Kräfte und ihre Wirkung
In dieser Lektion lernst du, woran man eine Kraft erkennt und welche drei Wirkungen sie haben kann. Du erfährst, warum Masse und Gewichtskraft nicht dasselbe sind, wie du die Gewichtskraft und die Kraft nach F = m · a berechnest, und wo dir Kräfte im Alltag begegnen.
- Fach: Physik
- Klasse 7
- Thema: Mechanik
- Dauer: 18 Min
- Niveau: Mittel
Woran erkennt man eine Kraft?
Kräfte kann man nicht sehen, nur ihre Wirkungen. Und davon gibt es genau drei: Eine Kraft kann einen Körper verformen, ihn beschleunigen oder abbremsen, oder seine Bewegungsrichtung ändern. Wenn du eine Feder zusammendrückst, siehst du die Verformung. Wenn ein Ball nach dem Wurf immer schneller nach unten fällt, siehst du die Beschleunigung. Wenn ein Fußball beim Kopfball die Richtung wechselt, siehst du die Richtungsänderung.
Eine Kraft hat immer eine Größe und eine Richtung. Deshalb zeichnet man sie als Pfeil: Die Länge des Pfeils steht für den Betrag, die Pfeilspitze für die Richtung, der Anfangspunkt für den Angriffspunkt. Man nennt eine solche Größe mit Betrag und Richtung einen Vektor. Gemessen wird die Kraft in Newton (N), benannt nach Isaac Newton. Ein Newton ist ungefähr die Kraft, die du brauchst, um eine Tafel Schokolade von 100 g hochzuhalten.
Damit sich überhaupt etwas an der Bewegung eines Körpers ändert, muss eine Kraft wirken. Ohne Kraft bleibt ein ruhender Körper in Ruhe und ein bewegter Körper bewegt sich geradlinig mit gleicher Geschwindigkeit weiter. Das nennt man das Trägheitsgesetz, das erste Newtonsche Gesetz. Ein Ball auf einem reibungsfreien Eis würde ewig weiterrollen, wenn ihn keine Kraft bremst.
Die Gewichtskraft berechnen
Zwischen Masse und Gewichtskraft steht ein fester Faktor: der Ortsfaktor g. Auf der Erde beträgt er rund 9,81 N/kg, auf dem Mond nur etwa 1,62 N/kg. In vielen Aufgaben darfst du mit 10 N/kg überschlagen.
Achte auf die Einheiten im Ergebnis: kg · N/kg ergibt N. Wenn in der Aufgabe Gramm stehen, musst du zuerst in Kilogramm umrechnen. Die Gewichtskraft ist dabei nur ein Sonderfall der allgemeinen Kraftgleichung F = m · a, denn der Ortsfaktor g ist nichts anderes als die Fallbeschleunigung.
- F
- Gewichtskraft (in Newton, N)
- m
- Masse (in Kilogramm, kg)
- g
- Ortsfaktor (auf der Erde 9,81 N/kg)
| Kraftart | Beispiel | Wirkt zwischen |
|---|---|---|
| Gewichtskraft | Ein Apfel fällt vom Baum | Erde und Körper |
| Reibungskraft | Ein Schlitten bremst im Schnee ab | zwei Oberflächen |
| Federkraft | Eine gespannte Feder schnellt zurück | Feder und Körper |
| Muskelkraft | Du hebst eine Kiste hoch | Muskel und Körper |
Beispielrechnung: Gewichtskraft
Ein Schulranzen hat eine Masse von 4,5 kg. Wie groß ist seine Gewichtskraft auf der Erde?
Gegeben:
- m4,5 kg
- g9,81 N/kg
Gesucht:
FLösung:
- Fm · g
- F4,5 kg · 9,81 N/kg
- F44,145 N
Die Gewichtskraft des Ranzens beträgt rund 44,1 N. Zum Vergleich: Ein Apfel hat nur etwa 1 N Gewichtskraft, ein Erwachsener dagegen rund 700 N – die Masse macht also den entscheidenden Unterschied.
Typische Fehler bei Kraft und Gewicht
Der häufigste Fehler an dieser Stelle ist, Masse und Gewichtskraft zu verwechseln. Die Masse m ist eine Eigenschaft des Körpers selbst und wird in Kilogramm angegeben. Sie ändert sich nicht, egal wo du bist – ob auf der Erde, auf dem Mond oder im Weltall. Die Gewichtskraft F ist dagegen die Kraft, mit der ein Himmelskörper an dieser Masse zieht, und wird in Newton angegeben.
Auf dem Mond hat ein Astronaut dieselbe Masse wie auf der Erde, aber nur etwa ein Sechstel der Gewichtskraft, weil der Ortsfaktor dort viel kleiner ist. „Ich wiege 60 kg“ ist deshalb umgangssprachlich, physikalisch korrekt wäre eine Masse von 60 kg und eine Gewichtskraft von etwa 600 N. In Klassenarbeiten wird genau diese Verwechslung häufig abgefragt, deshalb lohnt es sich, die beiden Größen sauber zu trennen.
Ein zweiter Fehler ist das Vergessen der Einheit oder das Vertauschen von kg und N in der Formel. Rechne immer erst die Einheiten durch: kg mal m/s² – oder kg mal N/kg bei der Gewichtskraft – muss am Ende Newton ergeben. Steht in der Aufgabe eine Masse in Gramm, musst du sie vor dem Einsetzen in Kilogramm umrechnen, sonst wird das Ergebnis um den Faktor 1000 falsch.
Kräfte im Alltag
Kräfte begegnen dir ständig, auch wenn du selten darüber nachdenkst. Wenn du ein liegen gebliebenes Auto anschiebst, wirkst du mit deiner Muskelkraft gegen die Trägheit des schweren Fahrzeugs – deshalb braucht es am Anfang, wenn das Auto noch steht, deutlich mehr Kraft als später, wenn es schon rollt. Beim Bremsen mit dem Fahrrad wirkt die Reibungskraft zwischen Bremsbelag und Felge, die deine Bewegungsenergie abbaut und dich zum Stehen bringt.
Der Sicherheitsgurt im Auto nutzt genau das Trägheitsgesetz: Bei einer plötzlichen Vollbremsung will dein Körper wegen seiner Trägheit einfach weiter geradeaus nach vorn fliegen, während das Auto schon abbremst. Der Gurt übt dann eine Kraft auf dich aus, die dich zusammen mit dem Auto abbremst, statt dich gegen die Windschutzscheibe fliegen zu lassen. Ohne diese Rückhaltekraft würde dein Körper seine Bewegung einfach fortsetzen.
Auch ein Raketenstart lässt sich mit F = m · a erklären: Die Triebwerke stoßen mit großer Kraft heiße Gase nach unten aus, und nach dem Prinzip actio gleich reactio wirkt eine gleich große Gegenkraft auf die Rakete nach oben. Je größer diese Schubkraft im Verhältnis zur Masse der Rakete ist, desto größer wird die Beschleunigung – deshalb werden leere Tankstufen während des Fluges abgeworfen, um die Masse zu verringern.
Zweites Beispiel: Kraft nach F = m · a
Ein Einkaufswagen mit einer Masse von 15 kg wird aus dem Stand mit einer Beschleunigung von 2 m/s² angeschoben. Welche Kraft ist dafür nötig?
Gegeben:
- m15 kg
- a2 ms²
Gesucht:
FLösung:
- Fm · a
- F15 kg · 2 ms²
- F30 N
Es sind 30 N nötig, um den Einkaufswagen mit 2 m/s² zu beschleunigen. Anders als bei der Gewichtskraft ist hier nicht der Ortsfaktor g, sondern die tatsächliche Beschleunigung a die zweite Größe in der Formel – F = m · a ist die allgemeine Form, F = m · g nur der Sonderfall für den freien Fall.
Jetzt bist du dran
Welche Wirkung kann eine Kraft nicht haben?
Noch nicht. Die Masse ist eine unveränderliche Eigenschaft des Körpers. Kräfte verformen, beschleunigen oder lenken ab, aber sie machen einen Körper nicht schwerer.
Das Wichtigste in Kürze
- Kräfte erkennt man an drei Wirkungen: verformen, beschleunigen, Richtung ändern.
- Eine Kraft hat Betrag, Richtung und Angriffspunkt und wird als Pfeil gezeichnet.
- Die Einheit der Kraft ist das Newton (N), 1 N = 1 kg · m/s².
- Allgemein gilt F = m · a, für die Gewichtskraft speziell F = m · g mit g = 9,81 N/kg auf der Erde.
- Typischer Fehler: Masse in kg und Gewichtskraft in N verwechseln.
- Ohne Kraft bleibt ein Körper nach dem Trägheitsgesetz in Ruhe oder gleichförmiger Bewegung – Sicherheitsgurt und Raketenstart zeigen das im Alltag.
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Schließe alle Aufgaben ab, um diese Lektion zu beenden.
Häufige Fragen zu Kräfte und ihre Wirkung
- Was ist eine Kraft in der Physik?
- Eine Kraft ist eine physikalische Größe, die einen Körper verformen, beschleunigen oder abbremsen oder seine Bewegungsrichtung ändern kann. Sie hat einen Betrag, eine Richtung und einen Angriffspunkt und wird deshalb als Pfeil dargestellt. Gemessen wird sie in Newton. Ohne wirkende Kraft ändert sich die Bewegung eines Körpers nicht.
- Was ist der Unterschied zwischen Masse und Gewichtskraft?
- Die Masse gibt an, wie viel Materie in einem Körper steckt, gemessen in Kilogramm, und ändert sich nie. Die Gewichtskraft ist die Kraft, mit der ein Himmelskörper an dieser Masse zieht, gemessen in Newton. Auf der Erde ist die Gewichtskraft rund zehnmal so groß wie die Masse in Zahlen, auf dem Mond dagegen nur etwa ein Sechstel davon.
- Wie berechnet man Kraft?
- Allgemein berechnet man Kraft mit F = m · a, also Masse mal Beschleunigung. Für die Gewichtskraft auf der Erde verwendet man den Sonderfall F = m · g mit dem Ortsfaktor g von 9,81 N/kg. Wichtig ist, die Masse vorher in Kilogramm anzugeben, damit als Ergebnis die Einheit Newton herauskommt.
- Warum hat eine Kraft eine Richtung?
- Eine Kraft wirkt immer in eine bestimmte Richtung, zum Beispiel nach unten bei der Gewichtskraft oder nach vorn beim Anschieben. Deshalb genügt eine einzelne Zahl nicht, um eine Kraft vollständig zu beschreiben. Man zeichnet sie als Pfeil, dessen Länge den Betrag und dessen Spitze die Richtung zeigt. Größen mit Betrag und Richtung nennt man Vektoren.
- Was besagt das Trägheitsgesetz?
- Das Trägheitsgesetz, auch erstes Newtonsches Gesetz genannt, besagt, dass ein Körper ohne wirkende Kraft in Ruhe bleibt oder sich mit gleicher Geschwindigkeit geradlinig weiterbewegt. Erst eine Kraft ändert diesen Zustand. Der Sicherheitsgurt im Auto nutzt genau dieses Gesetz, weil dein Körper bei einer Bremsung sonst einfach weiterfliegen würde.
- In welcher Einheit misst man Kraft?
- Kraft wird in Newton gemessen, abgekürzt N, benannt nach dem Physiker Isaac Newton. Ein Newton entspricht ungefähr der Gewichtskraft einer Tafel Schokolade von 100 g. Ausgedrückt in Grundeinheiten gilt 1 N = 1 kg · m/s².
- Warum braucht man beim Anschieben eines Autos anfangs mehr Kraft?
- Ein stehendes Auto hat wegen seiner Trägheit einen großen Widerstand gegen jede Änderung der Bewegung. Um es aus dem Stand zu beschleunigen, ist deshalb eine größere Kraft nötig als danach, wenn es bereits rollt und nur noch die Reibung überwunden werden muss. Das zeigt anschaulich, warum die Formel F = m · a von der Masse abhängt.
- Wie hängen Kraft und Beschleunigung zusammen?
- Kraft und Beschleunigung sind direkt proportional zueinander, solange die Masse gleich bleibt: Verdoppelt sich die Beschleunigung, verdoppelt sich auch die nötige Kraft. Das folgt unmittelbar aus F = m · a. Bei gleicher Kraft gilt umgekehrt, dass ein Körper mit größerer Masse weniger stark beschleunigt wird.
Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.
Das solltest du vorher können
- Größen und Einheitenin Arbeit
- Masse und Volumen messenin Arbeit