Die Alpen: ein Hochgebirge
Die Alpen sind das höchste Gebirge Europas und reichen vom Mittelmeer bis nach Wien. In dieser Lektion lernst du, wie sie entstanden sind, woran man ein Hochgebirge erkennt und wie sich Klima und Pflanzen mit der Höhe verändern.
- Fach: Geografie
- Klasse 6
- Thema: Geologie
- Dauer: 16 Min
- Niveau: Mittel
Ein Gebirge aus dem Meeresboden
Die Alpen erstrecken sich über etwa 1200 km in einem Bogen von Nizza bis Wien und haben Anteil an acht Staaten, darunter Deutschland, Österreich, die Schweiz, Italien und Frankreich. Der höchste Gipfel ist der Mont Blanc mit 4806 m, in Deutschland die Zugspitze mit 2962 m. Über 80 Gipfel sind höher als 4000 m. Weil sie so hoch, steil und zerklüftet sind, zählen die Alpen zu den Hochgebirgen.
Entstanden sind die Alpen, weil die Afrikanische Platte seit rund 100 Millionen Jahren nach Norden gegen die Eurasische Platte drückt. Dabei wurden Gesteinsschichten, die sich vorher am Boden eines Meeres abgelagert hatten, zusammengeschoben, gefaltet und übereinandergestapelt. Deshalb findet man in Kalkfelsen der Alpen versteinerte Muscheln und Ammoniten. Die Alpen sind ein junges Faltengebirge und heben sich bis heute um etwa 1 mm pro Jahr, während Wasser und Eis sie gleichzeitig abtragen.
In den Eiszeiten waren die Alpen fast vollständig von Gletschern bedeckt. Das Eis schürfte die typischen U-förmigen Täler aus und schob Schutt vor sich her, aus dem heute Seen wie der Bodensee oder der Chiemsee aufgestaut sind. Auch heute noch bedecken Gletscher wie der Aletschgletscher in der Schweiz größere Flächen, sie schrumpfen jedoch durch die Klimaerwärmung deutlich.
Hochgebirge oder Mittelgebirge?
In Deutschland gibt es beide Gebirgsarten: die Alpen im Süden und viele Mittelgebirge wie Harz, Schwarzwald oder Erzgebirge. Sie unterscheiden sich nicht nur in der Höhe, sondern auch in Form und Alter.
Faustregel: Ragt ein Gebirge deutlich über die Waldgrenze hinaus und trägt Gletscher, ist es ein Hochgebirge.
Hochgebirge
Gipfel über etwa 1500 bis 2000 m, steile Formen und Flächen oberhalb der Baumgrenze.
Beispiele
- Alpen mit dem Mont Blanc, 4806 m
- Zugspitze, 2962 m, mit dem Nördlichen Schneeferner als Gletscher
- Himalaya mit dem Mount Everest, 8849 m
Signalwörter
- spitze Gipfel und Grate
- Gletscher und ewiger Schnee
- U-Täler
- über der Baumgrenze
- geologisch jung
Mittelgebirge
Höhen meist zwischen 500 und 1500 m, abgerundete Kuppen, fast überall bewaldet.
Beispiele
- Harz mit dem Brocken, 1141 m
- Schwarzwald mit dem Feldberg, 1493 m
- Erzgebirge mit dem Fichtelberg, 1215 m
Signalwörter
- runde Kuppen
- keine Gletscher
- meist bewaldet
- geologisch alt und abgetragen
| Merkmal | Hochgebirge (Alpen) | Mittelgebirge (Harz) |
|---|---|---|
| Höchster Punkt | Mont Blanc, 4806 m | Brocken, 1141 m |
| Form | spitze Felsgipfel, Grate | runde, bewaldete Kuppen |
| Gletscher | vorhanden, wenn auch schrumpfend | keine |
| Alter | geologisch jung, wächst noch | geologisch alt, wird abgetragen |
Wie kalt ist es auf der Zugspitze?
In Garmisch-Partenkirchen auf 700 m zeigt das Thermometer 20 °C. Wie warm ist es ungefähr auf dem Gipfel der Zugspitze in 2962 m Höhe?
Gegeben:
- Temperatur in 700 m Höhe: 20 °C
- Gipfelhöhe: 2962 m
- Faustregel: Die Temperatur sinkt um etwa 0,6 °C je 100 m Höhe.
Gesucht:
Temperatur auf dem GipfelLösung:
- Höhenunterschied berechnen: 2962 m - 700 m = 2262 m, also rund 2260 m.
- Temperaturabnahme berechnen: 2260 m sind 22,6 mal 100 m. 22,6 · 0,6 °C = etwa 13,6 °C.
- Von der Taltemperatur abziehen: 20 °C - 13,6 °C = 6,4 °C.
Auf dem Gipfel sind es nur etwa 6 °C. Deshalb ändert sich die Pflanzenwelt mit der Höhe: Auf Laub- und Nadelwald folgen Latschen und Almwiesen, oberhalb von etwa 2000 bis 2400 m nur noch Fels, Schnee und Eis.
Typische Fehler
Ein typischer Fehler ist die Annahme, die Alpen seien alt und längst fertig geformt. Tatsächlich sind sie geologisch jung – deutlich jünger als etwa der Harz – und genau deshalb noch so hoch und spitz. Alte Gebirge wurden über Hunderte Millionen Jahre abgetragen und sind heute rund. Wer die Alpen als „altes Gebirge“ bezeichnet, verwechselt vermutlich ihr Alter mit ihrer beeindruckenden Höhe.
Ein zweiter Fehler betrifft die Faustregel zur Temperaturabnahme: Sie gilt nur ungefähr und nur für trockene Luft ohne starken Wind oder Föhn. An einzelnen Tagen kann die tatsächliche Temperatur in den Alpen deutlich davon abweichen, etwa wenn warme Föhnluft von Süden über die Alpen strömt und im Norden für ungewöhnlich milde Temperaturen sorgt. Für Klassenarbeiten reicht die Faustregel von 0,6 °C je 100 m aber völlig aus.
Alltagsbezug: Leben mit dem Hochgebirge
Die Alpen prägen den Alltag von Millionen Menschen. Im Winter sind sie Europas wichtigstes Skigebiet, im Sommer ein Ziel für Wanderer und Bergsteiger. Ganze Regionen wie Tirol oder das Berchtesgadener Land leben vom Tourismus, der eng mit der Höhe und dem Klima des Gebirges zusammenhängt: Schneesicherheit entscheidet über die Länge der Wintersaison, und viele Skigebiete müssen wegen der Klimaerwärmung zunehmend künstlich beschneien.
Auch der Verkehr durch die Alpen ist eine tägliche Herausforderung. Tunnel wie der Gotthard-Basistunnel in der Schweiz, mit rund 57 km einer der längsten Eisenbahntunnel der Welt, sollen den Warenverkehr zwischen Nord- und Südeuropa unter dem Gebirge hindurchführen, statt ihn über hohe Alpenpässe zu leiten. Das schont Umwelt und Anwohner, weil weniger Lastwagen über die engen Passstraßen fahren müssen.
Jetzt bist du dran!
Wie sind die Alpen entstanden?
Noch nicht. Die Alpen sind ein Faltengebirge. Der Druck der Afrikanischen Platte hat ehemalige Meeresablagerungen gefaltet und gehoben. Gletscher haben die Täler später nur umgeformt.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Alpen sind rund 1200 km lang, der höchste Gipfel ist der Mont Blanc mit 4806 m, in Deutschland die Zugspitze mit 2962 m.
- Sie sind ein junges Faltengebirge, entstanden durch den Druck der Afrikanischen gegen die Eurasische Platte.
- Gletscher der Eiszeiten formten U-Täler und Seen wie den Bodensee.
- Mit je 100 m Höhe sinkt die Temperatur um etwa 0,6 °C, deshalb ändern sich die Pflanzen mit der Höhe.
- Typischer Fehler: die Alpen für alt halten. Gerade weil sie jung sind, sind sie so hoch und spitz.
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Häufige Fragen zu Die Alpen: ein Hochgebirge
- Wie hoch ist der höchste Berg der Alpen?
- Der höchste Berg der Alpen ist der Mont Blanc an der Grenze zwischen Frankreich und Italien mit 4806 m. Er ist damit auch der höchste Berg Westeuropas. In Deutschland liegt der höchste Alpengipfel, die Zugspitze, mit 2962 m deutlich niedriger.
- Wie sind die Alpen entstanden?
- Die Alpen entstanden, weil die Afrikanische Platte seit rund 100 Millionen Jahren gegen die Eurasische Platte drückt. Dabei wurden Gesteinsschichten, die sich am Boden eines früheren Meeres abgelagert hatten, gefaltet, gehoben und übereinandergeschoben. Die Hebung hält bis heute an, wird aber durch Verwitterung und Erosion teilweise ausgeglichen.
- Welche Länder haben Anteil an den Alpen?
- Acht Staaten haben Anteil an den Alpen: Frankreich, Monaco, Italien, die Schweiz, Liechtenstein, Deutschland, Österreich und Slowenien. Der größte Flächenanteil liegt in Österreich, gefolgt von Italien und Frankreich.
- Warum wird es in den Bergen kälter, obwohl man näher an der Sonne ist?
- Die Entfernung zur Sonne ändert sich durch ein paar Tausend Höhenmeter praktisch nicht. Entscheidend ist, dass die Luft mit der Höhe dünner wird und weniger Wärme speichern kann. Zudem wärmt sich die Luft vor allem durch die von der Sonne erwärmte Erdoberfläche auf, und diese Wärmequelle ist in großer Höhe weiter entfernt und schwächer wirksam.
- Was ist der Unterschied zwischen Hochgebirge und Mittelgebirge?
- Ein Hochgebirge wie die Alpen hat spitze Felsgipfel, Gletscher und eine Baumgrenze, über der kein Wald mehr wächst, und ist geologisch jung. Ein Mittelgebirge wie der Harz ist geologisch alt, hat runde, bewaldete Kuppen und keine Gletscher. Die reine Höhe allein ist kein sicheres Unterscheidungsmerkmal.
- Schrumpfen die Gletscher der Alpen wirklich?
- Ja. Durch die Klimaerwärmung haben die Alpengletscher seit Mitte des 19. Jahrhunderts einen Großteil ihres Volumens verloren, der Rückgang hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich beschleunigt. Kleinere Gletscher wie der Nördliche Schneeferner an der Zugspitze sind inzwischen fast vollständig verschwunden.
- Warum liegen so viele Seen am Alpenrand?
- Während der Eiszeiten schoben die Alpengletscher große Mengen Schutt und Geröll vor sich her. Als das Eis am Ende der Eiszeit schmolz, blieben diese Ablagerungen als natürliche Dämme zurück und stauten das Schmelzwasser zu Seen wie dem Bodensee, dem Chiemsee oder dem Genfersee auf.
- In welcher Klasse wird das Thema Alpen im Geografieunterricht behandelt?
- Die Alpen als Hochgebirge werden meist in Klasse 5 oder 6 im Rahmen der deutschen und europäischen Landschaften eingeführt. In höheren Klassen wird das Thema oft vertieft, etwa mit Blick auf Tourismus, Verkehr oder die Folgen des Klimawandels für die Gletscher.
Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.
Das solltest du vorher können
- Plattentektonik
- Deutschlands Landschaftenin Arbeit
Das kommt als Nächstes
- Vulkanismus
- Tourismus in den Alpenin Arbeit