Klassenspace

Darwin und Lamarck – Evolutionstheorien

Darwin und Lamarck haben zwei sehr unterschiedliche Evolutionstheorien aufgestellt, um zu erklären, warum sich Arten im Lauf der Zeit verändern. Während Lamarck glaubte, dass Lebewesen erworbene Eigenschaften an ihre Nachkommen weitergeben, setzte Darwin auf Zufall und natürliche Auslese. In dieser Lektion vergleichst du beide Theorien am Beispiel der Giraffe und verstehst, warum nur eine davon bis heute wissenschaftlich anerkannt ist.

  • Fach: Biologie
  • Klasse 10
  • Thema: Evolution
  • Dauer: 20 Min
  • Niveau: Mittel
1

Darwin und Lamarck: zwei Antworten auf dieselbe Frage

Darwin und Lamarck stellten sich beide dieselbe Frage: Warum gibt es so viele unterschiedliche Arten, und warum passen sie oft so gut an ihren Lebensraum an? Lange bevor jemand die DNA kannte, versuchten Wissenschaftler, diese Vielfalt zu erklären.

Der französische Naturforscher Jean-Baptiste de Lamarck veröffentlichte bereits 1809 eine erste zusammenhängende Evolutionstheorie. Fünfzig Jahre später, 1859, veröffentlichte der britische Naturforscher Charles Darwin seine eigene, deutlich einflussreichere Theorie in seinem Werk „Die Entstehung der Arten“.

Ein häufiger Fehler ist es, beide Theorien für im Wesentlichen gleich zu halten, weil beide von einer Veränderung der Arten ausgehen. Tatsächlich unterscheiden sie sich grundlegend darin, wie diese Veränderung entsteht und wie sie an die nächste Generation weitergegeben wird.

Darwin und Lamarck stehen am Anfang einer langen Entwicklung, die erst mit der Genetik zur modernen Evolutionsbiologie wurde.
2

Lamarcks Theorie: Vererbung erworbener Merkmale

Lamarck ging davon aus, dass Organe sich durch häufigen Gebrauch verstärken und durch Nichtgebrauch zurückbilden. Ein Tier, das seinen Hals immer wieder streckt, um an höhere Blätter zu gelangen, würde nach dieser Vorstellung im Laufe seines Lebens einen etwas längeren Hals entwickeln.

Der entscheidende Punkt bei Lamarck ist die Annahme, dass solche im Laufe des Lebens erworbenen Veränderungen an die Nachkommen weitergegeben werden. Der etwas längere Hals der Elterngeneration würde demnach direkt an die nächste Generation vererbt werden, sodass sich der Hals über viele Generationen immer weiter verlängert.

Heute wissen wir, dass diese Vorstellung falsch ist. Erworbene Eigenschaften wie trainierte Muskeln oder eine gedehnte Halsmuskulatur verändern nicht die DNA in den Ei- und Samenzellen und werden deshalb nicht an die Nachkommen weitergegeben.

3

Darwins Theorie: Variation und natürliche Auslese

Darwins Theorie beruht auf zwei Grundideen: Erstens unterscheiden sich Individuen einer Art zufällig voneinander, zum Beispiel in der Halslänge. Zweitens haben manche dieser zufälligen Unterschiede einen Vorteil beim Überleben oder bei der Fortpflanzung.

Individuen mit einem vorteilhaften Merkmal überleben im Durchschnitt häufiger und bekommen mehr Nachkommen als Individuen ohne diesen Vorteil. Diesen Vorgang nennt man natürliche Auslese oder Selektion. Über viele Generationen setzt sich das vorteilhafte Merkmal in der Population immer stärker durch.

Anders als bei Lamarck spielt bei Darwin der Zufall eine zentrale Rolle: Die Variation entsteht zufällig, nicht durch aktives Bemühen der Individuen. Erst die Umwelt entscheidet im Nachhinein, welche zufällige Variation von Vorteil ist.

MerkmalLamarckDarwin
GrundideeGebrauch und Nichtgebrauch von OrganenVariation und natürliche Auslese
Rolle des Zufallskeinezentral
Vererbung erworbener Merkmaleja, angenommennein, abgelehnt
Heutiger StandwiderlegtGrundlage der modernen Biologie
Darwin und Lamarck im direkten Vergleich
4

Darwin oder Lamarck: Wie erklären sie den langen Hals der Giraffe?

Am Beispiel der Giraffe wird der Unterschied zwischen beiden Theorien besonders deutlich. Beide Theorien versuchen zu erklären, warum Giraffen einen so auffällig langen Hals besitzen, kommen aber zu ganz unterschiedlichen Erklärungen für denselben Sachverhalt.

Nach Lamarck streckten sich die Giraffen im Laufe ihres Lebens immer wieder nach höheren Blättern, ihr Hals wurde dadurch etwas länger, und diese Verlängerung wurde an die Nachkommen weitergegeben – über viele Generationen wäre so ein immer längerer Hals entstanden.

Nach Darwin gab es in der Giraffenpopulation von Anfang an zufällige Unterschiede in der Halslänge. Giraffen mit einem etwas längeren Hals konnten an höhere, weniger umkämpfte Blätter gelangen, hatten dadurch einen Überlebensvorteil und mehr Nachkommen. So setzte sich die Genvariante für einen längeren Hals über viele Generationen durch.

Lamarck (1809)

Erklärt Veränderung durch Gebrauch und direkte Vererbung erworbener Merkmale.

Beispiele

  • Giraffenhals wird durch Strecken länger
  • Muskeln werden durch Training an Kinder vererbt
  • Nichtgebrauch lässt Organe zurückbilden

Signalwörter

  • Veränderung entsteht im Laufe des Lebens
  • erworbene Merkmale werden vererbt
  • kein Bezug auf Zufall oder Auslese

Darwin (1859)

Erklärt Veränderung durch zufällige Variation und natürliche Auslese.

Beispiele

  • zufällig längere Hälse verschaffen einen Vorteil
  • Individuen mit Vorteil bekommen mehr Nachkommen
  • Merkmal setzt sich über viele Generationen durch

Signalwörter

  • Variation ist von Anfang an vorhanden
  • Auslese entscheidet erst im Nachhinein
  • Grundlage der modernen Evolutionsbiologie
Darwin und Lamarck erklären dieselbe Beobachtung, den langen Giraffenhals, auf grundlegend unterschiedliche Weise.
5

Wie erklärt Darwins Theorie Antibiotikaresistenzen bei Bakterien?

In einer Bakterienkultur werden manche Bakterien mit einem Antibiotikum behandelt. Nach einiger Zeit überleben nur noch Bakterien, die gegen das Mittel resistent sind. Erkläre diesen Vorgang mit Darwins Evolutionstheorie.

Gegeben:

  • Bakterienpopulation mit zufälliger genetischer Variation
  • manche Bakterien besitzen zufällig eine Resistenz-Mutation
  • Antibiotikum tötet nicht-resistente Bakterien ab

Gesucht:

Erklärung der Resistenzentwicklung nach Darwin

Lösung:

  1. Innerhalb der Bakterienpopulation gibt es durch zufällige Mutationen bereits vor der Behandlung genetische Unterschiede.
  2. Einige wenige Bakterien besitzen zufällig eine Mutation, die sie gegen das Antibiotikum resistent macht.
  3. Das Antibiotikum tötet die nicht-resistenten Bakterien ab, die resistenten überleben und vermehren sich weiter.
  4. Nach mehreren Generationen besteht die Population größtenteils aus resistenten Bakterien.

Die Resistenz entstand nicht durch das Antibiotikum selbst, sondern war bereits vorher durch zufällige Mutation vorhanden. Das Antibiotikum wirkte nur als Selektionsfaktor, der resistente Bakterien begünstigte – ein klassisches Beispiel für Darwins natürliche Auslese.

6

Von Darwin zur modernen Evolutionsbiologie

Darwin kannte selbst noch keine Gene und wusste nicht, wie Merkmale genau vererbt werden. Erst durch die Vererbungsregeln von Gregor Mendel und später die Entdeckung der DNA-Struktur durch Watson und Crick 1953 konnte man erklären, worauf die von Darwin beschriebene Variation überhaupt beruht: auf zufälligen Mutationen der DNA.

Die Verbindung von Darwins Selektionstheorie mit der modernen Genetik nennt man die moderne Synthese. Sie erklärt Evolution heute als Veränderung der Genhäufigkeiten in einer Population über die Zeit, angetrieben durch Mutation, Selektion und weitere Faktoren wie Zufall und Wanderung.

Damit ist die moderne Evolutionsbiologie deutlich genauer als Darwins ursprüngliche Theorie, bestätigt aber in ihrem Kern genau das, was Darwin bereits 1859 vorschlug: Variation und natürliche Auslese als Motor der Veränderung von Arten.

7

Jetzt bist du dran!

Aufgabe 1 von 5

Wer veröffentlichte 1859 das Werk „Die Entstehung der Arten“?

Wer veröffentlichte 1859 das Werk „Die Entstehung der Arten“?
8

Das Wichtigste in Kürze

  • Darwin und Lamarck lieferten unterschiedliche Erklärungen dafür, wie sich Arten im Laufe der Zeit verändern.
  • Lamarck nahm an, dass erworbene Eigenschaften durch Gebrauch entstehen und direkt vererbt werden – das gilt heute als widerlegt.
  • Darwin erklärte Evolution durch zufällige Variation und natürliche Auslese vorteilhafter Merkmale.
  • Am Beispiel der Giraffe zeigt sich der Unterschied besonders deutlich: Vererbung erworbener Merkmale gegen zufällige Variation mit Selektion.
  • Die moderne Evolutionsbiologie verbindet Darwins Theorie mit der Genetik von Mendel und der Entdeckung der DNA.
  • Typischer Fehler: zu glauben, beide Theorien seien im Wesentlichen gleich, nur weil beide von Veränderung ausgehen.

Lektion abschließen

Schließe alle Aufgaben ab, um diese Lektion zu beenden.

0 %

Häufige Fragen zu Darwin und Lamarck – Evolutionstheorien

Was ist der Unterschied zwischen Darwin und Lamarck?
Lamarck ging davon aus, dass erworbene Eigenschaften wie ein durch Gebrauch verlängerter Hals direkt an die Nachkommen vererbt werden – diese Annahme gilt heute als widerlegt. Darwin erklärte Veränderungen dagegen durch zufällige Variation innerhalb einer Population und natürliche Auslese, bei der vorteilhafte Merkmale sich über Generationen durchsetzen. Nur Darwins Grundidee gilt bis heute als wissenschaftlich korrekt.
Warum gilt Lamarcks Theorie heute als widerlegt?
Die moderne Genetik zeigt, dass Veränderungen, die ein Lebewesen im Laufe seines Lebens erwirbt, wie trainierte Muskeln, die DNA in den Keimzellen nicht verändern. Deshalb können solche erworbenen Eigenschaften nicht direkt an Nachkommen vererbt werden. Vererbt werden nur Veränderungen der DNA selbst, etwa durch zufällige Mutationen, wie es Darwins Theorie in Verbindung mit der Genetik erklärt.
Wie erklärt Darwin die Entstehung neuer Arten?
Nach Darwin entstehen innerhalb einer Population zufällig Unterschiede zwischen Individuen. Manche dieser Unterschiede verschaffen einen Vorteil beim Überleben oder bei der Fortpflanzung, sodass sich Träger dieses Merkmals stärker vermehren. Über sehr viele Generationen können sich Populationen dadurch so stark verändern, dass neue Arten entstehen.
Was ist natürliche Auslese?
Natürliche Auslese, auch Selektion genannt, beschreibt den Prozess, bei dem Individuen mit vorteilhaften Merkmalen häufiger überleben und sich fortpflanzen als Individuen ohne diesen Vorteil. Dadurch nimmt der Anteil des vorteilhaften Merkmals in der Population über die Generationen zu. Dieser Mechanismus ist der Kern von Darwins Evolutionstheorie.
Welche Rolle spielt der Zufall bei der Evolution?
Zufällige Mutationen sind die Quelle für neue genetische Variation innerhalb einer Population. Ob eine solche zufällige Veränderung von Vorteil, neutral oder nachteilig ist, entscheidet sich erst im Nachhinein durch die Umweltbedingungen. Die Selektion selbst ist dagegen nicht zufällig, sondern richtet sich klar danach, welches Merkmal einen Überlebensvorteil bietet.
Was hat Mendel mit Darwins Theorie zu tun?
Gregor Mendel entdeckte 1866 die grundlegenden Vererbungsregeln, wusste aber noch nichts von Darwins Theorie und wurde selbst lange nicht beachtet. Erst um 1900 wurden seine Erkenntnisse wiederentdeckt und mit Darwins Selektionstheorie verbunden. So entstand die moderne Synthese, die erklärt, wie Vererbung und natürliche Auslese zusammenwirken.
In welcher Klasse lernt man Darwin und Lamarck?
Die Evolutionstheorien von Darwin und Lamarck werden meist in Klasse 10 im Rahmen des Themas Evolution behandelt, oft im Anschluss an die Genetik. Dabei steht besonders der Vergleich beider Theorien am Beispiel klassischer Fälle wie der Giraffe im Mittelpunkt. In der Oberstufe wird das Thema um die moderne Synthese und aktuelle Forschung erweitert.
Gibt es heute noch Beispiele für Darwins natürliche Auslese?
Ja, ein bekanntes aktuelles Beispiel ist die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen bei Bakterien. Zufällig resistente Bakterien überleben eine Behandlung mit Antibiotika und vermehren sich, während nicht-resistente Bakterien absterben. Über mehrere Generationen setzt sich die Resistenz in der Population durch – ein direktes, gut untersuchtes Beispiel für natürliche Auslese im Alltag.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.

Das solltest du vorher können

Das kommt als Nächstes