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Invasive Arten und Neobiota: Ursachen und Folgen

Invasive Arten sind gebietsfremde Tiere, Pflanzen oder Pilze, die sich in einem neuen Lebensraum stark ausbreiten und heimische Arten verdrängen. In dieser Lektion lernst du, was Neobiota sind, wie sie nach Deutschland gelangen, welche Folgen sie haben und was gegen ihre Ausbreitung getan werden kann.

  • Fach: Biologie
  • Klasse 9
  • Thema: Ökologie
  • Dauer: 18 Min
  • Niveau: Mittel
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Invasive Arten und Neobiota: Begriffe

Als Neobiota bezeichnet man Tiere, Pflanzen und Pilze, die seit der Entdeckung Amerikas im Jahr 1492 mit Hilfe des Menschen in ein Gebiet gelangt sind, in dem sie ursprünglich nicht vorkamen. Neue Pflanzen heißen Neophyten, neue Tiere Neozoen. Die Zeitgrenze von 1492 ist eine Vereinbarung, weil danach der weltweite Handel stark zunahm.

Die meisten Neobiota sind harmlos. Viele finden bei uns keine geeigneten Bedingungen, andere fügen sich unauffällig in das Ökosystem ein. Als invasive Arten bezeichnet man nur diejenigen Neobiota, die sich stark ausbreiten und dabei heimische Arten, Lebensgemeinschaften oder die Gesundheit des Menschen beeinträchtigen oder wirtschaftlichen Schaden anrichten.

Man muss also drei Begriffe auseinanderhalten. Heimische Arten sind ursprünglich in einem Gebiet vorgekommen. Neobiota sind durch den Menschen dazugekommen. Invasive Arten sind die Teilgruppe der Neobiota, die Probleme verursacht. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil nicht jede fremde Art schädlich ist.

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Wie gelangen Neobiota zu uns?

Neobiota gelangen auf zwei Wegen in neue Gebiete. Absichtlich eingeführt werden Arten, die der Mensch nutzen will: Zierpflanzen für Gärten, Pelztiere für Farmen, Fische für die Angelei oder Pflanzen für den Anbau. Der Riesen-Bärenklau wurde zum Beispiel als Zierpflanze eingeführt, der Waschbär in Deutschland ursprünglich für die Pelztierzucht gehalten.

Unabsichtlich verschleppt werden Arten, die als blinde Passagiere reisen. Samen bleiben an Schuhen oder Fahrzeugen hängen, Insekten reisen in Holz und Verpackungen, und Meerestiere gelangen im Ballastwasser von Schiffen in fremde Häfen. Je mehr Waren und Menschen weltweit unterwegs sind, desto häufiger kommt das vor.

Auch der Klimawandel spielt eine Rolle. Wärmere Winter ermöglichen manchen Arten aus südlichen Regionen, bei uns zu überleben. Die Asiatische Tigermücke breitet sich zum Beispiel in wärmeren Regionen Europas aus. So verstärken Handel und Klimawandel gemeinsam die Verbreitung von Neobiota.

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Wie aus Neobiota invasive Arten werden

Damit eine eingeschleppte Art zur invasiven Art wird, müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein. Sie muss die Einschleppung überleben, im neuen Gebiet geeignete Bedingungen vorfinden, sich vermehren und sich ausbreiten. Viele Arten scheitern schon an den ersten Schritten, sie kommen nicht über wenige Einzeltiere oder Einzelpflanzen hinaus.

Invasiv werden Arten oft, weil im neuen Gebiet natürliche Gegenspieler fehlen. In der Heimat halten Fressfeinde, Parasiten und Krankheiten ihre Zahl in Grenzen. Im neuen Lebensraum gibt es diese Begrenzung nicht, und die Art kann sich ungebremst vermehren. Dazu kommen Eigenschaften wie schnelles Wachstum, viele Nachkommen und große Anpassungsfähigkeit.

Heimische Arten verlieren dann Nahrung, Platz oder Licht. Sie werden von der Konkurrenz verdrängt, von neuen Fressfeinden gefressen oder mit eingeschleppten Krankheiten angesteckt. Die Artenvielfalt kann dadurch abnehmen, und ganze Lebensgemeinschaften verändern sich. Die Grafik zeigt diesen Ablauf.

Invasive Arten breiten sich aus, weil Fressfeinde fehlen und heimische Arten verdrängt werden.
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Beispiele für invasive Arten in Deutschland

Der Riesen-Bärenklau stammt aus dem Kaukasus und wächst an Ufern und Wegrändern oft mehr als zwei Meter hoch. Sein Saft kann zusammen mit Sonnenlicht schmerzhafte Hautreaktionen auslösen. Das Drüsige Springkraut aus dem Himalaya bildet an Bachufern dichte Bestände und verdrängt dort heimische Pflanzen. Auch der Japanische Staudenknöterich breitet sich stark aus und wird schwer wieder los.

Unter den Tieren fällt der Signalkrebs auf. Er stammt aus Nordamerika und überträgt die Krebspest, an der heimische Flusskrebse sterben, während der Signalkrebs selbst meist verschont bleibt. Der Waschbär, ursprünglich aus Nordamerika, hat sich in Deutschland weit ausgebreitet und erbeutet auch Gelege von Vögeln. Die Asiatische Tigermücke kann Krankheitserreger übertragen.

Die Beispiele zeigen, dass die Folgen sehr verschieden sein können. Manche Arten schaden der Natur, andere der Gesundheit oder der Wirtschaft. Die Tabelle gibt einen Überblick über einige bekannte Neobiota und ihre Wirkung.

ArtHerkunftWirkung
Riesen-BärenklauKaukasusHautreizungen, verdrängt Pflanzen
SignalkrebsNordamerikaüberträgt die Krebspest auf Edelkrebse
WaschbärNordamerikaerbeutet Gelege und Jungtiere
Drüsiges SpringkrautHimalayadichte Bestände an Ufern
Beispiele für invasive Arten
Invasive Arten verursachen sehr unterschiedliche Probleme für Natur, Gesundheit und Wirtschaft.
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Folgen und Maßnahmen gegen invasive Arten

Invasive Arten gehören weltweit zu den wichtigen Ursachen für den Verlust der Artenvielfalt. Sie schädigen nicht nur Ökosysteme, sondern verursachen auch hohe Kosten, etwa in der Land- und Forstwirtschaft, bei der Bekämpfung und bei Gesundheitsschäden. Besonders anfällig sind Inseln und Gewässer, weil dort viele Arten nur in kleinen Gebieten vorkommen.

Gegen invasive Arten gibt es mehrere Strategien. Vorbeugung ist am wirksamsten: Einfuhrregeln, Kontrollen und die Aufklärung der Bevölkerung verhindern, dass Arten überhaupt ins Land gelangen. Hat sich eine Art noch nicht weit ausgebreitet, kann man sie früh entfernen. Ist sie bereits weit verbreitet, beschränkt man sich oft darauf, ihren Bestand zu begrenzen.

In der Europäischen Union gibt es eine Liste invasiver Arten, für die besondere Regeln gelten. Sie dürfen zum Beispiel nicht gehandelt oder freigelassen werden. Auch du kannst helfen: Gartenpflanzen und Aquarientiere gehören nie in die freie Natur, und bei bestimmten Pflanzen gilt es, sie nicht über den Kompost weiterzuverbreiten.

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Typische Fehler zu invasiven Arten

Ein häufiger Irrtum ist, jede fremde Art für invasiv zu halten. Das stimmt nicht. Viele Neobiota sind unauffällig, und einige gelten sogar als Teil unserer Kulturlandschaft. Die Kartoffel, die Tomate und der Mais sind ebenfalls Neobiota, aber keine invasiven Arten, weil sie sich ohne den Menschen nicht ausbreiten und kein Problem darstellen.

Ein zweiter Fehler: Die Schuld wird den Tieren und Pflanzen selbst zugeschoben. Eine invasive Art handelt nicht böswillig. Sie nutzt nur Bedingungen, die der Mensch geschaffen hat, indem er sie in ein neues Gebiet gebracht hat. Die Ursache liegt im Handeln des Menschen, nicht im Verhalten der Art.

Der dritte Fehler: invasive Arten werden mit Schädlingen oder Unkräutern gleichgesetzt. Ein Schädling ist ein Organismus, der wirtschaftlichen Schaden anrichtet, egal ob heimisch oder fremd. Eine invasive Art ist dagegen immer gebietsfremd. Beides kann zusammenfallen, muss aber nicht.

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Invasive Arten im Alltag

Invasive Arten begegnen dir häufiger, als du denkst. Wer an einem Bach spazieren geht, sieht oft rosa blühendes Drüsiges Springkraut. Im Gartencenter werden manchmal Pflanzen verkauft, die sich später als problematisch erweisen. Und wer im Sommer einen Waschbären im Garten beobachtet, sieht eine Art, die ursprünglich nicht hierher gehörte.

Auch in der Küche und im Haushalt hängen Neobiota mit uns zusammen. Der Signalkrebs wird teilweise gefangen und gegessen, und manche Pflanzen wie das Springkraut sind bei Bienen beliebt, weil sie spät im Jahr noch Nektar liefern. Das zeigt, dass es oft kein einfaches Gut und Böse gibt, sondern eine Abwägung von Nutzen und Schaden.

Wenn du Riesen-Bärenklau entdeckst, fasse ihn nicht an. Sein Saft kann mit Sonnenlicht schmerzhafte Hautreaktionen auslösen. Melde größere Bestände der zuständigen Behörde, statt sie selbst zu entfernen. So hilfst du, Verletzungen zu vermeiden und die Ausbreitung einzudämmen.

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Jetzt bist du dran!

Aufgabe 1 von 5

Was sind Neobiota?

Was sind Neobiota?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Neobiota sind Arten, die seit 1492 mit Hilfe des Menschen in neue Gebiete gelangt sind.
  • Invasiv heißen nur die Neobiota, die sich stark ausbreiten und Schäden verursachen.
  • Sie breiten sich oft aus, weil im neuen Gebiet Fressfeinde und Krankheiten fehlen.
  • Beispiele sind Riesen-Bärenklau, Signalkrebs, Waschbär und Drüsiges Springkraut.
  • Typischer Fehler: Nicht jede fremde Art ist invasiv, und die Verantwortung liegt beim Menschen.

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Häufige Fragen zu Invasive Arten und Neobiota: Ursachen und Folgen

Was sind invasive Arten?
Invasive Arten sind gebietsfremde Tiere, Pflanzen oder Pilze, die sich in einem neuen Gebiet stark ausbreiten und dabei heimische Arten, Ökosysteme, die Gesundheit oder die Wirtschaft schädigen. Sie gelangen meist durch den Menschen in das neue Gebiet.
Was sind Neobiota?
Neobiota sind Arten, die seit 1492 mit Hilfe des Menschen in ein Gebiet gelangt sind, in dem sie vorher nicht vorkamen. Pflanzen heißen Neophyten, Tiere Neozoen. Nur ein Teil der Neobiota wird zur invasiven Art.
Was ist der Unterschied zwischen Neobiota und invasiven Arten?
Neobiota sind alle durch den Menschen eingeführten gebietsfremden Arten. Invasive Arten sind nur der Teil davon, der sich stark ausbreitet und Schäden verursacht. Viele Neobiota sind dagegen unproblematisch.
Warum sind invasive Arten ein Problem?
Sie verdrängen heimische Arten, verändern Lebensgemeinschaften und können die Artenvielfalt verringern. Außerdem verursachen sie Kosten in Land- und Forstwirtschaft und manche gefährden die Gesundheit des Menschen.
Wie gelangen invasive Arten nach Deutschland?
Manche werden absichtlich eingeführt, etwa als Zierpflanzen oder Pelztiere, andere unabsichtlich verschleppt, zum Beispiel in Schiffen oder an Waren. Auch der Klimawandel hilft manchen Arten, bei uns zu überleben.
Welche invasiven Arten gibt es in Deutschland?
Bekannte Beispiele sind Riesen-Bärenklau, Drüsiges Springkraut, Japanischer Staudenknöterich, Waschbär, Signalkrebs und die Asiatische Tigermücke. Sie unterscheiden sich in Herkunft und Wirkung, haben aber alle eine starke Ausbreitung gemeinsam.
Ist der Waschbär eine invasive Art?
Ja, der Waschbär stammt aus Nordamerika und breitet sich in Deutschland stark aus. Er steht auf der Unionsliste invasiver Arten der Europäischen Union. Er kann heimische Tiere beeinträchtigen, etwa indem er Gelege plündert.
Was kann man gegen invasive Arten tun?
Am wirksamsten ist Vorbeugung: Einfuhrkontrollen, Aufklärung und das Verbot, Tiere und Pflanzen auszusetzen. Neue Bestände entfernt man möglichst früh. Bei weit verbreiteten Arten versucht man, ihre Zahl zu begrenzen.

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