Imperativ (Befehlsform)
Der Imperativ, auch Befehlsform genannt, wird verwendet, um Aufforderungen, Bitten oder Anweisungen auszudrücken. In dieser Lektion lernst du, wie du den Imperativ für du, ihr und die Höflichkeitsform Sie richtig bildest und welche Verben dabei Besonderheiten zeigen.
- Fach: Deutsch
- Klasse 6
- Thema: Grammatik
- Dauer: 15 Min
- Niveau: Mittel
Der Imperativ drückt Aufforderungen aus
Der Imperativ ist die Befehlsform des Verbs und drückt eine Aufforderung, eine Bitte oder eine Anweisung aus: „Mach die Tür zu!“, „Bitte hilf mir!“, „Achtung, warte!“ Er richtet sich immer direkt an eine oder mehrere Personen, die etwas tun sollen.
Für die du-Form wird der Imperativ vom Verbstamm gebildet, also vom Infinitiv ohne die Endung -en: kommen wird zu komm, machen zu mach. Im Alltag lässt man die früher übliche Endung -e meist weg, außer bei Verben, die sonst schwer auszusprechen wären, etwa bei atme oder rechne.
Für die ihr-Form hängst du an den Verbstamm die Endung -t an, genau wie bei der normalen ihr-Form im Präsens: kommt, macht, helft. Die Sie-Form bildest du dagegen aus dem Infinitiv plus dem Pronomen Sie, das nach dem Verb steht: Kommen Sie!, Machen Sie!
Nach einer Imperativform steht meist ein Ausrufezeichen, besonders bei kurzen, nachdrücklichen Aufforderungen. Bei höflicheren Bitten mit bitte kann auch ein Punkt stehen: „Bitte komm doch mal her.“ Beide Varianten sind möglich, je nachdem, wie eindringlich die Aufforderung wirken soll.
du, ihr oder Sie – welche Form passt?
Welche Imperativform du wählst, hängt davon ab, wen du ansprichst und wie vertraut ihr miteinander seid. Die du-Form nutzt du bei einer einzelnen Person, mit der du per du bist, etwa einem Freund oder Geschwisterkind. Die ihr-Form gilt entsprechend für mehrere vertraute Personen.
Die Sie-Form dagegen wird verwendet, wenn du eine oder mehrere Personen höflich und formell ansprichst, etwa Lehrkräfte, fremde Erwachsene oder in offiziellen Texten wie Bedienungsanleitungen. Sie unterscheidet sich von der du- und ihr-Form dadurch, dass sie direkt aus dem unveränderten Infinitiv gebildet wird.
du- und ihr-Form
Wenn eine oder mehrere vertraute Personen direkt und persönlich angesprochen werden.
Beispiele
- Komm her!
- Kommt her!
- Räum dein Zimmer auf!
Signalwörter
- Verbstamm meist ohne -e
- ihr-Form mit Endung -t
- kein Pronomen im Satz nötig
- vertraute, persönliche Anrede
Sie-Form
Wenn eine oder mehrere Personen höflich, formell oder in offiziellen Texten angesprochen werden.
Beispiele
- Kommen Sie her!
- Nehmen Sie bitte Platz!
- Füllen Sie das Formular aus!
Signalwörter
- unveränderter Infinitiv
- Pronomen Sie direkt nach dem Verb
- typisch in Anleitungen und im formellen Kontext
- höfliche, distanzierte Anrede
| Infinitiv | du-Form | ihr-Form | Sie-Form |
|---|---|---|---|
| kommen | Komm! | Kommt! | Kommen Sie! |
| nehmen | Nimm! | Nehmt! | Nehmen Sie! |
| sein | Sei! | Seid! | Seien Sie! |
| fahren | Fahr! | Fahrt! | Fahren Sie! |
Den Imperativ eines unregelmäßigen Verbs bilden
Bilde von dem Verb „nehmen“ den Imperativ für du, ihr und Sie in dem Satz „(du) das Buch mit!“
Gegeben:
- Infinitiv: nehmen
- Satz: „… das Buch mit!“
Gesucht:
die drei Imperativformen für du, ihr und SieLösung:
- du-Form bilden: nehmen zeigt im Präsens den e/i-Wechsel (du nimmst), dieser Wechsel bleibt auch im Imperativ erhalten: Nimm das Buch mit!
- ihr-Form bilden: An den Stamm nehm- wird die Endung -t angehängt, ohne den e/i-Wechsel, da er nur bei du gilt: Nehmt das Buch mit!
- Sie-Form bilden: Der unveränderte Infinitiv nehmen wird verwendet, gefolgt vom Pronomen Sie: Nehmen Sie das Buch mit!
- Vergleich ziehen: Nur die du-Form zeigt den e/i-Wechsel, ihr- und Sie-Form verwenden dagegen den regulären Verbstamm beziehungsweise Infinitiv.
Nimm das Buch mit! – Nehmt das Buch mit! – Nehmen Sie das Buch mit! Der e/i-Wechsel gilt nur für die du-Form des Imperativs.
Typische Fehler beim Imperativ
Der häufigste Fehler ist, bei Verben mit e/i-Wechsel den Wechsel in der du-Form zu vergessen: „Gebe mir das!“ statt richtig „Gib mir das!“. Verben wie geben, nehmen, essen oder lesen behalten diesen Wechsel auch im Imperativ.
Ein zweiter Fehler ist ein fälschlich eingesetzter Umlaut in der du-Form: Bei fahren heißt es Fahr!, nicht Führ!, obwohl du im Präsens „du fährst“ sagst. Umlaute aus dem Präsens werden im Imperativ nicht übernommen.
Ein dritter Fehler betrifft das unregelmäßige Verb sein: Schüler schreiben oft „Bist leise!“ statt richtig „Sei leise!“. Sein bildet seinen Imperativ ganz eigenständig und muss als Ausnahme gelernt werden.
Tipps für die Klassenarbeit
Präge dir die unregelmäßige Form von sein besonders gut ein: Sei!, Seid!, Seien Sie! Da dieses Verb sehr häufig vorkommt, lohnt es sich, alle drei Formen auswendig zu wiederholen, bis sie sicher sitzen.
Prüfe bei Verben mit e/i-Wechsel im Präsens, ob dieser Wechsel auch im Imperativ gilt: Wenn du sagst „du gibst“ oder „du nimmst“, bleibt der Wechsel im Imperativ erhalten, während ein Umlaut wie bei „du fährst“ im Imperativ verschwindet.
Achte in Aufgaben genau darauf, welche Anredeform verlangt wird. Manche Aufgaben verlangen ausdrücklich die Sie-Form, etwa in einer formellen Bedienungsanleitung, andere die du- oder ihr-Form in einem persönlichen Brief oder Dialog.
Jetzt bist du dran
Wie lautet die du-Form des Imperativs von „nehmen“?
Noch nicht. „nehmen“ zeigt im Präsens den e/i-Wechsel (du nimmst), der auch im Imperativ erhalten bleibt: Nimm!
Das Wichtigste in Kürze
- Der Imperativ drückt Aufforderungen, Bitten und Anweisungen aus.
- Es gibt drei Anredeformen: du-Form, ihr-Form und die höfliche Sie-Form.
- Der e/i-Wechsel bleibt im Imperativ erhalten, ein Umlaut aus dem Präsens dagegen nicht.
- sein bildet den Imperativ unregelmäßig: Sei!, Seid!, Seien Sie!
- Typischer Fehler: Umlaut fälschlich in die du-Form übernehmen, etwa „Führ!“ statt „Fahr!“
Lektion abschließen
Schließe alle Aufgaben ab, um diese Lektion zu beenden.
Häufige Fragen zu Imperativ (Befehlsform)
- Was ist der Imperativ einfach erklärt?
- Der Imperativ, auch Befehlsform genannt, ist eine Verbform, mit der du eine Aufforderung, eine Bitte oder eine Anweisung ausdrückst, zum Beispiel „Komm her!“ oder „Bitte hilf mir!“. Er richtet sich immer direkt an die angesprochene Person.
- Wie bildet man den Imperativ?
- Die du-Form wird aus dem Verbstamm ohne die Endung -e gebildet (Komm!), die ihr-Form mit der Endung -t (Kommt!) und die Sie-Form aus dem unveränderten Infinitiv mit dem Pronomen Sie (Kommen Sie!). Verben mit e/i-Wechsel behalten diesen in der du-Form.
- Welche Verben haben einen unregelmäßigen Imperativ?
- Das Verb sein bildet seinen Imperativ ganz unregelmäßig: Sei!, Seid!, Seien Sie! Verben mit e/i-Wechsel wie geben oder nehmen behalten diesen Wechsel in der du-Form (Gib!, Nimm!), verlieren aber einen Umlaut aus dem Präsens wie bei fahren (Fahr!, nicht Führ!).
- In welcher Klasse lernt man den Imperativ?
- Der Imperativ wird meist in Klasse 6 systematisch behandelt, oft im Zusammenhang mit den Satzarten und der Konjugation der Verben. Erste einfache Imperativformen kennen Schüler aber häufig schon aus dem mündlichen Sprachgebrauch.
- Wann verwendet man die Sie-Form beim Imperativ?
- Die Sie-Form wird verwendet, wenn eine oder mehrere Personen höflich oder formell angesprochen werden, etwa fremde Erwachsene, Lehrkräfte oder in offiziellen Texten wie Bedienungsanleitungen und Rezepten für ein allgemeines Publikum.
- Warum entfällt die Endung -e oft in der du-Form?
- Früher war die Endung -e in der du-Form des Imperativs üblich, etwa komme oder gehe. Im heutigen Sprachgebrauch wird sie meist weggelassen, außer bei Verben, deren Aussprache ohne -e schwerfällt, zum Beispiel atme oder rechne.
- Steht nach dem Imperativ immer ein Ausrufezeichen?
- Häufig steht nach einer Imperativform ein Ausrufezeichen, besonders bei nachdrücklichen Aufforderungen. Bei ruhigeren, höflichen Bitten mit bitte kann aber auch ein einfacher Punkt stehen, das Satzzeichen richtet sich nach der Betonung der Aufforderung.
- Was ist der Unterschied zwischen der du-Form und der ihr-Form?
- Die du-Form richtet sich an eine einzelne, vertraute Person und wird meist ohne die Endung -e gebildet. Die ihr-Form richtet sich an mehrere vertraute Personen und erhält zusätzlich die Endung -t am Verbstamm.
Wiederhol diese Fragen später mit deinem Lernkarten-Trainer.
Das solltest du vorher können
Das kommt als Nächstes
- Nebensätze
- Wörtliche Redein Arbeit