Fehling-Probe Nachweis: Ablauf, Reaktion, Beobachtung
Fehling-Probe Nachweis nennt man die Methode, mit der man Aldehyde und reduzierende Zucker wie Glucose erkennt, weil sie blaue Kupfer(II)-Ionen zu rotem Kupfer(I)-oxid reduzieren. In dieser Lektion lernst du, wie die Probe aufgebaut ist, wie du sie sicher durchführst, welche Redoxreaktion dahintersteckt und warum Ketone und Saccharose negativ reagieren.
- Fach: Chemie
- Klasse 11
- Thema: Organische Chemie
- Dauer: 18 Min
- Niveau: Schwer
Fehling-Probe Nachweis: Wofür man sie braucht
Aldehyde und Ketone haben beide eine Carbonylgruppe C=O. Chemisch verhalten sie sich aber unterschiedlich: Aldehyde lassen sich leicht zu Carbonsäuren oxidieren, Ketone nicht. Genau diesen Unterschied nutzt die Fehling-Probe. Sie zeigt, ob ein Stoff als Reduktionsmittel wirken kann, also leicht Elektronen abgibt.
Benannt ist sie nach dem Stuttgarter Chemiker Hermann von Fehling, der sie 1848 zur Bestimmung von Zucker im Urin entwickelte. Noch lange wurde sie so für die Diabetes-Diagnose genutzt. Heute gibt es dafür Teststreifen, aber im Chemieunterricht und im Labor bleibt die Fehling-Probe ein klassischer Nachweis für Aldehyde und für reduzierende Zucker wie Glucose.
Sie gehört zu den Nachweisreaktionen und ist eine Redoxreaktion. Wichtig ist das Zusammenspiel von zwei Lösungen, die erst kurz vor der Probe gemischt werden. Dadurch entsteht ein tiefblauer Kupferkomplex, der im Basischen stabil bleibt.
Fehling-Probe Nachweis: Reagenz und Reaktion
Das Fehling-Reagenz besteht aus zwei Lösungen. Fehling I ist eine Kupfer(II)-sulfat-Lösung. Fehling II ist eine alkalische Lösung von Kaliumnatriumtartrat, auch Seignettesalz genannt, in Natronlauge. Würde man Kupfer(II)-Ionen einfach mit Natronlauge mischen, fiele blaues Kupferhydroxid aus. Das Tartrat hält die Kupfer(II)-Ionen als tiefblauen Komplex in Lösung.
Gibt man ein Aldehyd zu und erwärmt, wird die Aldehydgruppe zur Carboxylatgruppe oxidiert. Die Kupfer(II)-Ionen werden dabei zu Kupfer(I)-Ionen reduziert, die sofort als rotbraunes Kupfer(I)-oxid Cu2O ausfallen. Die Farbe wechselt von tiefblau über grün und gelb zu ziegelrot. In vereinfachter Form, ohne den Tartratkomplex, lautet die Gleichung: R-CHO + 2 Cu2+ + 5 OH- ergibt R-COO- + Cu2O + 3 H2O.
Weil die Lösung stark basisch ist, entsteht nicht die Carbonsäure selbst, sondern ihr Anion, das Carboxylat. Der Aldehyd ist das Reduktionsmittel, die Kupfer(II)-Ionen sind das Oxidationsmittel. Bei Ketonen fehlt das Wasserstoffatom an der Carbonylgruppe, deshalb lassen sie sich unter diesen milden Bedingungen nicht oxidieren.
| Merkmal | Fehling-Probe | Tollens-Probe |
|---|---|---|
| Oxidationsmittel | Kupfer(II)-Ionen | Silber-Ionen im Ammoniakkomplex |
| Positives Ergebnis | ziegelroter Niederschlag | Silberspiegel |
| Ketone | negativ | negativ |
| Aldehyde | positiv | positiv |
| Besonderheit | Gemisch aus zwei Lösungen | Reagenz frisch herstellen |
Fehling-Probe Nachweis: Durchführung Schritt für Schritt
Zuerst mischst du in einem Reagenzglas gleiche Volumina von Fehling I und Fehling II. Es entsteht eine klare, tiefblaue Lösung. Diese Mischung stellst du erst kurz vor dem Versuch her, weil sie nicht lange haltbar ist. Dann gibst du einige Tropfen der Probelösung zu, zum Beispiel verdünnte Glucoselösung oder Ethanal.
Nun erwärmst du das Reagenzglas im heißen Wasserbad bei etwa 70 bis 80 Grad Celsius für ungefähr fünf Minuten. Du erhitzt nicht direkt in der Brennerflamme, weil die Natronlauge sonst spritzen kann. Beobachtest du einen Farbumschlag zu Gelb, Orange und schließlich einen ziegelroten Niederschlag, ist die Probe positiv. Bleibt die Lösung blau, enthält die Probe kein reduzierendes Aldehyd.
Zum Schluss entsorgst du die kupferhaltigen Reste im Behälter für Schwermetallabfälle, nie im Ausguss. Als Kontrolle machst du am besten zwei Parallelversuche: einen mit einem bekannten Aldehyd oder Glucose als Positivprobe und einen mit Wasser oder Aceton als Negativprobe.
Beispiel 1: Ethanal mit der Fehling-Probe nachweisen
Beschreibe die Beobachtung bei der Fehling-Probe mit Ethanal und stelle die Gleichung auf.
Gegeben:
- Ethanal CH3CHO ist ein Aldehyd
- Fehling-Reagenz aus Fehling I und II
Gesucht:
Beobachtung und ReaktionsgleichungLösung:
- Die Fehling-Lösung ist zu Beginn tiefblau. Nach dem Erwärmen mit Ethanal verändert sich die Farbe über Gelb und Orange.
- Schließlich bildet sich ein ziegelroter Niederschlag aus Kupfer(I)-oxid, Cu2O.
- Die Gleichung lautet: CH3CHO + 2 Cu2+ + 5 OH- ergibt CH3COO- + Cu2O + 3 H2O. Ethanal wird zu Ethanoat, dem Anion der Essigsäure, oxidiert.
- Prüfe die Ladung: links 2 mal +2 und 5 mal -1 ergibt -1, rechts steht ein Ethanoat-Ion mit -1. Beide Seiten haben die gleiche Ladung.
Die Probe ist positiv. Der ziegelrote Niederschlag zeigt, dass Ethanal als Reduktionsmittel gewirkt hat. Aus Ethanal ist Ethanoat entstanden.
Beispiel 2: Glucose, Fructose und Saccharose prüfen
Eine Probe Haushaltszucker (Saccharose) zeigt keine Reaktion. Nach dem Kochen mit etwas Säure färbt sie die Fehling-Probe rot. Erkläre die Beobachtung.
Gegeben:
- Saccharose ist aus Glucose und Fructose aufgebaut
- In Saccharose sind beide Reduktionsgruppen verknüpft
Gesucht:
Erklärung der beiden ErgebnisseLösung:
- In Saccharose sind die reduzierenden Gruppen von Glucose und Fructose über eine Bindung verknüpft. Es gibt keine freie Aldehydgruppe.
- Deshalb reagiert Saccharose mit der Fehling-Probe nicht, die Lösung bleibt blau.
- Beim Kochen mit Säure spaltet sich die Bindung (Hydrolyse). Es entstehen Glucose und Fructose.
- Glucose besitzt eine Aldehydgruppe. Fructose lagert sich im Basischen in Glucose um. Beide wirken reduzierend, die Probe wird rot.
Saccharose ist ein nicht reduzierender Zucker. Erst nach der Spaltung in Glucose und Fructose reagiert die Probe positiv.
Typische Fehler bei der Fehling-Probe
Der erste Fehler: Man hält die Fehling-Probe für einen Nachweis von Ketonen. Das Gegenteil ist richtig. Einfache Ketone wie Aceton reagieren nicht. Mit dieser Probe unterscheidest du also Aldehyde von Ketonen. Eine Ausnahme sind Ketone mit Hydroxygruppe neben der Carbonylgruppe, etwa Fructose, die im Basischen zum Aldehyd umlagern.
Der zweite Fehler betrifft das Mischen. Fehling I und Fehling II werden nicht gemeinsam gelagert, weil das Gemisch altert und Kupferhydroxid ausfallen kann. Mische sie immer frisch kurz vor dem Versuch. Ein dritter Fehler ist zu wenig Erwärmen: Ohne Wärme läuft die Reaktion sehr langsam, und du siehst nichts. Ebenso falsch ist es, Kupfer(I)-oxid als metallisches Kupfer zu bezeichnen, denn der Niederschlag ist eine Verbindung.
Schließlich verwechseln viele Fehling- und Tollens-Probe. Beide weisen Aldehyde nach, aber mit unterschiedlichen Oxidationsmitteln und Beobachtungen: roter Niederschlag bei Fehling, Silberspiegel bei Tollens.
Fehling-Probe Nachweis: Laborsicherheit und Alltagsbezug
Bei der Fehling-Probe arbeitest du mit Natronlauge und Kupfersalz. Fehling II ist stark ätzend, Kupfer(II)-sulfat ist gesundheitsschädlich und für Gewässer gefährlich. Trage deshalb immer Schutzbrille und Handschuhe. Das Reagenzglas zeigt beim Erhitzen nie auf Personen, und du hältst es mit einer Klammer. Bei Haut- oder Augenkontakt sofort mit viel Wasser spülen und die Lehrkraft informieren.
Im Alltag begegnet dir die Fehling-Probe nicht mehr direkt, doch ihr Prinzip steckt in vielen Tests. Früher prüfte man damit Harnzucker, und in der Lebensmittelchemie bestimmt man damit reduzierende Zucker in Honig, Saft oder Wein. Die Glucosemessung bei Diabetes beruht heute auf Enzymen, folgt aber demselben Grundgedanken: Ein Teststoff reagiert mit dem Zucker unter Farb- oder Stromänderung.
Die Fehling-Probe zeigt außerdem schön, wie organische Chemie und Redoxchemie zusammenhängen. Wer sie verstanden hat, kann auch andere Nachweise wie die Tollens-Probe oder die Schiffsche Probe einordnen.
| Stoff | Gefahr | Maßnahme |
|---|---|---|
| Fehling II (Natronlauge) | ätzend | Schutzbrille und Handschuhe |
| Kupfer(II)-sulfat | gesundheitsschädlich, umweltgefährlich | Schwermetallabfall |
| Heißes Wasserbad | Verbrühung | Reagenzglasklammer nutzen |
Jetzt bist du dran
Welche Beobachtung zeigt eine positive Fehling-Probe?
Noch nicht. Bei positiver Probe entsteht rotbraunes Kupfer(I)-oxid als ziegelroter Niederschlag. Ein Silberspiegel gehört zur Tollens-Probe.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Fehling-Probe weist Aldehyde und reduzierende Zucker wie Glucose nach.
- Das Reagenz besteht aus Fehling I (Kupfer(II)-sulfat) und Fehling II (Tartrat in Natronlauge), frisch gemischt tiefblau.
- Der Aldehyd wird oxidiert, Cu2+ wird zu Cu+ reduziert und fällt als ziegelrotes Cu2O aus.
- Einfache Ketone und Saccharose reagieren nicht, nach Hydrolyse reagiert Saccharose positiv.
- Schutzbrille tragen, im Wasserbad erwärmen, Kupferreste als Schwermetallabfall entsorgen.
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Häufige Fragen zu Fehling-Probe Nachweis: Ablauf, Reaktion, Beobachtung
- Was weist die Fehling-Probe nach?
- Die Fehling-Probe weist Aldehyde und reduzierende Zucker wie Glucose nach. Positiv ist sie, wenn sich beim Erwärmen ein ziegelroter Niederschlag von Kupfer(I)-oxid bildet. Einfache Ketone reagieren nicht.
- Wie führt man die Fehling-Probe durch?
- Man mischt gleiche Mengen Fehling I und Fehling II zu einer tiefblauen Lösung, gibt die Probe hinzu und erwärmt im Wasserbad etwa fünf Minuten. Ein ziegelroter Niederschlag zeigt ein Aldehyd oder reduzierenden Zucker an. Reste kommen in den Schwermetallabfall.
- Was ist Fehling I und Fehling II?
- Fehling I ist eine Lösung von Kupfer(II)-sulfat. Fehling II ist eine alkalische Lösung von Kaliumnatriumtartrat in Natronlauge. Erst beim Mischen entsteht der tiefblaue Kupfer-Tartrat-Komplex, der das eigentliche Reagenz ist.
- Wie lautet die Reaktionsgleichung der Fehling-Probe?
- Vereinfacht gilt: R-CHO + 2 Cu2+ + 5 OH- ergibt R-COO- + Cu2O + 3 H2O. Der Aldehyd wird zum Carboxylat oxidiert, die Kupfer(II)-Ionen werden zu Kupfer(I) im roten Kupfer(I)-oxid reduziert.
- Warum reagieren Ketone nicht mit Fehling-Reagenz?
- Ketone besitzen an der Carbonylgruppe kein Wasserstoffatom und lassen sich unter den milden Bedingungen nicht oxidieren. Aldehyde haben dieses Wasserstoffatom und können leicht zur Carbonsäure oxidiert werden.
- Ist die Fehling-Probe bei Fructose positiv?
- Ja, obwohl Fructose ein Keton ist. In der basischen Lösung lagert sie sich teilweise in Glucose und Mannose um, die Aldehydgruppen tragen. Deshalb wirkt auch Fructose reduzierend.
- Was ist der Unterschied zwischen Fehling- und Tollens-Probe?
- Beide weisen Aldehyde nach. Bei der Fehling-Probe wird Kupfer(II) zu rotem Kupfer(I)-oxid reduziert, bei der Tollens-Probe Silber-Ionen zu metallischem Silber, das einen Spiegel bildet. Das Reagenz der Tollens-Probe wird frisch zubereitet.
- Warum reagiert Haushaltszucker nicht mit der Fehling-Probe?
- In Saccharose sind die reduzierenden Gruppen von Glucose und Fructose miteinander verknüpft, es gibt keine freie Aldehydgruppe. Erst nach dem Spalten mit Säure oder Enzymen entstehen reduzierende Zucker, und die Probe wird positiv.
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