Klassenspace

Carbonsäuren und Ester

In dieser Lektion lernst du die Carboxygruppe als Merkmal der Carbonsäuren kennen und verstehst, warum diese Stoffe sauer reagieren. Außerdem erfährst du, wie aus Carbonsäure und Alkohol ein Ester entsteht, wie man ihn benennt und wo dir Carbonsäuren im Alltag begegnen.

  • Fach: Chemie
  • Klasse 11
  • Thema: Organische Chemie
  • Dauer: 22 Min
  • Niveau: Mittel
1

Die Carboxygruppe macht sauer

Carbonsäuren sind organische Verbindungen mit der Carboxygruppe -COOH. Das bekannteste Beispiel ist die Essigsäure CH3COOH, die dem Essig seinen Geschmack gibt. Auch Ameisensäure HCOOH, Milchsäure und Zitronensäure gehören zu dieser Stoffklasse. Benannt werden sie nach dem Alkan mit gleicher Kohlenstoffzahl und der Endung -säure, das C-Atom der Carboxygruppe wird mitgezählt: Ethansäure ist der systematische Name der Essigsäure.

Sauer reagieren Carbonsäuren, weil das Wasserstoffatom der OH-Gruppe als Proton abgegeben werden kann. In Wasser bildet sich so ein Carboxylat-Ion, bei Essigsäure das Acetat-Ion CH3COO-. Carbonsäuren sind allerdings schwache Säuren, nur ein kleiner Teil der Moleküle gibt das Proton tatsächlich ab. Im Gegensatz dazu ist Salzsäure eine starke Säure, die in Wasser praktisch vollständig in Ionen zerfällt. Deshalb greift verdünnte Essigsäure Metalle nur langsam an, während Salzsäure gleicher Konzentration deutlich heftiger reagiert.

Verantwortlich für die saure Wirkung ist die Struktur der Carboxygruppe selbst. Sie besteht aus einer Carbonylgruppe C=O und einer Hydroxygruppe -OH, die beide an dasselbe Kohlenstoffatom gebunden sind. Diese Nachbarschaft schwächt die Bindung zwischen Sauerstoff und Wasserstoff, sodass sich das Proton leichter löst als bei einem einfachen Alkohol. Zusätzlich verteilt sich die negative Ladung des entstehenden Carboxylat-Ions gleichmäßig über beide Sauerstoffatome, was das Ion stabilisiert und die Säurewirkung verstärkt.

Mit jedem zusätzlichen CH2-Baustein steigt der Siedepunkt der Carbonsäure spürbar an.
2

Die homologe Reihe der Carbonsäuren

Wie bei den Alkanen bilden auch Carbonsäuren eine homologe Reihe: Jedes Glied unterscheidet sich vom nächsten um eine CH2-Gruppe. Ameisensäure HCOOH ist das kleinste Mitglied, es folgen Essigsäure CH3COOH, Propansäure C2H5COOH und Buttersäure C3H7COOH. Mit wachsender Kettenlänge steigen Siedepunkt und Schmelzpunkt, während die Löslichkeit in Wasser abnimmt, weil der unpolare Kohlenwasserstoffrest immer größer wird.

Die vergleichsweise hohen Siedepunkte der Carbonsäuren erklären sich durch Wasserstoffbrückenbindungen. Zwei Carbonsäuremoleküle können sich über ihre Carboxygruppen paarweise zu einem Dimer verbinden, ähnlich wie zwei Hände, die sich an zwei Stellen gleichzeitig fassen. Diese zusätzlichen Anziehungskräfte müssen beim Sieden überwunden werden, deshalb sieden Carbonsäuren deutlich höher als Alkane vergleichbarer Molekülmasse und sogar höher als die entsprechenden Alkohole.

NameSummenformelSiedepunkt
AmeisensäureCH2O2101 °C
EssigsäureC2H4O2118 °C
PropansäureC3H6O2141 °C
ButtersäureC4H8O2164 °C
Homologe Reihe der Carbonsäuren (gerundete Siedepunkte bei Normaldruck)
Essigsäure siedet bei 118 Grad und damit höher als Wasser oder Ethanol, weil sich ihre Moleküle über zwei Wasserstoffbrücken zu Paaren verbinden.
3

Carbonsäure oder Ester?

Beide Stoffklassen enthalten eine C=O-Doppelbindung neben einem Sauerstoffatom. Der Unterschied liegt darin, was am zweiten Sauerstoff hängt: ein Wasserstoffatom oder ein Kohlenstoffrest.

Beim Ester steht der Name des Alkylrests aus dem Alkohol vorn, der Säurename hinten: Essigsäureethylester oder Ethylethanoat.

Carbonsäure

Die funktionelle Gruppe ist -COOH, am Sauerstoff hängt ein Wasserstoffatom.

Beispiele

  • Essigsäure CH3COOH
  • Ameisensäure HCOOH
  • Propansäure C2H5COOH

Signalwörter

  • Endung -säure
  • Carboxygruppe -COOH
  • Reagiert sauer, gibt ein Proton ab
  • Oft stechender oder saurer Geruch

Ester

Die funktionelle Gruppe ist -COO-, am Sauerstoff hängt ein Kohlenstoffrest.

Beispiele

  • Essigsäureethylester CH3COOC2H5
  • Ameisensäuremethylester HCOOCH3

Signalwörter

  • Endung -ester oder -oat
  • Estergruppe -COO- zwischen zwei Resten
  • Reagiert nicht sauer
  • Oft fruchtiger Geruch
4

Einen Ester herstellen

Essigsäure reagiert mit Ethanol. Stelle die Reaktionsgleichung auf und benenne das Produkt.

Gegeben:

  • Essigsäure CH3COOH
  • Ethanol C2H5OH
  • Katalysator: konzentrierte Schwefelsäure

Gesucht:

Reaktionsgleichung und Name des Esters

Lösung:

  1. Die OH-Gruppe der Säure und das H-Atom der Alkoholgruppe bilden zusammen Wasser.
  2. Die Reste verbinden sich über ein Sauerstoffatom: CH3COOH + C2H5OH ⇌ CH3COOC2H5 + H2O
  3. Atome zählen zur Kontrolle: links 4 C-Atome, 10 H-Atome und 4 O-Atome; rechts ebenfalls 4 C-Atome, 10 H-Atome und 4 O-Atome. Die Gleichung ist ausgeglichen.
  4. Benennen: Säureteil Essigsäure, Alkoholteil Ethyl – also Essigsäureethylester, systematisch Ethylethanoat.

Es entstehen Essigsäureethylester (Ethylethanoat) und Wasser. Die Reaktion ist umkehrbar und stellt sich als Gleichgewicht ein.

5

Typische Fehler bei Carbonsäuren und Estern

Ein häufiger Fehler ist, die Veresterung mit einer Neutralisation zu verwechseln. Bei der Neutralisation reagiert eine Säure mit einer Base zu einem Salz und Wasser, dabei entstehen Ionenverbindungen. Bei der Veresterung reagieren dagegen eine Säure und ein Alkohol zu einem Ester, einer kovalent gebundenen, ungeladenen Verbindung. Beide Reaktionen bilden zwar Wasser, laufen aber nach völlig unterschiedlichen Mechanismen ab.

Auch bei der Formelschreibweise passieren oft Fehler. Essigsäure wird richtig als CH3COOH geschrieben, nicht als C2H4O2 in der Reaktionsgleichung, weil die Strukturformel zeigt, welches Wasserstoffatom sauer ist. Nur die Summenformel C2H4O2 fasst alle Atome ohne Struktur zusammen und eignet sich nicht, um die funktionelle Gruppe zu erkennen.

Ein dritter Stolperstein ist die Namensreihenfolge beim Ester. Viele schreiben versehentlich zuerst den Säurenamen, dann den Alkoholrest. Richtig ist es umgekehrt: Zuerst der Name des Alkylrests aus dem Alkohol, dann der Säurename mit der Endung -oat oder als zusammengesetztes Wort mit -ester. Essigsäureethylester und Ethylethanoat bezeichnen denselben Stoff, aber in beiden Varianten steht der Alkoholteil sprachlich vorn oder als erster Wortbestandteil.

Sechs Kernfakten zu Carbonsäuren und Veresterung auf einen Blick, ideal zum Wiederholen vor der Klassenarbeit.
6

Alltagsbezug und Sicherheit im Labor

Essigsäure begegnet dir im Alltag ständig: verdünnt als Speiseessig mit etwa fünf bis sieben Prozent Säureanteil, konzentriert als Eisessig zum Reinigen oder Entkalken. Ameisensäure kommt natürlich in Brennnesseln und im Gift von Ameisen vor, ihr Name leitet sich genau davon ab. Milchsäure entsteht bei der Milchsäuregärung, etwa in Joghurt oder Sauerkraut, und auch beim Sport in der Muskulatur, wenn zu wenig Sauerstoff zur Verfügung steht. Zitronensäure steckt in Zitrusfrüchten und wird industriell als Konservierungsmittel eingesetzt.

Im Labor ist Eisessig, also hochkonzentrierte Essigsäure, ätzend und reizt Haut, Augen und Atemwege stark. Deshalb arbeitest du damit nur mit Schutzbrille, Handschuhen und unter dem Abzug. Auch die Veresterung selbst erfordert Vorsicht: Konzentrierte Schwefelsäure als Katalysator wirkt stark ätzend, und beim Erhitzen des Reaktionsgemisches können brennbare Dämpfe von Alkohol und Ester entstehen. Ein Reagenzglas wird deshalb nie direkt in Richtung einer Person gehalten, und offene Flammen bleiben beim Arbeiten mit Alkoholen tabu.

7

Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 3

Welche funktionelle Gruppe kennzeichnet Carbonsäuren?

Welche funktionelle Gruppe kennzeichnet Carbonsäuren?
8

Das Wichtigste in Kürze

  • Carbonsäuren tragen die Carboxygruppe -COOH und enden auf -säure.
  • Nur das H-Atom der Carboxygruppe wird als Proton abgegeben, nicht alle H-Atome.
  • Carbonsäuren sind schwache Säuren und bilden Carboxylat-Ionen, sie sind deutlich schwächer als Salzsäure.
  • In der homologen Reihe steigt der Siedepunkt mit der Kettenlänge, wegen Wasserstoffbrücken zwischen den Molekülen.
  • Carbonsäure + Alkohol ⇌ Ester + Wasser – die Veresterung ist eine umkehrbare Kondensation, keine Neutralisation.
  • Ester riechen oft fruchtig und werden aus Alkohol- und Säureteil benannt, der Alkoholteil steht sprachlich vorn.

Lektion abschließen

Schließe alle Aufgaben ab, um diese Lektion zu beenden.

0 %

Häufige Fragen zu Carbonsäuren und Ester

Was ist eine Carbonsäure einfach erklärt?
Eine Carbonsäure ist eine organische Verbindung mit der funktionellen Gruppe -COOH, der Carboxygruppe. Sie besteht aus einer Carbonylgruppe und einer Hydroxygruppe am selben Kohlenstoffatom. Weil sich das Wasserstoffatom der Hydroxygruppe als Proton abspalten lässt, reagieren Carbonsäuren sauer. Essigsäure, Ameisensäure und Zitronensäure sind bekannte Beispiele aus dem Alltag.
Wie funktioniert eine Veresterung?
Bei der Veresterung reagiert eine Carbonsäure mit einem Alkohol. Die OH-Gruppe der Säure und ein Wasserstoffatom des Alkohols verbinden sich zu Wasser, die restlichen Reste bilden den Ester. Die Reaktion ist eine Kondensation, läuft umkehrbar ab und wird durch konzentrierte Schwefelsäure als Katalysator beschleunigt. Ein Beispiel ist Essigsäure plus Ethanol zu Essigsäureethylester und Wasser.
Was ist der Unterschied zwischen Carbonsäure und Ester?
Bei der Carbonsäure hängt am zweiten Sauerstoffatom der Carboxygruppe ein Wasserstoffatom, dadurch reagiert sie sauer. Beim Ester ist dieses Wasserstoffatom durch einen Kohlenstoffrest aus einem Alkohol ersetzt, deshalb reagiert er nicht sauer. Namentlich erkennst du Carbonsäuren an der Endung -säure und Ester an der Endung -ester oder -oat.
Warum ist Essigsäure eine schwache Säure?
Essigsäure gibt in Wasser nur einen kleinen Teil ihrer Moleküle als Protonen ab, der größte Teil bleibt als CH3COOH-Molekül erhalten. Deshalb zählt sie zu den schwachen Säuren. Salzsäure dagegen zerfällt in Wasser praktisch vollständig in Ionen und ist eine starke Säure. Der Unterschied zeigt sich im pH-Wert: Essigsäure gleicher Konzentration ist deutlich weniger sauer als Salzsäure.
Warum haben Carbonsäuren so hohe Siedepunkte?
Zwei Carbonsäuremoleküle können sich über ihre Carboxygruppen mit zwei Wasserstoffbrückenbindungen gleichzeitig zu einem Dimer verbinden. Diese zusätzlichen Anziehungskräfte müssen beim Verdampfen aufgebrochen werden. Deshalb sieden Carbonsäuren höher als Alkane oder Alkohole ähnlicher Molekülgröße, Essigsäure zum Beispiel bei 118 Grad Celsius.
Wie benennt man einen Ester?
Der Name eines Esters setzt sich aus dem Alkoholrest und dem Säurerest zusammen, wobei der Alkoholteil zuerst genannt wird. Essigsäure plus Ethanol ergibt Essigsäureethylester, systematisch auch Ethylethanoat genannt. Die Endung -oat oder -ester zeigt an, dass es sich nicht mehr um eine freie Säure handelt.
Wo kommen Carbonsäuren im Alltag vor?
Essigsäure steckt verdünnt in Speiseessig, Ameisensäure im Gift von Ameisen und in Brennnesseln, Milchsäure in Joghurt, Sauerkraut und in der Muskulatur nach Anstrengung. Zitronensäure findet sich in Zitrusfrüchten und wird als Konservierungsmittel in Lebensmitteln eingesetzt. Alle diese Stoffe tragen die Carboxygruppe als gemeinsames Merkmal.
Ist die Veresterung dasselbe wie eine Neutralisation?
Nein, das ist ein häufiger Verwechslungsfehler. Bei der Neutralisation reagieren Säure und Base zu einem ionischen Salz und Wasser. Bei der Veresterung reagieren Säure und Alkohol zu einem kovalent gebundenen, ungeladenen Ester und Wasser. Beide Reaktionen bilden zwar Wasser, folgen aber unterschiedlichen Mechanismen und liefern unterschiedliche Produkttypen.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.

Das solltest du vorher können

Das kommt als Nächstes