der Faktor R · T / F ergibt 0,02569 V. Weil man in der Schule mit dem dekadischen Logarithmus rechnet, multipliziert man mit ln 10, also 2,303. Das ergibt 0,0592 V. So entsteht die Schulform: E = E0 + (0,0592 V / z) · lg Q.
Bei einer Metallhalbzelle ist das feste Metall das reduzierte Teilchen. Reine Feststoffe zählen nicht in den Quotienten, ihre Konzentration setzt man gleich 1. Dann gilt für Metalle: E = E0 + (0,0592 V / z) · lg c(Mez+). Bei der Zinkhalbzelle ist z gleich 2, bei Silber gleich 1, bei Aluminium gleich 3.
| Größe | Wert oder Bedeutung | Einheit |
|---|---|---|
| R | 8,314 (allgemeine Gaskonstante) | J/(mol · K) |
| F | 96485 (Faraday-Konstante) | C/mol |
| T | 298 (Standardtemperatur, 25 Grad Celsius) | K |
| z | Zahl der übertragenen Elektronen | ohne Einheit |
| R · T / F · ln 10 | 0,0592 bei 25 Grad Celsius | V |
Nernst-Gleichung: Berechnen Schritt für Schritt
Zum Berechnen gehst du in fünf Schritten vor. Zuerst notierst du die Halbreaktion in der Form Ox + z e- gleich Red, zum Beispiel Cu2+ + 2 e- gleich Cu. Dann liest du das Standardpotential aus der Spannungsreihe ab. Danach bestimmst du z, die Zahl der Elektronen in der Halbreaktion, und stellst den Quotienten Q aus den Konzentrationen auf. Zuletzt setzt du alles ein und rechnest.
Für eine ganze Zelle berechnest du beide Halbzellen getrennt und bildest die Differenz. Die Zellspannung ist ΔE gleich E(Pluspol) minus E(Minuspol). Der Pluspol ist die Halbzelle mit dem höheren Potential, dort läuft die Reduktion ab. Alternativ stellst du die Gesamtreaktion auf und nimmst für Q das Verhältnis aus Produkt- zu Eduktkonzentration, etwa c(Zn2+) durch c(Cu2+) beim Daniell-Element.
Schreibe immer die Einheiten mit und runde sinnvoll auf zwei bis drei Nachkommastellen. Prüfe das Ergebnis auf Plausibilität: Wird eine Lösung verdünnt, muss das Potential der Metallhalbzelle sinken, bei höherer Konzentration steigt es.
| Halbreaktion | E0 in V | z |
|---|---|---|
| Zn2+ + 2 e- gleich Zn | -0,76 | 2 |
| 2 H+ + 2 e- gleich H2 | 0,00 | 2 |
| Cu2+ + 2 e- gleich Cu | +0,34 | 2 |
| Fe3+ + e- gleich Fe2+ | +0,77 | 1 |
| Ag+ + e- gleich Ag | +0,80 | 1 |
Beispiel 1: Nernst-Gleichung bei verdünnter Kupfer-Halbzelle
Berechne das Potential einer Kupferelektrode, die in eine Kupfersulfat-Lösung mit c(Cu2+) = 0,01 mol/L taucht.
Gegeben:
- E0(Cu2+Cu)+0,34 V
- z2
- c(Cu2+)0,01 molL
Gesucht:
Potential ELösung:
- Halbreaktion: Cu2+ + 2 e- gleich Cu. Das feste Kupfer zählt nicht in den Quotienten, also ist Q gleich c(Cu2+) = 0,01.
- Logarithmus: lg 0,01-2.
- Einsetzen: E0,34 V + (0,0592 V2) · (-2)0,34 V - 0,0592 V.
- Ergebnis: E0,2808 V, gerundet 0,28 V.
Das Potential beträgt etwa 0,28 V und liegt damit unter dem Standardwert von 0,34 V. Je verdünnter die Lösung, desto kleiner ist das Potential der Metallhalbzelle. Pro Zehnerpotenz der Konzentration ändert sich E um 0,0592 V geteilt durch z, hier um 0,0296 V.
Beispiel 2: Daniell-Element bei anderen Konzentrationen
Ein Daniell-Element hat in der Zinkhalbzelle c(Zn2+) = 1 mol/L und in der Kupferhalbzelle c(Cu2+) = 0,001 mol/L. Berechne die Zellspannung.
Gegeben:
- E0(Zn2+Zn)-0,76 V
- E0(Cu2+Cu)+0,34 V
- z2 in beiden Halbzellen
Gesucht:
Zellspannung ΔELösung:
- Zinkhalbzelle: c = 1 mol/L, also lg c = 0 und E(Zn) = -0,76 V.
- Kupferhalbzelle: lg 0,001-3, also E(Cu)0,34 V + (0,0592 V2) · (-3)0,34 V - 0,0888 V0,2512 V.
- Kupfer hat das höhere Potential und ist der Pluspol: ΔE = 0,2512 V minus (-0,76 V) = 1,0112 V.
- Kontrolle über die Gesamtreaktion Zn + Cu2+ gleich Zn2+ + Cu: ΔE = 1,10 V - 0,0296 V · lg (1 / 0,001) = 1,10 V - 0,0888 V = 1,011 V.
Die Zellspannung beträgt etwa 1,01 V statt 1,10 V unter Standardbedingungen. Weil Cu2+ in der Lösung knapper ist, ist der Antrieb der Reaktion kleiner. Beide Rechenwege führen auf denselben Wert.
Typische Fehler bei der Nernst-Gleichung
Der häufigste Fehler betrifft den Quotienten Q. Im Zähler steht immer die oxidierte Form, im Nenner die reduzierte. Wer Ox und Red vertauscht, erhält das falsche Vorzeichen. Als Kontrolle hilft die Plausibilität: Bei einer Metallhalbzelle sinkt das Potential beim Verdünnen, es kann also nur kleiner als E0 werden, wenn c kleiner als 1 mol/L ist.
Ein zweiter Fehler ist die Elektronenzahl. Viele setzen z immer gleich 1 oder vergessen sie ganz. Dabei teilt z den Wert 0,0592 V: Für Zink und Kupfer ist es 0,0296 V, für Silber 0,0592 V. Auch Feststoffe werden manchmal in den Quotienten geschrieben. Reine Feststoffe wie Metalle oder festes Silberchlorid haben die Konzentration 1 und fallen heraus.
Drittens werden Konstante und Logarithmus durcheinandergebracht. Der Wert 0,0592 V gilt nur mit dem dekadischen Logarithmus lg und bei 25 Grad Celsius. Mit dem natürlichen Logarithmus ln und anderer Temperatur rechnest du mit R · T / (z · F). Und bei Zellspannungen gilt: Immer das kleinere Potential vom größeren abziehen, sonst wird die Spannung negativ.
Alltagsbezug: Batterie, pH-Elektrode und Nervenzelle
Die Nernst-Gleichung steckt in vielen Geräten. Eine pH-Elektrode misst im Kern ein Potential, das von der Wasserstoff-Ionen-Konzentration abhängt. Für die Wasserstoffelektrode gilt E = 0,0592 V mal lg c(H+), also E = minus 0,0592 V mal pH. Pro pH-Einheit ändert sich die Spannung um 59,2 mV. Das Messgerät rechnet sie in den pH-Wert um.
Bei Batterien erklärt sie den Spannungsabfall. Bei einer Zink-Kohle-Batterie sinkt die Konzentration der Reaktionsteilnehmer, die Spannung fällt langsam, am Ende ist ΔE gleich null. Auch Korrosion lässt sich so einschätzen: In sauerstoffarmen Bereichen, wo die Konzentration niedriger ist, herrscht ein anderes Potential, und es fließt ein Strom, der dort das Metall angreift.
Die Natur nutzt dasselbe Prinzip. Nervenzellen haben innen und außen unterschiedliche Kaliumkonzentrationen. Daraus ergibt sich nach Nernst ein Membranpotential von etwa minus 90 Millivolt für Kalium. Weil dieses Potential vom Konzentrationsverhältnis abhängt, spielen Salze im Körper für Nerven und Muskeln eine so große Rolle.
Jetzt bist du dran
Was passiert mit dem Potential einer Kupferelektrode, wenn die Cu2+-Konzentration von 1 mol/L auf 0,01 mol/L sinkt?
Noch nicht. Bei z = 2 gilt E = 0,34 V + 0,0296 V mal lg c. Für c = 0,01 mol/L ist lg c = -2, also sinkt E um 0,0592 V auf etwa 0,28 V.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Nernst-Gleichung berechnet Potentiale für beliebige Konzentrationen: E = E0 + (R · T / z · F) · ln Q.
- Bei 25 Grad Celsius gilt E = E0 + (0,0592 V / z) · lg Q mit R = 8,314 J/(mol · K) und F = 96485 C/mol.
- Bei Metallhalbzellen ist Q gleich c(Mez+), das feste Metall zählt nicht.
- Verdünnen senkt das Potential der Metallhalbzelle, die Zellspannung ist ΔE gleich E(Pluspol) minus E(Minuspol).
- Ist die Batterie leer, ist ΔE gleich 0 und das Gleichgewicht erreicht.
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Häufige Fragen zu Nernst-Gleichung: Formel, Berechnung und Beispiele
- Was besagt die Nernst-Gleichung?
- Sie sagt, wie das Potential einer Halbzelle von der Konzentration abhängt: E = E0 + (R · T / z · F) · ln Q. Bei einer Konzentration von 1 mol/L ist das Potential gleich dem Standardpotential, bei anderen Konzentrationen weicht es logarithmisch davon ab.
- Wie lautet die Nernst-Gleichung für 25 Grad Celsius?
- Bei 25 Grad Celsius und dekadischem Logarithmus gilt E = E0 + (0,0592 V / z) · lg Q. Der Faktor 0,0592 V entsteht aus R · T / F mal ln 10 mit R = 8,314 J/(mol · K), T = 298 K und F = 96485 C/mol.
- Wofür benutzt man die Nernst-Gleichung?
- Man berechnet damit Halbzellenpotentiale und Zellspannungen bei beliebigen Konzentrationen, den pH-Wert aus einer Spannung oder die Spannung von Konzentrationsketten. Auch Batterien, Korrosion und Membranpotentiale in Nervenzellen lassen sich damit beschreiben.
- Warum kommt in der Nernst-Gleichung ein Logarithmus vor?
- Das Potential hängt mit der Freien Enthalpie zusammen, und diese ist proportional zum Logarithmus des Quotienten Q. Deshalb ändert sich das Potential bei jeder Verzehnfachung der Konzentration um den gleichen Betrag, bei 25 Grad Celsius um 0,0592 V geteilt durch z.
- Was ist z in der Nernst-Gleichung?
- z ist die Zahl der Elektronen, die in der Halbreaktion oder in der Gesamtreaktion übertragen werden. Für Cu2+ + 2 e- gleich Cu ist z gleich 2, für Ag+ + e- gleich Ag ist z gleich 1.
- Wie berechnet man die Zellspannung mit der Nernst-Gleichung?
- Berechne das Potential beider Halbzellen mit ihren Konzentrationen und ziehe das kleinere vom größeren ab: ΔE gleich E(Pluspol) minus E(Minuspol). Alternativ nimmst du die Gesamtreaktion und setzt Q als Verhältnis der Konzentrationen von Produkt-Ionen und Edukt-Ionen ein.
- Warum sinkt die Spannung einer Batterie beim Entladen?
- Beim Entladen verbrauchen sich die Reaktionspartner, und die Produkte reichern sich an. Der Quotient Q wächst, die Zellspannung nimmt nach Nernst ab. Ist das Gleichgewicht erreicht, ist ΔE gleich null, und die Batterie ist leer.
- Welche Rolle spielt die Temperatur in der Nernst-Gleichung?
- Die Temperatur T steckt im Faktor R · T / (z · F). Bei höheren Temperaturen wird der Faktor größer. Der Schulwert 0,0592 V gilt nur für 25 Grad Celsius. Bei anderen Temperaturen setzt du T in Kelvin ein.
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