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Vorsilben und Nachsilben: Wortbausteine einfach erklärt

Vorsilben und Nachsilben sind Wortbausteine, die vor oder hinter einen Wortstamm gesetzt werden und daraus neue Wörter machen. Vorsilben wie ver-, be- oder un- stehen vorn, Nachsilben wie -ung, -heit oder -lich stehen hinten. In dieser Lektion lernst du, wie du Wörter in ihre Bausteine zerlegst, wie sich dadurch Bedeutung und Wortart ändern und wie dir das beim richtigen Schreiben hilft.

  • Fach: Deutsch
  • Klasse 5
  • Thema: Rechtschreibung
  • Dauer: 15 Min
  • Niveau: Einfach
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Vorsilben und Nachsilben: Wortbausteine erkennen

Viele Wörter im Deutschen sind wie Bausätze aufgebaut. In der Mitte steht der Wortstamm, der die Grundbedeutung trägt, zum Beispiel fahr- in fahren, Fahrer oder Abfahrt. Davor und dahinter lassen sich kleine Bausteine anfügen, die wir Vorsilben und Nachsilben nennen. Weil man mit wenigen Bausteinen sehr viele Wörter bilden kann, ist das ein sparsamer Trick der Sprache.

Eine Vorsilbe, in der Fachsprache Präfix genannt, steht vor dem Wortstamm. Sie verändert meistens die Bedeutung: Aus laufen wird verlaufen, entlaufen oder zerlaufen, und jedes dieser Wörter meint etwas anderes. Eine Nachsilbe, auch Suffix genannt, steht hinter dem Stamm. Sie verändert oft die Wortart: Aus dem Verb heilen wird mit -ung das Nomen Heilung, aus dem Nomen Freund wird mit -lich das Adjektiv freundlich.

Wichtig ist: Vorsilben und Nachsilben sind keine eigenen Wörter, sie kommen nie allein vor. Du kannst nicht sagen „Ich habe ver“ oder „Das ist lich“. Sie sind fest mit dem Stamm verbunden und werden immer mit ihm zusammengeschrieben. Genau das macht sie für die Rechtschreibung so nützlich, denn wer die Bausteine erkennt, schreibt lange Wörter sicherer.

Aus dem Wortstamm zahl- entsteht Schritt für Schritt das Wort unbezahlbar.
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Vorsilben und Nachsilben im Vergleich

Die häufigsten Vorsilben sind ver-, be-, ent-, er-, zer-, miss-, un-, vor-, ab-, auf- und an-. Manche von ihnen kehren die Bedeutung um, etwa un- in unfair oder unglücklich. Andere geben dem Verb eine neue Richtung, etwa ab- in abfahren oder auf- in aufstehen. Bei Verben mit ver- ist oft von einem Fehler oder einem Ende die Rede: verlaufen, verschlafen, verbrauchen.

Bei den Nachsilben unterscheidest du zwei Gruppen. Mit -ung, -heit, -keit, -schaft und -nis entstehen Nomen, die du großschreibst: Zeitung, Schönheit, Freundlichkeit, Freundschaft, Ergebnis. Mit -lich, -ig, -bar, -sam, -haft und -los entstehen Adjektive, die du kleinschreibst: freundlich, ruhig, essbar, sparsam, fehlerhaft, hoffnungslos. An der Nachsilbe erkennst du also, ob du groß oder klein schreiben musst.

Vorsilbe

Wenn der Baustein vor dem Wortstamm steht und meist die Bedeutung verändert.

Beispiele

  • verlaufen, entlaufen, zerlaufen
  • unfair, unklar, unmöglich
  • Missverständnis, Vorsicht

Signalwörter

  • steht immer am Wortanfang
  • wird mit dem Stamm zusammengeschrieben
  • ändert meistens die Bedeutung
  • kann das Gegenteil bilden (un-, miss-)

Nachsilbe

Wenn der Baustein hinter dem Wortstamm steht und oft die Wortart verändert.

Beispiele

  • Heilung, Schönheit, Freundschaft
  • freundlich, ruhig, essbar
  • hoffnungslos, sparsam

Signalwörter

  • steht immer am Wortende
  • macht aus Verben und Nomen neue Wörter
  • zeigt Nomen (-ung, -heit) oder Adjektive (-lich, -ig)
  • entscheidet über Groß- oder Kleinschreibung
NachsilbeWortartBeispielSchreibung
-ungNomenZeitung, Heilunggroß
-heit / -keitNomenSchönheit, Freundlichkeitgroß
-schaftNomenFreundschaft, Wissenschaftgroß
-lich / -igAdjektivfreundlich, ruhigklein
-bar / -samAdjektivessbar, sparsamklein
Häufige Nachsilben und die Wortart, die sie bilden
Vorsilben ändern meist die Bedeutung, Nachsilben oft die Wortart.
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Wörter in Wortbausteine zerlegen: Beispielanalyse

Zerlege die Wörter Erfindung, Freundlichkeit und unvergesslich in Vorsilbe, Wortstamm und Nachsilbe und erkläre, was die Bausteine bewirken.

Gegeben:

  • Erfindung
  • Freundlichkeit
  • unvergesslich

Gesucht:

Vorsilbe, Wortstamm und Nachsilbe jedes Wortes mit der Wirkung der Bausteine

Lösung:

  1. Erfindung: Der Stamm ist find-, das Verb finden. Die Vorsilbe er- gibt dem Verb eine neue Bedeutung, erfinden heißt, etwas Neues zu schaffen. Die Nachsilbe -ung macht daraus das Nomen Erfindung, deshalb schreibst du es groß.
  2. Freundlichkeit: Der Stamm ist Freund. Mit -lich entsteht das Adjektiv freundlich. Mit -keit wird daraus wieder ein Nomen, nämlich Freundlichkeit. Nach der Nachsilbe -lich steht immer -keit, nie -heit.
  3. unvergesslich: Der Stamm ist gess-, er stammt von vergessen. Davor stehen die Vorsilben ver- und un-, dahinter die Nachsilbe -lich. Das Wort ist ein Adjektiv und kommt damit ohne Großschreibung aus. Die Vorsilbe un- kehrt die Bedeutung um: nicht vergesslich.
  4. Probe: Entferne die Bausteine nacheinander. Aus unvergesslich wird vergesslich, daraus vergessen. Bleibt am Ende ein Wort mit Sinn übrig, hast du richtig zerlegt.

Erfindung = er- + find + -ung, Freundlichkeit = Freund + -lich + -keit, unvergesslich = un- + ver- + gess + -lich. Die Vorsilben ändern die Bedeutung, die Nachsilben bestimmen die Wortart. Mit dieser Zerlegung begründest du auch die Schreibung.

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Typische Fehler bei Vorsilben und Nachsilben

Der häufigste Fehler ist, die Vorsilbe vom Stamm zu trennen. Manche schreiben „ver laufen“ oder „un fair“, weil sie die Bausteine als eigene Wörter sehen. Merke: Vorsilben werden immer mit dem Stamm zusammengeschrieben. Eine Ausnahme gibt es erst später bei den trennbaren Verben, wo die Vorsilbe im Satz vom Verb wegrutscht, etwa „Ich stehe früh auf“.

Ein zweiter Fehler betrifft die Verwechslung ähnlicher Vorsilben. Die Wörter ver- und vor- klingen fast gleich, bedeuten aber Verschiedenes: verlaufen heißt sich verirren, vorlaufen heißt vorausrennen. Ebenso unterscheiden sich ent- und end-. Entlassen beginnt mit der Vorsilbe ent-, Endung kommt von Ende. Prüfe im Zweifel, ob du das Wort von „Ende“ ableiten kannst.

Der dritte Fehler passiert bei doppelten Buchstaben. Treffen Vorsilbe und Stamm mit demselben Konsonanten aufeinander, schreibst du beide: mitteilen, abbauen, zerreißen. Wer nur einen Buchstaben schreibt, verändert das Wort. Auch -keit und -heit werden verwechselt. Nach -ig, -lich, -bar und -sam folgt -keit, bei den übrigen Adjektiven -heit: Ehrlichkeit, aber Schönheit.

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Tipps für die Klassenarbeit zu Wortbausteinen

In Klassenarbeiten sollst du Wörter meist in Bausteine zerlegen oder mit vorgegebenen Silben neue Wörter bilden. Gehe immer vom Wortstamm aus. Unterstreiche ihn zuerst, kreise danach die Vorsilbe ein und markiere zuletzt die Nachsilbe. So verlierst du keinen Baustein, und die Wortart fällt dir sofort auf.

Nutze die Bausteine auch beim Schreiben. Bei einem unbekannten langen Wort zerlegst du es im Kopf in kleine Stücke und schreibst Baustein für Baustein. Aus dem Stamm kennst du außerdem die Schreibung: Wer weiß, dass Zahlung von zahlen kommt, schreibt nie „Tsahlung“. Wenn du unsicher bist, bilde ein verwandtes Wort mit demselben Stamm und vergleiche.

Lege dir zuletzt eine eigene Liste an. Schreibe auf eine Karte die zehn Vorsilben und Nachsilben, die dir am schwersten fallen, jeweils mit einem Beispiel. Zehn Minuten Wiederholen pro Tag reichen aus. Vor der Arbeit gehst du die Karten einmal durch und prüfst dich selbst, indem du die Beispiele abdeckst.

Die Merkkarte fasst die wichtigsten Regeln zu Vorsilben und Nachsilben zusammen.
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Jetzt bist du dran

Aufgabe 1 von 5

In welchem Wort steht eine Vorsilbe?

In welchem Wort steht eine Vorsilbe?
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Das Wichtigste in Kürze

  • Wörter bestehen aus Wortstamm, Vorsilbe und Nachsilbe.
  • Die Vorsilbe steht vorn und verändert meist die Bedeutung, zum Beispiel verlaufen oder unfair.
  • Die Nachsilbe steht hinten und bestimmt oft die Wortart: -ung, -heit und -keit bilden Nomen, -lich und -ig bilden Adjektive.
  • Wortbausteine werden zusammengeschrieben, bei zwei gleichen Buchstaben bleiben beide stehen: mitteilen, zerreißen.
  • Nach -lich, -ig, -bar und -sam folgt die Nachsilbe -keit, sonst -heit.

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Häufige Fragen zu Vorsilben und Nachsilben: Wortbausteine einfach erklärt

Was sind Vorsilben und Nachsilben?
Vorsilben und Nachsilben sind Wortbausteine, die nicht allein stehen können. Eine Vorsilbe steht vor dem Wortstamm, zum Beispiel ver- in verlaufen. Eine Nachsilbe steht dahinter, zum Beispiel -ung in Heilung. Mit ihnen lassen sich aus einem Stamm viele neue Wörter bilden.
Was ist der Unterschied zwischen Vorsilbe und Nachsilbe?
Der Unterschied liegt in der Stellung und der Wirkung. Die Vorsilbe steht am Wortanfang und verändert meist die Bedeutung. Die Nachsilbe steht am Wortende und verändert oft die Wortart. Aus dem Verb heilen wird mit -ung das Nomen Heilung.
Welche Vorsilben gibt es im Deutschen?
Zu den häufigsten Vorsilben zählen ver-, be-, ent-, er-, zer-, miss-, un-, vor-, ab-, auf- und an-. Manche, wie un- und miss-, kehren die Bedeutung um. Andere, wie ab- und auf-, geben dem Verb eine Richtung. Eine vollständige Liste gibt es nicht, weil immer wieder neue Bildungen entstehen.
Welche Nachsilben bilden Nomen und welche Adjektive?
Nomen bilden die Nachsilben -ung, -heit, -keit, -schaft und -nis, zum Beispiel Zeitung, Schönheit und Freundschaft. Adjektive bilden -lich, -ig, -bar, -sam, -haft und -los, zum Beispiel freundlich, ruhig, essbar und hoffnungslos. Nomen schreibst du groß, Adjektive klein.
Wann schreibt man -heit und wann -keit?
Nach den Nachsilben -ig, -lich, -bar und -sam folgt -keit: Einigkeit, Freundlichkeit, Dankbarkeit, Sparsamkeit. Bei den übrigen Adjektiven steht -heit: Schönheit, Freiheit, Gesundheit. Wenn du das Wort in Bausteine zerlegst, erkennst du schnell, welche Endung passt.
Wie zerlege ich ein Wort in Wortbausteine?
Suche zuerst den Wortstamm, also den Teil mit der Grundbedeutung. Unterstreiche ihn. Markiere dann alles, was davor steht, als Vorsilbe, und alles dahinter als Nachsilbe. Zur Probe nimmst du die Bausteine nacheinander weg und prüfst, ob jeweils ein sinnvolles Wort übrig bleibt.
Warum schreibt man mitteilen mit zwei t?
Mitteilen besteht aus der Vorsilbe mit- und dem Verb teilen. Weil die Vorsilbe auf t endet und der Stamm mit t beginnt, bleiben beide Buchstaben stehen. Ebenso schreibst du abbauen mit zwei b und zerreißen mit zwei r.
In welcher Klasse lernt man Vorsilben und Nachsilben?
Wortbausteine werden meist in Klasse 5 behandelt, oft schon in der Grundschule vorbereitet. Sie bilden die Grundlage für Wortfamilien, zusammengesetzte Wörter und die Rechtschreibung und kommen in höheren Klassen immer wieder vor.

Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.