Die Hanse
Die Hanse war ein Bündnis von Kaufleuten und Städten, das im Mittelalter den Handel in Nord- und Ostsee jahrhundertelang beherrschte. In dieser Lektion lernst du, wie die Hanse entstand, welche Städte und Waren zu ihrem Netzwerk gehörten und warum sie am Ende ihre Macht wieder verlor.
- Fach: Geschichte
- Klasse 7
- Thema: Mittelalter
- Dauer: 20 Min
- Niveau: Mittel
Was war die Hanse?
Die Hanse war ein Bündnis von Kaufleuten und später von Städten im Nord- und Ostseeraum, das seinen Mitgliedern gemeinsamen Schutz und bessere Handelsbedingungen sicherte. Der Name „Hanse“ stammt von einem alten Wort für eine Schar oder Gruppe von Kaufleuten, die gemeinsam reisten, um sich vor Seeräubern und Wegelagerern zu schützen.
Ihren Ursprung nahm die Hanse 1241 mit einem Bündnis zwischen den Städten Lübeck und Hamburg, das den wichtigen Handelsweg zwischen Ostsee und Nordsee absicherte. Im Lauf der Zeit schlossen sich immer mehr Städte diesem Verbund an, sodass zeitweise über 70 Städte fest zur Hanse gehörten und weitere lose mit ihr verbunden waren.
Anders als ein Staat besaß die Hanse kein eigenes Territorium, kein Heer und keine feste Verfassung. Sie war vielmehr ein loses Netzwerk selbstständiger Städte, die sich bei gemeinsamen Interessen wie Handelsprivilegien oder dem Kampf gegen Seeräuber auf sogenannten Hansetagen in Lübeck absprachen und gemeinsam handelten.
Die wichtigsten Hansestädte und ihre Waren
Lübeck galt als heimliche Hauptstadt der Hanse, da dort die wichtigsten Versammlungen, die Hansetage, stattfanden und die Stadt am Übergang zwischen Nord- und Ostsee lag. Weitere zentrale Hansestädte waren Hamburg, Köln, Danzig, Riga und Visby auf der Insel Gotland, die als Umschlagplätze für Waren aus ganz Nordeuropa dienten.
Über die Hanse wurden vor allem Rohstoffe und Grundnahrungsmittel gehandelt, die in einer Region reichlich, in einer anderen aber knapp waren. Aus dem Osten kamen Getreide, Pelze, Wachs und Holz, aus Skandinavien Fisch, vor allem der haltbar gemachte Stockfisch und Hering, aus England und Flandern hochwertige Wolle und Tuche.
Diese Waren wurden mit speziellen Handelsschiffen transportiert, den sogenannten Koggen, die dank ihres bauchigen Rumpfes große Mengen an Fracht sicher über die raue See transportieren konnten. Die Kogge gilt bis heute als das typische Symbol der Hanse und ihres weitreichenden Seehandels.
| Herkunftsregion | Wichtige Waren |
|---|---|
| Nowgorod (Russland) | Pelze, Wachs |
| Skandinavien | Stockfisch, Hering |
| England, Flandern | Wolle, Tuche |
| Osteuropa | Getreide, Holz |
| Süddeutschland | Metallwaren, Wein |
Kontore: Hansestädte im Ausland
Damit der Handel auch außerhalb des eigenen Städtebunds sicher funktionierte, unterhielt die Hanse in wichtigen Handelsstädten des Auslands eigene Niederlassungen, sogenannte Kontore. Die beiden bedeutendsten Kontore lagen in Nowgorod im heutigen Russland und in London in England, sie unterschieden sich deutlich in ihrer Ausrichtung.
Kontor Nowgorod
Handelsstützpunkt für den Warenaustausch mit Russland im Osten
Beispiele
- Handel mit Pelzen und Wachs aus dem russischen Hinterland
- Eigene Unterkünfte und ein befestigtes Gelände für die Kaufleute
Signalwörter
- Peterhof (Name des Kontors)
- Pelzhandel
- Schließung 1494
Kontor London (Stalhof)
Handelsstützpunkt für Wolle und Tuche im Handel mit England
Beispiele
- Eigenes Gelände an der Themse mit Lagerhäusern
- Besondere Handelsprivilegien der englischen Krone
Signalwörter
- Stalhof (Name des Kontors)
- Wollhandel
- Schließung 1598
Ursachen und Folgen: Aufstieg und Niedergang der Hanse
Verfolge, wie die Hanse zur mächtigsten Handelsorganisation Nordeuropas aufstieg und warum sie diese Stellung am Ende wieder verlor.
Gegeben:
- Die Hanse sichert ihren Mitgliedsstädten gemeinsamen Schutz vor Seeräubern und Handelsprivilegien im Ausland
- Im Frieden von Stralsund 1370 erreicht die Hanse den Höhepunkt ihrer Macht gegenüber Dänemark
- Ab dem 15. Jahrhundert entstehen in England und Holland eigene, starke Handelsflotten
Gesucht:
Wie kam es vom Aufstieg der Hanse im 14. Jahrhundert zu ihrem Niedergang?Lösung:
- Ursache: Gemeinsamer Schutz und abgestimmte Handelsprivilegien machen die Hansestädte im 13. und 14. Jahrhundert wirtschaftlich besonders erfolgreich.
- Höhepunkt: Im Frieden von Stralsund 1370 zwingt die Hanse den dänischen König in die Knie und sichert sich weitreichende Handelsrechte in Skandinavien.
- Konkurrenz: Ab dem 15. Jahrhundert bauen England, Holland und andere Staaten eigene starke Handelsflotten auf und verdrängen die Hanse aus wichtigen Märkten.
- Ergebnis: Ohne eigenen Staat, ohne Heer und ohne gemeinsame Kasse kann die Hanse der wachsenden Konkurrenz nichts entgegensetzen, die Kontore schließen nach und nach.
Die Hanse verlor ihre Macht nicht durch eine einzelne Niederlage, sondern durch den schleichenden Aufstieg starker Nationalstaaten mit eigenen Handelsflotten und Kriegsschiffen. 1669 fand in Lübeck der letzte Hansetag statt, danach löste sich das Bündnis endgültig auf.
Wie die Hanse den Alltag der Menschen veränderte
Die Hanse veränderte den Alltag vieler Menschen in Nordeuropa spürbar, indem sie Waren verfügbar machte, die vorher nur selten oder gar nicht erhältlich waren. Fisch aus Skandinavien, Getreide aus Osteuropa oder Tuche aus England gelangten dank der Hansehandelswege auch in Regionen, die diese Güter selbst nicht herstellen konnten.
Auch das Aussehen vieler norddeutscher Städte ist bis heute vom Reichtum der Hansezeit geprägt. Beeindruckende Backsteinkirchen, prächtige Rathäuser und reich verzierte Kaufmannshäuser in Städten wie Lübeck, Stralsund oder Wismar zeugen von der wirtschaftlichen Blüte, die der Handel den Hansestädten brachte.
Die Hanse förderte zudem einheitliche Regeln für Handel, Maße und teilweise auch Recht, was den Austausch zwischen den Städten erheblich erleichterte. Solche gemeinsamen Standards gelten als früher Vorläufer moderner Handelsabkommen zwischen verschiedenen Staaten und Regionen.
Typische Fehler und Alltagsbezug
Ein häufiger Fehler ist, die Hanse mit einem Staat oder einem festen politischen Bündnis wie einer heutigen Union zu verwechseln. Tatsächlich hatte sie keine gemeinsame Regierung, kein stehendes Heer und keine feste Mitgliederliste, sie beruhte allein auf gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitgliedsstädte.
Ein zweiter Fehler ist die Annahme, die Hanse habe nur an der deutschen Küste bestanden. Ihr Handelsnetz reichte tatsächlich von London im Westen über Brügge und Köln bis nach Riga und Nowgorod im Osten und umfasste damit weite Teile Nord- und Osteuropas.
Im Alltag begegnet uns das Erbe der Hanse bis heute, etwa im Namen der deutschen Fluggesellschaft Lufthansa, die sich bewusst auf die alte Handelstradition bezieht. Auch viele historische Altstädte an Nord- und Ostsee verdanken ihr heutiges Erscheinungsbild dem einstigen Reichtum der Hansezeit.
Jetzt bist du dran
In welchem Jahr schlossen Lübeck und Hamburg das Bündnis, das als Beginn der Hanse gilt (Jahreszahl)?
Das Wichtigste in Kürze
- Die Hanse war ein Bündnis von Kaufleuten und Städten im Nord- und Ostseeraum, das 1241 mit Lübeck und Hamburg begann.
- Zeitweise gehörten über 70 Städte fest zur Hanse, wichtige Zentren waren Lübeck, Hamburg, Köln, Danzig und Riga.
- Über das Handelsnetz der Hanse wurden Waren wie Pelze, Fisch, Wolle und Getreide mit dem Schiffstyp Kogge transportiert.
- Auslandsniederlassungen, sogenannte Kontore, sicherten den Handel in Städten wie Nowgorod und London ab.
- Ab dem 15. Jahrhundert verlor die Hanse durch die Konkurrenz starker Nationalstaaten an Bedeutung, 1669 fand der letzte Hansetag statt.
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Häufige Fragen zu Die Hanse
- Was war die Hanse einfach erklärt?
- Die Hanse war ein Bündnis von Kaufleuten und später von Städten im Nord- und Ostseeraum, das gemeinsamen Schutz und bessere Handelsbedingungen sicherte. Sie begann 1241 mit einem Bündnis zwischen Lübeck und Hamburg und umfasste zeitweise über 70 Städte.
- Welche Städte gehörten zur Hanse?
- Zu den wichtigsten Hansestädten zählten Lübeck als heimliche Hauptstadt, außerdem Hamburg, Köln, Danzig, Riga und Visby auf Gotland. Insgesamt gehörten zeitweise über 70 Städte fest zur Hanse, weitere waren lose mit ihr verbunden.
- Was wurde im Handel der Hanse transportiert?
- Über die Hanse wurden vor allem Rohstoffe gehandelt: Pelze und Wachs aus Nowgorod, Stockfisch und Hering aus Skandinavien, Wolle und Tuche aus England sowie Getreide und Holz aus Osteuropa. Transportiert wurden diese Waren meist mit dem Schiffstyp Kogge.
- Was war ein Kontor der Hanse?
- Ein Kontor war eine Handelsniederlassung der Hanse in einer wichtigen ausländischen Stadt, etwa in Nowgorod oder London. Dort besaßen hansische Kaufleute eigene Lagerhäuser, Unterkünfte und besondere Handelsprivilegien.
- Warum ging die Hanse unter?
- Die Hanse verlor ab dem 15. Jahrhundert an Bedeutung, weil starke Nationalstaaten wie England und Holland eigene Handelsflotten aufbauten und der Hanse Konkurrenz machten. Da sie keinen eigenen Staat und kein Heer besaß, konnte sie dem nichts entgegensetzen, 1669 fand der letzte Hansetag statt.
- Was war der Frieden von Stralsund?
- Der Frieden von Stralsund 1370 beendete einen Krieg zwischen der Hanse und Dänemark mit einem klaren Sieg der Hanse. Er gilt als Höhepunkt der hansischen Macht, weil Dänemark der Hanse weitreichende Handelsrechte in Skandinavien zugestehen musste.
- Was bedeutet der Name „Hanse“?
- Das Wort „Hanse“ stammt von einem alten Begriff für eine Schar oder Gruppe von Kaufleuten, die gemeinsam reisten. Diese Kaufleute schlossen sich zusammen, um sich unterwegs vor Seeräubern und Wegelagerern zu schützen.
- In welcher Klasse behandelt man die Hanse im Geschichtsunterricht?
- Die Hanse wird meist in Klasse 7 im Rahmen des Mittelalters behandelt, oft zusammen mit dem Leben in mittelalterlichen Städten. Im Mittelpunkt stehen der Aufbau des Handelsbündnisses, die wichtigsten Waren und Städte sowie sein Aufstieg und Niedergang.
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