Nahrungsketten und Nahrungsnetze
In dieser Lektion lernst du, wie Lebewesen über das Fressen und Gefressenwerden miteinander verbunden sind. Du unterscheidest Produzenten, Konsumenten und Destruenten und erfährst, warum ein Nahrungsnetz die Natur besser beschreibt als eine einzelne Kette.
- Fach: Biologie
- Klasse 7
- Thema: Ökologie
- Dauer: 18 Min
- Niveau: Einfach
Wer frisst wen?
Jedes Lebewesen braucht Energie. Pflanzen gewinnen sie aus dem Sonnenlicht und bauen damit bei der Fotosynthese Traubenzucker auf. Man nennt sie deshalb Produzenten, also Erzeuger. Tiere können das nicht. Sie müssen Pflanzen oder andere Tiere fressen und heißen Konsumenten, also Verbraucher. Pflanzenfresser wie die Raupe sind Konsumenten erster Ordnung, wer die Raupe frisst, etwa eine Meise, ist Konsument zweiter Ordnung, und der Sperber, der die Meise jagt, Konsument dritter Ordnung. Auch du bist Teil solcher Ketten, wenn du einen Apfel isst, bist du Konsument erster Ordnung, wenn du ein Schnitzel isst, Konsument zweiter oder dritter Ordnung, je nachdem, was das Tier vorher gefressen hat.
Stellt man diese Beziehungen hintereinander dar, entsteht eine Nahrungskette: Eichenblatt → Raupe → Meise → Sperber. Am Ende jeder Kette stehen die Destruenten, also Zersetzer wie Bakterien, Pilze und Regenwürmer. Sie bauen tote Lebewesen und Ausscheidungen ab und machen daraus Mineralstoffe, die Pflanzen wieder aufnehmen. So schließt sich der Stoffkreislauf. Auf jeder Stufe geht übrigens ein Großteil der Energie als Wärme verloren, meist rund 90 Prozent, deshalb sind Nahrungsketten selten länger als vier oder fünf Glieder. Das erklärt auch, warum es viel mehr Gras als Hasen und viel mehr Hasen als Füchse gibt – man nennt diese Abnahme die ökologische Pyramide.
Aus dem Alltag kennst du das vom Kompost im Garten: Fällt ein Apfel vom Baum und verrottet, sind es genau die Destruenten, die ihn zersetzen und die enthaltenen Stoffe wieder in die Erde bringen, aus der der Baum sie erneut aufnehmen kann. Auch ein umgestürzter Baum im Wald verschwindet nicht einfach, Pilze und Käferlarven zersetzen ihn über Jahre hinweg. Ohne Destruenten würden sich tote Pflanzen und Tiere überall stapeln und die Nährstoffe wären für immer gebunden.
Nahrungskette oder Nahrungsnetz?
In der Natur frisst kaum ein Tier nur eine einzige Nahrung. Die Meise frisst Raupen, aber auch Blattläuse und Samen, und sie wird nicht nur vom Sperber, sondern auch von Mardern gejagt. Verknüpft man alle Nahrungsketten eines Lebensraums, entsteht ein Nahrungsnetz.
Ein Nahrungsnetz ist stabiler als eine einzelne Kette: Fällt eine Beuteart aus, weichen die Räuber auf andere Nahrung aus. Stirbt zum Beispiel ein Großteil der Mäuse in einem strengen Winter, jagt der Fuchs eben mehr Kaninchen oder Insekten, und das Ökosystem gerät nicht sofort aus dem Gleichgewicht. Bei einer einzelnen Nahrungskette dagegen bricht die ganze Kette zusammen, sobald ein Glied ausfällt, denn es gibt keine Ausweichmöglichkeit.
Nahrungskette
Stellt eine einzelne, lineare Abfolge von Fressen und Gefressenwerden dar.
Beispiele
- Eichenblatt → Raupe → Meise → Sperber
- Gras → Hase → Fuchs
- Alge → Wasserfloh → Fisch → Graureiher
Signalwörter
- jede Art hat nur einen Vorgänger und einen Nachfolger
- eine gerade Reihe von Pfeilen
- vereinfachtes Modell
- startet immer mit einem Produzenten
Nahrungsnetz
Verbindet viele Nahrungsketten eines Lebensraums miteinander, weil Tiere mehrere Nahrungsquellen und Feinde haben.
Beispiele
- Die Maus frisst Samen und Insekten und wird von Eule, Fuchs und Bussard gefressen.
- Im Wald hängen Eiche, Raupe, Meise, Specht, Marder und Sperber zusammen.
- Im See fressen Hechte Rotfedern und Barsche, Barsche fressen Wasserflöhe und Insektenlarven.
Signalwörter
- Pfeile verzweigen sich
- Arten haben mehrere Beute- oder Feindarten
- bildet die Natur realistischer ab
- stabiler bei Ausfall einer Art
| Merkmal | Nahrungskette | Nahrungsnetz |
|---|---|---|
| Aufbau | eine gerade Linie von Pfeilen | viele verzweigte Pfeile |
| Nahrungsquellen pro Art | genau eine | meist mehrere |
| Bei Ausfall einer Art | die Kette bricht zusammen | andere Arten weichen aus |
| Realitätsnähe | stark vereinfacht | bildet die Natur realistischer ab |
Beispiel: Eine Nahrungskette ordnen
Ordne Fuchs, Klee, Hase und Bakterien zu einer Nahrungskette und bestimme die Rolle jedes Lebewesens.
Gegeben:
- Fuchs, Klee, Hase
- Bakterien
Gesucht:
Nahrungskette mit RollenLösung:
- Der Produzent steht am Anfang: Klee betreibt Fotosynthese.
- Klee wird vom Hasen gefressen: Hase = Konsument erster Ordnung.
- Der Hase wird vom Fuchs gefressen: Fuchs = Konsument zweiter Ordnung.
- Bakterien zersetzen tote Reste aller Glieder: Destruenten.
Klee → Hase → Fuchs; die Bakterien sind Destruenten und führen die Stoffe in den Boden zurück. Die Reihenfolge ergibt sich zwingend daraus, wer wen frisst: Klee kann nicht gefressen werden, bevor er gewachsen ist, und der Fuchs steht am Ende, weil ihn in diesem Beispiel niemand mehr jagt. Die Bakterien stehen nicht „danach“ in der Kette, sondern wirken parallel auf alle drei Stufen, sobald ein Lebewesen stirbt.
Typische Fehler bei Nahrungsketten
Der häufigste Fehler ist die falsche Pfeilrichtung, wie im ersten Abschnitt erklärt. Ein zweiter Fehler ist, den Menschen automatisch ans Ende jeder Kette zu setzen. Zwar isst der Mensch oft sehr viele Zwischenstufen, aber auch er kann von Parasiten oder nach dem Tod von Destruenten „verwertet“ werden – er steht also nicht außerhalb des Systems.
Ein dritter Fehler betrifft die Destruenten: Sie werden manchmal fälschlich zu den Konsumenten gezählt, weil sie ja auch „etwas fressen“. Der Unterschied ist aber klar: Konsumenten fressen lebende Organismen, Destruenten ausschließlich totes organisches Material wie Falllaub, Kot oder Kadaver. Auch der Zeitpunkt wird oft verwechselt: Destruenten wirken nicht erst „nach“ der Kette, sondern ständig parallel, sobald irgendwo in der Kette ein Lebewesen stirbt.
Nahrungsketten im Alltag erkennen
Nahrungsketten stecken in ganz normalen Alltagssituationen. Auf dem Teller siehst du oft nur das letzte Glied: Ein Fischstäbchen war einmal ein Fisch, der Plankton gefressen hat, das seinerseits Sonnenenergie über Algen aufgenommen hat. Auch im Supermarktregal lässt sich die Kette zurückverfolgen, vom Honig über die Biene und die Blüte bis zur Pflanze.
Auch dein eigener Garten oder Balkon zeigt ein kleines Nahrungsnetz: Blattläuse saugen an Rosen, Marienkäfer fressen die Blattläuse, Vögel picken gelegentlich Marienkäfer, und im Boden zersetzen Regenwürmer und Bakterien alles, was abstirbt. Wer im Biologieunterricht ein eigenes Nahrungsnetz zeichnen soll, findet die besten Beispiele oft direkt vor der Haustür, nicht nur im Lehrbuch.
Jetzt bist du dran
Welche Schreibweise der Nahrungskette ist richtig?
Noch nicht. Der Pfeil zeigt die Richtung des Energieflusses und bedeutet „wird gefressen von“. Die Kette beginnt deshalb beim Produzenten, weil hier die Energie über die Fotosynthese in das System hineinkommt, und endet bei dem Tier, das in dieser Kette von niemandem mehr gefressen wird.
Das Wichtigste in Kürze
- Produzenten (Pflanzen) stellen mit Sonnenlicht Nährstoffe her und stehen am Anfang jeder Kette.
- Konsumenten fressen Pflanzen oder andere Tiere und werden nach Ordnungen gezählt.
- Destruenten zersetzen tote Lebewesen und schließen den Stoffkreislauf.
- Mehrere verknüpfte Nahrungsketten bilden ein stabileres Nahrungsnetz.
- Auf jeder Stufe gehen rund 90 Prozent der Energie als Wärme verloren, deshalb sind Ketten selten länger als fünf Glieder.
- Typischer Fehler: Der Pfeil zeigt vom Gefressenen zum Fressenden, nicht umgekehrt.
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Häufige Fragen zu Nahrungsketten und Nahrungsnetze
- Was ist eine Nahrungskette?
- Eine Nahrungskette zeigt in einer festen Reihenfolge, welches Lebewesen von welchem gefressen wird, zum Beispiel Gras → Hase → Fuchs. Sie beginnt immer bei einem Produzenten, also einer Pflanze, die aus Sonnenlicht Energie gewinnt, und führt über einen oder mehrere Konsumenten weiter. Die Pfeile zeigen dabei, wohin Energie und Stoffe fließen, also vom Gefressenen zum Fresser.
- Was ist der Unterschied zwischen Nahrungskette und Nahrungsnetz?
- Eine Nahrungskette ist eine einzelne, lineare Abfolge, bei der jede Art nur einen Vorgänger und einen Nachfolger hat. Ein Nahrungsnetz verknüpft viele solcher Ketten eines Lebensraums, weil Tiere meist mehrere Nahrungsquellen und mehrere Feinde haben. Das Nahrungsnetz beschreibt die Natur deshalb realistischer und ist stabiler, weil beim Ausfall einer Art Ausweichmöglichkeiten bestehen.
- In welcher Klasse lernt man Nahrungsketten?
- Nahrungsketten und Nahrungsnetze sind ein klassisches Thema der Ökologie im Biologieunterricht der Mittelstufe, meist in Klasse 6 oder 7. Dort werden erstmals Produzenten, Konsumenten und Destruenten unterschieden und der Energiefluss durch ein Ökosystem besprochen. In höheren Klassen greifen Themen wie Stoffkreisläufe und ökologische Pyramiden diese Grundlagen wieder auf.
- Warum sind Nahrungsketten meist nur vier bis fünf Glieder lang?
- Auf jeder Stufe einer Nahrungskette geht ein Großteil der aufgenommenen Energie als Wärme durch Bewegung, Atmung und Wärmeabgabe verloren, oft rund 90 Prozent. Nur ein kleiner Teil wird in neue Körpermasse umgewandelt und steht der nächsten Stufe zur Verfügung. Nach vier oder fünf Schritten ist so wenig Energie übrig, dass eine weitere Stufe kaum noch Lebewesen ernähren könnte.
- Welche Aufgabe haben Destruenten in einer Nahrungskette?
- Destruenten wie Bakterien, Pilze und viele Bodentiere zersetzen tote Pflanzen, tote Tiere und Ausscheidungen zu einfachen Mineralstoffen. Diese Mineralstoffe gelangen in den Boden zurück, wo sie von Pflanzen erneut aufgenommen werden können. Ohne Destruenten würde der Stoffkreislauf unterbrochen, tote Biomasse würde sich anhäufen und Pflanzen fehlten irgendwann die nötigen Nährstoffe zum Wachsen.
- Wie erkenne ich, welche Ordnung ein Konsument hat?
- Man zählt die Glieder der Kette nach dem Produzenten durch. Wer direkt vom Produzenten frisst, ist Konsument erster Ordnung, wer diesen frisst, Konsument zweiter Ordnung, und so weiter. In der Kette Gras → Maus → Schlange → Falke ist die Maus Konsument erster, die Schlange zweiter und der Falke dritter Ordnung.
- Kann ein Tier in mehreren Nahrungsketten vorkommen?
- Ja, die meisten Tiere kommen in mehreren Nahrungsketten gleichzeitig vor, weil sie unterschiedliche Nahrung fressen und von unterschiedlichen Feinden gejagt werden. Genau diese Überschneidungen ergeben ein Nahrungsnetz. Ein Fuchs frisst zum Beispiel Mäuse, Kaninchen und Insekten, er steht also in mehreren Ketten gleichzeitig als Endglied.
- Warum ist ein Nahrungsnetz stabiler als eine Nahrungskette?
- Fällt in einem Nahrungsnetz eine Art aus, etwa durch Krankheit oder einen harten Winter, können Räuber auf andere Beutearten ausweichen und Beutetiere von anderen Räubern verschont bleiben. In einer einzelnen Nahrungskette gibt es diese Ausweichmöglichkeit nicht: Fällt ein Glied weg, bricht die gesamte Versorgung für alle nachfolgenden Glieder zusammen.
Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.
Das solltest du vorher können
- Fotosynthesein Arbeit
- Kennzeichen des Lebendigenin Arbeit