Alkene und Alkine – Doppel- und Dreifachbindung erklärt
Alkene und Alkine sind Kohlenwasserstoffe mit einer Doppelbindung beziehungsweise einer Dreifachbindung zwischen zwei Kohlenstoffatomen. In dieser Lektion lernst du, wie du beide Stoffgruppen an ihrer Summenformel erkennst, wie die Additionsreaktion mit Bromwasser die Doppelbindung nachweist und warum Alkene und Alkine deutlich reaktionsfreudiger sind als Alkane.
- Fach: Chemie
- Klasse 10
- Thema: Organische Chemie
- Dauer: 20 Min
- Niveau: Mittel
Was Alkene und Alkine sind
Alkene sind Kohlenwasserstoffe, die mindestens eine Doppelbindung zwischen zwei Kohlenstoffatomen besitzen. Das einfachste Alken ist Ethen (C2H4), das aus zwei Kohlenstoffatomen mit einer Doppelbindung und jeweils zwei Wasserstoffatomen besteht. Die allgemeine Summenformel der Alkene mit nur einer Doppelbindung lautet CnH2n.
Alkine besitzen dagegen mindestens eine Dreifachbindung zwischen zwei Kohlenstoffatomen. Das einfachste Alkin ist Ethin (C2H2), umgangssprachlich auch Acetylen genannt, mit der allgemeinen Summenformel CnH2n-2. Sowohl Alkene als auch Alkine besitzen im Vergleich zu Alkanen mit gleicher Kohlenstoffzahl weniger Wasserstoffatome, weil die Mehrfachbindung Bindungsstellen belegt, die sonst für Wasserstoff frei wären.
Der Grund für die höhere Reaktionsfreudigkeit von Alkenen und Alkinen liegt im Aufbau der Mehrfachbindung: Neben der stabilen Sigma-Bindung besitzt jede Doppel- oder Dreifachbindung zusätzlich eine oder zwei sogenannte Pi-Bindungen. Diese Pi-Bindungen sind weniger fest und lassen sich leicht aufbrechen, wodurch Alkene und Alkine viel reaktionsfreudiger sind als die gesättigten Alkane.
Alkene oder Alkine: Woran erkennst du den Unterschied?
Um Alkene und Alkine im Namen und in der Strukturformel zu unterscheiden, hilft die Endung: Alkene enden auf „-en“, wie Ethen oder Propen, Alkine enden auf „-in“, wie Ethin oder Propin. Diese Endungen zeigen direkt an, welche Art von Mehrfachbindung im Molekül vorliegt.
In der Strukturformel erkennst du eine Doppelbindung an zwei parallelen Strichen zwischen den Kohlenstoffatomen, eine Dreifachbindung an drei parallelen Strichen. Alkine reagieren wegen ihrer zwei Pi-Bindungen sogar noch heftiger als Alkene, weshalb reines Ethin unter Druck sehr instabil ist und meist in Aceton gelöst transportiert wird.
Alkene
Kohlenwasserstoff mit genau einer C=C-Doppelbindung.
Beispiele
- Ethen (C2H4)
- Propen (C3H6)
Signalwörter
- Namensendung -en
- Summenformel CnH2n
- Entfärbt Bromwasser durch Addition
Alkine
Kohlenwasserstoff mit genau einer C≡C-Dreifachbindung.
Beispiele
- Ethin (C2H2)
- Propin (C3H4)
Signalwörter
- Namensendung -in
- Summenformel CnH2n-2
- Reagiert noch heftiger als Alkene
Rechenbeispiel: Additionsreaktion von Ethen mit Brom
Stelle die Reaktionsgleichung für die Additionsreaktion von Ethen mit Brom auf und gleiche sie aus.
Gegeben:
- Edukte: Ethen (C2H4) und Brom (Br2)
- Produkt: 1,2-Dibromethan (C2H4Br2)
Gesucht:
Ausgeglichene Reaktionsgleichung und Deutung als NachweisLösung:
- Unausgeglichener Ansatz: C2H4 + Br2 -> C2H4Br2.
- Kohlenstoff-Atome zählen: Links 2 C, rechts 2 C – stimmt bereits überein.
- Wasserstoff- und Brom-Atome zählen: Links 4 H und 2 Br, rechts 4 H und 2 Br in C2H4Br2 – die Gleichung ist bereits ausgeglichen, ohne dass Koeffizienten nötig sind.
- Deutung: Die Doppelbindung von Ethen öffnet sich, an jedes der beiden Kohlenstoffatome lagert sich ein Bromatom an, wodurch aus dem Alken ein gesättigtes Molekül wird.
Die ausgeglichene Reaktionsgleichung lautet C2H4 + Br2 -> C2H4Br2. Weil sich das orange Bromwasser dabei entfärbt, dient diese Additionsreaktion als eindeutiger Nachweis für eine Doppel- oder Dreifachbindung.
Typische Fehler bei Alkenen und Alkinen
Ein häufiger Fehler ist, die Summenformeln von Alkanen, Alkenen und Alkinen zu verwechseln. Merke dir die Reihe CnH2n+2 für Alkane, CnH2n für Alkene und CnH2n-2 für Alkine – mit jeder zusätzlichen Mehrfachbindung sinkt die Anzahl der Wasserstoffatome um zwei, bezogen auf dieselbe Kohlenstoffzahl.
Ein zweiter Fehler ist die Annahme, die Additionsreaktion mit Bromwasser funktioniere nur bei Alkenen. Tatsächlich entfärben auch Alkine Bromwasser, weil sie ebenfalls eine reaktionsfähige Pi-Bindung besitzen, allerdings kann bei ihnen die Addition in zwei Schritten ablaufen.
Ein dritter Fehler ist die Verwechslung von Additionsreaktion und Substitutionsreaktion. Bei der Addition wird die Mehrfachbindung aufgebrochen und ein neues Atom eingebaut, ohne dass ein Atom das Molekül verlässt. Bei der Substitution dagegen wird ein Atom im Molekül gegen ein anderes ausgetauscht, wie es typischerweise bei Alkanen mit Chlor geschieht.
Alkene und Alkine im Alltag
Ethen ist industriell eines der wichtigsten Ausgangsstoffe überhaupt: Aus ihm wird durch Polymerisation der Kunststoff Polyethylen hergestellt, der in Form von Plastiktüten, Flaschen und Verpackungsfolien allgegenwärtig ist. Auch als Reifegas spielt Ethen eine Rolle, weil reifende Früchte wie Bananen und Äpfel selbst geringe Mengen davon abgeben und benachbarte Früchte dadurch schneller reifen lassen.
Ethin, besser bekannt als Acetylen, wird beim Autogenschweißen genutzt: Seine Verbrennung mit reinem Sauerstoff erreicht Flammentemperaturen von über 3000 °C, mit denen sich Metalle schnell schneiden und schweißen lassen. Propen wiederum ist Ausgangsstoff für Polypropylen, aus dem unter anderem Joghurtbecher und Verpackungen hergestellt werden.
| Stoff | Bindungstyp | Siedepunkt |
|---|---|---|
| Ethen | Doppelbindung | -104 °C |
| Ethin | Dreifachbindung | -84 °C |
| Propen | Doppelbindung | -47 °C |
| Propin | Dreifachbindung | -23 °C |
Sicherheitshinweise im Umgang mit Bromwasser und Acetylen
Bromwasser ist stark ätzend und reizt Augen, Haut und Atemwege, weshalb der Nachweisversuch mit Alkenen und Alkinen im Unterricht nur mit Schutzbrille und unter dem Abzug durchgeführt wird. Reste von Bromwasser dürfen nicht in den Ausguss gegeben werden, sondern gehören in dafür vorgesehene Sammelbehälter.
Reines Ethin ist unter Druck explosionsgefährlich und wird deshalb in Gasflaschen in Aceton gelöst und mit porösem Füllmaterial stabilisiert transportiert. Beim Autogenschweißen ist außerdem auf ausreichende Belüftung zu achten, da Acetylen mit Luft ebenfalls ein explosionsfähiges Gemisch bilden kann.
Jetzt bist du dran
Welche allgemeine Summenformel besitzen Alkene mit genau einer Doppelbindung?
Noch nicht. Alkene mit einer Doppelbindung besitzen die allgemeine Summenformel CnH2n, zwei Wasserstoffatome weniger als das entsprechende Alkan mit derselben Kohlenstoffzahl.
Das Wichtigste in Kürze
- Alkene besitzen eine C=C-Doppelbindung, Summenformel CnH2n.
- Alkine besitzen eine C≡C-Dreifachbindung, Summenformel CnH2n-2.
- Beide sind wegen ihrer Pi-Bindungen reaktionsfreudiger als gesättigte Alkane.
- Die Entfärbung von Bromwasser durch Addition ist der eindeutige Nachweis für Mehrfachbindungen.
- Ethen ist Ausgangsstoff für Polyethylen, Ethin wird beim Autogenschweißen genutzt.
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Häufige Fragen zu Alkene und Alkine – Doppel- und Dreifachbindung erklärt
- Was sind Alkene und Alkine?
- Alkene sind Kohlenwasserstoffe mit mindestens einer Doppelbindung zwischen zwei Kohlenstoffatomen, Alkine besitzen mindestens eine Dreifachbindung. Beide gehören zu den ungesättigten Kohlenwasserstoffen und sind reaktionsfreudiger als die gesättigten Alkane mit ausschließlich Einfachbindungen.
- Was ist der Unterschied zwischen Alkenen und Alkinen?
- Alkene besitzen eine C=C-Doppelbindung und die Summenformel CnH2n, Alkine besitzen eine C≡C-Dreifachbindung und die Summenformel CnH2n-2. Die Namen enden entsprechend auf -en für Alkene und auf -in für Alkine, zum Beispiel Ethen und Ethin.
- Wie weist man eine Doppelbindung nach?
- Die Doppelbindung wird mit Bromwasser nachgewiesen: Leitet man ein Alken in orangefarbenes Bromwasser, öffnet sich die Doppelbindung, Bromatome lagern sich an, und die Farbe verschwindet. Diese Entfärbung ist der eindeutige Nachweis für eine Mehrfachbindung.
- Warum sind Alkene reaktionsfreudiger als Alkane?
- Alkene besitzen neben der stabilen Sigma-Bindung zusätzlich eine Pi-Bindung, die deutlich leichter aufzubrechen ist. Dadurch können Alkene Additionsreaktionen eingehen, bei denen sich neue Atome an die vormals doppelt gebundenen Kohlenstoffatome anlagern, was bei Alkanen nicht möglich ist.
- Was ist eine Additionsreaktion?
- Bei einer Additionsreaktion öffnet sich eine Doppel- oder Dreifachbindung, und ein neues Atom oder Molekül lagert sich an, ohne dass ein Atom das Ausgangsmolekül verlässt. Typisches Beispiel ist die Anlagerung von Brom an Ethen, wodurch 1,2-Dibromethan entsteht.
- Wofür wird Ethen verwendet?
- Ethen ist der wichtigste Ausgangsstoff für den Kunststoff Polyethylen, aus dem Plastiktüten, Flaschen und Folien hergestellt werden. Außerdem wirkt Ethen als natürliches Reifegas bei Obst, weshalb reifende Früchte benachbarte Früchte schneller reifen lassen.
- Wofür wird Ethin (Acetylen) verwendet?
- Ethin, auch Acetylen genannt, wird beim Autogenschweißen eingesetzt, weil seine Verbrennung mit Sauerstoff Flammentemperaturen von über 3000 °C erreicht. Diese hohe Temperatur ermöglicht das schnelle Schneiden und Schweißen von Metallen in der Werkstatt und auf Baustellen.
- In welcher Klasse lernt man Alkene und Alkine?
- Alkene und Alkine werden in Deutschland meist in der zehnten Klasse im Chemieunterricht behandelt, nachdem die gesättigten Alkane bekannt sind. Sie bilden die Grundlage für die organische Chemie mit funktionellen Gruppen wie Alkoholen und Carbonsäuren.
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